ADB:Ahrens, Heinrich (Philologe)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ahrens, Heinrich (Philologe)“ von Albert Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 716–720, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ahrens,_Heinrich_(Philologe)&oldid=1986290 (Version vom 24. November 2014, 19:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Ayndorffer, Kaspar
Band 45 (1900), S. 716–720. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich Ludolf Ahrens in der Wikipedia
GND-Nummer 116257474
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|45|716|720|Ahrens, Heinrich (Philologe)|Albert Müller|ADB:Ahrens, Heinrich (Philologe)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116257474}}    

Ahrens: Heinrich Ludolf A., bedeutender Philologe, der sich durch ausgezeichnete Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete als einer der ersten Gräcisten seiner Zeit und durch hervorragende Thätigkeit als Schulmann einen großen Namen gemacht hat. Am 6. Juni 1809 zu Helmstedt als siebenter Sohn eines Lehrers geboren, trat er 1817 in das dortige Gymnasium ein und bezog Ostern 1826 die Universität Göttingen. Anfangs beabsichtigend Mathematik zu studiren, zogen ihn bald O. Müller’s und Dissen’s Vorlesungen so mächtig an, daß er sich für ausschließliches Studium der classischen Philologie entschied. Es herrschte damals unter den jungen Philologen in Göttingen ein reges Leben. Unter der Aegide Müller’s hatte sich eine philologische Societät gebildet, an der sich außer A. besonders v. Leutsch, Schneidewin, C. L. Grotefend, Emperius und Geffers lebhaft betheiligten. In diesem Freundeskreise nahm A. eine bedeutende Stellung ein, betrieb auch sonst seine Studien mit solchem Eifer und Erfolg, daß er schon im J. 1829, noch nicht ganz 20 Jahre alt, mit der Schrift „De Athenarum statu politico et litterario inde ab Achaici foederis interitu usque ad Antoninorum tempora“ einen akademischen Preis gewann – einer Arbeit, die von K. F. Hermann als erste schöne Frucht des Boeckh’schen „Corpus inscriptionum“ bezeichnet wurde. Nachdem er im September 1829 promovirt hatte, habilitirte er sich als Privatdocent und fand daneben provisorische Beschäftigung in den obersten Classen des Göttinger Gymnasiums. Zu Ostern 1830 an diesem definitiv angestellt, verließ er die Anstalt bereits nach einem Jahre, um eine Stelle als Lehrer am Pädagogium zu Ilfeld zu übernehmen. Hier verlebte er 14 glückliche Jahre in erfolgreicher amtlicher Thätigkeit, die ihm jedoch Muße zu wissenschaftlichen Studien ließ. In Ilfeld gründete er sich auch seine Häuslichkeit, indem er eine Tochter des damaligen Directors Schulrath Brohm heimführte. Im J. 1845 wurde er zum Director des Gymnasiums in Lingen ernannt, siedelte aber schon Ostern 1849 nach Hannover über, um an Stelle des hochbetagten, als Entzifferer der Keilschrift berühmten F. G. Grotefend das Directorat des städtischen Lyceums (jetzt Lyceum I) zu übernehmen. Dieser Anstalt hat er lange Jahre vorgestanden; in den fünfziger Jahren geführte Verhandlungen, ihn als Nachfolger Schneidewin’s nach Göttingen und darauf als Nachfolger Wiedasch’s nach Ilfeld zu ziehen, führten nicht zum Ziele. Zu Michaelis 1879 trat er in den Ruhestand, nachdem er schon einige Jahre vorher in der Person seines Nachfolgers Dr. Capelle für die Führung der Directoratsgeschäfte einen Assistenten erhalten hatte. Der nach 50jähriger amtlicher Thätigkeit wohlverdienten Muße hat er sich nicht lange erfreut; bereits am [717] 25. September 1881 machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende. Außer seiner Wittwe betrauerten zwei Söhne und drei Töchter seinen plötzlichen Heimgang.

Dieser äußerlich einfache Lebensgang ist mit nie rastender und höchst fruchtbarer Arbeit auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiete ausgefüllt. Bei Dissen und besonders bei O. Müller hatte A. die gründlichste und anregendste philologisch-historische Schulung genossen; bald gewann er auch enge Fühlung mit der selbständig auftretenden Sprachwissenschaft; Bopp und mehr noch Jakob Grimm zogen ihn mächtig an und bestimmten seine Anschauungen. So schuf er, indem er die Principien der Grimm’schen Forschung auf die griechische Sprache anwandte, bereits in Ilfeld mit völliger Beherrschung des gesammten damals bekannten Materials sein Werk über die griechischen Dialekte, durch das er der Begründer der neueren Dialektologie geworden ist. Dieses Werk (Band I: „De dialectis Aeolicis et Pseudaeolicis“ erschien 1839, Band II: „De dialecto Dorica“ 1843) wird für alle Zeiten zu den classischen Schriften der Philologie gerechnet werden, wenn es auch in Einzelheiten durch die neuere Forschung überholt ist. Leider ist es ein Torso geblieben, und eine von ihm später geforderte Neubearbeitung der vorhandenen Bände lehnte A. ab; da sein lebhafter Geist ihm stets neue Aufgaben stellte, liebte er es überhaupt nicht, auf ältere Arbeiten zurückzukommen. Auf gleichem grammatischem Boden liegen seine lange Jahre hindurch gepflegten Studien über den homerischen Dialekt, aus denen außer der Schrift „Ueber die Conjugation auf μι im Homerischen Dialekte“ (1838) zahlreiche Einzelaufsätze hervorgegangen sind, durch die über manche Punkte zuerst Licht verbreitet ist. Ein zusammenfassendes Werk auf diesem Gebiete ist die zunächst für Schulzwecke verfaßte „Griechische Formenlehre des homerischen und attischen Dialektes zum Gebrauch bei dem Elementarunterrichte, aber auch als Grundlage für eine historisch-wissenschaftliche Behandlung der griechischen Grammatik“ (1852. II. Aufl. 1869), in der das Verbum in einer eigenartigen, höchst geistreichen Weise dargestellt ist. Dieses Buch darf noch heute als das beste Hülfsmittel zur gründlichen Erlernung des homerischen Dialektes, sowie zur Erwerbung einer klaren Erkenntniß des Wesens der griechischen Conjugation bezeichnet werden. A. war Virtuos in der Darstellung grammatischer Lehren, und es beruht auf voller Wahrheit, wenn auf der Trierer Philologenversammlung (1879) der Präsident Usener von ihm sagte, er stehe seit 40 Jahren als der unbestrittene Meister der griechischen Grammatik da, der seiner Zeit weit vorauseilend die Methode Jakob Grimm’s für das Gebiet der classischen Philologie fruchtbar gemacht habe.

Nicht weniger hat A. als Textkritiker Vorzügliches geleistet. Es war nur natürlich, daß er den Lyrikern, insbesondere dem Alcaeus, der Sappho und Corinna, dem Pindar und Simonides, seine Thätigkeit zuwendete. Hervorragend ist seine Bearbeitung der Bukoliker, von denen er 1850 eine mehrfach wiederholte Textausgabe und in den Jahren 1855 und 1859 eine große Ausgabe in zwei Bänden erscheinen ließ. Von besonderer Bedeutung ist der auf der Philologenversammlung zu Göttingen (1852) gehaltene Vortrag „Ueber die Mischung der Dialekte in der griechischen Lyrik“, der mit seinen feinen Beobachtungen noch immer unerreicht dasteht. Auch mit Aeschylus hat sich A. eingehend beschäftigt. Schon sein Ilfelder Programm (1832) „De causis quibusdam Aeschyli nondum satis emendati“ hatte zur Folge, daß die Firma Didot zu Paris ihn für die Bearbeitung dieses Dichters gewinnen wollte; da aber die Anfrage durch einen Irrthum nicht nach Ilfeld, sondern an einen Homonymen gelangte, so kam der Plan zum Schaden der Sache nicht zur Ausführung. Seine Hauptschrift für Aeschylus sind die 1860 im 1. Supplem.-Bande des Philologus erschienenen „Studien zum Agamemnon“.

[718] In seinen späteren Jahren beschäftigte sich A. gern mit etymologischen Forschungen. Auch in diesen Arbeiten erkennt man seine umfassende Sprachkenntniß und seine glänzende Combinationsgabe; doch ließ er sich gerade durch die letztere öfters zu Aufstellungen verleiten, welche vor der Kritik nicht Stand gehalten haben. Nicht zu übergehen sind ferner einige Aufsätze über mythologische Gegenstände, wie die beiden Programme (1862, 1864), „Die Göttin Themis“ und die der hannoverschen Philologenversammlung (1864) gewidmete Begrüßungsschrift „De duodecim deis Platonis“, sowie die beiden auf dem Gebiete der Alterthümer liegenden kleinen Abhandlungen „Zur griechischen Monatskunde“ (1862) und „Ueber die Webstühle der Alten“ (1876). Noch im hohen Alter betheiligte er sich mit großer Frische an den Forschungen über die kyprischen (1876, 1887) und olympischen (1878, 1879, 1880) Inschriften.

Sein vielseitiges Interesse veranlaßte ihn auch, mitunter Abstecher auf ihm fern liegende Gebiete zu unternehmen. Einigermaßen hing es noch mit der Philologie zusammen, wenn er durch den hannoverschen Katechismusstreit darauf geführt wurde, in der Schrift „Das Amt der Schlüssel“ (1864) nachzuweisen, daß die Schlüssel Petri nicht Symbol des Pförtneramtes, sondern der Verwaltung des Reiches Gottes seien. Aber völlig außerhalb des Kreises seiner philologischen Studien stehen seine Abhandlungen „Tigislege, ein wichtiger Grenzpunkt der Landschaften Engern und Ostfalen“ (1871), „Ueber Namen und Zeit des Campus Martius der alten Franken“ (1872), sowie „Zur ältesten Geschichte des Klosters Loccum“ (1873, 1875, 1876).

A. war aber auch ein ausgezeichneter Schulmann. Dies bewies er namentlich als Organisator, wobei ihm zu Hülfe kam, daß die hannoversche Schulverwaltung einen Normalplan nicht kannte und den Directoren in ihren Bestrebungen gern freie Hand ließ. Hatte er schon in Lingen seine Tüchtigkeit in dieser Beziehung bewährt, so öffnete sich seiner Thätigkeit ein weiteres Feld in Hannover, wo sein Eintritt allerdings unter schwierigen Umständen stattfand, indem weder Lehrer noch Schüler ihm freundlich entgegenkamen. Einige Lehrer hatten in ihrem Interesse eine anderweitige Besetzung der Stelle gehofft und sahen sich jetzt enttäuscht; bei den Schülern der oberen Classen, auf welche das Jahr 1848 nachtheilig gewirkt hatte, war die Disciplin bedenklich gelockert; dazu hatten seltsame pädagogische Mißgriffe einzelner Lehrer, die der hochbetagte, früher so energische Director nicht mehr zu hindern vermocht hatte, ihr Autoritätsgefühl schwer geschädigt. Ahrens’ Umsicht und geistiger Ueberlegenheit gelang es indessen, in kurzer Zeit diese Schwierigkeiten zu besiegen und die Anstalt, deren Organisation eine veraltete war, auf einen durchaus neuen Boden zu stellen. In dem von ihm eingeführten Lehrplane bewährte er eine tiefe pädagogische Einsicht und traf, auch hier seiner Zeit vorauseilend, Einrichtungen, deren Richtigkeit die Lehren der erst Jahrzehnte später ausgebildeten Gymnasialpädagogik bestätigt haben. Besondere Verdienste hat er sich um den griechischen Unterricht erworben, für den er die unter seinem Namen bekannte Methode einführte. Nach dieser wird der Unterricht mit Homer begonnen, möglichst bald die Lectüre in Angriff genommen und im Anschluß an diese die Grammatik gelehrt; im zweiten Jahre wird der attische Dialekt in Anlehnung an den Homerischen erlernt. Der Beginn mit Homer war für den Privatunterricht schon früher empfohlen; A. ermöglichte ihn für den Classenunterricht durch Herstellung geeigneter Hülfsmittel („Griechische Formenlehre“ und „Griechisches Elementarbuch aus Homer“ 1850, 1870). Die von ihm geschaffene äußerst glückliche Verbindung des analytischen und synthetischen Verfahrens erleichtert das Erlernen der Sprache außerordentlich und führt schnell zu umfassender Lectüre. Nach dieser Methode ist in Hannover 30 Jahre von den verschiedenartigsten Lehrern mit dem besten Erfolge unterrichtet, [719] und sie hat wesentlich dazu beigetragen, die Leistungen im Griechischen am Lyceum auf eine anderwärts selten erreichte Höhe zu bringen (vgl. Programm v. J. 1860). Da sie jedoch einerseits von dem sonst üblichen Verfahren erheblich abwich und daher nur auf sehr wenigen Schulen zur Anwendung gebracht wurde, andererseits bei den preußischen Behörden, die über einige mit ihr verbundenen Uebelstände nicht hinwegsehen zu dürfen glaubten, Bedenken erregte, so hat sie nach Ahrens’ Abgange wieder aufgegeben werden müssen. Zweifellos wird jedoch die Zeit kommen, wo man den von A. gewiesenen Weg wieder betreten wird.

Als Director war A. ein gewissenhafter Verwaltungsbeamter und ein gerechter, aber stets wohlwollender Vorgesetzter, der die Individualität der Lehrer gern berücksichtigte und, wo es sich um die Interessen derselben handelte, auch wegen kleiner Dinge einem Conflicte mit der Patronatsbehörde nicht auswich. Bei der letzteren war er nicht beliebt; man scheute seine Ueberlegenheit, durch die er schließlich alle seine Pläne durchsetzte. In den nicht selten schwierigen Verhältnissen dem Publicum der Residenz gegenüber wußte er mit Sicherheit das Richtige zu treffen. Auf amtlichen Versammlungen, wie den hannoverschen von 1848 und 1861, auf denen allgemeine Schulfragen bezw. eine neue Reifeprüfungsordnung berathen wurden, und den später von der preußischen Verwaltung veranstalteten Directorenconferenzen war seine Stimme von großer Bedeutung. Daß er mit seinem scharfen Denken, seinen immer bereiten, reichen Kenntnissen, seiner Begeisterung für das Alterthum und seinem Verständniß für die Jugend als Lehrer Ausgezeichnetes leistete, kann nicht verwundern. Er war seines Erfolges stets sicher und hat sich bei seinen zahlreichen Schülern, zu denen nicht wenige bedeutende Gelehrte gehören, ein dankbares Andenken gesichert. Seine Schulreden, von denen einige im Druck erschienen sind (1868, 1879), sind kleine Cabinetsstücke, ausgezeichnet durch Gedankenfülle und schöne Darstellung. Auch für die Schulgeschichte ist A. thätig gewesen, indem er in zwei Programmen (1869, 1870) die ältere Geschichte des Lyceums behandelt hat.

Obwol er zu den Gründern des „Vereins deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten“ gehörte, hat er sich an den Zusammenkünften derselben nur einige Male betheiligt. Besonders hervor trat er in Göttingen (1852), wo er in der pädagogischen Section Thesen über seine griechische Unterrichtsmethode gegen lebhaften Widerspruch vertheidigte und in einer allgemeinen Sitzung den oben erwähnten schönen Vortrag hielt. Der Versammlung in Hannover (1864) präsidirte er, und seiner Gewandtheit ist es hauptsächlich zu danken, daß diese Tage einen so glänzenden Verlauf nahmen. Von großer Bedeutung ist seine Eröffnungsrede „Ueber den Zweck der Gründung des Vereins deutscher Philologen und Schulmänner“. In Heidelberg (1865) sprach er das Dankeswort, und in Trier (1879) wurde er am Tage seines 50jährigen Doctorjubiläums durch eine Ansprache des Präsidenten hoch geehrt.

An Ehrenbezeugungen hat es A. überhaupt nicht gefehlt. Die hannoversche und die preußische Regierung haben ihn wiederholt durch Ordensverleihungen ausgezeichnet; im J. 1867 ernannte ihn die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften zum correspondirenden und 1879 zum auswärtigen Mitgliede; seit 1863 war er Mitglied des Instituto di Corrispondenza archeologica zu Rom, Und 1879 wurde er auswärtiges Mitglied der Petersburger Akademie. Bei seinem Ausscheiden aus dem Amte wurde ihm der Charakter als Geh. Regierungsrath verliehen.

Seine Gesundheit war nicht die stärkste, doch ist er kaum jemals ernstlich erkrankt. Sehr störend war es für ihn, daß er schon in Ilfeld vom Schreibkrampfe befallen wurde. Eine zu Berlin unternommene Cur brachte ihn zwar [720] in näheres Verhältniß zu Männern wie Lachmann, Boeckh und Meineke, war aber für sein Leiden ohne Erfolg; er lernte daher links schreiben, was er bis zum Jahre 1869 übte, wo plötzlich die rechte Hand ihre Kraft wieder gewann. Seine Lebensweise war sehr regelmäßig. Er stand sehr früh auf und widmete die ersten Morgenstunden, ehe er zur Schule ging, seinen Studien. Nachmittags machte er ausnahmslos seinen Spaziergang und liebte es, nach demselben Schach zu spielen, worin er Meister war. Bescheiden wie er war, prunkte er nie mit seiner Gelehrsamkeit und seinen Erfolgen, sprach aber gern in der interessantesten Weise über seine augenblicklichen Forschungen. Er war ein gläubiger Christ ohne confessionelle Schroffheiten. In einem von ihm 1836 mit zwei befreundeten Collegen herausgegebenen Schulgesangbuch bezeichnet das Vorwort als Zweck die Belebung des christlichen Sinnes. Im J. 1869 ernannte ihn der König zum Mitgliede der hannoverschen Landessynode. Politisch ist er nur wenig hervorgetreten. Im J. 1849 war er Mitglied der damaligen ersten Kammer als Vertreter des höheren Lehrerstandes des Königreiches, gab aber durch eine in Gemeinschaft mit einigen anderen Abgeordneten erlassene Erklärung betr. Festhalten an der Reichsverfassung der Regierung großen Anstoß, so daß er sich bewogen fand, sein Mandat niederzulegen. Die Neugestaltung Deutschlands begrüßte er freudig.

A. war mit ausgezeichneten Gaben des Geistes ausgestattet; es vereinigten sich in ihm seltene Schärfe des Verstandes, die stets auf den Grund zu gelangen strebte, staunenswerthes Gedächtniß, geistvolle Combinationsgabe, außerordentliche Vielseitigkeit der Neigungen und Interessen und unermüdliches Vorwärtsstreben: so kann es nicht verwundern, daß er bei seiner nie versiegenden Arbeitskraft auf verschiedenen Gebieten Hervorragendes, zum Theil Unvergängliches geleistet hat.

Ein vollständiges Verzeichniß seiner Schriften findet sich in dem Buche „Kleine Schriften von H. L. Ahrens, besorgt von Carl Häberlin“, Hannover 1893, in dem eine Anzahl zerstreuter Abhandlungen gesammelt ist.

Vgl. O. Crusius’ Vorrede zu dem eben genannten Buche und Capelle im Programm des Lyceums vom Jahre 1882.
Albert Müller.