ADB:Oehler, Gustav Friedrich

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Artikel „Oehler, Gustav Friedrich“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1886), S. 181–185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oehler,_Gustav_Friedrich&oldid=2244326 (Version vom 19. Dezember 2014, 09:28 Uhr UTC)
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Oehler: Gustav Friedrich O., geb. am 10. Juni 1812 zu Ebingen, Oberamt Balingen (Würtemberg), † am 19. Februar 1872 als Ephorus des theologischen Seminars und ordentlicher Professor der evangelischen Theologie zu Tübingen, einer wenig bemittelten, aber kinderreichen Familie entsprossen, brachte seine Schülerjahre in dem kleinen würtembergischen Landstädtchen zu, wo sein Vater Präceptor war. Eine ziemlich harte, vielgeprüfte Jugend war ihm beschieden; mit neun Jahren verlor er seine Mutter, geb. Gastpar, welcher er innig nahe stand, die zweite Frau seines Vaters starb nach kurzer Ehe, die dritte Frau Friederike geb. Winter dagegen überlebte Mann und Stiefsohn und der einzige Sproß dieser Ehe Victor Friedrich stand im trautesten geschwisterlichen Verhältniß zu dem älteren Bruder. Eine Arbeitsbiene ersten Ranges, welcher das Lernen nur Freude und Genuß war, reich begabt, mit hervorragendem Gedächtniß ausgerüstet, mit besonderer Anlage und Vorliebe für sprachliche Studien, war er im Stande, leicht die verschiedenen Examen, welche die Laufbahn des würtembergischen Theologiestudirenden umgrenzen, mit Auszeichnung zu bestehen; im niederen Seminar Blaubeuren, wo er die Jahre 1825–1829 zubrachte, gewann Baur entschiedenen Einfluß auf ihn, allerdings nicht in religiöser Hinsicht, aber durch den ganzen Ernst seiner Wissenschaftlichkeit und durch die feine Art, mit welcher er seine Zöglinge in Geist und Wesen des classischen Alterthums einführte. In Tübingen (1829–1833) traf er wieder Baur als Lehrer, daneben Kern, Steudel und Christian Friedrich Schmid; der letztere übte durch seine einfache evangelische Frömmigkeit, noch mehr durch die tiefe und anregende Behandlung seines wissenschaftlichen Materials, besonders in der neutestamentlichen Theologie, den nachhaltigsten Einfluß auf ihn aus. Ein stilles, zurückgezogenes Leben hatte der ernste Student geführt, Mittellosigkeit und eigene Neigung schon von der Knabenzeit her, ein Gehörleiden, das sich während des Blaubeurer Aufenthalts gebildet hatte und leider nie mehr wich, hatten ebensoviel Theil an dieser Stilleinsamkeit als sein brennender Eifer zu lernen; mit den reichsten Kenntnissen ausgestattet, die sich nicht blos auf Theologie und Philosophie erstreckten, sondern [182] besonders auch in orientalischen Sprachen ganz beträchtlich waren, verließ er die Hochschule, seiner inneren religiösen Entwickelung nach dem würtembergischen Pietismus zugehörend, an welchen er sich in der letzten Zeit seines Tübinger Aufenthalts angeschlossen hatte. Er war eine zu klare und wissenschaftlich zu tief gegründete Natur, um kritiklos einer bestimmten Richtung anzugehören, vor allem auch ein zu selbständiger Charakter, um sich blindlings und durchaus einer Partei hinzugeben; die negativen Resultate der kritischen Schule Baur’s befriedigten sein aufs Positive gerichtetes Streben so wenig, wie Hegel’s speculative Philosophie sein frommes Gemüth, dem von früher Jugend an eine tief gewurzelte Achtung vor dem Worte Gottes und dessen Inhalt innewohnte. Den positiv biblischen Standpunkt, wie er in der älteren würtembergischen Theologie besonders durch Bengel vertreten war, hielt er sein Leben hindurch fest, seine wissenschaftliche Tüchtigkeit bewahrte ihn aber vor Einseitigkeit und Schroffheit.

Vom April 1834 bis April 1837 war er theologischer Lehrer am Missionshause in Basel; ein ausgesprochenes Lehrtalent machte ihm diesen Beruf leicht und lieb, derselbe bildete zugleich eine treffliche Vorschule für die spätere akademische Thätigkeit; die warme Theilnahme für die Mission und ihre Zwecke behielt er von dort an, stets begleitete er die Erfolge der Basler Mission mit dem lebhaftesten Interesse und wenn er auch bei Missionsfesten etc. nicht redend auftrat, so hatte die Mission doch stets einen beredten Vertreter und Vertheidiger an ihm. Am 6. Juni 1837 erwarb er sich in Tübingen den philosophischen Doctorgrad, dann trat er, schwäbischer Sitte gemäß, eine wissenschaftliche Reise an, die ihn über München und Erlangen nach Berlin führte, wo er bei Bopp, Petermann und Schott seine sprachlichen Studien fortsetzte. Im Herbst desselben Jahres wurde er Repetent am theologischen Seminar zu Tübingen; seine Bedeutung und Begabung für ein akademisches Amt war damals schon so anerkannt, daß bei jeder Besetzung des dogmatischen oder alttestamentlichen Lehrstuhls seine Person in Frage kam, so nach Steudel’s Tode † am 24. October 1837), ebenso im J. 1848, nach Ewald’s Weggang von Tübingen, beidemal scheiterte die Sache besonders an dem Widerspruche Baur’s. Mannhaft mit christlichem Muthe ertrug Oe. diese herbe Prüfung, einigermaßen entschädigt durch den Beifall, welchen seine Vorlesung über die Theologie des Alten Testaments bei den Studenten fand. Im Frühling 1840 wurde er Stadtvicar in Stuttgart, im August erstand er die philologische Professoratsprüfung, im Herbst d. J. wurde er zum Professor am niederen Seminar in Schönthal ernannt. In die neue Heimath führte er seine Frau Luise geb. Steudel, Tochter des verstorbenen Professors Steudel von Tübingen, mit welcher er sich am 3. November vermählt hatte; vier Jahre brachte er in dem ehemaligen abgelegenen Cistercienserkloster zu, ein höchst anregender Lehrer, der vortrefflich verstand die Schätze seines Wissens in edler Popularität und Klarheit vor den ihm anvertrauten Zöglingen auszubreiten, und dem man anfühlte, daß er treu und gewissenhaft das Beste ihnen zu geben suchte, genoß er bei Schülern und Collegen (Roth, Klaiber, Eyth) großes Ansehen. Seine litterarischen Arbeiten machten ihn auch außerhalb seines schwäbischen Vaterlandes bekannt; er war Mitarbeiter an verschiedenen gelehrten Zeitschriften, im Auftrag der Familie hatte er 1840 „Steudel’s Vorlesungen über die Theologie des Alten Testaments“ herausgegeben, Anfang 1845 erschien sein Erstlingsswerk „Prolegomena zur Theologie des Alten Testaments“, Stuttgart. Unmittelbar vorher (30. December 1844) hatte ein Ruf nach Breslau als ordentlicher Professor der Theologie ihm die längst ersehnte, seiner Bedeutung angemessene Stellung gegeben. Zunächst fand er allerdings in Schlesien nicht die Anerkennung, welche er von Würtemberg aus erwarten durfte; die weitverbreiteten lichtfreundlichen Bestrebungen waren dem positiv gerichteten Theologen nicht günstig, seine [183] Vorlesungen (sie erstreckten sich auf Dogmatik, biblische Theologie des Alten und Neuen Testaments, Exegese alter und neutestamentlicher Schriften etc.) waren anfangs sehr schwach besucht, die Ungunst der Zeitverhältnisse, das Revolutionsjahr 1848, die Choleraepidemien von 1848 und 1849, welche letztere ihm ein liebliches Kind raubte, trugen nicht dazu bei, seine Stellung angenehmer zu machen. Dem conservativen ordnungsliebenden Manne waren die Ausschreitungen von 1848–1849 ein Gräuel, als frommer Christ litt er schwer unter der Verachtung des göttlichen Wortes, umsomehr war sein Bemühen darauf gerichtet, mit Gleichgesinnten die positiven Kräfte zu sammeln und zu stärken. Er trat in die Redaction des evangelischen Kirchen- und Schulblattes für Schlesien ein, nahm regen Antheil an den Bestrebungen der inneren und äußeren Mission, wurde Mitglied des Kirchentags etc. In seiner eigenen religiösen Anschauung vollzog sich ein gewisser Umschwung, er neigte sich immer mehr der lutherischen Richtung zu, ohne daß er indessen die schroffe exclusive Haltung der strengen Altlutheraner theilte, wie er auch seine Beziehungen zu den würtembergischen Pietisten nicht abbrach, sondern im regsten Verkehr mit ihnen blieb. Auch mit den Mitgliedern der herrnhutischen Gemeinde Gnadenfrei stand er in freundlicher Verbindung. Allmählich errang sein Eifer und seine Tüchtigkeit das, was ihm gebührte, im J. 1845 wurde er Vorstandsmitglied des praktisch theologischen (homiletischen) Seminars, in demselben Jahr Mitglied der theologischen Prüfungscommission, zwei Jahre später der Prüfungscommission der Provinz, so daß freilich der Examen kein Ende war; auch theologische Ehren häufte er sich auf sein Haupt. Am 9. November 1845 erhielt er das theologische Doctordiplom hon. causa von Bonn, am 4. November 1846 wurde er Mitglied der deutschen morgenländischen Gesellschaft, am 18. October 1851 Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig. Da kam im Juni 1852 an ihn der Ruf, nach dem Rücktritt W. Hoffmann’s das Ephorat des höheren evangelischen Seminars (Stiftes) und zugleich die Lehrstelle des ordentlichen Professors für alttestamentliche Theologie in Tübingen zu übernehmen. Mit Freuden sagte er zu und im Spätsommer 1852 zog er in die Heimath, an welcher sein Herz stets gehangen hatte.

In Tübingen in der genannten Stellung brachte Oe. die letzten 20 Jahre seines Lebens zu, Jahre fleißigster angestrengtester Arbeit, aber auch reichen Segens und wachsender Anerkennung. Mit musterhafter Pünktlichkeit und Treue verwaltete er das ihm übertragene Doppelamt; seine natürliche Reizbarkeit, ein durch sein Gehörleiden gesteigertes Mißtrauen, eine mannigfach hervortretende Heftigkeit seines Temperaments, erschwerten ihm seine verantwortungsvolle Stellung; seine persönliche Einfachheit und Genügsamkeit, die selbst erlebte harte Jugend raubten ihm manchmal den Maßstab für die Beurtheilung des studentischen Lebens mit seinen entschuldbaren und strafbaren Auswüchsen, seine Entschiedenheit konnte sich zur Härte und Schroffheit steigern, aber diese Mängel verschwanden neben der Gewissenhaftigkeit, mit welcher er über seine Zöglinge wachte, neben der pädagogischen Weisheit, mit welcher er der Individualität Spielraum im Lernen und Studiren gestattete, den Theologen nicht auf sein besonderes Fach beschränken wollte, neben der Liebe, welcher er seiner Anstalt entgegenbrachte und die sich in einer Reihe von Zügen größter Freundlichkeit und Humanität kund that, neben dem Wohlwollen, mit welchem er billige Verlangen bereitwillig erfüllte. Seine Strenge hatte ihren Grund in der hohen Anschauung von der Würde und den Pflichten eines evangelischen Geistlichen und Lehrers, die ihm anvertraute Anstalt sah er an als Pflanzstätte wahrer christlicher Gesinnung und echter Wissenschaftlichkeit, womit freilich der factische Zustand vielfach contrastirte. Trotz der vielen Dornen, welche das Amt auch im Verkehr mit der vorgesetzten Behörde ihm trug, trotz der zahllosen Plackereien und Widerwärtigkeiten, [184] welche an Kraft und Gesundheit des viel angegangenen Mannes zehrten, war ihm das Ephorat doch so theuer, daß er sich nicht entschließen konnte, es niederzulegen, um mehr seiner Wissenschaft leben zu können; nicht blos lange Gewohnheit oder der Reiz des Umgangs mit der Jugend hielten ihn zurück die Stelle niederzulegen, sondern hauptsächlich die Liebe zur evangelischen Kirche, welcher gegenüber er es als heilige Pflicht ansah, dieses hohen Amtes zu warten, solange seine Kraft es irgend gestatte. – Großen Erfolg hatte er als akademischer Lehrer, seine Vorlesungen waren von In- und Ausländern zahlreich und gerne besucht, die laute weitschallende Stimme, das edle Pathos des Vortrags, die markige Sprache, der klare durchsichtige Aufbau des Gegenstandes verfehlten ihres Eindrucks nicht; die sorgfältig ausgearbeiteten, den Stempel der Gründlichkeit überall verrathenden Vorlesungen waren sehr instructiv. Die Krone derselben war die über die Theologie des Alten Testaments, welche er zehnmal in jenen 20 Jahren hielt; daran schlossen sich exegetische Vorlesungen und Symbolik. – Mit seinen Collegen stand er in freundschaftlichem angenehmem Verkehr; auf das Zusammenwirken mit denselben beim Inspectorate des Seminars war ihm bange gewesen, aber ohne Grund; die Worte der Anerkennung und Achtung, welche er dem berühmten Collegen Chr. Fr. Baur ins Grab rief, waren der Ausdruck seiner lautersten Ueberzeugung. Mit J. T. Beck war er von Basel her bekannt, enge schloß er sich erst an ihn während der letzten Lebenszeit an, mit Landerer (s. A. D. B. XVII, 588) und Chr. Palmer verband ihn alte Jugendfreundschaft. 1861 wurde er zum Rector der Universität gewählt, wenige Monate vor seinem Tode 1871 wurde ihm eine königliche Auszeichnung (Ritterkreuz 1. Classe des Kronordens) zu theil. Eine zahlreiche Kinderschaar füllte das väterliche Haus, in welchem gerne Besucher von nah und fern einkehrten. So brachte Oe. diese schönen Mannesjahre zu, angestrengt thätig, durch seinen Doppelberuf von thätigem Eingreifen in kirchliche und politische Verhältnisse gehindert, aber mit eifriger Theilnahme für alles, was Zeit und Kirche bewegte. Bei seinem Aufenthalte in Preußen hatte er die Kraft dieses Staates kennen gelernt, an dem Führerberuf desselben als politische Vormacht Deutschlands, als Schützer des Protestantismus auf dem Continente hielt er eifrig fest, die Jahre 1866 und 1870 haben seinen Scharfblick bestätigt und seine Wünsche erfüllt. Seine Gesundheit war von Jugend auf nicht sehr stark gewesen, in Breslau hatte er einen schweren Krankheitsanfall überstanden, auch in Tübingen war er mehrfach von solchen heimgesucht, seit Mai 1871 fühlte er schlimme Leberbeschwerden, die ihn seit dem 26. November an das Krankenlager fesselten; schwere leidensvolle Monate mußte er dort zubringen, bis am 19. Februar 1872 endlich seine Erlösungsstunde schlug; im festen Glauben an seinen Gott und Heiland hatte er die Leidenszeit überstanden und sein Ende erwartet. Am 22. Februar wurde er auf dem Tübinger Friedhof bestattet. Von seinen Kindern überlebten ihn drei Söhne und drei Töchter.

Oe. ist ein echter Vertreter des schwäbischen Theologenthums im besten Sinne des Wortes: von Herzen fromm, aber nicht einseitig und beschränkt, von der Realität der göttlichen Wahrheit überzeugt und in ihrem Dienste sich wissend, aber auch mit offenem Blick für die Dinge dieser Welt, einfach und anspruchslos in Leben und Sitte, aber seiner Würde als Diener Gottes wohl bewußt, mit wenig Sinn für künstlerischen, ästhetischen Genuß, aber ein Mann der Wissenschaft ersten Ranges, außerordentlich fleißig, mit umfassender Gelehrsamkeit, ein vortrefflicher, klarer, anregender Lehrer, gemüthlich in seinem Umgang, ernst und würdig in seiner Haltung, treu und zuverlässig in Leben, Arbeit und Wissen. Das Ansehen, die Bedeutung des Alten Testamentes hat er durch Wort und Schrift bedeutend gehoben, es war sein Streben, seine Schüler [185] für die Herrlichkeit desselben, von welcher er selbst erfüllt war, zu begeistern, und da man die sichere Hand des kundigen Führers allenthalben und sogleich fühlte, war dies Streben von gutem Erfolge begleitet. Festhaltend an dem positiven Begriff der göttlichen Offenbarung, suchte er ihre historische Entwickelung im Alten Testamente zu entwickeln, Unterschied und Zusammenhang der beiden Offenbarungszeiten festzustellen, ohne die Forderungen und Resultate einer maßvollen Kritik, z. B. in der Pentateuchfrage, zu mißachten. In dem Worte: „daß er mit dem Gemüthe ein Gegner der destructiven Kritik sei, mit dem Verstande an ihr gehangen“ hat er sich selbst, sein Streben und den Kampf seines Lebens richtig geschildert, insofern konnte man ihn auch zu den Vertretern der Vermittlungstheologie rechnen, persönlich gehörte er zu den Lutheranern, aber seine wissenschaftliche Selbständigkeit und Klarheit bewahrte ihn vor einseitiger Schroffheit, wie seine Arbeiten alle das Gepräge reifsten Studiums bekunden, so auch das eines schönen Maßhaltens. Außer den schon genannten Prolegomena veröffentlichte Oe. nur einige kleine theologische Gelegenheitsschriften, die trotz ihres geringen Umfangs wegen ihres Gehaltes überall beachtet wurden. 1846 erschien: „Commentatio biblico-theologica. Veteris testamenti sententia de rebus post mortem futuris illustrata“; 1854: „Grundzüge der alttestamentlichen Weisheit“; 1861 „Ueber das Verhältniß der alttestamentlichen Prophetie zur heidnischen Mantik“; 1870 zwei Seminarreden. Dagegen war er Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften und Sammelwerken, theils recensirend, theils mit selbständigen Artikeln; erwähnt seien: Rheinwald’s allgemeines Repertorium für theologische Literatur (Bd. 18, 23, 24); Tübinger Zeitschrift (Jahrg. 1840 seine wichtige Arbeit über den „Knecht Jehovah’s“), Theologische Studien und Kritiken (Jahrg. 1871); Tholuck’s literarischer Anzeiger (1846, 1847, 1849); Bruns, Neues Repertorium [1845, 1846); Reuter’s allgemeines Repertorium (1851, 1852); Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik (1846); Zöckler’s allgemeiner literarischer Anzeiger für das evangelische Deutschland (1869 und 1870); in Herzog’s Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (1. Aufl.) erschienen 40 Artikel von seiner Hand, zum Theil sehr ausführliche und beachtenswerthe, z. B. „Kanon des Alten Testaments“, „Messias“, „Priesterthum“, „Prophetenthum“, „Volk Gottes“, „Weissagung“; in Schmid’s Encyklopädie für das gesammte Unterrichts- und Erziehungswesen vier Artikel (darunter „Haman“, „Reuchlin“). Aber auch nichtwissenschaftliche Blätter hatten seiner Feder werthvolle Beiträge zu verdanken, so die Jugendblätter von Barth (1839, 1840, 1842), der wahre Protestant von Marriott (1854), das schon erwähnte schlesische Kirchen- und Schulblatt und endlich brachte die von V. A. Huber herausgegebene Zeitschrift: Janus, Jahrbücher deutscher Gesinnung im J. 1846 eine sehr interessante und besonnene Abhandlung Oehler’s über den Gebrauch der lateinischen Sprache auf den Universitäten. Nach seinem Tode erschienen 1872 „Gesammelte Seminarreden“; 1873/74 „Theologie des Alten Testaments“, von seinem Sohne Hermann pietätsvoll herausgegeben, seitdem wieder aufgelegt, ins Englische und Französische übersetzt, eine höchst dankenswerthe Bereicherung der theologischen Wissenschaft und wie das von Johannes Delitzsch herausgegebene „Lehrbuch der Symbolik“ (Tübingen 1876), ein treffliches Handbuch für Lehrer und Studirende.

Das schöne Lebensbild von J. Knapp, G. Fr. Oehler, Tübingen 1876; s. a. dessen Artikel über Oe. in Herzog’s Realencyklopädie, 2. Aufl., Bd. 10, S. 696 ff. – Worte der Erinnerung a. G. Fr. Oe. Tübingen 1872. – Weizsäcker, Lehrer u. Unterricht an der evang. theol. Facultät der Universität Tübingen. Tüb. 1877.
Theodor Schott.