ADB:Witzel, Georg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Witzel, Georg“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), ab Seite 657, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Witzel,_Georg&oldid=822158 (Version vom 11. Dezember 2009, 10:43 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
Witweiler, Georg
<<<Vorheriger
Witweiler, Georg
Band 43 (1898), ab Seite 657. (Quelle)
Autor [[{{{9}}}|{{{9}}} in Wikisource]]
Nach PND-Nummer Suchen
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

Witzel: Georg W. oder Wicel, repräsentirt als eifriger katholischer Jreniker im Zeitalter der Reformation den Standpunkt der Vermittelung zwischen der mittelalterlichen Frömmigkeit und den berechtigten Ansprüchen der lutherischen Reformation. Zwischen Luther und Erasmus schwankend, bei den Reformatoren als verschlagener Katholik verhaßt, bei den Katholiken als ein unsicherer Genosse beurtheilt, hat er sein Leben in rastlosem Eifer ohne bleibenden Ersolg verzehrt. Von redlichen Eltern zu Vacha an der Werra 1501 geboren und streng kirchlich erzogen, erhielt er auf Schulen in „umliegtnden Landen“ (Schmaltalden, Eisenach, Halle) unter schwierigen Verhältnissen seine Vorbildung. „In Härtigskeit schwerer Armut, in großem Hunger und Frost, in Diensten fremder Leute und Schulgehorsam wurde meine Jugend gebrochen“, berichtet er selbst („Von der christl. Kirche . .. wider ,Jonam“ 1534, vgl. Ne-ander s. unten, 175). Doch gelang es ihm, im Wintersemester 1516117, die Universität Erfurt zu beziehen. Ein geregeltes Studium hat er nicht geführt; denn nur zwei Jahre blieb er in Erfurt, wo er es bis zum Baccalaureus brachte. Dann wurde er Pfatrschulmeister in seiner Heimath. In seinem 20. Jahre aber (1520) hat er nach seiner eigenen Angabe 28 Wochen in Wittenberg studirt, wohin ihn gerade damals, wie viele andere, nach der Leipziger Dispu1ation das Interesse für Luther geführt haben wird. Auf Drängen seines Vaters aber wurde er in demselben Jahre Priester und hielt sich „bis in das 24. Jahr“ in seiner Vaterstadt als Vicarius auf, that aber gelegentlich auch Stadtschreiberdienste. „Da er hier aber dem Gelübde der Keuschl)eit nicht treu blieb und auch nicht im Concubinat leben wollte“ (obige Schrift wieder Jonam bei Neander 196), schritt er zur Ehe und heirathete eine Etsenacher Bürgerstochter. Diese Beziehung brachte ihn in ein nahes Vethältniß zu dem christlich-socialistischen Pfarrer Jacob Strauß daselbst; ihm hatte er es zu verdanken, daß er Pfarrer zu Wenigen-Lupnitz bei Eisenach wurde. Da brach der Bauernkrieg aus, und auch Witzel’s Pfarrtinder wurden von der revolutionären Bewegung ergriffen. Obgleich er selbst sowol durch seine eigene Lebenserfassung als auch infolge von Straußischen Anregungen für die Roth der hartgedrückten Bauern ein warmes Herz hatte, so ist er doch dem Münzer’schen Geiste entgegengetreten; aber da er das nicht mit der Entschiedenheit that, welche sein Gutsherr von ihm erwartet hatte, so verlor er seine Pfarrstelle und irrte mit seiner Frau und einem erst drei Monate alten Kinde, von allen Leben-S-mitteln entblößt, in Sachsen umher, bis er nach einem halben Jahre auf Luther’s Empfehlung hin eine Anstellung als Pfarrer in dem sächsischen Städtchen Niemegk, nahe bei Wittenberg, erhielt. Von 1525 bis 1531 finden wir ihn in dieser Stellung. Hier hatte er Zeit und auf der dort vorhandenen Bibliothek auch Gelegenheit, sich in die Kirchenväter zu versenken; gleichzeitig s studirte er aber auch die Schriften des Erasmus. Darüber ging ihm die Meinung auf, daß die geistesbewegung, welche Luther begonnen, eine wirkliche Reformation, die einzig nöthige Reformation der Kirche nicht herbeigeführt habe und auch nicht herbeiführen könne, weil bei den Lutherauern die guten Werke der Kirche fehlen und zwar sowol in der Theorie als auch in der Praxis, sowol in der Theologie als auch im Gemeindeleben. Dieses principielle Urtheil, dem er selbst von nun an den allergrößten Werth beilegte, läßt erkennen, daß er Luther’s Rechtfertigungslehre nicht verstanden hatte, und das er selbst andere Ziele verfolgte als Luther selbst: nicht Heilserkenntniß, sondern Kirchenreinigung erstrebte er in Gottesdienst und Leben, eine nicht blos religiöse, sondern zugleich ethisch-politische Reformation. Als Maßstab diente ihm dabei eine phantastische Vorstellung von der Reinheit der Urgemeinde in Jerusalem, eine Vorstellung, die er dann wieder auf die Kirche der ersten Jahrhunderte übertrug und nach welcher 1l-III. 42 [658] er endlich die Kirche seiner Zeit gereinigt wissen wollte. Da er das Wesen dieser so vorgestellten alten Kirche, der una oztllo1ios., noch in der vom Papste regierten Kirche wiederfand, so erschien ihm daß Lutherthum und die Constituierung selbständiger Landeskirchen als Abfall von der einen wahren Kirche, als Sectieterei, und sein Hauptstreben richtete sich jetzt praktisch auf Wahrung der Einheit der s Kirche unter allen Umständen. Im J. 1531 ist diese Entwicklung Witzel’s abgeschlossen, und er verließ in demselben Jahre Niemegk unter Verzicht auf seine Pfarrei, nachdem er in den vorangegangenen sechs Jahren nie eine Annäherung an die Wittenbergischen Reformatoren gesucht hatte. Beschleunigt wurde dieser Abbruch seiner Beziehungen zum Lutherthum durch eine schlechte Behandlung, welche er 1530 von seiten der kurfürstlichen Regierung erlitt. Im J. 1529 hatte nämlich der bald darauf als Antitrinitarier offenbar gewordene Johann Campanus die Bibliothek in Niemegk benutzt und war mit W. näher bekannt geworden. Auf Grund dieser Thatsache wurde W. 1530 plötzlich verhaftet und nach Belzig ins Gefängniß geführt. Eine Schuld des Verhafteten konnte aber nicht aufgefunden werden. So wurde er entlassen. Krank und verbittert kehrte er nach Niemegk zurück. Seine Stellung war ihm dadurch verleidet. Er erklärte auf Grund eines Schreibens seines Vaters, in seiner Heimath Vacha als Laie leben zu wollen und zog wirklich dahin. Hier lebte er mit seiner Familie kümmerlich von seinen Niemegker Ersparnissen und rüstete sich zum Kampf gegen die Wittenberger Reformatoren, im Vergleich mit denen nach seiner Ansicht die Zwinglianer und noch mehr die Anabaptisten den Vorzug verdienten, weil sie mit der Herstellung des christlichen Gemeindelebens: mehr Ernst machten, als die werklosen Wittenberger Evangelischen. Seine Streitschriften gegen sie bewegten sich vor allem in der Opposition gegen die lutherische Rechtfertigungslehre und sollten der Vertheidigung der guten Werke im katholisch-kirchlichen Sinne dienen. Was sich nur immer zu Ungunsten der Reformatoren Vorbringen ließ, hat dieser „Kirchische“, wie er sich gelegentlich nennt, mit emsigem Fleiß zusammengebracht und so den modernen römisch-katholischen Tendenzschriftstellern reichlich Stoff für ihre Darstellungen an die Hand gegeben, wie die einst viel gelesene Schrift Döllinger’s über „die Reformation“ aus seiner ultramontanen Zeit und Janssen’s „Geschichte des deutschen Volkes zeigt. Die bedeutendsten Schriften, welche W. jetzt ausgehen ließ, waren betitelt „191–0 äeken8i0ne b0110rum 0perum 8.(1ysrsus now-os 13J78.ng91jsts.uOtors AgrjoO1z?118„g0“ [d. i. Georg aus Bach] (l.ips. 1532) und „KSte(ztjo 1.ut11Srjsmj“ (später gedruckt, 1538) und „Evangelion M. Luther’s (Lpz. 15.). Neben diesen Streitschriften unterließ er nicht, ein positives Programm aufzustellen; es ist der „1lletlloc1us con(:0r(1jets S0c1esjs.Stj0ze“ (verfaßt 1532, gedruckt 1587). Unter Verzicht auf die scholastischen Dogmen fordert er Rückgang auf die Lehre der Apostel, lehrt die Sufsicienz der heiligen Schrift zur Erkenntnis; des Heils, statuiert aber daneben das Recht der Kirche „in allen andern Fragen ihrerseits giltige Anordnungen zu treffen“. „Die Zeitläufte fordern gebieterisch eine deutsche Bibelübersetzung, aber nicht als Werk eines Privaten, sondern als Erzeugniß einer Commission der Gelehrtesten, denen die Kirche dazu Vollmacht ertheilt. Daß Predigtwesen bedars dringend einer Hebung. Die Lutheraner mögen auf Luther’s Postille verzichten, die Katholiken auf ihre lügenl)aften Legendenpredigten. Man veröffentliche Musterpredigten ohne Schmähungen, Heiligengeschichten ohne Lügen.“ (Nach Kawerau s. unten.) Er forderte weiter Katechismusunterricht nach apostolischer Lehre und eine daran sich anschließende Confirmationshandlung, die Abschaffung der bezahlten Messen, der (Jommunj0 Sub mi8- die Theilnahme der Gemeinde an der Communion, die Zulassung der Prieste1ehe. Dies Alles und vieletz Andere dazu möchten auf einem Concile, welches beiden Parteien Gelegenheit zur Aussprache bieten sollte, entschieden [659] werden. Auf dem Grunde dieser Gedanken hat W. fortan rastlos, aber ohne greifbaren Erfolg gearbeitet; „seine gesammte nachfolgende Wirksamkeit kann“, nach Kawerau’s Urtheil, „als Einzelausführung dieses seines Programms gelten.“ – Die Zurückwendung zum Katholicismus verschaffte ihm die Gunst katholischer Fürsten; 1533 berief ihn der Graf Hoyer von Mansfeld an die katholische St. Andreaskirche zu Eisleben, wo er in einer kleinen Gemeinde Zeit fand, erbitterte Streitigkeiten mit evangelischen Predigern zu führen, besonders mit Johann Agricola, Caspar Güttel, Cölius, Justus Jonas u. A. Hier entstand auch seine sehr wichtige katechetische Schrift „O:tte0bjsmus e0o1esjaO- Lehren und Handlungen des heiligen Christenthums (Original deutsch 1535; niederdeutsch durch Albert von Balven, Abt zu Riddagshausen 1550, aber ohne Nennung Witzel’s, lat. 1554). Voraus geschickt wird darin ein „kurzer Begriff“ des Alten und Neuen Testamentes, nach Kawerau, der erste Versuch, die biblische Geschichte im Jugendunterricht zu verwerthen. Er hat durch diese Schrift den Katechismus Luther’s verdrängen wollen. Um aber auch den Einfluß der Bibelübersetzung Luther’s zu brechen, schrieb er eine Kritik derselben in–seiuer Schrift „.41111otztj0nes das sind kurtze verzeichnus in der Wittenbergischen neuen Dolmetschung der ganzen heiligen Bibel“ (Lpz. 1536, 4o, in zwei Theilen; sie bietet eine Nachprüfung der lutherischen Bibelübersetzung, wobei W. fordert, daß der Bibeltext wörtlich genau überssetzt werden müsse. Diese Schrift macht seinem ernsten Sinne und seinen grammatischen Kenntnissen alle Ehre, zeugt aber nicht von richtigem Verständniß der Aufgabe des Uebersetzers. Auch für Herstellung eines deutschen katholischen Gesangbuches war er thätig und wirkte als „einer der wenigen Mitarbeiter an Michael Vehe’s Gesangbüchlein 1537“. – Ein Mann von solcher Gesinnung und so staunenswerther Arbeitskraft war dem eifrig katholischen Georg von Sachsen-Dresden sehr erwünscht; daher zog er ihn 1538 nach Dresden. Der Tod des Herzogs (1539) verscheuchte ihn indeß bald; W. flüchtete sich aus Leipzig zum Bischofe Maltitz von Meißen nach Stolpen, von da nach Böhmen, darauf nach Berlin zum Kurfürst Joachimi1., der damals noch ähnlich wie W. zwischen Katholicismus und Protestantismus schwankte. Als sich der Kurfürst aber zur Einführung der Reformation gedrängt sah, mußte W. weichen und wieder wanderte er zu verschiedenen katholischen Herren reformfreundlicher Gesinnung, konnte aber nirgends aus die Dauer festen Fuß fassen; doch gelang es ihm, sich dem Könige Ferdinand und dem Kaiser Karl V. zu nähern, deren antiprotestantische Kirchenpolitik er mit aller Kraft litterarisch unterstützte. Begeistert vertheidigte er das Recht des Kaisers in Religionsangelegenheiten und besonders das Augsburger Interim vom Jahre 1548. Seit 1554 hatte er seinen Wohnsitz in Mainz. Hier starb er am 16. Februar 1578 und wurde in der St. Ignatiu-J- kirche beigesetzt. Bis an sein Lebensende hat er seine eifrige Schriftstellerei fortgesetzt; sie diente dem einen Lebensziele, daß er seit 1531 unausgesetzt im Auge hatte. Sind seine meisten Werke auch wegen ihres zeitgeschichtlich bedingten und polemischen Charakters heute zum großen Theile werthlos, so verdienen doch seine positiv-geschichtlichen Arbeiten noch jetzt ehrtnvolle Erwähnung. Dahin gehört besonders das große Werk, in welchem er den geschichtlichen Beweis für das hohe Alter der wichtigsten Institutionen des katholischen Cultus zu geben versuchte unter dem Titel „’1’)sp11S 8(:(:1esjse prjorjs. Anzeigung, wie die h. Kirche Gottes inwendig sieben und mehr hundert Jahren nach unsers Herrn Auffahrt gestaltet gewesen sei“, 1540 und später öfter nachgedruckt, aber auch erweitert; sodann seine auf Anregung des Kaisers Ferdinand, der ihn zum kaiserlichen Rath gemacht hatte, verfaßte Schrift „Vja regj:t aus –z dem Jahre 1564, gedruckt aber erst seit 1600, vielleicht die denkwürdigste aller Schriften Witzel’s, weil er in ihr am Faden der Artikel der Augsburgischen Confession die Reformbedürftig- 42* [660] keit der katholischen Kirche völlig anerkennt und zu einer milden Behandlung der Protestanten räth, er, der jetzt unter Katholiken lebend, die Fehler derselben deutlicher sehen mochte als früher, wo er unter Protestanten sich den Katholicismus idealisirt hatte. „Es ist die protestantenfreundlichste Schrift, welche er verfaßt hat“, urtheilt Kawerau. Da sie indeß erst lange nach seinem Tode zum Druck befördert ist (in Wo1üj 1.eotjo11es memors.bj1es tom. 1l [1600], 354 ff.; dann von H. Conring, „0eorgii WiOs1ji Mz regis„“ Helmst. 1650. – 2. Aufl. 1657, und v. Joach. Läger, (1e pzes (-t oo110o1–(1js. e0o1esis r98titusi1(18. opus(:u18 8.1iquot 0181–jsjm0rum yjrorum [131–mi8v. 1650]), so hat Räß (s. unten) ihre Echtheit angezweifelt; aber ohne genügenden Grund. Charakteristisch ist, daß W. hier seinen Gegensatz gegen den tridentinisch-jesuitischen Geist unverholen ausspricht; er hatte das richtige Gefühl, daß wenn der Jesuitismus siegte, es auch um sein eigenes Lebenswerk geschehen sei. Dahin ist es auch bald gekommen; der ,Jesuitismu siegte und schob den erasmianischen Reformschriftsteller beiseite. Eine Nachwirkung hat W. im Katholicismus nicht erlebt. Die Schriften Witzel’s sind außer den oben bereits erwähnten sehr zahlreich; Räß (s. unten) giebt die Titel von 94 derselben an; wir notiren hier die wichtigsten: „1zgrj(:o18- 1?’s.gi (d. i. Georg aus Bach, Vacha) (1ekenSjo bo1torum 0perum“ (l.ips. 1532); „Ein unüberwindlicher gründlicher Bericht, was die Rechtfertigung in Paulo sei, zu Nutz und Trost der gemeinen Kirchen“ (Leipzig 1533); neu bearbeitet unter dem Titel: „Die Summa des, so itzt überall disputirt wird, von der Gerechtfertigung in S. Paulo, oder vom Glauben und Werken der Christen“ (Lpz. 1537); „Apologia: daß ist eine Vertheidigungsrede G. Wicelii wider seine Afterreder, die Lutteristeu, mit samt kurzer Abkouterfeiung luterischer Sekten und Preis alter römischer Kirchen u. s. w.“ (LPzg. 1533), abgedruckt bei Räß (s. unten), S. 156–184; „13mi1gs1j011 1llsi–tj11i Luther’s, welches da lange unter der Bank gelegen samt seiner Kirchen 11jstorjs (Leipzig 1533, Freib. i. B. 1536); „Verklärung des neunten Artikels unsers heiligen Glaubens, die Kirche Gottes betreffend“ (Lpz. 1538); „0o11kutsri0 ca1u1vnio– 8isimuo responsi011js .lustj .1o11us i. e. tlo(10cj 1coc11„ un80um 8S8ertione b0u0run1 0pe1um“ (l.ips. 1533- (Jo1. 1549); „Von den christlichen Kirchen, wider Jodocum Koch, der sich nennt Justum Jonam“ (Lpz. 1584); „Von der h. Eucharisty oder Meß, nach Anweisung der Schrift und der ältesten schriftverständigen h. Lehrer“ (Lpz. 1534, Freib. i. B., Mainz 1546); „Von der Buße, Beichte und Bann, zwei Büchlein aus Grund der Schrift 1534“ [8.1.] (Freib. i. B. 1536); „Von Beten, Fasten und Almosen, schriftlich Zeugniß Georgii Vicelii“ (Eisleben 1535, Freib. i. Br. 1536, Lpz. 1538); „Catechismus ecclesiae: Lehre und Handlung des h. Christenthums, aus der Wahrheit göttliches Worts, kurz und lieblich beschrieben“ (Lpz. 1536, Freib. i. Br. 1536); „Annotationes, das sind kurze Verzeichniß in die Wittenbergische neue Dolmetschung der ganzen heiligen Bibel, aller Christenheit zu lesen und hören sehr nett und nütz“ (Lpz. 1536, 2 Theile); „Von den Todten und ihrem Begräbniß“ (Lpz. 1536); „1Dpisto18rumqu:-1e inter 8.1i(1u0t (:enturjas yi(1eb-u1tur peutjm prokuturse tlle010gjoarum 1jte1arum 8cu(1iosis pzrtim jmi00911tis kum:-tm 8äyersus S)700p11eu1tiam (1Srensur:-te 1jbisj 17 Se. WiOe1eij“ (Lpz. 1537); „1E1etllo(1us (:o110or(1je1S e(J(:1esist-ies.e p0St 0mnjum 8evtentias er minimo kratre mo118trstz„ 11o11 p1–:1es(Jrjptz“ (Lpz. 1537); „Rete(:tj0 1.utberjsmj„ qui SO 7ete1sis Sr ap0St01jcue yerjtatjs nomj11e yen(1i0zt- ju mim011jtj011em ec1jtz“ (1.ips. 1538); „’1’zspus ec:O1esjae prjorjs. Anzeigung, wie die h. Kirche Gottes iuweudig sieben und mehr hundert Jahren nach unsers Herrn Auffahrt gestaltet gewesen sei“, 1540, 1541, 1546 (Mainz), am vollständigsten Köln 1559, die Titel der Ausgaben variiren; „Der heiligen Messen Brauch, wie er in der alten Kirchen vor tausend Jahren gewesen. Aus S. Joh. Chtysostomo [661] verdeutscht 1540“ (Köln 1551); „l:1ugi010gjum Sen (1e 8mi(:tjs 6O01esjs. l–1istorjzo 1)jy0rum toto t9rreu–um orbs oo1ebOr1–jm01–um“ (1d“1og. 1541); „011omustjco11 ec(:188is O. Die Taufnamen der Christen, deutsch und christlich ausgelegt“ (Mainz 1541); „Ritus bzptisa11c1i“ (Mainz 1541); „Ozts0bismus (1di0g. 1542); „0ateObjsmus eoO1esis.O“ deutsch (ebendaselbst 1542); „Der große Katechismus (Mainz 1545); „l.iturgis. Bsi1ji1N4lsgni„ nuper e ten8bris Stutz etj111u(:em vun0 primum e(1jw.“ (171og. 1546); „1)ekensjo (1ootrj118S (1e b0njs 0psrjbus (:o11t18. 8Sctzm belmtinj l-utt1erj. `1’z7r0Oinium S. Wj0S1jj 3S1otze“ (001. 1549); „1)O trs.(1jtjonsposto1j0u er eoo1S8isti0a, daß die katholische Kirche Christi nicht allein was in der h. Schrift steht, sondern auch was sie bei den heiligen Vätern und ältesten Concilien göttlichs und löblichs funden, zu Gottes Dienst und Ehre ordentlich brauchen und beständiglich behalten möge“ (Köln 1549); „Beständige Antwort wider der lutherischen Theologen Bedenken, was sie widers Interim geschrieben“ (Köln 1549); „Vom Canon der lateinischen Messe“ (Köln 1549); v1)ub1ioum eo01esis te 8z(:rum von der Wahrheit der altkirchlichen Liturgia und Opferung di. katholischer Messen wider den Matthis Jllyricus zu Magdeburg“ (Cöln 1551); „Ozte011ismus ms,i0r 1-Niue e(1jtus„ it1tsr1)rete 13rtrtll010mse0“ ((Jo1. 1554); „0110rus8n0torum d. i. R11 Bücher Historien aller Heiligen“ (Köln 1554); „1JJ1e1s0jts„meuw. Sit10erws pietstis (worin eine neue Ausgabe der Messe des h. Basilius, ferner die Messe der äthiopischen Kirche u. A. m.); „Wahrer Bericht von den Akten der Leipsischen und Speierischen Collocution zwischen M. Bucern und Witzeln“ (Köln 1562); dazu die „7is. regis über deren Drucke oben schon das Nähere beigebracht ist. Neu gedruckt sind zwei Katechismen Witzel’s („Neuer und kurzer Catechismuts und Catechismus Belehrung“) bei Moufang, Katholische Catechismen (Mainz 1881) S. 467 ff. Eine Gesammtausgabe seiner Werke wurde 1559 begonnen unter dem Titel: „0S0rgji Wi(:e1jj des älteren, deutsche Werke“ (Köln 1559), kam aber nur bis zum 2. Theile 1562.

Die Litteratur über W. reicht zurück bis in das 16. Jahrhundert. Mittheilungen über die älteren Biographien Witzel’s bei W. Kampschulte, Os 0e0rgiO Wi0e1io 9jus(1u0 8tu(1ijs er 8(:rjpt.js jNTentis. Boun-1e 1856. – Am werthvollsten sind außer S. J. Browerus’ -1nti(1ujtx-mes 1s’u1(1St18es (1612, zu Witzel’s Aufenthalt in Fulda) die Biographie bei Strobel, Beiträge zur Litteratur bes. des sechszehnten Jahrh. Bd. 1l, 1, 2 Stück. Nürnb. u. Altdorf 1787 und die von A. Neander, (18 0. Wj081i0 ejusquO in eOO1esjsm ey8nge1ies.m animo. BSr01. 1839 (deutsch in der Sammelschrift Neander’s „Das Eine und Mannichfaltige des christlichen Lebens“. Berl. 1840, S. 167 ff. – Döllinger, Die Reformation. 2. Aufl. 1848, l, 21–130 (mit starker Sympathie für Witzel); ebenso Räß, Bisch. v. Straßburg, Die Convertiten seit der Reformation 1. Bd. 1866, S. 123 ff. – G. Schmidt, Georg Witze!, ein Altkatholik des 16. Jahrh. Wien 1876 (nach Kawerau auf guten Quellenstudien ruhend). – A. Jansen, Julius Pflug in Neue Mittheilungen des Thür.-sächs. Vereins R. Halle-Nordhausen 1863, S. 78–87. – Moufang, Die Mainzer Catechismen von Erfindung der Buchdruckerkunst. Mainz 1877, S. 46 ff. – Moufang, Katholische Katechismen des fechzehnten Jahrhunderts. Mainz 1887. – Maurenbrecher, Gesch. d. kath. Reformation I. 1880. – A. Ritschl, G. Witzel’s Abkehr vom Lutherthum in Zeitschr. f. K.-Gesch. 1l, 386–417.– Briefwechsel d. Justus Jonas hesg. v. G. Kawerau. 1884 u. 1885. – G. Kawerau, Art. über G. Witzel in Herzog’s Realencyklopädie, 2. Aufl. Bd. 17 (1886), 241–251. – Fel. Geß, Joh. Cochläus. 1886. – Heidemann, Die Reformation in der Prov. Brandenburg. 1889 (zu Witzcl’s Aufenthalt daselbst). – Paul Vetter, Witzel’s Flucht aus dem albertinischen

[662] Sachsen in Zeitschr. f. Kirchengesch. v. Brieger u. Beß, I(111 (1892) S. 282 ff. (nach den Dresdener Archivalien). – R. Paulus (Priester in München), Pseudonyme Schriften von Georg Witzel im „Katholik“ Bd. )c, 478 ff. – Die Titel der Streitschriften gegen Witzel stehen bei Räß und bei Kawerau, deren Artikel ich neben Neander’s Biographie mit besonderem Danke benutzt habe.

P. Tschackert.
Persönliche Werkzeuge