ADB:Holzappel, Peter Graf zu
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HolzapPel: Peter Melander Graf v. H., auch Hokzapfel (der
Ort heißt aber noch heute Holzappel), hessischer und kaiserlicher General, f 17. Mai 1648, wurde 1585 als der Sprosse einer reformirten Bauernfamilie zu Nieder-Hadamar an der Lahn in der Grafschaft Nassau geboren. Sein Vater Wilhelm Eppelmann war reitender Landknecht des Grafen Johann von Nassau-Hadamar. Seine Mutter Anna Lange stammte aus dem benachbarten Dorfe Elz. Ein rechtsgelehrter Bruder Wilhelms, Hans Eppelmann, hatte nach der Sitte damaliger Zeit den Namen Eppelmann in daß griechische Melander übersetzt und war Rath und Sekretär des berühmten Prinzen Moritz von Oranien und als Herr von Pyroyne ein angesehener Mann in den Niederlanden geworden. Um der Wittwe und den Kindern seines 1592 verstorbenen Bruders Wilhelm aufzuhelfen, kaufte Hanks ihnen 1606 den Adelshof der von Bell zu Hadamar, seitdem der Melandershof genannt, und bemühten sich die älteren Brüder Peter’s, Johann Georg und Jakob Eppelmann oder Melander, auf Grund dieses Besitzes um die adelige Qualität, die ihnen auch durch Kaiser Rudolf1l. verliehen zu sein scheint. Peter, der jüngste Sohn, machte seine ersten militärischen Versuche in den Niederlanden, 1615 diente er bereits der Republik Venedig und 162O war er Oberst eines Schweizerregiments zu Basel. In Folge der Auflösung der Union trat er wieder in venetianische Dienste (1625) und focht an der Seite der Franzosen 1628 im Veltlin und 1629 in der Lombardei gegen die KaiserIichen. Wie es scheint auf französische Empfehlung wurde MeLander im Frühjahr 1633 Generallieutenant und geheimer Kriegsrath in Diensten des Landgrafen Wilhelm ’. von Hessen-Cassel, welcher seit 1631 im engsten Bündnisse mit Schweden stand. Hier hat sich Melander sowol durch seine Kriegserfahrung, wie durch seine diplomatische Brauchbarkeit in den verwickeltesten Staatshändeln in kurzer Zeit großen Ruf erworben, um so mehr, als auch die Anträge der Republik Venedig, den Oberbefehl über ihre gesammten Streitkräfte zu übernehmen, sein Ansehen in Deutschland vermehrten. Gleich nach dem Falle von Paderborn (s. April 1633) legte er sich mit dem Herzoge Georg von Lüneburg vor Hameln, schlug ein zum Entsatze heranrückendes ligistisches Heer am 7. Juli 1633 bei Segelhorst und zwang Hameln zur Uebergabe (13. Juli 1633). Nach dem Verluste von Höxter an den ligistischen General Geleen (20. April 1634s) stellte sich Melander, die Wiedervereinigung mit dem Herzoge von Lüneburg suchend, dem weiteren Vordringen der Kaiserlichen entgegen, erlitt aber bei Herford am 2L. April 1634 eine vollständige Niederlage, bei welcher seine beiden hessischen Regimenter Kratzenstein und Dalwigk fast vollständig aufgerieben wurden. Bei Nieheim nochmals geschlagen, rettete sich Melander am 11. Mai 1634 mit großer Noth zu Herzog Georg von Lüneburg nach Soest, kehrte sofort aber dem Feinde wieder die Front zu, nahm am 18. Mai Lünen, am 26. Mai Hamm und stand am 31. Mai vor Münster. Verstärkt durch holländischen Zuzug wandten sich dann die Lüneburger und Hessen wieder zur Lippe zurück und nöthigten nach dem Falle von Borken (27. Juni 1684) den ligistischen General von Bönninghausen zum Rückzuge über den Rhein. Landgraf Wilhelm ehrte die Verdienste Melander’s durch die Schenkung der Benedektinerabtei Abdinghof bei Paderborn, während der schwedische Canzler Oxenstiern ihm e1. e1. Frankfurt am 16. September 1634 die oberelsäßfischen Herrschaften Pfirt und Landser im Sundgau übbrwies, in deren Besitz Melander auch bis zu seinem Eintritte in kaiserliche Dienste ver- [22] blieb. Trotz der Niederlage der Schweden bei Nördlingen 1684 behauptete sich Melander mit seinen Hessen in diesem und den folgenden Jahren in Westfalen. Er konnte zwar dm Verlust von Fulda und Hersfeld nicht abwenden, nahm aber.Rhenen und schlug am 27. Juli 1635 Vönninghausen bei Wildungen. In diese Zeit fallen wol die ersten Versuche des kaiserlichen Hofes, sowol den . Landgrafen Wilhelm von Hessen, wie seinen General dem Bündnisse zu entziehen, in welches Schweden seit 1681 und Frankreich seit 1634 den thatkräftigen Fürsten verstrickt hielten. Namentlich scheint man an Melander’s deutschpatriotischen Sinn appellirt zu haben, wie solcher allerdings unerwartet bei einem rauhen Zögling des brudermörderischen Krieges in einem Schreiben hervortritt, welches Melander Ende 1635 an den Grafen Johann Ludwig von Nassau- Hadamar richtete, als Antwort auf die Aufforderung als guter Deutscher` in des Kaisers Dienste zu treten, da Frankreich und Schweden doch Deutschland gegenüber nur eine Croberungspolitik verfolgten. Er sagt darin charakteristisch: („RsOtre IJJJ(O9119n0e) SO pear 8.8SSurer„ que „jsujs 11011 S6u19msi1t yr8„i .411em:-mmz3-is (1O p1us Wc-:SterWz1c1jsn, qui Mut 8„uts mt – 8O1o11 1e (1jre (1e ken IC. 1e xDrj11Oe I1aurjos ((1’0remge) – que (16uze 8utres t!11et118118. 0’s St pOurq11Oi 7. kJ. Vent meM–e 110r8 (1e ä0ubt9 – que Is ks„88e jstmajs 1A 1110i11(1re 011OsS c011trs mA 1JAt1–js er 1mtj011 811em9.1111O.“ . Dem entsprechend stellte Melander auch wirklich im Februar 1636 dem Landgrafen Wilhelm daß Bedenkliche des Verharrens in dem schwedisch-französischen Bündnisse vor, versagte seine Mitwirkung zu einer Offensive am Mittelrhein und erbat sich Urlaub nach Holland. In einem am 2. Mai 1636 an den Grafen Johann Ludwig von Nassau gerichteten Schreiben sprach Melander seinen bestimmten Entschluß aus in kaiserliche Dienste zu treten, sobald ein Abkommen mit seinem Herrn dem Landgrafen geschlossen sei, „denn“ fügt er hinzu „es sei sein sehnlichster Wunsch gegen die Franzosen zu fechten“. Der Friede zwischen Wilhelm und dem Kaiser kam aber nicht zu Stande, vielmehr wurde am 12. Juni 1636 ein noch engeres. Bündniß und ein Subsidienvertrag zwischen Frankreich und Hessen abgeschlossen und in Folge desselben der Landgraf im November 1636 in die Reichsacht verfälligt. Melander vereinigte seine Hessen mit den Schweden und entsetzte am Juni 1636 daß von den Kaiserlichen hart bedrängte Hanau. Indessen mußten die Verbündeten zum Schutze des von dem General Götz bedrohten Hessenlandes wieder dorthin zurückkehren und Melander’s Versuch die von dem baierischen General von Werth eng eingeschlossene Festung Ehrenbreikstein zu entsetzen mißlang cJanuar 1637,). Der im Herbste 1637 erfolgte plötzkiche Tod des Landgrafen Wilhelm V. hat zwar Pufendorf veranlaßt, gegen Melander den Verdacht der Vergiftung oder wenigstens der Mitwissenschaft an einer solchen zu erheben, indessen ohne allen Beweis und gegen die Wahrscheinlichkeit, da Melander nach wie vor nicht bloß der militärische Führer sondern auch der diplomatische Vertraute der Wittwe des Verstorbenen, der ebenso energischen, wie klugen Landgräfin Amalie Elisabeth blieb, welche mit großer Umsicht die Regentschaft des Landes gegenüber dem Vormunde ihrer Kinder, dem zur kaiserlichen Partei hinneigenden Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt, behauptete und die Politik ihres Gemahls noch energischer verfolgte. Melander vereidigte sein Kriegsvolk zu ihren Gunsten, und erzwemg am 3. Oktober 1637 von den ostfriefischen Ständen einen günstigen Verpflegungsvertrag und drängte vereinigt mit dem schwedischen General King die Kaiserlichen wieder nach Westfalen zurück. Obgleich, wahrscheinlich auf Melander’s Rath, am 10. März 1638 ein Waffenstillstand und am 22. August desselben Jahres sogar eine Friedenspunktation zwischen dem Kaiser Leopold I. und der Landgräfin zu Stande kamen, so scheiterte doch daß ganze Einigungswerk an der Langsamkeit und Unentschlossen- [23] heit des Wiener Hofes, und der Kühnheit und Schlauheit französischer Unterhändler gelang es die Landgräfin gegen ein Subsidieuversprechen von jährlich 300,00O Rthlr. am :z1. Oktober 1689 zu einem engsten Bündnisse mit Frankreich hinüberz1tziehen. Melander vereinigte seine 4500 Hessen mit dem Hecke des Herzogs von Longueville und den Lüneburgerr unter Klitzing bei Langensalza (15. Mai 164O), indessen führten die Operationen der Verbündeten gegen daß verschanzte Lager der Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini doch zu keinem anderen Erfolge, als zu einem Rückzuge des französischschwedischen Heeres und zu einem gründlichen Zwiespalte Melander’s mit dessen Führern und seiner Landesherrin, deren Politik er nicht billigte. Mitte Juli 1640 verließ Melander das Heer zu Eschwege und legte den Oberbefehl in die Hände der Landgräfin nieder, die ihm indessen einen ehrenvollen Abschied ertheilte. Die schon oben berührten Verhandlungen mit dem kaiserlichen Hofe, welche früher Melander die Aeußerung abgenöthigt hatten, er kommandire lieber als einziger General seine Hessen, als mit 27 Generalen und neugebackenen Grafen die Kaiserlichen, wurden mm unter der Vermittlung des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg wieder aufgenommen, Melander nahm seinen Wohnsitz auf dem Schlosse Angerort unterhalb Düsseldorf am Rhein, besuchte von hier aus in Angelegenheiten des Pfalzgrafen den kaiserlichen Hof zu Wien und wurde hier am 23. December 1641 mit seinem Bruder Jakob und dessen Söhnen Wilhelm Wigbold und Adolf zu einem Reichsgrafen v. Holzappel ers hoben. Die von seinen ehemaligen hessischen Waffenbrüdern im Frühjahr 1642 ausgeübte Plünderung des Schlosses Angerort glich der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm durch die am 15. Juli 1642 ertheilte Belehnung mit dem Schlosse und Dorfe Lülsdorf und den Dörfern Rantzel und Lohmar bei Siegburg am Rhein au, und da der Besitz eines reichsunmsttelbaren, womöglich mit Reichsstandschaft ausgerüsteten Gebiets von jeher das Bestreben deutschen Adels war, so erkaufte der neucreirte Graf am 17. Juli 1648 von seinem Landesherrn für den Preis von 64,000 Reichesthalern daß Gebiet der sogenannten Efterau mit der Vogtei Isfelbach und Eppenrod, im Ganzen 16 Ortschaften mit der alten nassauischen Stammburg Laurenburg. Kaiser Leopold bestätigte diesen Kauf, erhob daß Gebiet zu einer Reichsgrafschaft Holzappel, und bewirkte die Reception Melander’s unter dem Titel eines Reichzgrafen von Holzappel, Freiherrn zu Laurenburg und Herrn zu Lüködorf in daßs westfälische Grafenkollegium des deutschen Reichstages. Es verdient erwähnt zu werden, daß der neue Landesherr innerhalb seines Gebietes durchaus human und gerecht verfuhr, die 1630 abgeschaffte reformirte Kirchenordnung wiederherstellte (1646) und seine mit Nassau und Hanau gemeinschaftlichen Gesandten bei den Friedensverhandlungen zu Osnabrück den kaiserlichen Prätensionen gegenüber dahin instruirte „daß J. Kayserliche Majestät die evangelischen Stände ein mehreres nicht zumutheten, als sie vor diesem selbst gesucht, daß Ihnen widerfahren und sie nur bei frey und ungehinderker UebuUg ihrer Religion verbleiben mögten und nicht durch allerhandt herfürfuchende Veschwernissen den Bogen allzuhoch spanneten.“ Al Melander noch die Hessen befehligte, hatte ezs nicht an Einladungen an den thatkräftigen Kriegsmann gefehlt, in andere Dienste zu treten. Außer dem deutschen Kaiser, hatten sich Spanien, England, Dänemark, Portugal, Venedig und Brandenburg um den nun in seiner Abgeschiedenheit vom Schlachtfelde Grollenden bemüht. Die Abneigung gegen die Franzosen und ihr schnödes Spiel um die deutschen Länder scheint ihn, den eifrigen Protestanten, am Meisten für den Dienst des Kaisers bestimmt zu haben – daneben gewiß auch persönlicher Vortheik und Ehre. Am 15. Februar 1642 empfing er ein kaiserliches Feldmarschallspatent mit einem Jahresgehalte von 12 000 Thalern, doch trat Holzappel erst 1645 wieder in den Felddienst ein. Auf die Kunde von Wrangels Einfall in Westfalen, [24] während Turenne am Rhein die geistlichen Kurfürsten brandschatzte, suchte Holzappel zunächst daß Bergische zu schützen, zog dann mit 400 Reitern durch den Westerwald dem Erzherzog Leopold Wilhekm zu. Hülse an den Main und dann zum Landgrafen von Hessen-Darmstadt gegen die Landgräfin .Amalie Elisabeth nach Oberhessen. Die Kunde von dem Uebergange des hessischen Generals Rabenhaupt auf das linke Rheinufer, trieb ihn dorthin wieder zurück. Er befreite die jülichschen Plätze Euskirchen, Münstereifel, Niedeggen und Heinzberg, entsetzte daß kölnische Städtchen Zons, ging auf daß rechte Ufer hinüber und nahm am 30. November 1646 Paderborn, wo die ganze hessische Besatzung in seine Hände fiel. Nach dem Tode von Gallas wurde ihm der Oberbefehl über die gesammten kaiserlichen und ligistischen Völker angeboten, welchen Holzappel gegen ein Jahrestraktament von 12,000 Reichsthalern, ZOO Portionen und 200 Nationen täglich, sammt den Einkünften von den Stabßmarketendern und Krämern am 29. April 1647 unter der Bedingung annahm, von den Befehlen des Hofkriegsraths zu Wien vollständig unabhängig zu sein und zu bleiben. Als der fähigste Kapitän, wie die Franzosen sagten, ein ruinirtes Heer wiederherzustellen, wußte Holzappel in kurzer Zeit die fast ganz zu Grunde gerichteten kaiserlichen Streitkräfte wieder auf die Beine zu bringen. Sein Zeitgenosse Freiburger schildert ihn damals „alt und streng, sein Gesicht nicht freundlich, seine Sitten nicht überschön, aber in ihm ein neuer frischer Adel, fertig adelige Thaten zu thun, nicht bloß den Edelmann zu spielen.“ Im Juli 1647 konnte er, nachdem Wien gegen jeden Ueberfall befestigt, mit einem fast neu geschaffenen Heere von 25,000 Mann nach Böhmen zum Entsatze des von den Schweden belagerten Eger vorrücken. Zum Entsatze kam er zu spät und nachdem beide Heere sich einige Tage lang vergeblich beschossen hatten, mußte Holzappel unter bitteren Beschwerden über seine durch den Kriegsrath vereitelten Operationen wieder nach Pilsen zurück. Als im Oktober 1647 10,000 Baiern unter Gronsfeld zu Holzappel stießen, folgte er dem weichenden Wrangel durch Sachsen, Thüringen und Hessen und verwüstete daß letztere Land auf daß Furchtbarfte. Der Zwiespalt der beiden ligistischen Feldherrn – Gronsfeld klagte bitter über den Eigensinn, die Ungeduld und daß hochfahrende und eigenmächtige Wesen Holzappels – führte Ende November 1647 eine Trennung beider Armeen herbei. Die kaiserliche legte sich, während einige Regimenter die Schweden bis nach Thüringen hin verfolgten, vor Marburg. Die Stadt fiel am 14. December 1647, doch hielt sich daß feste Schloß. Holzappel wurde am 28. December, als er eben unter Trompetenschall sich zur Tafel niederlassen wollte, durch vom Schlosse herunter abgefeuerte Kanonenschüsse, welche die Deckbalken des Speisezimmers zerschmetterten, erheblich verwundet und im Januar 1648 zum Rückzuge nach der Donau genöthigt. Hierhin folgte ihm Wrangel, nach der Vereinigung mit dem französischen unter Turenne beinahe 30,000 Mann stark. Holzappel und Gronsfeld überschritten die Donau bei Günzburg, während gleichzeitig (13. Mai 1648) die Schweden und Franzosen etwas oberhalb bei Lauingen über den Strom setzten. Die Reiter-ei derselben unter Königsmark folgte Holzappel, der das Hintertreffen der Kaiserlichen persönlich befehligte, bei dessen Rückzuge auf Augsburg. Am 17. Mai 1648 kam es bei Zusmarshausen zu einem heftigen Gefechte. Holzappel suchte seine weichenden Truppen zum Stehen zu bringen und warf sich den Degen in der Faust ins Getümmel, als ihn zwei Schüsse in den Leib und die Schulter zu Boden streckten. Den beispringenden Ofsicieren rief er als kt-tzte Worte zu: „Denkt nicht an mich, ich bin todt! Sucht über den Fluß zu kommen, wenn ihr daß Glück des Kaisers retten wollt! Vorwärts, vorwärts!“ Man schaffte noch am Abende den sterbenden Helden in den Gasthof zur Traube in Augsburg, wo Holzappel wenige Stunden [25] Nachher verschied. Holzappel’s Leiche wurde unter g.xoßen militärischen Ehren zuerst nach Regensburg, später aber in seine Grafschaft an der Lahn gebracht und dort in der Kirche zu Langenscheid neben seinem 1644 verstorbenen Töchterlein Ludovika beigesetzt. Aus rechtmäßiger Ehe mit Agnes von Effern genannt Hall, verwittweten von Platen, hinterließ er nur eine Tochter Elisabeth Charlotte, geb. am 19. Februar 1640. Mit seiner Dienstmagd Catharina Winter aus Neumark hatte er zwei natürliche Söhne: Hektor von Holzappel, gestorben als holländischer Hauptmann 1647, und Johann Wilhelm, geblieben als holländischer Generalmajor am Boynefluß 1690. Eine mit Catharina Gottorp aus Werl erzeugte natürliche Tochter Catharina starb 1715. Ueber das am 4. Juli 1645 zu Cöln errichtete Testament Holzappels, worin er selbst sein Vermögen zu 1,386,229 ReichBthaler angab, entstand zwischen den inftituirten Erben, den Söhnen seines älteren Bruders Jakob Grafen von Holzappel, und der Tochter des Erblassers ein Prozeß, der 1654 durch Vergleich dahin entschieden wurde, daß Elisabeth Charlotte die Vettern mit Geld absand und die Regierung sowol der vom Vater ererbten Reichsgrafschaft Holzappel wie der von der Mutter 1656 erkauften angrenzenden Reichsherrschaft Schaumburg antrat. Sie hatte sich 1658 mit dem Prinzen Adolf von Nassau-Dillenburg vermählt und ist 1707 gestorben. Durch weibliche Nachfolge ist in der noch heute bestehenden Standesherrschaft da-s fürstliche Haus Anhalt-Bernburg der Erzherzog Stephan von Oesterreich und zur Zeit der Großherzog von Oldenburg succedirt. Melander war ein Mann von riesenmäßigem Körperbau „über sieben Fuß gehend und stehend", wie der Notar in seinem Testamente sagt, von strengem, finsteren Wesen, der echte Bauer des Westerwalds „derb, beharrlich, unerschütterlich, stets schlagfertig, wie der Sohn des sogenannten Schwere-Krenklandes noch heute erscheint.“ „Während die Erlauchtetesten seiner Zeitgenossen, befangen in religiösem Hader oder den nichtswürdigsten persönlichen Interessen daß Vaterland hinschlachten halfen, hat er, der Bauernfohn, nachdem er Jahre lang den Fremden gedient, der Erste vielleicht von allen Deutschen die Folgen einer sokchen Dienstbarkeit erkannt und nach Kräften sich bemüht, seine Landsleute deren zu entledigen." Also daß Urtheil Strambergs, welches wir mit Hinblick auf die Ziffer des von Melander hinterlassenen Vermögens nicht unbedingt unterschreiben, ix1sofern Stramberg seinem idealisirten Helden allein edle patriotische und darum schon nicht zeitgemäße Motive unterschiebt. Gerade in dem klugen, sparsamen, aber rücksichtslosen Streben nach Geld-, Chr- und Gutsgewinn ist sowol die Herkunft, wie die allgemeine Denkungs art der Zeitgenossen Mekander’s aufß deutlichste ausgeprägt und er ein echter Repräsentant des 30jährigen Kriegs. Als Beleg für unsere Ansicht führen wir an, daß Melander bei einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg im Juli 1639 zwar seine große Vetrübniß aussprach, „daß er mit Oblation etlicher hundert Tausend Franken unaussätzlich allicirt werde, mit seinem hessischen Volke zu den Franzosen zu stoßen, daß er nimmer einen Ausländischen als Kaiser oder Herr im Reiche anerkennen und lieber dazu cooperiren wolle, in seinem Vater- - lande deutscher Nation die alte Verfassung wiederherzustellen", nichts destoweniger aber 30,000 Reichsthaler für sich, 1000 Thlr. für seine Gemahlin, 500 Thlr. für den General-Kriegscommissar und 1000 Thlr. für die hessischen Räthe in Empfang nahm gegen daß Versprechen mit seinen Truppen daß Herzogthum Berg zu räumen.
Staatsarchive zu Coblenz, Düsseldorf und Idstein. Arnoldi, Histor. Denkwürdigkeiten, S. 156–183. v. Stramberg, Rhein. Antiquarius, II. Z, S. 273 fgg. Barthold, Gesch. des großen deutschen Kriegs 2c.