ADB:Stigel, Johann

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Artikel „Stigel, Johann“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), ab Seite 228, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stigel,_Johann&oldid=804040 (Version vom 5. Dezember 2009, 13:48 Uhr UTC)
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Stigel: Johann St., lateinischer Dichter, Professor in Wittenberg (1515-1562). Geboren am 13. Mai 1515 zu Gotha (nicht im Dorfe Frimar, wie Sagittarius behauptet), wurde er Schüler der Lateinschule seiner Vaterstadt, welche damals Basilius Monner, der spätere Jenenser Jurist, leitete. [229] Er hat dem Lehrer ein dankbares Andenken bewahrt, den er auch als „Zierde der frommen Musen“ poetisch begrüßte. Dem berühmten Humanisten Konrad Muth (Mutianus), der als Kanonikus in Gotha lebte Und 1526 daselbst gestorben ist, dichtete er eine pietätvolle Grabschrift. Vom Rufe Luthers und Melanchthon’s angezogen, bezog St. die Hochschule Wittenberg, woselbst er den 15. October 1531 als .lo118.11vestigO1 (1e 00m in das Album der Universität eingetragen wurde. Anfangs entschlossen, Rechtswissenschaft zu studiren, wandte er sich bald sprachlichen Studien zu, wobei neben Melanchthon besonders Franz Burchart (A. D. B. III, 569), der damals Lehrer des Griechischen in Wittenberg war, ' bestimmend auf ihn einwirkte. Dabei beschäftigte er sich auch mit Medicin, Physik und Astronomie. Seine poetische Begabung gewann ihm, abgesehen von Melanchthon, die Liebe Luther’s, den er vielfach in seinen lateinischen Gedichten gefeiert hat. Außerdem verkehrte er mit Georg Sabinus, dem späteren Schwiegersohn Melanchthon’s, Kaspar Bruschius, Paul Eber, Petrus Lotichius Secundus u. A. Als 1535 Wittenberg von der Pest .heimgesucht wurde, wanderte er mit Melanchthon und anderen Wittenbergern nach Jena. In der Begleitung von Fr. Burchart, der in den Dienst deß3 Kurfürsten von Sachsen getreten, hat er mehrfach an diplomatischen Reisen theilgenommt-n. Von Kaiser Karl R?., an den er im J. 1541 eine „kJpjsto18„ g1-m:u18to1•ja“ in Versen gerichtet hat, wurde er zumsetu 1s u1re:1.rus ernannt. Durch die Fürsprache Melanchthon’s erhielt er die Professur der lateinischen Sprache in Wittenberg. Zu dem vom Fiskus der Universität bezogenen Gehalte von 150 Gulden gab der Kurfürst noch weitere 50 Gulden aus. seiner Casse, so das St. 1544 einen Hauesstand mit Barbara Künhold zu gründen vermochte. Aus dem bei diesem Anlaß gedichteten Epithalamium von Toxites erfahren wir, daß Melanchthon, Ziegler und der Mathematiker Rhetus zu der Hochzeit gebeten wurden. Nachdem der schmalkaldische Krieg die Universität Wittenberg zerstreut hatte, folgte er 1547 einer Einladung nach Jena zur Ausrichtung einer Lateinschule. Als der damals H noch gefangene unglückliche Johann Friedrich im J. 1548 eine neue Hochschule zu Jena er- öffnen ließ, wurde auch St. als Lehrer für dieselbe gewonnen. Wie der Melanchthonianer Strigel, hielt auch St. eine lateinische Rede bei der Eröffnung der Universität, wobei er das Thema behandelte: VO ucj1jmte 8cu(1io1•um S10- qusi1tjse. Schwere Zeiten mußte er durchmachen, als in Jena allmählich die Melanchthon feindliche Flacianische Richtung zur Herrschaft gelangte. Er selbst blieb seinem Wittenberge-r Lehrer treu, wofür ihm dieser auch dankte, wenngleich er auch Beziehungen zu den Flacianern Jo. Fr. Coelestinus und Joachim Stigel von Eisenach unterhielt. Der zu Jena 1561 abgehaltenen Untersuchung über die Flacianer wohnte er als Ankläger bei. Die Vertreibung der Flacianer von der Hochschule Jena hat er nicht lange überlebt. Er starb daselbst am 11. Februar 1562 und wurde in der St. Michaelskirche beigesetzt. Mehrere Freunde haben St. durch lateinische Epitaphien gefeiert. Sein Charakter wird allgemein getühmt, obgleich er gelegentlich auch heftig aufbrausen konnte. Besonders war er ein herzlicher und treuer Freund. Seine Freundschaft mit Melanchthon war so innig, daß er dessen Feinde wie seine eigenen ansah und gelegentlich auch die Gegner seines Lehrers litterarisch bekämpfte. Den großen Kreis seiner Freunde lernt man auch aus seinen Gedichten kennen, mit denen er sie auszeichnete. Seiner poetischen Begabung, die er übrigens fast nur in lateinischer Sprache geübt hat, spenden schon die Zeitgenossen. hohe Anerkennung. Joachim Camerarius nennt ihn einen zweiten Eobanus Hessus. Das früheste von ihm im Druck erschienene Gedicht scheint die 1536 veröffentlichte „1-!)1Sgia. t1e (1jsoesu 8.b urbs JSv8“ zu sein. Erst nach seinem Tode erschienen die acht Bücher seiner Gedichte (1566-69), denen 1572 ein neuntes Buch folgte. Eine vermehrte Ausgabe derselben besorgten Georgius Monethius und Jacobus Rose [230] Doch fehlen auch in dieser Sammlung noch viele Gedichte. Dieselben geben schöne Einblicke in die Zeitvethältnisse, indem eine große Anzahl historisch - oder littetarisch bedeütender Persönlichkeiten darin gefeiert wird. Die Stoffe 4 sind theils religiös (z. B. zahlreiche Psalmenparaphrasen), theils weltlich. Unter den Formen sind die Distichen bevorzugt. Zahlreiche Briefe Melanchthon’s an St. stehen im 0orpus Rek0rmzt0rum (vgl. Registerband), leider ist ebendaselbst nur ein einziger Brief Stigel’s an Melanchthon aufgenommen. Einige Briefe Stigel’s sind in der unten erwähnten Arbeit Göttling’s abgedruckt.

Ox-us. 0uj1. ci0Stt1jng- 7jts .10118.1u1jstige1ii ’1’11urj11gi (0pus0. Hom!. hrsg. von K. Fischer) p. 1-64, Wiederabdruck der Festschrift d. Universität Jena 1858. Einige Ergänzungen dazu bei Ad. Horawitz, Casp. Bruschius. Prag u. Wien 1874. - G. Kawerau, S. 7. Stigel (Realencyklopädie f. protest. Theologie u. Kirche R17, 727). - Ein Verzeichniß der poetischen Schriften bei K. Goedeke, Grundriß der deutsch. 112, 94.
Karl Hartfelder.
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