ADB:Pirch, Otto von (preußischer Generalleutnant)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Pirch, Otto von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 175–176, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pirch,_Otto_von_(preu%C3%9Fischer_Generalleutnant)&oldid=- (Version vom 6. Mai 2024, 07:09 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Pirch, Michael von
Band 26 (1888), S. 175–176 (Quelle).
[[| bei Wikisource]]
Otto von Pirch in der Wikipedia
Otto von Pirch in Wikidata
GND-Nummer 139211675
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|175|176|Pirch, Otto von|Bernhard von Poten|ADB:Pirch, Otto von (preußischer Generalleutnant)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=139211675}}    

Pirch: Otto Karl Lorenz v. P., preußischer Generallieutenant, geb. zu Stettin am 23. Mai 1765, wurde schon 1775 als Freicorporal bei dem in Wesel garnisonirenden Infanterieregiment Hessen-Cassel (Nr. 45), bei welchem sein Vater Franz Otto v. P. (s. d.) stand, angestellt, machte den baierischen Erbfolgekrieg, den Feldzug nach Holland und die Execution im Bisthum Lüttich mit und ward 1793 Adjutant der pommerschen Infanterieinspection, an deren Spitze sein Vater berufen war. In dieser Stellung blieb er bis zum Jahre 1806, bei Ausbruch des Krieges gegen Frankreich aber wurde er zum Brigademajor der Hauptarmee ernannt, mit welcher er bei Auerstädt focht, und gegen Ende des Jahres ward er Brigadier der in Ostpreußen errichteten Reservebataillone. [176] Nach Beendigung des Krieges gehörte er der zur Untersuchung der Capitulationen und Kriegsereignisse niedergesetzten Immediatcommission an, fungirte darauf als Adjutant beim General v. Stutterheim und wurde am 2. December 1809 Gouverneur der Prinzen Wilhelm (später Kaiser Wilhelm I.) und Friedrich (Neffe des Königs). Den letzteren begleitete er 1813 in den Krieg, während der erstere unter der Obhut des späteren Generals v. Minutoli vorläufig zurückbleiben mußte. Den Ereignissen des Feldzuges wohnte er mit dem Prinzen bis zum Waffenstillstande im Hauptquartiere Blüchers, dann in dem von York bei. Nach der Schlacht bei Leipzig am Rhein angekommen. meldete P. dem Könige, daß er die Erziehung des nunmehr neunzehnjährigen Prinzen als beendet ansehe und bat um Anstellung bei der Armee; am 31. December wurde diese durch seine Ernennung zum Brigadechef beim York’schen Armeecorps verfügt. Während des Wassenstillstandes war P. General geworden, zum Unterschiede von seinem Bruder George Dubislaw Ludwig v. P. (s. d.) hieß er P. II. Schon am 1. Januar erfolgte der Rheinübergang bei Kaub; am 12. erhielt P. den Auftrag, Diedenhofen zu blokiren, wurde aber schon am 15. durch andere Truppen abgelöst und vereinigte die seinigen wieder mit dem York’schen Corps. Es wurde ihm nun zunächst der Auftrag zu Theil, die kleine Festung Vitry-le-François zu nehmen, welche die Franzosen am 4. Februar räumten, als er sich eben zum Sturme anschickte; er vereinigte sich daher von neuem mit dem Corps, wurde aber schon am 11. d. M. durch einen Schuß in den Oberschenkel, welchen er im Treffen von Montmirail bei einem mißlungenen Angriffe auf das Dorf Blassein empfing, der weiteren Theilnahme am Kriege entzogen. Am 10. April konnte er das Commando seiner Brigade wieder übernehmen, vertauschte dasselbe indessen bald darauf, als York im Gefolge des Königs nach England ging, mit dem des Armeecorps, welches er bis zum April 1815 behielt. Als dann die Armee für den bevorstehenden Krieg anders formirt wurde, trat er an die Spitze der zum 1. Armeecorps unter General v. Zieten gehörenden 2. Brigade. Er befehligte nun bis zum Beginn der Feindseligkeiten die Vorposten zwischen Thuin und Marchienne au Pont, leitete am 15. Juni die Rückzugsgefechte in die Stellung bei Fleurus, focht bei Ligny und Waterloo, überfiel in der Frühe des 28. Juni den Feind bei Villers-Cotterets, wo seine Truppen 14 Geschütze etc. nahmen, hatte im Juli an den Gefechten bei Sevres, Meudon und Issy Antheil und blokirte später Philippeville, welche Festung am 9. August capitulirte. Am 3. September commandirte er die Truppen, welche zu der auf dem Marsfelde bei Paris stattfindenden Fahnenweihe bei Versailles zusammengezogen waren. Eine Schwäche des rechten Beins, welche durch die obenerwähnte Verwundung hervorgerufen war, veranlaßte ihn, nach der Rückkehr in das Vaterland seine Pensionirung zu erbitten, welche am 16. October 1815 bewilligt wurde; im J. 1817 aber wurde er zum Mitgliede, 1819 zum Präses der General-Ordenscommission ernannt und am 26. December des letzteren Jahres als „Oberdirector der Cadettenanstalten, der allgemeinen Kriegsschule und Präses der Militär-Studiencommission“ in der Armee wieder angestellt. Unverheirathet, starb er in dieser Verwendung am 26. Mai 1824 zu Berlin.

Militär-Wochenblatt Nr. 416, Berlin 12. Juni 1824.