ADB:Trinius, Karl Bernhard

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Artikel „Trinius, Karl Bernhard“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), ab Seite 619, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trinius,_Karl_Bernhard&oldid=662016 (Version vom 25. Dezember 2009, 07:22 Uhr UTC)
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Trini1ls: Karl Bernhard T., Arzt, Botaniker und Dichter, wurde am 6. März 1778 zu Eisleben geboren. Sein Vater Anton Bernhard T. war Pfarrer, seine Mutter Charlotte eine Schwester des bekannten Gründers der Homöopathie, Hahnemann. Als der junge T. im J. 1796 mit dem Zeugniß der Reife das Gymnasium seiner Vaterstadt verließ, sprach er seine Gefühle in einer Hymne aus (Gedichte S. 146–147). Er bezog zuerst die Universität Jena, um Medicin zu studiren; dann wandte er sich nach Halle, woselbst Professor Batsch in ihm die Neigung zur Botanik erweckte, später studirte er in [620] Leipzig 1md zuletzt in Göttingen: hier wurde er 1802 zum Doctor der Medicinpromovirt. Nachdem T. in Berlin die Staatsprüfung bestanden, begab er sich auf eine Empfehlung Hufe1at;d’s ins die deutsch-russischen Oftseeproviuzen. Um in Rußland eine Anstellung als Arzt zu finden, machte er noch einmal ein ärztliches Examen in Dorpat und erhielt auch sofort eine Stelle als Arzt auf dem Landgut Gawsen in Kurland. Doch bald siedelte er nach der Stadt Hasenpoth (Kurland) über, 9woselbst er mit dem als Dichter bekannten Ulrich v. Schlippen-– bach und dem Schriftsteller v. Mirbach in lebhaften und freundschaftlichen Vers kehr’ trat. Im J. 1808 gab T. seine Praxis in Hasenpoth auf, um das Amt eines Leibarztes der Herzogin Antoinette von Württemberg, geborenen Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, anzunehmen – in diesem Amt blieb T. 16 Jahre, bis zum Tode der Herzogin (1824). “Diese Stellung war in gewissem Sinne eine sehr angenehme, insofern, als T. Gelegenheit fand, auf den vielen Reisen in Deutschland und Rußland interessante Gegenden zu sehen und mit berühmten und ausgezeichneten Männern in Berührung zu kommen; andererseits war die Stellung unbequem: T. wurde viel von seiner Familie getrennt. Wir sind im einzelnen über die Reisen und den wechselnden Aufenthalt Trinius’ nicht unterrichtet. Die Jahre 1811–1815 verlebte T. in St. Petersburg, woselbst sich damals die Herzogin aufhielt; hier schloß er Freundschaft mit E. M. Arndt, hier fand er neben seiner praktischen ärztlichen Thätigkeit noch Muße zu wissenschaftlichen Arbeiten. Von 1816–1822 vetweilte T. in Witebsk – diese Jahre hat er einst als die höchste Blüthezeit seines Leibes und seines Geistes bezeichnet. Nachdem er 1822 nach St. Petersburg zurückgekehrt war, wurde er sehr bald – infolge seiner wissenschaftlichen botanischen Arbeiten – ordentliches Mitglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften für das Fach der Botanik. Als 1824 die Herzogin starb, wurde- T. zum kaiserlichen Leibarzt ernannt; von nun ab blieb St. Petetsburg sein ständiger Wohnsitz und seine Thätigkeit war – neben der ärztlichen Praxis – die Pflege der Botanik an der Akademie. Von 1829–1833 unterrichtete T. den damaligen Thronfolger, spätern Kaiser Alexander II., in den Naturwissenschaften; er verfaßte in Berücksichtigung dieses Untertichts „Zur Erinnerung an unsere Unterhaltung über allgemeine Naturgeschichte in den Jahren 1829 und 1880“ (anonym, o. D. u. J.). Im J. 1886 besuchte T. im Auftrage der k. Akademie die wichtigsten botanischen Sammlungen Deutschlands und Oesterreichs: Berlin, Leipzig, Halle, Göttingen, Dresden, Prag, Breslau, Stuttgart und München. In München traf ihn ein Schlagfluß (März 1837); im Mai des nächsten Jahres kehrte er nach St. Petersburg zurück und obwol er sich von den Folgen des Schlagflusses allmählich erholte, so kräntelte er doch immerfort und starb, 66 Jahr alt, am 12. März 1844.

T. war seinem ursprünglichen Beruf nach Mediciner und hat vom Beginn seiner selbständigen Thätigkeit die Pflichten eines praktischen Arztes ausgeübt; er hat sich eine Zeit lang in St. Petersburg einer großen Praxis zu erfreuen gehabt und war in gewissen Kreisen als Arzt sehr angesehen und beliebt. Vom Jahre 1830 an neigte er stark zur Homöopathie, wozu ein lebhafter Briefwechsel mit seinem Oheim Hahnemann viel beigetragen haben mag. Medicinische Abhandlungen hat er keine verfaßt; doch ist eine Arbeit „Ueber das Wesen und die Bedeutung der menschlichen Haare und Zähne“ hierher zu rechnen (Bull. d.H St. Petetsbg. Akad. u- Lotz A0mi. O-D88. I.eOp. 7o1. )c7111„ p. 1). Ein bleibendes Verdienst hat sich T. um die botanische Wissenschaft erworben – 38 Jahre lang hat er neben seiner ärztlichen Thätigkeit sich mit Liebe, Ausdauer und Geschick dem Studium der Botanik hingegeben. Sein Hauptgebiet waren die Gräser, die er sorgfältig bearbeitete; er beschrieb mancherlei neue Arten und bereicherte dadurch nicht allein die Wissenschaft, sondern legte auch den

[621] Grund zu weiterer Forschung. Sein Hauptwerk „81zeeies grumimim- ioo11ibns et äe.8crjptionjbus i11118tr.“ (7o1. l 1828- 7o1 . ll 1829- 701. III 1836- cum wbb; 360. 19etr0po1i- 4o) wird für alle Zeiteine;BHedeutung haben. Außerdem hat T. in vielen Einzelabhandlungen die botanisese Ausbeute russischer Reisender beschrieben. – Neben dieser rein wissenschaftlichen Thätigkeit leistete T. sehr viel als Akademiker: er begründete an der St. Petersburger Akademie ein botanisches Museum. Freilich bestand bereits vor T. an der Akademie eine botanische Sammlung: aber das Verdienst, diese kleine Sammlung durch die botanische Ausbeute der russischen Reisenden Gmelin, Steller, König, Adams, Falk, Amman u. A. vermehrt und zu einem großartigen botanischen Museum umgeschaffen zu haben, ist T. allein zuzuschreiben. Et schenkte kurz vor seinem Tode seine eigene reichhaltige Gräsersammlung (5000 Arten in 35–40 000 Exemplaren) der Akademie. – T. hat 34 botanische Abhandlungen veröffentlicht und außerdem noch einige Manuscripte botanischen Inhalts hinterlassen: eine Aufzählung können wir hier unterlassen. T. war auch Dichter; er hat bei seinen Lebzeiten einige Gedichte in der „Curonia“, im Morgeublatt Und anderen Zeitschriften und Tclscheubüche1IU, Wie sie damals üblich waren, veröffentlicht. Er hat sich auch als Dramendichter versucht („Dramatische Ausstellungen“, Berlin 1820. 268 S.), doch scheint er selbst seinen Gedichten keinen sehrsgroßen Werth beigelegt zu haben; freilich hat er von Jugend auf seine poetischen Erzeugnisse gesammelt, doch erst nach seinem Tode haben zwei Freunde eine Sammlung seiner Gedichte herausgegeben („Gedichte“, Berlin 1848). Man wird hier kein kritisches Urtheil über die poetische Begabung von T. erwarten – seine Zeitgenossen scheinen den Gedichten nicht die Bedeutung beigelegt zu haben, wie seine Freunde, die den Menschen T. schätzten– und liebten. In einem Nekrolog heißt ees: „T. gehört zu der kleinen Zahl jener auserlesenen Menschen; die durch eine eigentümliche Gewandtheit, seine Bildung ihres Geistes, durch die Eigenschaften ihres Herzens und durch eine lebhafte und glänzende Phantasie die Seele der Gesellschaft werden, in welcher sie leben, und gleich bei der ersten Bekanntschaft, ohne den Anschein, es zu wollen, die Zuneigung Aller, die sich ihnen nähern, erwerben“. Recke-Napiersky 17, 897, 98. – St. Petersb. Deutsche Akademische Zeitung 1845, Nr. 70. – Gedichte von Dr. K. B. Trinius, herausgegeben von zweien seiner Freunde. Berlin 1848, Reimer. Hier findet sich S. 1–82 ein Lebens abriß und S. 32–38 ein freilich nicht ganz vollständiges Verzeichniß der veröffentlichten und hinterlassenen Abhandlungen von T.

L. Stieda.
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