ADB:Kiesewetter, Johann Gottfried Karl Christian

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Artikel „Kiesewetter, Johann Gottfried Karl Christian“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), ab Seite 730, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kiesewetter,_Johann_Gottfried_Karl_Christian&oldid=555804 (Version vom 25. Dezember 2009, 07:14 Uhr UTC)
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Kieser, Dietrich Georg von
Band 15 (1882), ab Seite 730. (Quelle)
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KieseWetter: Joh. Gottfr. Karl Christian K., geb. am 4. Novbr. 1766 in Berlin, f ebendort am 19. Juli 1819, Sohn eines Küsters, welcher zugleich als Schullehrer im Gensdarmenregiment fungirte, besuchte seit 1776 daß Pädagogium der Realschule und trat 1780 auf ein Jahr in die Oberclasse des Gymnasiums zum grauen Kloster ein, von wo er durch ein kurmärkisches und ein magistratisches Stipendium unterstützt, sofort an die Universität Halle überging. Dort hörte er theologische Vorlesungen bei Semler und Niemeyer, Philosophie bei Eberhard und Jakob, welch` letzterer ihn zum Studium Kant’s anregte, ferner Philologie bei Fr. Aug. Wolf und Mathematik bei Karsten; noch als Student gab er im Halleschen Waisenhaus mathematischen Unterricht. Von der philosophischen Fakultät wärmstens empfohlen, erhielt er ein Reisestipendium von ZOO Thlrn., sodaß er im Herbste 1788 sich nach Königsberg begeben konnte, um Kants Vorlesungen zu besuchen und demselben persönlich näher zu treten. Nach Berlin zurückgekehrt (1789), erhielt er den Auftrag, den drei jüngsten Kindern des Königs Unterricht in Mathematik und Philosophie zu ertheilen, und nachdem er 1790 von Halle aus daß philosophische Doctordiplom empfangen hatte, wurde er nach einer kürzeren abermaligen Reife nach Königsberg im J. 1798 in Berlin zum Professor der Philosophie ernannt mit der Obliegenheit, an der damaligen medicinisch-chirurgischen Pepinisre Mathematik und Philosophie zu lehren, welche Thätigkeit ihm auch verblieb, als jene Anstalt (1798) eine Abtheikung der Militärakademie wurde, und ebenso, als 1807 die Kriegsschule entstand. Im J. 1804 unternahm er im Auftrag der Regierung eine Reise durch Deutschland, Frankreich, Schweiz und Italien, um über die Militärbildungsanstalten dieser Länder Bericht zu erstatten. Bei Veginn des Befreiungskrieges (si813) zog er sofort als Freiwilliger mit und wurde dem Wittgenstein’schen Hauptquartiere zugetheilt, erkrankte aber bereits in Weimar und sah sich genöthigt, nach Berlin zurückzukehren, wo er nie mehr volle Genesung fand und nach zweijährigem Krankenlager starb. – Stets für Kant schwärmend, war er in Berlin der maßgebendste Verbreiter der Philosophie des selben geworden, indem er theilß Einzelnausführungen kantischer Grundlagen gab, theils durch popularisirende Auszüge den Uneingeweihten (fauch den Damen) die Sache mundgerecht zu machen sich bemühte. Er schrieb: „Ueber die ersten Grundsätze der Moralphilosophie“ c“1788 f., 2. Aufl. 1804), „Verfuch einer faßlichen Darstellung der wichtigsten Wahrheiten der neuen Philosophie für Uneingeweihte“ (1795, 2. Bd. 1803; in 4. Aufl. in einem Bande redigirt von Flittner, 1824), „Außzug auS Kant’s Prolegomena“ (1796), „Grundriß einer allgemeinen Logik nach kantischen Grundsätzen" (si796, 4. Aufl. 1824), „Prü- fung der Herder`schen Metakritik“ (1799s), „Faßliche Darstellung der ErfahrungZ- Seelenlehre“ (1803- 2. Aufl. 1806„), „Die ersten Anfangsgründe der reinen Maihematik“ (1804, 4. Aufl. 1818), .,Hodegetik“ (1811s); außerdem eine Uebersetzung von Lacretelle“ß Geschichte Frankreichs (1815). In der „Altpreußischen Monatsschrift“, Bd. I0’, Heft 3, sind 15 Briefe Kiefewetter’s an Kant veröffentlicht. Chr. Gottfr. Flittner in der erwähnten 4. Auflage unter dem Titel: „Kiesewetter’s Darstellung der wichtigsten Wahrheiten der kritischen Philosophie nebst Lebensbeschreibung des Verfassers (1824).

Prantl.
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