ADB:Steudner, Hermann

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Artikel „Steudner, Hermann“ von Friedrich Ratzel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Steudner,_Hermann&oldid=1696370 (Version vom 17. September 2014, 03:52 Uhr UTC)
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Steudner: Hermann St., Naturforscher und Afrikareisender, geb. 1832 zu Greiffenberg in Schlesien, besuchte das Gymnasium zu Görlitz, studirte seit 1850 in Berlin und Würzburg Botanik und Mineralogie, und schloß sich auf den Rath von Heinrich Barth der 1860 unter Heuglin entsandten Expedition zur Erforschung der Nilländer an. Seine Aufgabe lag hauptsächlich auf der botanischen und geologischen Seite, doch beweisen die Berichte aus seiner Feder eine vielseitige Beobachtungsgabe. Zu seinen Lehrern gehörten neben A. Braun und Schenk, Gumprecht, Weiß und Beyrich, auch C. Ritter, Dove, Ehrenberg. Er hatte sich im Blick auf eine Forschungsreise mit Medicin, der Afrika-Litteratur und der arabischen Sprache beschäftigt. St. trat anfangs 1861 die Reise nach Ostafrika an, traf am 4. März in Alexandria ein, besuchte mit Hansal und dem nachträglich zur Expedition gestoßenen Gärtner Schubert Rosette, worüber er seinen ersten Bericht an Petermann sandte (Geograph. Mittheilungen 1861). Nach verschiedenen kleineren Ausflügen von Kairo aus, trat St. Ende Mai die Reise nach Suez an, von wo aus die Quellen von Ainchusa besucht wurden (Bericht ebenda). Von Djedda aus, wo die Expedition am 7. Juni weilte, sandte er einen weiteren Bericht über Unterägypten, besonders Fajum, ein, in dem er bereits 200 gesammelte Pflanzen aufzählt. Am 17. landeten die Reisenden in Massaua, von wo die Dahlak-Inseln besucht wurden und siedelten anfangs Juli nach M’Kullu über, wo St. zum ersten mal leicht erkrankte. Am 1. Juli [156] war Munzinger eingetroffen, und übernahm die Führung in das Land der Bogos. In Keren wurde die Regenzeit verbracht. Bei der unglücklichen Trennung der Expedition, die am 11. November in Mai Schecha (abessin. Provinz Seraui) stattfand, blieb St. sammt dem Gärtner Schubert bei Heuglin, während Munzinger und Kinzelbach nach Chartum weiter gingen. Darum erstreckte sich denn auch der Tadel, der Heuglin durch das deutsche Afrika-Comité zu theil wurde, auf St. und wurden auch ihm keine weiteren Mittel bewilligt. St. ging mit Heuglin im October nach Adoa und von da wurden im Winter 1861/2, da der geplante Weg Kaffa-Sobat nicht eingeschlagen werden konnte, Reisen nach Axum, Gondar, ins Wollo-Land gemacht und im Frühling über Djenda der Weg nach Chartum angetreten. Im Januar 1863 schlossen sich Heuglin und St. der Tinne’schen Expedition nach dem oberen Nil an. St. konnte die Reise nur unter Schwierigkeiten machen, da seine Mittel sehr beschränkt waren. Am 25. Februar kamen sie mit dem ersten Schiff in der Meschra er Rêk an. Mitten unter den Vorbereitungen zur Weiterreise zu den Bongo befiel St. ein Gallenfieber, nachdem er gezwungen gewesen, drei Wochen auf einer Rêk-Insel zuzubringen. Es raffte ihn am 10. April 1863 in Wan, einem Djurdorfe, wsw. von der Meschra hin. Heuglin begrub ihn unter einer Baumgruppe unweit des Flusses, in „ein möglichst tiefes Grab an einem vor Ueberschwemmung sicheren Ort. Den Körper ließ ich in ein großes abessinisches Tuch nähen, im Grund des Grabes noch eine engere Vertiefung für denselben anbringen, diese mit Laub füllen und nach der Beisetzung sorgfältig mit Holz und Rinde decken“. Eine Unterstützung, die Barth in Anerkennung der Vortrefflichkeit der Steudnerschen Berichte in demselben Jahre abgesandt hatte, erreichte ihn nicht mehr. – St. gehört zu den beklagenswerthen frühen Opfern der deutschen Afrikaforschung, wie Roscher und Beurmann, die in der Zeit der ersten Anläufe und Versuche fielen, nicht bloß Opfer des Klimas und der Anstrengungen, sondern auch Opfer fremder und eigener Unerfahrenheit. St. hat kein größeres Werk hinterlassen. Seine Berichte aus Afrika sind großentheils in den Jahrgängen 1861–64 der Zeitschrift der Berliner Gesellschaft für Erdkunde abgedruckt, wenige in den entsprechenden Bänden der Geographischen Mittheilungen. Der Schlußbericht über „Die deutsche Expedition in Ostafrika 1861/2“ (Gotha 1864) enthält keinen Beitrag von St. Sie legen Zeugniß ab für wissenschaftliche Tüchtigkeit – vergleiche über diese die Worte eines seiner Lehrer in den Geographischen Mittheilungen 1860, S. 444 – und einen aufgeschlossenen, heiteren Sinn. Heuglin’s Berichte und Bücher, besonders die Beschreibung der Reise zum weißen Nil, enthalten zahlreiche Angaben über St., vorzüglich die ausführliche Mittheilung über seine letzten Tage und seinen Tod.

Autobiograpische Mittheilungen in den Geographischen Mittheilungen 1860. Weiteres in seinen eigenen obengenannten Berichten und dem Heuglin’schen.
Friedrich Ratzel.