ADB:Pallas, Peter Simon

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Artikel „Pallas, Peter Simon“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), ab Seite 81, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pallas,_Peter_Simon&oldid=596164 (Version vom 11. Dezember 2009, 09:54 Uhr UTC)
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Pallas, Simon
Band 25 (1887), ab Seite 81. (Quelle)
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Pallas: Peter Simon P., einer der hervorragendsten wissenschaftlichen Reisenden, Natur- und Völkerforscher des vorigen Jahrhunderts, geb. zu Berlin am 22. September 1741, † in seiner Vaterstadt am 8. September 1811. P“. Vater war ein auch wissenschaftlich thätiger Chirurg, und bekleidete in seinen letzten Jahren die Stelle eines Professors der Chirurgie am OO118gjum m9(1jOO– o11jrurgj0um zu Berlin (s. u.). Seinem Berufe folgte der ältere Bruder August Friedrich (s. o.). Von väterlicher Seite war P. ostpreußischen Stammes, während seine Mutter der französischen Colonie Berlins angehörte. Die Erziehung, welche P. genoß, war eine vorzügliche. Erst leiteten sie Hauslehrer, später, und zwar schon von 1754 an, besuchte er Vorlesungen des Oo110gjum 111S(1i(:o–O11jru1gjoum. Mit besonderem Erfolge trieb er bei Merkel Anatomie und bei Roloff, dem Schwager Lieberkühns, Physiologie. Eine Vorliebe für die Anfertigung anatomischer Präparate hat er sich immer bewahrt und schrieb später auch Einiges über diesen Gegenstand. In Botanik hörte er Gleditsch und in Zoologie war er sein eigener Lehrer. Mit 15 Jahren stellte er eigene Untersuchungen über die Lebensart der Raupen und ihre Sinnesempfindungen an und entwarf ein neuei System der Vögel, dem er vorzüglich die Form des Schnabels zu Grunde legte. Als frühreifen, früh selbständig denkenden Schüler zeigt ihn auch die Beherrschung seiner Muttersprache, des Französischen, Englischen und Lateinischen. Rudolphi findet in Aufsätzen aus seinem 15. Jahre „eine Vestimmtheit und Reinheit des Ausdruckes, wie sie damals gewiß selten war“. Seine Niederschriften sind schon in dieser Zeit bald in französischer, bald in englischer Sprache verfaßt. Schon der Jüngling schrieb prunklos mit einer ausgesprochenen [82] Neigung für klare, einfache, bestimmte AusdruckHweise. Eine besondere Vorliebe für scharfsinnige Etymologien wird ihm nachgerühmt. Den – Winter von 1758 auf 59 verbrachte P. in Halle, wo er hauptsächlich Segner’5 Unterricht in Mathematik und Physik genoß, den Sommer 1759 finden wir ihn in Göttingen, wo die berühmte Bibliothek ihn vor allem fesselte, das darauffolgende Jahr in Leyden, wo er am 27. December die Inauguraldissertation „1)O inkstis vjvent;ib118 j11t-rz 7jysi1tj-r vertheidigte. Diese Arbeit überragt alles auf dem Gebiete der Parasitenkunde vorher Geleistete und bahnte zugleich eine bessere Classification der Würmer an, als Linns sie gegeben hatte. Nachdem P. die damals noch in erster Linie stehenden Museen und Bibliotheken Hollands ausgenützt hatte, ging er im Juli1761 nach London. Ellis. Baker, Solander, Collinson gehörten hier zu seinen Bekannten, er besuchte Oxford in Gesellschaft seines Freundes Volkmann, machte Studien an der Küste vpn Sussex und bei Harwich und hat selbst in seinen Tagebüchern diesem Aufenthalte einen wesentlichen Antheil an seiner allgemeinen Geistes und Charakterbildung zugeschrieben. „Mich dünkt, ich ward in der englischen Luft gesetzter, nachdenkender und witziger.“ Dem Wunsche seines Vaters, ihn als Arzt sich niederlassen zu sehen, zuwider, beschäftigte er sich nach der Rückkehr so vorwiegend mit naturgeschichtlichen Studien, daß er 1763 eine „ls1.uns. 1118SOto1–11111 Il9.r011jOa“ schreiben konnte, welche viele von den anziehenden Beobachtungen über die Lebensweise der Infecten enthielt, die P. später im Stralsundischen Magazin veröffentlichte. Der Verfasser hielt indessen, abweichend von seinen Freunden, die Arbeit nicht für reif und sie ist nie gedruckt worden, wiewohl Rudolphi urtheilt, daß sie spätere Werke gleichen Inhaltes übertroffen haben würde. Im Juli 1763 reiste P., nachdem er endlich die Einstimmung seiner Eltern gewonnen, der ärztlichen Praxis zu entsagen, nach Holland, wo er im Haag seinen Aufenthalt nahm. P. war in demselben Jahre von der liozsz1 800jetzs zu London und der Röm. Kais. Akademie der Naturforscher zum Mitgliede gewählt worden. Sein Name wurde in den Kreisen der Naturforscher mit Ehren genannt und er durfte hoffen, mit einem wissenschaftlichen Auftrage für eine größere Reise betraut zu werden, wenn er erst den holländischen und englischen Gelehrten sich noch näher bekannt gemacht haben würde. Vielleicht dachte er in erster Linie an eine amerikanische Reise, deren Wunsch er noch als Greis im Herzen trug. Zunächst erweiterte er seine Kenntnisse durch fleißiges Studium der Sammlungen und gab Beweise der Förderung, welche er durch dieselben der Wissenschaft zuführte. 1766 erschien im Haag die damals vollständige Aufzählung der sog. Pflanzenthiere als „lsiS11011us Zoop11)–rOr1111r. Das Buch, welches dem Holländer Gaubius zugeeignet ist, zeigt in der anziehenden Einleitung, welche von dem Unterschiede der Pflanzen und Thiere und von dem Wesen der Gesammtheit der organischen Natur handelt, den Museumszoologen und Artenkenner von der philosophischen Seite. P. zeigt hier Anläufe, die ihn beim Verharcen in der ruhigen Gelehrtenarbeit zum würdigsten Fortarbeiter an dem von Linms begründeten Bau gemacht haben würden und jedenfalls würde sein großes Kupferwerk über Zoophyten, von der Elenchus nur den Vorboten bilden sollte, die Esper’schen „Pflanzenthiere“ weit hinter sich gelassen haben. Mit maßvoller Kritik Linmz und Ellis entgegeutretend, gewann sich P. durch dieses Werk den Ruhm eines der selbständigsten unter den jüngeren Forschern. Fast zu gleicher Zeit erschienen die 2001ogj09„“„ ein Werk, welches P. besonders der Kupfer wegen nicht ganz genügte, von dem es aber hinreichend ist, zu sagen, daß A. Von Haller es in der 13ib1jot11eoz 1z11ztomis als o1Jus q11a11tiyjs 1zretjj bezeichnet. Hervorragend ist darin die Monographie der Antilopen, die Anatomie des Hyrax und einige Beiträge zur Kenntniß der Würmer und Weichthiere, welche beweisen, daß nicht [83] erst Cuvier es war, welcher die selbständige Bedeutung der Mollusken im System des Thierreiches erkannte. In den Thierbeschreibungen erwies sich P. als Meister. „Wir haben keinen Schriftsteller“, urtheilte ein halbes Jahrhundert später Rudolphi, „der bessere, lichtvollere Beschreibungen der Thiere gibt. Er übergeht alles Ueberflüssige, mischt nie fremde Dinge ein und ist ohne Weitschweifigkeit genau.“ Als nach dreijährigem Aufenthalt in Holland P. seinen Wunsch, eine große wissenschaftliche Reife zu machen, der Erfüllung nicht näher rücken sah, kehrte er nach Berlin zurück, wo 1767 seine „8pj0j1egjA 20010gi(:-t-“ erschienen, welche A. v. Haller Anlaß gaben, ihn den berühmtesten Begründern der vergleichenden Anatomie anzureihen. Kurz darauf veröffentlichte er die zwei ersten Bände des Stralsundischen Magazins, welche eine Reihe von Arbeiten seiner Feder enthalten. Und in dieselbe Zeit fällt wohl auch die Uebersetzung des Handbuches der Medicin von Brooke, die P. wohl anfertigte, um nicht alle Fühlung mit der Brotwissenschaft zu verlieren.

Zu dieser Zeit genehmigte die Kaiserin Katharina einen Plan zu wissenschaftlichen Reisen in wenig bekannten Theilen des russischen Reiches. Der Zustand und die Erzeugnisse dieser Provinzen sollten erforscht und beschrieben werden. Vor allem wünschte man eine große Expedition nach Sibirien zu senden, man wandte sich an Ludwig in Leipzig, um einen wissenschaftlichen Führer für dieselbe zu erlangen, und dieser empfahl P. Am 30. April 1768 empfing er von der K. Akademie zu St. Petersburg den Rus, als ihr ordentliches Mitglied die sibirische Reise zu unternehmen. Er ging sofort nach St. Petersburg, wurde zum Professor der Naturgeschichte ernannt, und trat wenige Wochen nach seiner Ankunft mit siebenunzwanzig Jahren eine der wissenschaftlich erfolgreichsten Reisen des 18. Jahrhunderts an. P. verließ am 21. Juni St. Petersburg, wo er sich nur im Fluge umgesehen und rasch vorbereitet hatte. Den ihm vorausgegangenen Lepechin und Güldenstädt fokgend, ging er geraden Weges nach Moskau, von da über Wolodimer, Kafimof. wo er die tatarischen Bauteste untersuchte und abbildete, Murom, die von Mordwinen bewohnten Gegenden an der Pjana und Mokscha, Pensa nach Simbirsk, hielt sich auf dem Wege nach Stawropol einige Zeit bei dem Staatsrath von Rytschkow auf Spaskoje auf, untersuchte die Schwefel- und Erdölquellen am oberen Sok und kehrte Ende October nach Simbirsk zurück, nachdem er die Reste von Volgari zum ersten Male genau beschrieben hatte. In Simbirsk verbrachte er den Winter hauptsächlich mit zoologischen Beobachtungen und hier war es, wo er eingehende Kenntnisse der südrussischen Fischfauna und Fischerei schöpfte. Am 10. März 1769 machte sich P. auf, beobachtete den Eintritt des Eisgange2 und das Erscheinen des Frühlings in Samara und kehrte Ende April über Sy8ran und Sernoi Gorodok nach dieser Stadt zurück, um vor der Reife in die Kalmückenfteppe noch Krasnojar-Sk und das untere Sok-Gebiet behufs botanischer Forschung zu untersuchen. Er ging über Borst, längs der samarischen Linie, überstieg den Obstschei Syrt, besuchte Tatiftschewa und Orenburg, von hier aus daß Salzwerk von Jlezk und die alten Kupfergruben von Saigatschei Rudnik. Im Juli machte P. eine Reise die Jaik’sche Linie entlang nach Orsk und ging sogleich nach der Rückkehr in das Gebiet der Jaikischen Kofakeu, von deren Leben und Verfassung er eine anziehende Schilderung entwirft, in welcher die Beschreibung des Fischfanges im Jaik (Ural) besonders eingehend ist. Eine gleichfalls ausführliche Schilderung der in diesem Gebiete lebenden Kalmücken nimmt den Umfang und die Gründlichkeit einer ethnographischen Monographie an, in welcher das Meiste von dem niedergelegt ist, was P. auch bei späteren Gelegenheiten über die Kalmücken erfuhr und beobachtete. Am 12. August wurde [84] die Reise nach Gurjef fortgesetzt. Eine kleinere Zusammenstellung von Beobachtungen über die Kirgisen, die Beschreibung verschiedener Salzseen, besonders des Inderskoj – Osero, eines merkwürdigen Aussatzfalles, der Ruinen von Saratschik beleben die Darstellung der einförmigen Fahrt am Jaik hin. .In Gurjef traf P. mit Euler, Professor Lowiz und dessen Assistenten Inochodzof zusammen. auf deren Aufnahmen wohl die Karte der Jaik-Mündungen basirt ist, welche P. in der Reisebeschreibung mittheilt. Von Gurief aus wurden Untersuchungen über die Schwankungen des Spiegels des Kaspises und über die Insel Kametmoi angestellt und am 31. August die Rückreise angetreten, welche über Kargala, wo eine tatarische Niederlassung beschrieben wird, durch eine von Baschkiren bewohnte Gegend nach Ufa führte. Am 2. October eingetroffen, bezog hier P. sein zweites Winterlager, das bei der Ungesundheit der Lage dieser Stadt, einem ungewöhnlich trüben und stürmischen Winter und einer Ueberschwemmung, welche bis in den Mai dem Reisenden alle größeren Ausflüge unmöglich machte und ihm endlich noch die Weiterreise erschwerte, zu den unangenehmsten gehörte. P. konnte nicht sof zahlreiche Beobachtungen über die Thierwelt dieses Steppengebietes anstellen, wie er gehofft hatte. Eine Reihe phänologischer Beobachtungen, und eine Studie über die ufischen Tataren füllen die Lücke aus. Noch Mitte Mai 1770 verließ P. Ufa und besuchte zunächst die Eisenwerke im südlichen Ural, wobei Beobachtungen über merkwürdige Höhlen und über die Baschkiren mit unterlaufen. Weiterhin werden Angaben über die Meschtscherek, den brennenden Berg bei Sulpa, Alaun-, Glimmer- und Thongruben, Eisen-, Kupfer- und Silberbergwerke des Ural eingeschaltet. Am 28. Juni befand sich P. in Jekatarinenburg, besuchte in den darauf folgenden Tagen einige Goldbergwerke der Umgebung und ging dann, zahlreiche Bergwerke besuchend und untersuchend im Ischimgebiet über Troizkaja Krepost hinaus nach Süden, bis eine durch die Hitze und den Salzftaub der Steppe verursachte Augenkrankheit ihn zwang. am 26. August bei Ujskaja zurückzukehren. Er ging nach Tscheljabinsk, um daselbst den Winter zuzubringen und besonders den zoologischen Studien obzuliegen, welche ihm stets die liebsten waren. Mit Beobachtungen über die Fauna, besonders den Vogelzug, und die Seen der Umgebung beschäftigte er sich bis zum Winter und trat im December noch eine Reise nach Tobolsk an, auf welcher er seinen Arbeitsgenossen Lepechin in Tjumen überwinternd fand. Mit diesem verabredete er, nachdem nun daß Orenburgische Gebiet im Wesentlichen der Aufgabe gemäß, welche die Akademie gestellt hatte, erforscht war, den Plan der weiteren Reise in Sibirien, für welches Land die Steller’schen und Gmelin’schen Aufnahmen, von denen übrigens werthvolle Theile verloren gegangen waren, nicht mehr genügten. Es wurde bestimmt, während Lepechin den nördlichen Ural und die Länder am Weißen Meere übernahm, daß P. die von Gmelin weniger besuchten oder seit dessen Anwesenheit erheblicher veränderten Theile Sibiriens bereisen und dabei den Bergwerksgebieten, sowie der neuen Südgrenze besondere Aufmerksamkeit zuwenden sollte. Demgemäß sandte er zunächst seinen Gehilfen Sujes Ende Februar zur Erforschung des nördlichen Ob nach Beresof, von wo derselbe bis an’s Eismeer zu gelangen versuchen sollte. P. empfing in Tscheljabin-Sk noch die Besuche von Falk und Georgi, welche nun gleichfalls eine sibirische Reise antraten, und machte sich am 16. April auf den Weg. Sein bisheriger Gefährte Rytschkow trennte sich hier von ihm. um einen militärischen Zug in die Kirgisenfteppe mitzumachen. Ueber Kaminsk und Swerinogolofsk wollte er den salzigen Theil der Steppe zwischen Ischim und Irtysch durchreifen, sah sich aber schon am Tobol wegen Unsicherheit des Ischimgebietes, in welchem feindliche Kirgisen streisten, und Erkrankung seines Gehülfen Sokolof genöthigt, nach Kaminsk zurückzugeben, um von da [85] aus den gewöhnlichen Weg längs dem Tobol nach Omsk einzuschlagen. Auf diesem Wege verlor er in Sujerök am 3. Mai seinen Gehilfen Schumskoj. Am 17. Mai in Omsk angelangt, fand P. bei den dortigen Behörden nicht die erhofften Erleichterungen seiner Reife und setzte ziemlich enttäuscht am 22. seinen Weg über Korjäkofsk und Semipalatinsk nach Krasnojarsk an der Uba fort. Von Dysenterie heimgesucht, machte er den letzten Theil des Weges von Schulba an krank und lag 18 Tage in dem an sich schon ungesunden Krasnojarsk. Die geplante Reise nach Ust-Kamenogorsk mußte er. seinem Gehilfen Sokolof überlassen. Gekräftigt setzte er am 17. Juli die Reise nach dem Altai fort, besichtigte die neuen Ansiedelungen der Verschickten an der Uba und kam am 27. Juli in Smeinogorsk an, wo er mit dem Oberbergmeister Leube die Erzdorkommen des sog. Schlangenberges untersuchte, wegen fortdauernder Schwäche aber nicht im Stande war, die höchsten Theile des Gebirges zu erreichen. Am 22. traf er in Barnaul ein, dessen Hüttenwerke genau beschrieben werden, ebenso wie die des von hier aus besuchten Nowo-Paulowsk und der sog. Sibirischen Münze zu Nischno-Susunsk. Am 8. September wurde Tomsk erreicht und von da der Weg über Atschin-2k, durch Niederlassungen der Katschinzischen Tataren fortgesetzt, bei Abakansk der Jenissei überschritten und da in dieser ganzen Gegend kein zum Wintexquartier passender Ort zu finden war, über die Eisenwerke am Jefagasch und weiterhin den Jenissei hinab Kraßnojarsk am 10. October erreicht. Hier verweilte P. bis zum 7. März 1772 und ging dann mit einigen bisherigen Begleitern des krank zurückkehrenden Falk, unter welchen Georgi, nach Irkutsk, wohin Sokolof zum Zweck der Jagd schon voraus gegangen war, während Sujef über JenisseiSk nach dem unteren Jenissei abging. Georgi blieb in Irkutök zurück, welches am 14. März erreicht worden war, um die Ufer des Baikal zu erforschen. In Irkutsk war es, daß P. die Fleisch- und Hauttheile einer im Winter 1771„–72 am Wilni gefundenen Rhinocerosleiche erhielt und die Wissenschaft dankt einem glücklichen Zufall und Pallas’ nie ruhendem Forschungsgeiste die erste genaue Beschreibung eines so merkwürdigen Fundes. Am 22. März wurde Jrkutsk wieder verlassen, am 24. der Baikal auf Schlitten nach Posolsk zu überschritten und auf der eben ausgehenden Selenga am 26. Selenginsk erreicht. Am 6. April kam der Reisende nach Kjachta, dessen Lage und Handel, ebenso wie des gegenüberliegenden chinsischen Grenzplatzes Maimatschin eingehend beschrieben wurden. Ueber Kuitun ging dann die Reise durch burätisches Gebiet über den Jablonoi Chrebet unter großen Strapazen in frischem und schmelzen- .dem Schnee nach Akschinsk am Onon, welches am 19. Mai erreicht ward. P. ging unter fortwährenden Sammlungen und Aufzeichnungen, die das Material .zu wichtigen Monographien lieferten, wie der des Dschiggetai, des Argali, der Steppen-Antilope, des Erdhasen, bis nach Tschindanturuk, von wo an der Aga und Ingoda hin der Rückweg nach Selenginsk angetreten wurde. Nur 4 Tage rastete P. und machte sich am 24.J1mi zu einer neuen Reise nach Kjachta auf, um seine chinsischen Auszeichnungen zu vervollständigen und die südlicheren Striche an Selenga und Tschikoi kennen zu lernen. Neuerdings nach Selenginsk zurückgekehrt, trat P. am 4. Juli seine Reife an den Baikal an, an dessen Usern er sich mit Erforschung der Fischfauna, der Fisch-ereien und der Flora beschäftigte. Am 22. Juki verließ er Irkutsk und kam über Udinsk und Kansk am 1. August nach Krasnojarsk, wo er einige Wochen mit Ordnung der Notizen und Sammlungen verbrachte und den Bericht des vom untern Jenissei rückkehrenden Sujef empfing, welcher übrigens in der Reisebeschreibung nur eine kleine Stelle einnimmt. Am 19. August trat V. seine Reise nach dem Sajanischen Gebirge und der chinefisOn Grenze an, besuchte unterwegs die Vergwerke von Karysch, die sagaiischen Tartaren, die Baltiren, Koibalen und auf der Rückreise [86] die mainskischen Bergwerke. Auf dieser Reise hatte er das Glück, den sibirischen Steinbock kennen zu lernen, von welchem eine genaue Beschreibung – gegeben ist. Am 23. September kehrte P. mit anbrechendem Winter nach Krasnojarsk zurück, wo er die Rückkehr Georgi’s und seiner Gehilfen erwartete. Er benutzte die Zeit, um Lager verstein-Otter Hölzer am Jenissei und die berühmt gewordene Masse gediegenen Eisens bei Ubaizkoja zu untersuchen und hatte Anfangs December Gelegenheit, die Eigenschaften des gefrorenen Quecksilbers zu studiren. Den Schluß seines Berichtes von diesem Jahr bilden Mittheilungen über die Reisen seiner Gehilfen im daurischen Gebiete. Seinen Wunsch- schon frühe im Jahre 1773 nach Europa, zunächst nach der Kama zurückzukehren, konnte er wegen verspäteter Rückkunft Geotgi’s erst am 22. Januar ausführen. An diesem Tage verließ er Krasnojarsk auf dem Wege nach Tomök und traf am4. Februar in Tata ein, wo er mm mit Gmelin, welcher uachkam, bis Ende dieses Monates verweilte, um im Fluge noch einmal auf Winterwegen daß issetskische Gebiet zu durchziehen und am 12. März die Kama bei Sarapul zu erreichen. Auf dem letzten Theil dieses Weges hatte er Gelegenheit gefunden, die Wotjäken und Tscheremissen kennen zu lernen und begab sich dann nach Kasan um Vorbereitungen für die Sommerreise zu treffen, welche am 21. April 1773 mit einer Fahrt an der Kama abwärts begann. Erst auf der Orenburger Straße, dann von Dimskaja aus westlich führte der Weg über das Steppengebirge (Obstschei Syrt) an den Uralfluß, dann auf dem astrachanischen Karawanenwege am Kuschum hin südlich in die Sandwüste Naryn, nach den Steinsalzlagern von Tschaptschatschi und über Tschernojar;k nach Sarepta. Im Sarpa-Gebiete untersuchte er die alten Ufer des Kaspisees. Die Gehilfen Bykow und Sokolof hatten indeß die kumanische Steppe und das untere Wolgagebiet in botanischer und zoologischer Hinsicht durchforscht und trafen mit P. Ende Juli in Zarizyn zusammen. Den 4. August ging P. Wolga aufwärts, zur Untersuchung der Steppe, welche am linken Ufer sich hinzieht und der neu angelegten deutschen Kolonien oberhalb Dmitressk und Saratof. Am 18. reiste er nach Zarizyn zurück, besuchte den Altar:-Noor, und blieb dann den Winter in jener Stadt, wo im October auch Georgi eintraf. Von Zarizyn und der Umgebung wird eine sehr eingehende Schilderung entworfen. Im folgenden Jahre 1774 begann P. seine Reisen mit einem Ausfluge an der Achtuba nach den Resten einer alten Nogaierhauptstadt, nach dem Bogdo Ola und den benachbarten Salzseen. Am 25. Mai nach Zarizyn zurückgekehrt, trat P. die Rückreise nach Petersburg im Anfang des Juni an, nicht ohne unterwegs noch eine reiche Zahl von Beobachtungen zu machen. Er vermied den von Gmelin und Güldenstädt schon vor ihm gemachten Weg, ging über Nowochopersk nach Moskau, wo er den kaiserlichen Befehl empfing, der alle im weiten Gebiete des Reiches im Auftrage der Akademie reisenden Forscher zurückrief. Nachdem er sich in Moskau des Umganges des Staatsrathes Müller erfreut, ging er, zum ersten Male ohne Aufzeichnungen zu machen, geraden Weges nach Petersburg, wo er am 30. Juli eintraf „mit einem zwar entkräfteten Körper und schon im dreyunddreißigsten Jahre grauenden Haare, aber doch frischer als ich früher in Sibirien gewesen“. Pallas Körper war von Natur keineswegs fehr kräftig. Die mehr als sechss jährige Reife hatte ihn durch immer wiederkehrende Ruhranfälle und ebenso hartnäckige Augeneutzündungen so geschwächt, daß nun eine längere Erholungspause eintreten mußte. P. ordnete seine Geschäfte, wobei sich ergab, daß seine Reife noch nicht ganz 1000 Rubel pro Jahr, einschließlich der Kosten für den Zeichner, Jäger und Ausstopfer gekostet hatte. Dabei lagen, abgesehen von den zahlreichen Beobachtungen, welche später verarbeitet wurden, die zwei ersten Bände der Reisebeschreibung bereits vor, und der weitaus größere Theil des dritten. [87] wurde gleich nach der Rückkehr zu St. Petersburg in Druck gegeben. 1771, also..ungewöhnlich rasch, hatten die Aufzeichnungen Pallas’ zu erscheinen begonnen, welche auch in den folgenden Abschnitten der Reise frisch wie sie im Sommer in den Tagebüchem verzeichnet worden waren, in der Muße des Winterquartiers druckfertig gemacht wurden. So ist der erste Band in Ufa, der zweite in Selenginsk abgeschlossen worden und den dritten schrieb P. fast ganz in Zarizyn nieder und nur äußere Umstände, unter welchen P. die Herstellung der Landkarten nennt. verzögerten das Erscheinen dieses letzteren bis zum Jahre 1776. Eine solche Arbeitsweise war nur bei rastloser Thätigkeit und nie ermüdender Gabe und Lust der Beobachtung im Stande, so werthvolle Ergebnisse zu liefern, wie wir sie in diesen drei großen Quartbänden mit über 2000 Textseiten und zahlreichen Karten und Kupfern besitzen. Sie entsprach den Wünschen der Akademie, welche, entgegen ihrem früheren Programm, vorwiegend auf Antreiben Orlow-s seit Pallas ’ Eintritt eine raschere Nutzbarmachung der Forschungsergebnisse ihrer seit 1768 in alle Theile des Reiches entsandten Reisenden verlangte, aber wir dürfen wohl sagen, daß sie auch der vielseitigen, beobachtungsfreudigen Natur Pallas’ genug that, welcher gerade auf diese erste, schwierigste seiner Reisen in späteren Jahren mit Freude und Stolz zurücksah. Da sein sibirisches Forschungsgebiet sich theilweise mit demjenigen seines Vorgängers Gmelin deckte, betont er selbst bei Gelegenheit die unvergleichlich beschränktere Aufgabe, die dem letzteren gestellt war und wie derselbe selbst sich enge Grenzen gezogen. P. beobachtete alles, und verzeichnete alles, sicher, daß auch daß Unbedeutende dereinst von Gewicht sein könnte, und erwies sich durch die seltene Verbindung von Gründlichkeit und Vielseitigkeit, Originalität und Gelehrsamkeit als der seinen Aufgaben am besten gewachsene von allen den wissenschaftlichen Reisenden, welche seit Gmelin daß russische Reich ourchforscht hatten. P. arbeitete sich ungemein rasch in die Mannigfaltigkeit seiner Aufgabe hinein. Als Zoolog war er von Petersburg abgegangen, als fertige1– Botaniker und Ethnograph, als hervorragender Statistiker im weiten Sis ne Schlözers, als Geolog und Mineralog kehrte er zurück.

Den Vorschriften gemäß trugen Pallas’ Reisen stets auch den Charakter von „ökonomischen“ Reisen, wie man sie damals zu nennen pflegte. Die wirthschaftliche Lage der bereisten Gegenden, die bemerkenswertheren Industrien, befondets aber alles, was im Thier-, Pflanzen- und Stei11reich sich als: irgend einem wirthschaftlichen Zwecke nutzbar zu erweisen schien, wurde so genau verzeichnet, daß heute schon Pallas.s’ Reifewerke als Beiträge zur Wirthschaftsgeschichte des russischen Reiches gelten. Mit ihren zahllosen Anregungen, die Gaben der Natur besser auszunutzen, greifen sie häufig über das einfach Praktische hinaus. Keine Nährpflanze, die auch nur entfernt möglich scheint, Arzenei- und Färbepflanzen, nutzbare Mineralien, Fische u. f. w. werden unerwähnt gelassen. Man findet kurze Abhandlungen über die russischen Färbepflanzen, über die Schwefel- und ASphaltquelle am Sok, die Schwefellager von Sernoi Gorodok, größere über die Fischereien bei Simbirsk und im Kaspisee, den bucharischen Handel Orenburgs, die Salz-werke von Jlezk, die Bergwerke des südlichen und mittleren Ural, den asiatischen Handel von Troizkaja Krepost und Semipalatinsk, die sibirische Rinder- und Pferdepest, die Salzfeen von Gurief, die issetische Provinz, den Störfang im Irtysch und die Fischerei im Ob, die Jagd im unteren Obgebiet, die damals neuen Ackerbaukolonien an der Uba, die altaiischen Vergwerke, die wirthschaftliche Lage von Krasnojarsk, den Handel mit China über Kjachta, die ostsibirischen Bergwerke, die damals junge Kolonie Sarepta und die Colonien oberhalb Dmitressk und die Salzlager und Salzseen der Steppen des unteren Wolgagebietes.

[88] Was P. auf diesen Reisen zur Ethnographie beigetragen, ist zunächst in den Völkerschilderungen seiner Reifewerke zu suchen, wo Mordwinen, Tschuwaschen, Tata- – ren, Kalmücken, Nogaier, Kaukasusvölker, endlich verschiedene Zweige des russischen Volkes mehr oder weniger eingehend beschrieben werden. P. beobachtet Körperliches und Geistiges gleich scharf und schildert ohne alle Uebertreibung. Es gilt in der That von seinen Völkerschildernngen, was wir mit Rudolphis Worten oben (S. 33) von seinen Thierbeschreibungen gesagt haben. Die größeren Monographien, wie er sie über Kalmücken, Tataren, die Völker am unteren Ob nach Sujefs Ergebnissen, die Chinsen von Maimatschin, die daurischen Tungufen, die sagaiischen Tataren, Beltiren, Koibalen und andere Stämme des sajanischen Gebirges liefert, haben ihren Werth noch nicht verloren. Von der Sprache der Koibalen hat P. daß erste Wörterverzeichniß geliefert. Ausführlicher werden ferner die katschinzischen Tataren, dann auf der südlichen Reise 1773 die Wotjäken und Tscheremissen, die kundurofskischen Tataren behandelt. Besondere Beachtung finder der monogolische Buddhismus und nach Gmelins Vorgang daß Schamanenthum. Die prähistorischen Studien konnten in unseren Tagen an den Nachrichten mit anknüpfen, welche P. Von den Alterthümern des südlichen Rußlands gegeben. Er verfehlt nie die alten tatarischen Befestigungen zu beschreiben, er hat die erste eingehende Schilderung von Bolgari gegeben, man verdankt ihm den Hinweis auf den alten, sog. tschudischen Bergbau, mannigsach anregend und inhaltreich sind seine zahlreichen Angaben über sog. tschudische Gräber, die Beschreibung der Trümmer von Ablaikit, der alten Gräber im sajauischen Gebirge und am Jenissei und alter Bewässerungsanlagen im unteren Wolgagebiet.

In der Vorrede zu den „Reisen in verschiedenen Provinzen des Russischen Reiches, der ersten Frucht seiner großen Reisen, hat P. gewissermaßen ein Programm entworfen. Den Grundsätzen, welche er darin ausspricht, verdanken seine Werke ihren dauernden Werth. Er sagt hier: „Da ich auf alles aufmerksam zu seyn gesucht habe, so darf ich hoffen, daß meine Arbeit nicht unter die Zahl der überflüssigen oder verwerflichen Schriften wird gesetzt werden, wenn ihr gleich alle Zierlichkeit in der Schreibart und andere Vollkommenheiten mehrfehlen sollten . . . Mich dünkt, die Haupteigenschaft einer Reisebeschreibung ist die Zuverlässigkeit!’ P. hat, um sein Programm zu verwirklichen, sich eine Arbeitszmethode geschaffen, welche den Reiseweg und seine nächsten Umgebungen keinen Moment außer Acht läßt. Er strebt ein im weitesten Sinn geographisches Croquis an, allerdings mehr noch naturgeschichtlich aks topographisch gehalten. Die tüchtige naturgeschichtliche Vorbildung, welche P. mitbrachte. die ethuographische Schulung, welche er sich bald erwarb, befähigte ihn, rasch zahlreiche Betrachtungen über das Thier- und Pflanzenreich anzustellen, wobei indessen auch die Mineralogie und Geologie nicht leer ausgingen, und zugleich über die Völkerverhältnisse soviel mitzutheilen, als er erreichen konnte. Er blickte auf den späteren Reisen tiefer in diese letzteren als auf den früheren und so sind auch seine späteren Reisen ethnographisch ergiebiger gewesen als die erste. Was P. auffiel, daß zeichnete er an Ott und Stelle ein, und gab es dann in wenig veränderter Gestait in Druck. Seine Reisewerke sind daher keine litterarischen Leistungen von besonderem Werthe, es kennzeichnet sie eine Ueberfüllung mit thatsächlichen Angaben der trockensten Art und der allerverschiedensten Gattung. Es sind wenig mehr als etwas gesäuberte, sehr reiche Tagebücher. Aber da und dort leuchtet ein Gedanke durch, welcher zeigt, daß P. nicht nur ein Sammler von Thatsachen war. Die einzige Bemerkung in den sehr trockenen Tagebuchblättern der ersten in Eile ausgeführten Reife von Peter-Iburg nach Moskau im Sommer 1768, daß südlich von den Waldaibergen die granitischen Gerölle selten werden oder verschwinden, die nördlich davon so vorherrschend vertreten sind, [89] 11t1d daß an ihre Stelle versteinerungsführende Formationen treten, wirft ein Licht auf eine große Zahl von Thatsachen, die an und für sich bedeutungslosdaliegen. Und an solchen Geistesblitzen, die, so wie dieser die Lehre von den eiszeitlichen Gerölldecken vorverkünden, einige der wichtigsten Entdeckungen vorahnen lassen oder vorbereiteten, ist bei P. nie Mangel, am wenigsten auf dem damals selten mit großem Aukwand an Geist behandelten Gebiete der Pflanzenund Thierkunde. Hier war vor allem P. kein Orthodoxer in Fragen der Artbildung, Kreuzung, Anpassung. In sibirischen Pflanzenformen wollte er durch klimatische Einflüsse abgewandelte europäische Arten erkennen. Sehr lehrreich ist seine Darlegung der Gründe des großen Pflanzen- und Thierreichthumes des daurischen Gebietes, wo er mit wahrer Freude reiche Ernten hielt, dann die Er- örterung der Gründe, warum er die Grenze der sibirischen Flora anders ziehe als Gmelin u. dgl.

In Petersburg zur Ruhe gekommen, anerkannt, in seinen Arbeiten und Bestrebungen unterstützt, konnte sich P. mm seit 1774 zwei Jahrzehnte lang wesentlich ungestört der Verarbeitung seiner Reifeergebnisse und neuen selbständigen Forschungen widmen. Das Datum der Borrede zum letzten Band der Reisen, der 10. Februar a. St. 1776, bezeichnet den Beginn der selbständigen, reiferen, geordneteren Publicationen. Zuerst erschien im gleichen Jahre der 1. Band der „Sammlungen historischer Nachrichten über die mongolischen Völkerschaften“, dem der 2. Band 1801 folgte: eine Zusammenstellung theils schon im Reisewerk gegebener, aber hier berichtigter und vermehrter ethnographischer, historischer, wirthschaftlicher und linguistischer Daten über diese damals in diesen Beziehungen noch äußerst wenig bekannten Völker. Im October 1777 schrieb P. die Vorrede zu „K03s.e 8rDe0jOs quzär11ps(1um e g1j1sjum Or(i1j118“, welche auf Anregung Schrebers 1778 in Erlangen erschienen. Ueber Systematik, Anatomie und Lebensart der von ihm beobachteten Nager gab hier P. zahlreiche neue Aufschlüsse. Rudolphi urtheilt noch 1812L Eine solche Monographie haben wir über keine andere Ordnung der Säugethiere. Mittheilungen über die thierische Wärme und über Eigenthümlichkeiten der Lebensweise dieser Thiere, damals so wenig beachtete Dinge, rechtfertigen den Ausdruck des ebengenannten Beuttheilers, es sei der Geist, der in dieser Monographie wohne, den meisten Naturforschern fremd geblieben. 1781 und 82 erschienen in Erlangen zwei Hefte -„1oO11tes 1u- 8S(:t–0rum p1s:108ertjm 1–TosjAO 8jbj1–jsequs ps(:u1j:z.1siur1r. Vom dritten Heft ging ein Theil des Manuscriptes auf dem Wege nach Deutschland verloren, so daß nur noch ein Bruchstück 1798 zur Veröffentlichung kam. Die beiden Arbeiten und neben ihnen eine große Zahl akademischer Abhandlungen und kleinerer Studien, die z. Th. in den „Nordischen Beiträgen“ stehen, sollten die „1s’s„un8 R-osjOer vorbereiten, ebenso wie eine Reihe botanischer Studien bestimmt war, die Grundlage einer „k’10r5t Re-8SjOs“ zu bilden, welche 1784 und 1788 in zwei der Kaiserin Katharina gewidmeten Bänden erschien. Die im Gebiete der russischen Monarchie wildwachsenden Bäume und Sträucher waren hierin der Mehrzahl nach beschrieben, die weniger bekannten abgebildet. Daß Werk sollte noch mehrere Bände umfassen und waren die Tafeln der P. in besonders hohem Grade interessirenden Rhabarberarten schon fertig, als aus unbekannten Gründen die Veröffentlichung unterbrochen wurde. Dadurch ist die Wissenschaft auch der Arbeit über die Pflanzengeographie des russischen Reiches verkustig gegangen, welche ursprünglich sich anschließen sollte. P. hat in zahlreichen Einzelveröffentlichungen die Lücke, welche diese Unterbrechung ließ, wenigstens in etwas auß- gefüllt. 1800 erschienen die mit vorttefflichen Kupfern nach der Natur auß- gestatteten „8pOOj98 1!St1–8gst10rum“, welche allein 40 neue Arten brachte. 1808 die „111ustr:-1.tjO11es pl-u1t.zrum j1npe1skeOte 7en1011(111m Oog11jtzrunr mit Abbildungen des [90] geschickten leipziger Malers Geißler, der ihn auf der tautischen Reise begleitet hatte, und dessen Hand die reizenden Vignetten der taurischen Reisebeschreibung – und viele Illustrationen naturgeschichtlicher Monographien entstammen, ein Werk, daß leider ebenfalls, nachdem 59 Tafeln erschienen waren, Fragment blieb. In seinem letzten Jahre endlich erlebte er die Freude, von der 1s’Auns.1TOs8i0s t, welche er zuletzt in Berlin überarbeitet hatte, eine Anzahl Aushängebogen zu erhalten. Das Werk erschien zu St. Petersburg in Pallas’ Todesjahr. Weit ab von seinen Forschungsgebieten liegt daß groß angelegte „1-i11g11A1–um totjus Orbjs V–o(:8bu1a1–js. oompe1rs.tjy8“, von welchem zwei Bände 1787 und 89 erschienen, während der Schlußband nie veröffentlicht wurde. Auf besonderen Wunsch der Kaiserin unternommen, welche sich selbst mit der Sammlung von Sprachproben zunächst des russischen Reiches beschäftigte, sollte es eine ausgewählte Reihe von Begriffen in ihren Sprachformen über die ganze Erde hin verfolgen. P., der den wissenschaftlich nicht ganz zweifellosen Plan der Kaiserin wohl nicht mit großer Freude ausführte, gab sich gewaltige Mühe, 153 osteuropäische und asiatische Sprachen nach vorwiegend handschriftlichen Quellen zu bearbeiten, mag aber daßs Seinige beigetragen haben, daß die amerikanischen und afrikanischen Sprachen nicht auch noch in ähnlicher, zuletzt doch unfruchtbarer Weise durchgearbeitet wurden. Von 1781–83 und von 1793–96 erschienen die zwei Reihen der „Neuen“ und „Neuesten Nordischen Beiträge“, in deren drittem Bande P., dessen eigenstes Werk auch diese Reihe war, wiewohl er sich nicht auf dem Titelblatte nennt, sein physikalisch-topographisches Gemälde von Taurien, daneben in allen Bänden wichtige kleinere Monographien, wie die des Yak, des Kotffak, die tangutischen Nachrichten über Tibet u. v. a. veröffentlichte. Daneben bringen diese acht Bände aus ungedruckten Schriften und Briefen Mittheilungen über die Reisen Stellers, Lechow8, Sievers’, Engelmanns, Schangins u. a., denen P. zahlreiche Bemerkungen und Nachträge zugefügt hat. Wenn man die ganze Reihe dieser Zeitschrift überblickt, deren letzter Band zugleich der Schlußstein von Pallas’ Thätigkeit in und für Rußland genannt werden kann, gewinnt man den Eindruck. daß sie eines der zweckmäßigsten Unternehmen war, die auf diesem Felde damals S möglich waren. Die „Nordischen Beiträge“ bewahren eine große Reihe von Documenten zur Länder- und Völkerkunde des großen Reiches, welche ohne sie großentheils verloren gegangen sein würden. Ihre mannigfaltigen Mittheilungen, besonders; auch die kleineren, haben fruchtbare Anregungen in wissenschaftlicher und wsrthschaftlicher Beziehung gegeben, da über der Forschung die Ausnützung der Schätze nie übersehen wurde. Und endlich waren besonders die größeren Beiträge, welche P. selbst lieferte, Muster der Schilderung und Darstellung, so daß bis heute diese Zeitschrift eine werthvolle Quelle für Naturgeschichte, Ethnographie und Geographie darstellt.

Unter den größeren akademischen Abhandlungen nennen wir hier zwei, welche die Kraft und Richtung des Geistes von P. einigermaßen ermessen lassen. Zuerst die Betrachtungen über Gebirgsbildung, welche 1777 in den Schriften der petersburger Akademie erschienen. P. stellte hier das Gesetz auf, daß in jedem Gebirge den Kern granitische Gesteine bilden, welchen Schiefer und weiter nach außen hin Kalksteine umgeben, und lenkte damit die Betrachtungen des Gebirgsbaues in die Bahn der Vergleichung und der systematischen Unterscheidung der Gesteine. Daß Werkchen hat viel Anerkennung gefunden. Ein Franzose, der diese Betrachtungen übersetzte und 1779 in Paris herausgab (wenige deutsche Bücher erfuhren eine so baldigeuebertragung in die Sprache, die damals die ganze gebildete Welt sprach) sagt geradeheraus: „Die Schrift ist uns unbekannt, es ist aber nothwendig, fit- zu kennen“, und Cuvier stellte sie in seinem Rückblick auf die Fortschritte der Naturwissenschaften seit 1789 an die Spitze der Schriften, [91] welche die Wissenschaft von der Zusammensetzung und Bildung der Gebirge begründet haben Und erklärte sie für die Grundlage und den Ausgangspunkt der Arbeiten von de Saussure, Deluc, Werner. Auf biologischem Gebiete tritt ähnlich bedeutend die bei Anwesenheit des Prinzen Heinrich von Preußen in der Akademie gelesene Abhandlung „Ueber die Ausartungen der Thiere“ hervor, welche wie die vorige zunächst auf einer größeren Anzahl von eigenen Beobachtungen beruhte als damals irgend ein anderer Naturforscher aufweisen konnte. Zusammen mit einem hohen Grade von Unabhängigkeit der Meinung ist dieser Reichthum an originalen Thatsachen daß Merkmal dieser und ähnlicher Arbeiten von P. Die Fülle von Anschauungen und Gedanken, über welche P. verfügte, wird stets auch in zahlreichen zufälligen Anmerkungen kund, mit demn er solche größere Abhandlungen begleitet und in denen selbst über weiter abliegende Gegenstände lichtbringende Bemerkungen fallen. Ich erinnere hier nur an die Betrachtungen über die Ursachen des fil-irischen Klimas, über Tieffeetemperaturen, über den Ursprung der Menschenrassen, über zu vermuthende Hochländer in Centralafrika, über die Bildung von Sandlagern, über innerafiatische Vulkane. über den Zusammenhang zwischen Fossilresten und heutigen Tiesseebewohnern, über den Ursprung der wohlerhaltenen Mammuth- und Rhinoceroöreste im Eife Sibiriens, endlich über den alten Zusammenhang des schwarzen Meeres mit dem Kaspisee – Betrachtungen, welche sämmtlich jenem einzigen akademischen Vortrage über Gebirgs bildung ein- und angefügt sind. Jede einzelne von ihnen würde dem gelehrten Zeitgenossen Pallas’ den Stoff zu einer Abhandlung geliefert haben. Es gilt genau dasselbe von seiner Thätigkeit in den „Nordischen Beiträgen“, wo er selbst solche Arbeiten, die, wie Fischers „Ueber den wahrscheiukichen Ursprung der Amerikaner“, nicht blos halb vergessen waren, sondern auchseinem Arbeitsfelde ferne lagen, richtig zu würdigen wußte und zur verdienten Geltung brachte.

P., der sich mit Recht sehr häufig und mit Offenherzigkeit gegen die Erfinder leichter Hypothesen ausspricht, und am häufigsten gegen Busson, der zu jener Zeit mit seinem großen Einflusse auf die Phantasie seiner Zeitgenossen das schlechteste Beispiel gab, entbehrte selber keineswegs der schöpferischen Phantasie, wie vor allem sein Versuch einer Erklärung der Oberflächengestalt der Erde zeigt, der einen Anhang seiner kleinen Arbeiten über Gebirgsbildung bildet und in einzelnen Andeutungen auch in dem großen Reisewerke hervortritt. Im Lichte des Wissens seiner Zeit ist dieses der bestbegründete und umfassendste Versuch zur Erklärung von Verhältnissen, welche allerdings auch heute der vollen Erklärung noch harten. P., der, vorzüglich durch seine Studien über den Ural und die sibirischen Gebirge zu der sichern Annahme gelangt war, daß alle höheren Gebirge ursprünglich Granitinfeln in einem Ocean von größerem Niveau als heute gewesen seien, läßt die Thonschiefer aus der Zersetzung dieser Gebirge durch das Wasser entstehen, wobei die anschwemmenden organischen Reste daß Materiak für die Vulkane lieferten, welche ihrerseits die frühesten Niederschlagsbildungen in Schiefer verwandelten und Kalkgebirge aufwarfen. Endlich folgte aber ein Ausbruch vulkanischer Kräfte, stärker als alle früheren, dessen Spuren in den Vulkaninfeln Südasiens noch übrig sind, und dem ein gewaltsames Zurückfluthen des Meeres gegen Norden und in deren Gefolge Neubildungen und Zerstörungen nachzitterten, wie sie die Erde früher und nachher nicht gesehen hat. Auf diese gewaltige Katastrophe sind die Tertiär-Gebirge des Nordens, mit ihren Thier- und Pflanzeneinschlüssen tropischen Ursprungs, die im sibirischen Eis; begrabenen Riefensäugethiere, die verhältnißmäßige Seichtigkeit des nördlichen Polarmeeres, zahlreiche Meerbusen, auch daß Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer und dem Kaspisee, die Tiefländer im Süden und Osten der Hochgebirge Südasiens und Südamerikas, die schrossen Landspitzen im Süden der Continente und Halbinseln [92] zurückzuführen. Man kann über den Werth dieser später von Reinhold Forster aufgenommenen Ansichten streiten, sie stellten zu ihrer Zeit eine erste allgemeine . Erklärung der Erdformen auf und haben Männer, wie Buch und A. v. Humboldt anzuregen vermocht. Der Geologie wandte P. in seinen spätern Jahren eine tiefer eingehende Aufmerksamkeit zu, welche durch die Untersuchung der uralischen und altaischen Erzlagetstätten, wohl zum ersten Male geschärft worden war. In der Krim trieb er mit Vorliebe geologische Studien und dieselben haben sich der Wissenschaft förderlich erwiesen. Die Vorliebe für mächtige Fluthen, Gebirgs –einstürze u. dgl. war ja mehr als verzeihlich bei Männern, die in dem weitem Rahmen, den ihr Blick umspannte, die einzelnen kleinen Erscheinungen nicht festzuhalten vermochten. Wo er konnte, lieferte P. Beiträge zur Einzelkenntniß der Länder, und zahlreiche Monographien beweisen, daß er sich strenge an die Aufgabe der genauen Schilderung hielt, ohne sich von jener Vorliebe abziehen zu lassen. In jener biologischen Abhandlung legte P. Beobachtungen vor, welche zur Kritik der Begriffe. Art, Spielart. Rasse in dem oben angedeuteten Sinne anregen sollten. Seinschlüsse kamen indessen seiner Zeit noch zu frühe und haben theilweise erst viele Jahrzehnte später ihre Wirkungen geübt und Bestätigung gefunden. Pallas’ Anschauung, daß os artlose Formen gebe, z. B. Hausthiere, welche den Charakter der Art verloren haben, nur noch artlose Rassen darstellen, gehört zu den prophetischen, welche in daß rechte Licht erst in dem Zeitalter der Entwickelungslehre gestellt worden sind. Unmittelbar wirkt Pallas’ beständig rege Aufmerksamkeit auf die Fosfilreste. Wenn hier P., ähnlich wie auf dem naturgeschichtlichen Gebiete, im nie ruhenden Forschungtzdrang. wohl über die Grenzen, die seiner Zeit gezogen waren, hinausschweifen wollte und einige gewagte Hypothesen, wie die, wekche er über die Nummulitenbildung oder die großen Fluthen, welche die Elefanten- und Nashornreste nach Nordsibirien gebracht haben sollten, ausstellte, so hat doch seine eingehende Beschreibung von Schichtenfolgen und organischen Einschlüssen die stratigraphische Geologie vorbereitet. Seine Wiederaufnahme der Tournefortschen These vom einstigen Zusammenhang des Schwarzen und Kaspischen Meeres sucht er durch Vergleichung fosfiler und recenter Muscheln des fraglichen Gebietes zu beweisen. Nicht minder fruchtbringend war seine genaue Darstellung recenter oder doch junger Vorgänge, wie er sie besonders in der Schilderung der Steppenseen, der Salzbildung in den Steppen, der Zeugnisse für die mit Unrecht von Zeitgenossen als unwahrscheinlich verspottete akte Verbindung des Schwarzen Meeres mit dem Kaspi- und Uralfee bewährte. P. ist als Begründer der modernen Ethnographie gefeiert worden, was in Ansehung älterer Verdienste, die Kämpfer, Cranz u. dgl. beanspruchen dürfen, zuviel gesagt ist. Doch hat P. zweifeklos daß Verdienst- die Methode scharfer und allseitiger Beobachtung der Thatsachen aus seinen naturgeschichtlichen Arbeiten auf die ethnographischen übertragen zu haben. Und jedenfalls verdient daß Lob eines Cuvier citirt zu werden, welcher von Pallas’ Werk über die Mongolen sagt, es sei vielleicht die classischste Schrift, die über ein Volk in irgend einer Sprache exiftire. Der ungewöhnliche, fast beispiellose Reichthum an Thatsachen in den Schriften von P. macht den Mangel exacter Messungen um so empfindlicher. In dieser Beziehung sieht P. ebenfoweit hinter seinen Zeitgenossen A. v. Humboldt, L. v. Buch, Wahlenberg, de Saussure zurück, als er sie an Fülle und Vielseitigkeit der Beobachtung übertrifft. P. machte seine Beobachtungen mit dem schon zu seiner Zeit veralteten Delisle’schen Thermometer leider nicht regelmäßig. Seine vortrefflichen Schilderungen des K1imas an der unteren Wolga und in Taurien ruhen aus Pthänologischer Basis. Den Luftdruck bestimmte er nicht, also auch keine Höhen. Er nahm auch keine magnetischen Beobachtungen vor und die Grundlagen zu seinen Karten sind, wo nicht andere ihm exacteres Material lieferten, [93] Schätzungen, wie bei seinen Karten des Sok, der Uralmündung, des Vogdoin- Dabassu, während diejenige des Steppengebietes zwischen Ural und Wolga, des südlichen Ural u. a. auf fremden Aufnahmen beruht. Ausgenommen sind Pallas’ eigene genaue Beobachtungen über Gesteine und Erzvorkommen, welche in der Karte des uralischen Bergreviers eingetragen sind und diese dadurch zu einem interessanten Versuche stempeln, eine geologische und Mineralkarte des südlichen Ural zu schaffen. Wo neue geographische Aufnahmen vorlagen, wie im Jrtiichgebiet, hat P. nur die nothwendigsten geographischen Angaben gemacht. Die, rein geographisch genommen, wohl hervorragendste Errungenschaft der Pallas’schen Sibirienreise, der Nachweis, daß der K-arische Busen um eine ganze Reihe von Tagereisen zu weit östlich angesetzt worden, gehört seinem Begleiter Sujef. Mit Geist hat er indessen die vorhandenen Messungen zur Richtigstellung der von Ides, Lange u. A. verbreiteten Irrthümer über die Höhe des Ural und der nordasiatischen Gebirge benutzt. Nichts Näheres wissen wir über Pallas’ Thätigkeit in der Commission zur kartographijchen Aufnahme von Ruß- land, in welche er 1777 berufen ward. Noch einmal entsagte P. der ungemein fruchtbaren wissenschaftlichen Thätigkeit, welcher er in Petersburg seit der Rückkehr von der sibirischen Reise sich gewidmet hatte, soweit ein ausgedehnter Verkehr es erlaubte, um eine letzte große Reise anzutreten. Die Reife nach dem südlichen Rußland und in die Halbinsel Krim, welche 1793 und 94 unternommen wurde, sollte zunächst der Erholung dienen. „Des Getümmels und der übertriebenen Geselligkeit der großen Residenzstadt des Russischen Reiches überdrüffig“, so beginnt der Bericht, welchen P. 1799 über dieselbe herausgab. Allein der Wunsch, wissenschaftliche Beobachtungen anzustellen, stand jedenfalls hart hinter dieser Erwägung. P. wünschte vor allem seine Sammlung von Pflanzen zu vervollständigen und nahm deshalb den vorzüglichen Maler Geißler mit, dessen farbige Vignetten vor allem den Reisebericht in einer ungemein anziehenden Weise zieren und ergänzen. Die Reisenden – P. mit Frau und Tochter und dem Maler– verließen Peter-Iburg am 1. Februar 1793, um über Moskau und Pensa die Wolga zu erreichen. In Pensa wurde ein Aufenthalt gemacht, den in der Reisebeschreibung eine Skizze der Naturverhältnisse des Gouvernements bezeichnet. Am 12. März wurde Saratow erreicht und von da an theils auf, theilß an der Wolga hin der Weg durch das deutsche Kokoniegebiet nach Zarizyn genommen. Vom letzteren Orte aus machte nun P. Aus flüge nach Sa“:epta, Aftrachan, in die nahe gelegene Kirgiseusteppe, wo P. vielfach Gelegenheit fand, frühere Beobachtungen zu bestätigen oder zu verbessern, und neue Studien u. a. über die Salzfeen zu machen. Pallas’ Tochter war indessen zu Sarepta an den Blattern erkrankt und als sie genesen war, wurde die Reise über Astrachan auf dem sog. kislaischen Wege am kaspischen Meere hin, durch die Manytschniederung nach Georgiefsk fortgesetzt, von wo Ausflüge u. a. nach den Beschlan gemacht wurden. Die Reise ging dann über Tscherkask nach Tagaurog, wo ein genauer Plan für dieWeiterreise in daß erst jüngst eroberte, nur mitwenig Verwaltungseinrichtungen und noch weniger Straßen versehene Taurien entworfen werden mußte. Am 21. October erst konnte die Reise über Mariupol nach dem Berdaflüßchenfortgesetzt werden und P., der anhaltend über seine „baufällige Gesundheit“ zu klagen hatte, war froh, am 30. October im Winterquartier in Simferopol einzutreffen. Schon am 8. März folgte er aber dem ungeduldigen Wunsche, endlich die taurische Halbinsel näher kennen zu lernen und begab sich zunächst nach Buchtschisarai, von da nach Sebastopol, dessen Umgebung und vorzüglich die alte Veste Inkerman er eingehend beschreibt. Es folgte dann eine Bereifung des südlichen Randgebirges der Krim und des Tschatyrdag, welche er, wiedergenesen und von der Freude an der milden Natur, der reichen Vegetation und dem anziehenden [94] Bau des Gebirges geschwellt, mit jugendlichem Eifer und fast der ganzen früheren Elasticität durchführte. Außer den botanischen und geologischen Verhältnissen fesselten seine Aufmerksamkeit auch hier die ethnographischen und geschichtlichen Thatsachen. Seine Bemerkungen über die Bergtataren und die genuefische Feste Soldaja bezeugen es. Den Hochsommer widmete P. dem Jtmern und dem Ostrand der Halbinsel. Er besuchte Karabussar, die sog. Alte Krim, Kassa, Kertsch, Jenikale, die Halbinsel Taman, deren geographische und geologische Verhältnisse genau untersucht wurden. Am 18. Juli 1794 trat P. die Rückreise an, ging über Koslof, Perekop, Nikolajef, Elisabergrad und durch Kleinrußland nach Poltawa, dann über Kurök, Orel, Tula nach Petersburg, wo er’ am 14. September eintraf.

In der Verarbeitung der Ergebnisse dieser zweiten Reise in den „Bemerkungen auf einer Reise in die südlichen Statthalterschaften des russischen Reiches in den Jahren 1793 und 1794“ (2 Bde. 1799 und 1805) folgte P. dem Beispiel des älteren Gmelin, indem er die botanischen und zoologischen Ergebnisse absonderte und in die Reisebeschreibung blos die allgemei11eren Schilderungen des Raturcharakters und der Naturerscheinungen, Betrachtungen über Ursachen und Folgen der letzteren, Beschreibungen von Alterthümern, kleinere ethnographische Excurfe und besonders aber in ausführlicherer Darlegung die Würdigung der wirthschaftlichen Verhältnisse aufnahm. Wie die ganze Reise bequemer, ruhiger durchgeführt ward, ist auch die Darstellung minder gedrängt, wiewohl sie nirgends in Breite oder Wortluxus verläuft. Das Naturgefühk, daß Juteresse am Historischen treten indessen mehr hervor. Wir nennen von den eingehenderen und theilweise monographienartigen Abschnitten die Beschreibung des Gouvernements Pensa, die Mittheilungen über das Fortschreiten der Colonisation an der unteren Wolga, über Wein- und Seidenbau im gleichen Gebiete, die Schilderung des blühenden Zustandes der Colonie Sarepta, des Handels und der Fischerei von Astrachan, der orientalischen Krappfärberei, deck- Weinbaues von Tscherepacha, der Indier (Multaner) in Astrachau, die Sammlun von historischen Nachrichten über Persien, über die Geschichte des großen Diamanten des Schuh Nadir, die Mittheilungen über die Turkmenen von Kiesljar, die zahlreichen Beobachtungen über den alten Zusammenhang der beiden Meere, die Beschreibung der Colonien an der kaukasischen Linie, der Ruinen von Madschary, die ein ganzes Capitel füllenden Nachrichten über die Völker des Kaukasus, über die Gräbersteinbilder der südlichen Steppeu, die Schilderungen von Tscherkask und Taganrog, besonders des Handels der letzteren Stadt, die Schilderungen von Simferopol und Sebastopol und ihrer an Resten des elassischen Alterthums so reichen Umgebungen, die geologischen Untersuchungen über das südliche Küstengebirge der Krim, über Erdfälle und Erdbeben dieser Halbinsel, die Erörter-ungen über Einführung des Seidenbaues in der Krim, die wirthschaftliche Lage von Kertsch, die Erdölfunde bei letzterer Stadt, die Schlammvulkane in der Nähe derselben, die Neubildung einer durch unterirdische Kräfte aufgeworfenen Insel im Asow’schen Meere. Sehr eingehend sind endlich die die Schluß-capitel des 2. Bandes bildenden „Allgemeinen Bemerkungen über die Krymische Halbinsel“, welche sich über die Ethnographie und Lebenslae der Tataren und besonders über die wirthschaftlichen Verhältnisse verbreiten. Der Abschnitt über Wein- und Obstbau wird noch heute geschätzt. Das „Physikalisch-Topographische Gemählde von Taurien“ ist der veränderte Abdruck des gleichnamigen Aufsatzes, welcher unter Beifügung „aus dem Tagebuch einer im Jahre 1794 gethanen Reife“ im dritten Band der „Neuesten Nordischen Beyträge“ erschienen war. Es ist daß die erste Frucht der taurischen Reise und der ganze Inhalt des Aufsatzes ist beträchtlich erweitert in die vorerwähnte Reisebeschreibung mit aufgenommen [95] worden. Als Naturgemälde eines verhältnißmäßig wenig ausgedehnten Gebietes, das damals zu den wenigst bekannten gehörte, hat dieses Werkchen indessen den Vorzug einer gewissen Geschlossenheit. P. konnte seine Fähigkeit, die verschiedensten Aufgaben zu bewältigen, in der geologischen, botanischen, zoologischen und ökonomischen Schilderung eines nicht zu großen, aber fast unbekannten Gebietes bewähren. Man sieht mit Interesse, wie er selbst seine Theorien der Gebirgsbildung auf einen gegebenen Fall von beschränkter Größe anwendet, und wenn man nicht geneigt ist, ihm auf dem Wege so kühner Hypothesen zu folgen. wie die des Einsturzes „taurischer Alpen“, welche die Granitfelder der Nogaiischen Steppe erklären soll, so verweilt man um so lieber bei den eingehenden Schilderungen thatsächlicher Vorkommnisse, wie z. B. der Schlammvulkane von Kertsch oder der Salzfeen am Siwasch, pon Perekop und anderen Orten.

P. fühlte sich nach dieser Reise ruhebedürftig und zugleich bezaubert von der Schönheit der taurischen Halbinsel. Er hatte dort wieder viel an Fieber gelitten, hoffte aber Heilung von dem Einflusse des milden Klimas und einer ungestörten ländlichen Thätigkeit- Katharina11., von diesen Wünschen unterrichtet, schenkte ihm 1795 die Dörfer Schülü und Aithodor nebst Fruchtgärten bei dem letzteren Orte, Weinbergen bei Sudagh und ein Haus in Simferopol, außerdem eine Summe von 10000 Rubel zur Einrichtung. Noch im August desselben Jahres siedelte P. über, wohnte zuerst in Simferopol, dann inmitten seiner Weingärten bei Sudagh. Als 1805 seine Tochter, welche an den russischen General von Wimpfen verheirathetgewesen war, verwittwet auf das GutKalmukkara in der Krim zog, nahm P. seinen Wohnsitz in der Nähe dieses einzigen, sehr geliebten Kindes und seines Enkels. Neben dem Weinbau, dem sich P. mit großem Eifer widmete, beschäftigten ihn in der Krim einige der wissenschaftlichen Arbeiten, von denen oben die Rede war. Auf kleinere Reisen, die er gelegentlich während dieses Aufenthaltes unternahm, führen manche eingehendere Mittheilungen in den „Bemerkungen“ (s. o. S. 94) zurück. Mit zunehmenden Jahren empfand er indessen immer mehr die Abschließung von der civilisirten Welt, welche durch die Kriegszeiten noch verschärft wurde, und vom wissenschaftlichen Verkehr, und wohl auch die Unzuträglichksit des theils rauhen, theiltz wechselhaften Klimas der Halbinsel, wie er es selbst meisterhaft im zweiten Band der .,Bemerkungen“, wesentlich weniger günstig indessen c1ls im „Physikalisch-topographischen Gemälde“ geschildert hat. Auch blieben ihm unangenehme Erfahrungen nicht erspart. Er wurde in einen Proceß wegen eines Theiles seines Besitzthums verwickelt, von welchem er einen andern Theil seiner zweiten Frau, die er 1786 geheirathet hatte, und die ihn überlebte, schon im Anfang seines Aufenthaltes überwiesen hatte. Ebenso wie seine erste Frau, die nach 15jährige Ehe 1782 gestorben war, seine Gefährtin auf der ersten Reise, war diese zweite Frau es auf der taucischen Reise gewesen. Im Frühjahr 1810 verließ P. Kalmukkara und siedelte nach Berlin über, wo er zuerst bei seinem Bruder, dann in eigener Behausung wissenschaftlichen Arbeiten und dem Verkehre mit Freunden und Fachgenossen lebte. P. verbrachte heitere, ruhige Tage in Berlin. „Ich habe ihn nie in übler Laune gefunden“, schreibt Rudolphi, der mit dem Philologen Schneider, dem Hofapotheker Meyer aus Stettin, dem Entomologen Tilesius und dem Botaniker Willdenow Pallas’ nächste Umgebung in der Zeit dieses Berliner Aufenthaltes aus machte. Den einzigen Verdruß bereiteten ihm Entstellung oder Verkennung seiner Ansichten und Urtheile oder Oberflächlichkeiten, wie er sie besonders in der 1810 erschienenen Clarke’schen Reife durch Rußland in größerer Zahl zu tadeln fand. Unterstützt durch die wissenschaftlichen Hilfsmittel, welche ihm in Berlin zur Verfügung standen, schloß er hier die 1s’s un18„ -18jatjOo–rosjO:-t ab, deren 1. Band in seinem Todesjahr erschien, und beschäftigte [96] sich außerdem hauptsächlich mit den Sammlungen von der Billings’schen Sibirienreife, zu welcher er selbst den vortrefflichen Plan entworfen hatte. Eine Arbeit über die von dieser Reise stammenden Labraciden ist der letzte Beitrag aus Pallas’ Feder zu den 1Vlczm0ir08 der Petersburger Akademie. P. starb am 8. September 1811 in den Armen seiner Tochter zu Berlin. Als Ursache seines Todes wird ein kaltes Fieber angegeben, welches nicht zum Ausbruch kommen konnte. Bei klarer Besinnung, wenn auch daß Gedächtniß manchmal nachließ, schied er aus der Welt. Auf dem Sterbebe1te vertheilte er seine kleineren Sammlungen unter seine Freunde, und es soll ihn mehr als alles getröstet und erleichtert haben, als diese ihm versprachen, seine Manuscripte zu ordnen und sobald wie möglich hetauszugeben. Wenige Tage vor seinem Tode hatte er in Briefen an den Staatsrath Fuß und den Minister Rassumowsky von den Theilnehmern und Förderern seiner Thätigkeit in Rußland sich verabschiedet. Er wurde am 12. September auf dem Hallischen Kirchhof bestattet, da er in seinem letzten Willen ein Familienbegräbniß in der Kirche abgelehnt hatte. Ebenso verbat er sich jedes prunkende Denkmal, sondern wünschte nur einen einfachen Denkstein. Auf Anregung der Petersburger Akademie setzte diese und ihre Berliner Schwestrrgenossenschaft 1835 auf Pallas’ Grab ein Denkmal mit der von P. einst selbst bestimmten Inschrift: „IK1u1ts.8 per ter1–ns „j0cts.tns ut 11ztur8m rerum j11ä:1gsi–et 11jc: ts„11c1em rec1uiesojt“. Neben P. ruht auf eigenen Wunsch sein Freund und Biograph Rudolphi, der in seiner am Tage Friedrichs des Großen 1812 in der Akademie zu Berlin gelesenen Denkrede P. ein schönes litterarisches Denkmal gesetzt hat. Ein anderes Denkmal ist seine Naturaliensammlung, welche vor seiner Abreise nach der Krim die Kaiserin ankaufte, während seine Bibliothek nach Charkow kam.

Fassen wir die Ergebnisse der so ungemein regen und vielseitigen Thätigkeit des bedeutenden Mannes noch einmal zusammen, so ist zunächst das reine Aeußerltche hervorzuheben, daß P. 18 selbstständige Werke hinterlassen hat, wobei Werke, an deren Herausgabe er sich betheiligte (Güldenstädt’s zweibändige Reise durch Rußland und im caucasischen Gebirge 1787 und 1791 hat P. selbstständig herausgegeben und mit einer Biographie Güldenstädt’s versehen) nicht gezählt sind. Die Zahl seiner selbstständigen wissenschaftlichen Abhandlungen beträgt gegen 100. Nicht weniger als 39 derselben bergen allein die Bände der Schriften der Petersburger Akademie. Die Geschichte der Zoologie, Botanik, Geologie, Ethnographie und Geographie zählt P. unter die Großen, welche gleicherweise durch Aufdeckung neuer Thatsachen und Findung neuer Ideen die Wissenschaft gefördert haben. Wenn P. daß Schicksal hatte, mehrere Werke als Bruchstücke liegen bleiben zu sehen, so ruht der Grund wesentlich in den zu großen Anforderungen, die an seine bekannte Arbeitskraft und Vielseitigkeit gestellt wurden. Die Nachwelt hat dieses nicht gehindert, seine Bedeutung voll anzuerkennen, und auch die Mitwelt, wiewol nicht alle Seiten der Thätigkeit Pallas – nach vollem Verdienst würdigend, hat ihm Zeichen genug von den tiefen Wirkungen gegeben, die er hervorgebracht hat. Die Schriften Pallas’ übten schon früh eine weitreichende Wirksamkeit, die sich nicht auf enge Kreise beschränkte. Von vielen erschienen Uebersetzungen. Selbst die großen Reisewerke wurden mehrmals in Frankreich herausgegeben. Damals wurden Reisebeschreibungen viel mehr gelesen und ausgenutzt als heute; waren sie doch dieeinzigen Quellen für eine Menge geographischer, naturgeschichtlicher und völkerkundlicher Thatsachen, deren keinspecialforschung sich bis dahin bemächtigt hatte. Es ist nicht zuviel, wats der anonyme des 1773 in Frankfurt und Leipzig erschienenen Auszuges aus Pallas’ Reisen (unter dem Titel „Merkwürdigkeiten der Morduanen,– Kafaken, Kalmücken, Kirgisen, Baschkiren [97] etc.“) in seiner Vorerinnerung sagt, wenn er die Reise Pallas ’ in die südlichen Gegenden des russischen Reiches „eines der vorzüglichsten deutschen Werke dieses Jahrhunderts“ nennt, ein Buch, durch welches Erdbeschreibung, Naturkunde, Geschichte, ja selbst Philologie und Litteratur ein Merkliches gewonnen haben. Und der gewichtige dritte Band war damals noch gar nicht erschienen. Auch die taurische Reife hat bis in unsere Zeit hinein Anerkenner und Leser gefunden. Allerdings sind Pallas’ Reisewerke nicht bequem zu lesen. P., welcher seine Hauptwerke deutsch geschrieben hat, gehört nicht zu den ersten Stilisten seiner Zeit. Sein Stil ist kein Kunststil. In den früheren Arbeiten, besonders in der großen Reisebeschreibung, überwiegt durchaus das Sachliche die Form und in den beiden ersten Bänden hat die Composition entschieden etwas Ueberhaftetes. Viel seltener als: seine Zeitgenossen wird er subjectiv. Der Freude an der Schönheit der Natur gibt er ganz selten Ausdruck, am meisten noch in der Reise nach Taurien, aber auch hier stets beiläufig nur und kurz. In den sorgsam vorbereiteten akademischen Schriften ist sein Stil gedrängt, ohne jede hohle Stelle und überall scheint der Ueberfluß des Wissens und des Geistes durch. Neben der allgemeinen wissenschaftlichen und litterarischen Wirksamkeit steht Pallas’ tiefgehender Einfluß auf Pflege und Blüthe der Wissenschaften in Rußland. In Pensa u. a. O. konnte P. auf seiner späteren Reife ins südliche Rußland den günstigen Einfluß selbst conftatiren, wekchen seine und seiner Genossen Reisen von 1768–17?4 auf die Entwickelung des Interesses für Naturgeschichte und überhaupt Erforschung deck russischen Reiches geübt hatten. Und noch jüngst theilte uns ein so hervorragender Kenner der Geographie seines Vaterlandes, wie Professor Woeikof in St. Petersburg, mit, daß die Kenntniß vieler Theile des füdöstlichen Rußlands noch heute zum größten Theile auf Pallas’ Arbeiten ruhe. Dieser Thätigkeit fehlte es auch nicht an äußerer Anerkennung. Er wurde 1782 zum Collegienrath, 1793 zum Staatsrath ernannt, er war einer der ersten Ritter des Wladimir-Ordens und in der Akademie der Wissenschaften war er es, der bei Festsitzungen zu Ehren fürstlicher Personen in der Regel die großen Vorträge in französischer SBrache zu halten hatte. P. war ferner Mitglied der Akademien Von Berlin, London, Paris und Stockholm. Von den Anerkennungen, welche seine Uebersiedelung nach der Krim begleiteten und ermöglichten, haben wir gesprochen- Er fühlte sich Kathari11a1l. gegenüber zu Dank verpflichtet und gibt demselben in der damals in Rußland üblichen bezw. vorgeschriebenen Weise Ausdruck. Er hat ihr und dem Kaiser Paul seine Hauptwerke gewidmet. Daß hinderte ihn indessen nicht, von Mißständen offen zu reden, z. B. in dem großen Reisewerk die AUT-wahl der Colonisten für Sibirien in ihrer ganzen Grausamkeit bloßzustellen. Cuvier hat es als bezeichnend für Pallas’ ruhigen Charakter gehalten, daß er keine litterarischen Fehden geführt habe. Indem P. zahlreiche Einzelergebnisse der Beobachtungen und Sammlungen Anderer verwe1thet, maßte er nichts sich an, was er nicht selbst gefunden. Milde und Gerechtigkeitsliebe zeigt sich auch in der Sorgfalt, mit der P. die Ergebnisse seiner Gehilfen Sokolof und Sujef, wo immer diese selbstständig auftraten, als besondere Einschaltungen mittheilt, die billige Veurtheilung seines Vorgängers Gmelin, das Lob, daß er Leuten ertheilt, die ihn selbst nicht glimpflich behandeln, wie seinem zeitw-eiligen Begleiter Rytschkof. Ein hohes Maß von Bescheidenheit ließ P. seine wichtigsten Entdeckungen ruhig und zurückhaltend vortragen. Es ist bezeichnend, daß sogar die Schaffung und Benennung neuer Gattungen ihn nicht reizte. Seine Lebensart war die eines Weisen von ruhigem Gemüth.

Bilder von P.: Stich nach einer Büste von Riese vor der Denkrede von Rudolphi 1812. Stich in den Ephemeriden 1800.
Quellen: Rudolphi, Pet ““ ’ biographischer Versuch. Vorgel. [98] in d. öff. Sitz. d. K. Akademie der Wissenschaften. Berlin. (Abgedr. in Beyträge zur Anthropologie und allgemeinen Naturgeschichte. 1812.) – Meusel, Gel. Teutsch. 7l. IT. R7. – Cuvier, 1J1l0gs 11isc01sjquOs II. 1819. – Allgemeine Zeitung October 1811. Nr. 281, 283, 285. – Clarke, ’1J1–9„701S i11miio11S 00untris orksurops Sto. 1. 1810. – Bernoulli, Reisen. 1V.
Friedrich Ratzel.
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