ADB:Paucker, Magnus Georg von
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Paucker: Magns Georg v. P. wurde am 15. November 1787 als
Sohn eines Landpfarters in Estland geboren, genoß zue1st eine sehr sorgfältige Erziehung im elterlichen Hause, dann seit dem 11. Jahre bei einem Oheim in Wesenberg; zuletzt erhielt er mit mehreren gleichaltrigen Knaben den Unterricht zu Hause durch einen kenntnißreichen Hauslehrer Joh. Heinr. Fidejustus Heuser aus Erfurt, der seinem Zögling insbesondere eine entschiedene Neigung zu den mathem. Wissenschaften einflößte. Im J. 1805 bezog er die Universität zu Dorpat und gab sich unter Leitung der Professoren Parrot und J. W. Pfaff dem Studium der Physik, Astronomie, Mechanik und Hydraulik mit dem größten Eifer hin. Schon als Student veröffentlichte er „astrognostische Notizen“ und „über den Sehungsbogen der Fixsterne“ in Pfaff’s astronomischen Beiträgen (Dorpat 1806). P. vollsührte auch im Sommer 18Os die Vermessung des Embachstromi-H in Livland von seinem Ausfluß aus dem Würzjärw bis zu seinem Einfluß in den Peipuzsee trigonometrisch; doch wurde die Arbeit erst 50 Jahre später publicirt [241] T-Vermessung des Embachs, seines Laufes und seines Profils im Sommer des J. 1808“, Dorpat 1855). .Im J. 1809, nachdem er seine Studien in Dorpat beendigt hatte, ging er nach St. Petersburg und errichtete bei Zarskoje Selo den ersten Telegrapheu in Rußland. Er bereitete sich vor, in daß Institut –der ,Ingenieure einzutreten, um sich später ganz der Praxis zu widmen, als ihn im Herbst ein Ruf nach Wiborg (Finnland) als Oberlehrer der Mathematik führte. Hier weilte er jedoch nur kurze Zeit. Schon im Anfang 1811 als Observator an die Sternwarte nach Dorpat übergesiedelt, begann er mit Erfolg Vorlesungen über Analysis, Differential- und Integral-Rechnung zu halten. Im März 1813 erwarb erfich die Würde eines Doctors der Philosophie (1)js. (1S11oy.s;r. e1p1jcJ8.tionO p11z91101J:1enj 91stj(:j1;8.cjs 00rpOrum rigj(torum) und wurde im Januar desselben JAhres zum außerordeut!ichen Professor der Mathematik ernannt. Trotzdem gab er die akademische Laufbahn auf und nahm die Stelle eines Oberlehrers der mathematischen und physikalischen Wissenschaften am Gymnasium in Mitau im August an. Hier eröffnete sich ihm ein zwar nicht sehr weiter, aber reich gesegneter Wirkungskreis für Jugendbildung und Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, dem er mit unermüdlichem Eifer ein volles Menschenalter seine beste Kraft und seine reichen Erfahrungen gewidmet hat. Er begnügte sich aber nicht mit dem blos mündlichen Unterricht in allen Zweigen der Mathematik und Physik, sondern suchte auch durch zahlreiche Schriften der Wissenschaft in weiten Kreisen Anhänger und Freunde zu verschaffen, wobei er später vornehmlich die practische Anwendung der wissenschaftlichen Errungenschaften auf gemeinnützige Zwecke im Leben und Verkehr der Menschen im Auge hatte und nach allen Seiten durch Wort und Schrift anzubahnen bemüht war. Neben seinen Schulpflichten unterzog er sich bereitwillig den Arbeiten, welche daß Amt eines beständigen Secretärs der Kurländischen Gesellschaft für Litteratur und Kunst mit sich brachte; er bethätigte sich sehr energisch an der Lösung der die Gesellschaft beschäftige:-.den Fragen historisch-litterarischen wie wissenschaftlichen Juhalts. Nachdem am 28. Juli 1818 1)r. Huth, Professor der Astronomie, in Dorpat gestorben und Professor Brandes : (Breslau) den Ruf nach Dorpat auß- geschlagen hatte, wurde die Professur der Astronomie und Mathematik P. anget“:agen – allein P. lehnte ab. Und noch einmal wurde ihm ein Ruf zu theil: im J. 1831 wurde ihm der ehrenvolle Antrag gemacht, die Stelle eines ordentlichen Mitgliedes der k. Akademie der Wissenschaften zu St. Peter–3burg einzunehmen. Aber P. nahm den Antrag nicht an: er zog es vor, in Mitau in seinen bisherigen Verhältnissen und in der ihm liebgewordenen Amtswirksamkeit zu bleiben. Es waren lediglich Rücksichten auf seine Famikie, welche ihn zu diesem Schritt veranlaßten. Am Ende des Jahres 1846 gab er sein Amt am Gymnasium auf, um ganz seinen wissenschaftlichen Neigungen zu leben. Er starb zu Mitau den 19. August 1855. Die Zahl der von P. verfaßten Abhandlungen ist sehr groß – sie sind in Recke-Napiersky, Ill, S. 39O–393, Beise’s Nachträge dazu 1l, S. 109.–118in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Außer einigen Programmen und Reden und vielen Aufsätzen in den Jahresverhandlungen der Kurl. Gesellschaft nennen wir: „Die ebene Geometrie der geraden Linie und des Kreises oder die Elemente.“ Erstes Buch, Königsberg 1828, „MsmOjre pour 18 o011Stru0tj011 gsomstrjczus c1Os 6qustiOr18 äu tr0jsißme (19gr6 St Sur 1es pr0prists pri11Oj1J511es CIS CSS 6(1us„tjo118„ äell1011trs p:-Us 1s„ gö0mötrje esien1ent.9.jre“ (I:lt–Sm0jres (1O 1’Kosc16mis c10S Sciences (1O St. 1?(stsrsbourg 1846 “1sn1e F- p. 158–266). Eine sehr umfassende Arbeit lieferte er über die Metrologie Rußlands und stellte dieselbe handschriftlich der Petersburger Akademie vor, welche ihm dafür die volle Demidow’sche Prämie von 5000 Rbl. B. A. verlieh. Eine Reihe Arbeiten bekunden seine Thätigkeit auf der Mitauer Stern- 11W. 16 [242] warte: „Resultate der Aberrationstheorie der Fixsterne. Planeten und Kometen“, über correspondirende Sonnenhöhen (Vode’s astron. Jahrh. 1818–1828). Er „ schrieb „Metrologie der alten Griechen und Römer“ (Dorpater Jahrbücher für s Litkeratur, Statistik und Kunst1s. 1835, S. 177–217; ebendaselbst eine Valvationstabelle römischer Denarien, verglichen mit russischem Gewicht und Münze. Ferner „die Maaße und Gewichte Rußlands und seiner Provinzen“ (Schumacher’s Jahrb. 1836 u. 1887); „Fundamente der Geometrie“, 1.–lv’. Cutsus Congruenz, Parallellinien, Aehnlichkeit, Mitau 1842, 3s.–7III. Cursus Leipzig 1842; „die Gaussischen Gleichungen des Bogendreiecks und zwei merkwürdige Sätze vom Raum“, Mitau 1844; „Die Bildlehre“, Leipzig 1846 u. f. w. Paucker’s treffliche Schriften und practische Arbeiten sichern ihm für alle Zeit einen würdigen Plntz in der Geschichte der Wissenschaft.
Recke-NapierT-ky1ll, 890–393. – Beife’s Nachträge ll, 109–III. – Nekrolog im Dorpater „Inland“ 1855 Nr. 40–42 und ein Sonderabdruck daraus; auch in Grunert’s Archiv der Mathematik und Physik, )iI(71. Lit. Ber. O1. 1–14.