ADB:Spiegel zum Desenberge, Franz Wilhelm Freiherr von
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Spiegel: Franz Wilhelm Freiherr S. zum Desenberg-Canftein, geb. am 30. Januar 1752 zu Canstein, Amt Marsberg in Westfalen, als Sohn dez-z kurfürstl. Kölnischen Geheim-en Rothe?- und Landdrostenin Westfalen Theodor Hermann v. S. z. D., f zu Canstein am 6. August 1815. Biz zum zehnten Jahre wurde er durch einen HauSgeistlichen unterrichtet, war sechS Jahre Zögling deS PageninstitutS zu Bonn, studi1:te zwei Jahre in Löwen die Rechte, hierauf nach der Ernennung zum Kammerherrn biS 1775 die RechttJwissenschaft und Geschichte in Göttingen. Zwei Jahre bekleidete er die ihm verliehene Stelle am HofratheScolleg zu Bonn, trat in den Cleru-S und erhielt ein Canonicat zu Münster, ein zweite8 zu Hilde?-heim, machte eine Reise nach Rom und wurde 1779 nach seines Vaters Tode zu dessen Nachfolger im Amte deS Landdrosten bestellt. A18 solcher hat er sich um die Zustände deck- Herzogthum8 sehr verdient gemacht. Der Kurfürst Max Franz erhob ihn zum Conferenzrath, zum Präsidenten der Kammer, der Oberschul-Commission, Director deZ Hofbau- wesen8 u. s. w. Ju dieser Thätigkeit hat er durch Besserung des- Rechnungswesen;-, Beseitigung bezw. Verlegung an die Grenze der Binnenzölle, staatliche Ver- waltung des ZollwesenS statt der Verpachtung u. A. sich wesentliche Verdienste erworben. Am 26. Juli 1786 zum Präsidenten des Akademierathe8 ernannt hat er wesentlich zur AuSführung der im Zuge befindlichen Stiftung der Universität zu Bonn beigetragen, an deren EröffnungStage (20.November) er auch eine Rede hielt, welche den Geist der Stiftung kennzeichnet; für diesen sind ebenfallZ seine späteren alljährlich am EtöffnungZtage gehaltenen Reden von Bedeutung Eine wegen seiner Rede vom Domcapitcl in Köln angeftrengte Beschwerde hatte für ihn keinen weiteren Nachtheil. Er behielt daß volle Vertrauen des Kurfürsten, erwarb sich auch ein Verdienst durch den befolgten Rath, keine französischen Flüchtlinge aufzunehmen. Zuletzt war er Vorsitzender der beim AuZbruche deZ Krieges ernannten Militair-Commission. Auch nach dem Tode de8 Kurfürsten behielt er für den nicht von Frankreich occupirten Theil des Kurfürftenthum3 die Leitung der Regierung?-geschäfte, bis er nach dem ReichSdeputationShaupt- schlusse 1803 sich auf sein Landgut Canstein zurückzog. Er war alZ Staats- beamter und Mensch hervorragend, reich an Kenntnissen und von unermüdlichem [156] Fleiße. An Schriften hinterließ er: »DaZ Grab der Bettelmönche« 1781. –– ,,Nicht mehr und nicht weniger als 12 Aposteln« Mietau 1781. (Fortsetzung .jener). –– Biogr. Skizze des Kurs. von Köln, Erzh. Maximilian Franz in v. Schirack)- Polit. Journal 1801 Oct. ––– »Betrachtung über daß im Herz. Westfalen erlassene VermögenZfteuer-Edict«, 1804, eine Schrift, welche die baldige Zurücknahme dieses EdictS veranlaßte. –– ,,Ein Wort zu seiner Zeit« 1814. Aufsätze im »Westfälischen Anzeiger", »Reich8anzeiger«, Häberlin’s Staats- Archiv u. s. w. Seibertz, Westfälische Beiträge 1l, 147––155 , der nach der An- merkung S. 14-7 auf den Mittheilungen deS Amtmann8 Philippi in Canstein fußt. –– C. Varrentrapp, Beiträge zur Geschichte der Kurkölnischen Universität Bonn. Bonn 1868. 4, Seite Kl ff., wo die Nachweise über die Reden u. f. w.