ADB:Merian, Jean Bernard
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Merian: Johann Bernhard M., geb. am 28. Sept. 1723 in Liestall bei Basel, –i“ in Berlin am 12. Februar 1807, Sohn eines Pfarrers, bezog bereits 1737 die Universität Basel, wo er Philologie und Philosophie studirte, aber von dem dort vertretenen Cattesianisms sich nicht angezogen sühlte. Nachdem er 1740 die Doctorwürde erlangt hatte, bewarb er sich viermal vergeblich um eine Universitäts Lehrstelle, wozu er jedesmal eine Abhandlung drucken ließ (1740 „1)e autoo11ejrja 1742 „1)e p0(:c:1tis p0ötarun1 -1(13-–ersus r11eto1–j(:es praecepm 1743 „1)e. Subsjäijs quse requj1–untu1– a(1 j11tenjgenäum ll0merunr„ 1744 [429] „8z11ogs obsersstjo11un1 11jst01–iosru1n“), und nach solchem Mißerfolge wandte er sich zur Theologie, in welcher er jedoch seine Befriedigung nicht fand. Er ging auf einige Zeit nach Lausanne zu Verwandten und nahm dann eine Hofmeisterstelle in Amsterdam an; im J. 1749 aber schlug ihn Maupertuis auf Empfehlung Bernoulli’s als Mitglied der Berliner Akademie vor, und freudig trat M. in diesen Wirkungskreis ein. Alsbald war er veranlaßt, in einer widerlichen Streitigkeit, welche Samuel König gelegentlich der Frage über das Princip der geringsten Action (die sog. I.er mjnimi) gegen Maupertuis führte (s. Allg. D. Biogr., Bd. I0’l, S. 322) das Wort für letzteren zu ergreifen, wobei er sogar Culer’s Zustimmung fand. Für Maupertuis verfertigte er auch eine Uebersetzung der philosophischen Schriften David Hume’s, welche Formey mit einer Vorrede und Anmerkungen begleitete (1751 ff.). Im J. 1767 wurde M. Juspector des französischen Collcgiums in Berlin und 1770 Director der in der Akademie bestehenden Abtheilung für die schönen Wissenschaften, in welcher Eigenschaft er die Berichte über die einlaufenden Arbeiten auswärtiger Gelehrten zu verfassen hatte. Seit 1770 trat er auch in näheren Verkehr mit Friedrich d. Gr., welcher ihn fortan in wissenschaftlichen und Personal-Fragen zu Rothe zog, und diese Stellung bei Hof wurde noch dadurch verstärkt, daß M. eine Tochter des mit dem Könige innig befreundeten Gehoimen Rathes Jordan (s. Allg. D. Biogr., Bd.R1R’, S. 505) heirathete. Zum Visitator des Joachimsthaler Gymnasiums ernannt (1773s) begann er einen äußerst günstigen Einfluß auf allmälige Umgestaltung des Unterrichtes auszuüben; den im J.1775 zum Rector der Anstalt ernannten Meierotto, mit welchem er bald enge Freundschaft schloß, führte er mittelft einer deutschen Rede in sein Amt ein. Nach dem Tode Formeys’4s, welchem er auch die übliche Gedächtnißrede hielt, wurde er 1797 ständiger Sccretär der Akademie. In den Publicationen dieser gelehrten Gesellschaft war von ihm seit seinem Eintritte eine reiche Zahl von Abhandlungen erschienen: „l.’siIpO1–(:epti011 c1enOt1–(z ;.sr0pro oz;isten(:e** (si749), „1.’o1istc11(:e (1es j(16508 (1en1S 1’sin1e*“ (1749s), „ro.clj011„ r1 pujsa110e er 1a1j118rt(s“ (1750, eine sehr schwache Erörterung des Freiheitsproblemes), „R060:cjo11S p11j1oso1311jques Sur 1A resO1nl-121nc0“ (1751, gegen Leibniz), damit verwandt „1.e p1–ju(3j1ze (1es incljs– ce1–1r1b1es t1754), „8111– 1’j(1OIII.itts 11umsrjqus (1755), „1’u1–A11esie (1e äeu1 prj11cj1)08 o10 1–-S)–c11o1ogiO“ (1757, nämlich über den Locke-Condillac’schrn und den Leibniz’schen Standpunkt mit dem Nachweise dessen, worin beide Recht und beide Unrecht haben,), „1.0 S0118 111or81s– (’1758, anschließend an die schottische Schule), „1e äcksi1– (41760D, „l–e 8ujejc10 (si768–)“, -.1)jscou1s Su1– 1A n1et.8p11z–8jque (1765), „l.:1 c1u1–6e et 1’j11t0nsjt(s (1u 131Aisj1– er (10 1x1 p0j11e“ (1766„). Dann folgte eine französische Uebersetzung des Gedichtes des Claudianus „K:11ztus?rose1–pj11ue“ mit historisch- Lritischer Einleitung (17674) und hierauf unter dem Titel „8zst(Zm0 (ju mo11c1e“ E1770) eine Bearbeitung der kosmologischen Briefe Lambert’s; eine Reihe akademischer Abhandlungen betraf sodann (si774–77) daß sog. Problem I1o1z-11(zu1- d. h. die Frage, ob ein Blindgeborem-r, wenn er später die Sehkraft erlangt, o durch bloßen Gesichtssinu ohne Veiziehung des Taftfiunes einen Würfel von einer Kugel unterscheiden könne, wobei M. nach erfolgloser Prüfung aller verschiedenen Ansichten mit dem Voischlage schließt, eine Anzahl Findelkinder mehrere Jahre in absolut finsterem Raume nach Art der Blinden zu pflegen und dann in das Licht zu entlassen, um zu erfahren, was sie vom Würfel sagen. Gleichfalls eine größere Zahl von Aufsätzen (1774 –91) betrifft die Frage „cI01mi1ent 1escj9110Os j11tiusi1t–911es Sur 1a poö8jes welche er geschichtlich bis in daß 15. Jahrhundert versolgt und in dem Sinne beantwortet, daß wissenschaftliche Lehren für Poesie untauglich und nachtheilig seien. Inzwischen folgte „8111– runiye1siits (1e1A 1Angu(z irA11§8ise“ (178s) und „8j 1i0111ßzrs 9. 60rjt S88 [430] 1zoözms (1788 f.), welche Frage er in einer Weise verneinte, daß ihm hierfür Fr. Aug. Wolf in den 19ro10go1ver18 seine Anerkennung aussprach. Zur Philosophie wieder zurückgreifend veröffentlichte er in den Abhandlungen der Akademie „8u1s 1e pb(511omsnjsn1e (10 1). k1un1e“ (1793), worin er die Ansicht aussprach, daß Hume’s Skepsis über das Ziel hinaus schieße, und „rzrsi1CJ1e 11jstorique (le nos p11j1osop11js uettjona1es“ (1797), wo er zu dem seichten Ergebnisse gelangt, daß die nun Aufsehen erregende Philosophie Kant’s wohl in bälde ebenso vergessen sein werde, wie jetzt die Wolff’sche Philosophie. M. war sicher kenntnißreich, aber eine hervorragende Stellung in der Philosophie kann ihm nicht zugewiesen werden, denn er ist ebenso wie sein Amts Vorgänger Formey (s. Allg. D. Biogr. Bd. N1, S. 156) ein Eklektiker mit Hinneigung zur empirisch-psychologischen Auffassung der speculativen Fragen. Er bekämpft mit Vorliebe den Wolff’schen Dogmatisms und auch die Leibniz’sche Philosophie, denkt aber doch an eme Vereinbarung derselben mit den Grundsätzen der schottischen Schule und möchte alle tieferen Probleme in eine Art Naturgeschichte der Seele umsetzen. Bj0grs.pbje uniysrsene„ 2. Aufl. Bd. )0LR’III, S. 29 (der Nekrolog der 1. Aufl. fand eine deutsche Uebersetzung in „Zeitgenossen, Neue Folge“, Bd. II (1822), S. 135). Fr. Ancillon, k1l0g0 k1istorique (1S tl. ls. 1Nlesi–io11 (si810). Chr. Bartholmeß, 11jstojre 1D11j1oso1z11ique (1O 1’.4oe1(16mie c1e 1’1–use (1850 f.) Bd. 1l, S. 32 ff.