Ausgewählte Abhandlungen des Bischofs Aphraates/Abhandlung über das Fasten
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[052] Abhandlung über das Fasten. 1) Das heilige Fastenn ist wohlgefällig vor Gott, ein Schatz, der im Himmel aufbewahrt wird, eine Waffe gegen den Bösen und ein Schild, welcher die Pfeile des Feindes auffängt. Dieses behaupte ich nicht etwa bloß nach meiner eigenen Meinung, sondern nach den heiligen Schriften, welche uns längst schon bewiesen haben, daß das Fasten zu beachten. denen, welche es in Wahrheit üben, stets heilbringend ist. Denn das Fasten, mein Lieber, besteht nicht nur in der bloßen Enthaltung von Speise und Trank, sondern es gibt vielerlei Arten, das Fasten zu beobachten. Denn Manche enthalten sich des Brodes und Wassers, bis daß sie hungern und dursten. Andere fasten, um jungfräulich zu bleiben; deßhalb essen und trinken sie nicht obgleich sie hungern und dursten. Dieß ist ein vorzüglicheres Fasten. Andere fasten aus Enthaltsamkeit; auch hieß ist ein gutes Fasten. Wieder Andere 1) Diese Abhandlung liegt deutlich dem ersten der von uns mitgetheilten Gedichte Isaaks von Antiochien über das Fasten zu Grund. Viele Gedanken und Ausdrücke stimmen wörtlich überein. [053] enthalten sich des Fleisches, des Weines und verschiedener Arten von Speisen. Andere fasten, indem sie ihrem Munde einen Zaum setzen. damit er keine sündbcifteitz Reden führe. Andere enthalten sich vom Zome UND bäzzci-jet: ihre Natur, um nicht von derselbe-:1 überwunden zu werden. Wieder Andere enthalten sich vom Besitz, um die Seele von der Dfensibarkeit gegen denselben abzulösen. Manche enjöccktm sich eines bequemenL.1ge:—89, um besser zum Gebet wach Meißen zu können. Andere enthalten sich aller tvektstchen Sorgen, um nicht vom Feinde beschädigt zu werden. Axwere fasten, um sich abzutödten und durch freiwilliges Leihen ihrem Herrn wohlzugefallen. Manche endlich vereinigen alle Diese verschiedenen Arten mit einander und machen daraus ein einziges Fasten, ebenso wie Die, welche sich der Nahrung bis zumtzööunger-leiden enthalten. Wer sich der Speise und des Trankes enthält, wird ein Fastender genannt; wenn er aber auch nur ein Weniges ißt oder trinkt, so bricht er feßztsßasten. Ebenso, wenn sich ein Mensch aller jener voröergencumtet: Dinge enthält, läßt sich aber gelegentlich in irgend einer Hinsicht eine Übertretung zu Schulden kommen, so wird ihm sein Fasten nicht mehr angerechnet. Wenn er auch nur ein einziges von jenen Geboten übertritt. so wird auf fein Fasten ebenso wenig Rücksicht genommen, als wenn er noch so gierig gegessen und getrunken hätte. We1mJc::tano von Hunger gedrängt das Fasten gebrochen bat. so begeht er keine sehr schwere Sünde; wer sich aber zur Enthaltung von allen jenen Dingen verpflichtet hat und dann wagt, auch nur eine einzige dieser Verpflichtungen zu übertreten, dessen Sünde ist schwer und nicht gering. Vernimm nun. mein Lieber. den Unterricht über das reine Fasten! Zuerst übte Abel das reine Fasten aus in seinem Opfer, alsdann Henoch, indem er wohlgefällig war vor seinem Gotte, Noe. indem er sich inmitten des verkehrten Geschlechts unsträflich bewahrte: Abraham, indem er reich an Glauben war; Isaak um des Bundes mit Abraham willen; Jakob um des Schwures an Isaak willen, weil er Gott kannte; und Joseph durch seine Barmherzigkeit und [054] Mildthätigleit. Die Reinheit Dieser alter galt vor Gott als ein vollkommenes Fasten; aber ohne Herzensreinheit wird das Fasten gar nicht angenommen. Merke wohl, mein Lieber, und erkenne, daß es eine vorzügliche Sache ist, wenn der Mensch sein Herz läutert, seine Zunge im Zaum hält. seine Hände vom Bösen sernbiilt, kurz alles Das thut, was ich dir vorher aufgezählt babe. Denn es geziemt sich nicht. Honig mit Wermuth zu vermischen. Wenn sich also Jemand der Speise und des Trantes enthält, so möge er nicht Schmähungen und Verwünschungen mit seinem Fasten verbinden. Denn es gibt nur eine Thüre zu deinem Hause, welches ein Tempel Gottes ist, und nicht geziemt es sich. o Mensch, daß aus derselben Thüre, in welche der König eintritt, Dünger und Sehlamm herauskomme. Der Mensch wache also sorgfältig über seinen Mund. in welchen der Königssohn eingeht, indem er durch Enthaltung von allen Sünden saste und so den Leib und das Blut Christi empfangen) Es ist dir nicht erlaubt, o Mensch, aus diesem deinem Munde sündhafte Worte auszustoßen. Höre, was unser Erlöser sagt: .,Was in den Menschen ixineingeht, verunreinigt ihn nicht; aber was aus seinem Munde ausgeht. das verunreinigt ihn. Moyses beobachtete ein reines Fasten, als er auf den Berg hinausstieg und dem Volle das Gesetz brachte. Durch sein zweimaliges Fasten von vierzig Tagen erlangte er Kraft und hohe Herrlichkeit, so daß die Haut seines Angesichtes glänzte. Er wandte den Zorn von seinem Volke ab, daß es nicht vertilgt wurde. Nach dem Beispiel Moysis fastete auch der wunderkräftige Elias. als er von derczsezabel verfolgt wurde und in vierzigtägigem Fasten bis zum Horeb wanderte, wo Gott einst mit Moyies geredet hatte. Daselbst offenbarte er sich ihm und gebot ihm9): .,Gehe bin und salbe den Jehu, den U Hier wird die reale Gezenwarr Christi in der Eucharistie sehr bestimmt bezeugt. 2; 111. Kon. 19, 15. [055] Sohn Jianisss, und den Hazael, welcher das Strafgeriecht den Söhnen Israels vollziehen soll, und den Elisäus, den Sohn Saphat's, auf daß er deine Stelle ersetzen soll! Da freute er sich über die Offenbarung seines Herrn, die ihm im vollkommenen Fasten zu Theil geworden war, wie sich einst Moyses gefreut hatte bei seinem zweimaligen Fasten von vierzig Tagen, als er den Zorn seines Gottes von seinem Volke abwandte und die vom Finger Gottes beschriebenen Bundestafeln herab brachte. Diesen Beiden gereichte ihr Fasten zum Ruhme, und sie werden durch dasselbe vollkommen gemacht. Nun will ich dir auch das mißfällige Fasten der Gottlosigkeit und des Blutvergießens zeigen, welches Jezabel, die Verführerin Achab’s und Verderberin Israels, anordnete. Diese schrieb nämlich einen Brief im Namen Achabs und sandte zu den Bewohnern Jezrahels Bösewichte. welche ihren gottlosen Befehlen nehorchten. In diesem abscheulichen Brief schrieb sie Folgendes 1): »Ordnet— ein Fasten an und setzet den Naboth an die Spitze des Volkes; aber ihm gegenüber setzet jene beiden gottlosen Männer, damit sie gegen ihn Zeugniß ablegen, er habe Gott und den König gelästert, und steinigt ihn alsdann zu Tode! Daß aber Jezabel schrieb, es sollten zwei Zeugen gegen Naboth aussagen, Dieß. mein Lieber, trug sie ihnen auf- wie um das heilige Gesetz zu erfüllen. Denn im Gesetze steht geschrieben, daß ein auf den Tod Angeklagter nicht auf die Aussage eines einzigen Zeugen hingerichtet werden dürfe. sondern, daß er aus den Mund zweier Zeugen sterben solle.2) Auch steht also geschrieben: »Die Hand der Zeugen soll sich zuerst zu seiner Steinigung erheben, und nachher die Hand des ganzen Volkes!« Ferner schrieb sie, daß jene bezeugen sollten, Naboth habe Gott und den König gelästert. Auch Dieses hatte sie in dem gottlosen Brief wie nach dem heiligen Gesetze geschrieben. Denn es heißt ja darin ): I.) III. Kön. 21. 9.-- 2) Deuter. 17, 6—7.——J) Levit.24, 16. [056] »Wer den Namen Gottes lästert, soll gesteinigt werden, weil er den heiligen Namen lästernd ausgesprochen hat. Der Jezabel aber war Nichts an der Lästerung des Namens Gottes gelegen, sondern es kam ihr darauf an, die Habgier Achabs zu befriedigen, welcher den Weinberg Nahoths begehrte und nicht bedachte, daß geschrieben siebt: »Laß dass nicht gelüsten alles dessen, was dein Nächster hat!« O Jezabel, du Verführerin Achabs, wer ist denn eigentlich jener Gott, den Naboth gelästert haben soll? Ist es der, dessen Altar du zerstört und dessen Propheten du getödtet hast? Oder welchen König hat er gelästert? Denjenigen, welcher das Gesetz aufgehoben hat und das Besitzthum Naboths an sich zu reissen gesucht hat? Warum aber, o Iezabel, hast du nicht das erste Gebot des Gesetzes erfüllt, welches lautet: »Du sollst keinen anderen Gott anbeten«? Jezabel aber diente dem Baal. Ferner steht geschrieben 1): »Du sollst kein unschuldiges Blut vergießen in dem Lande, welches die der Herr, dein Gott, geben wird.« Du hättest aber bedenken sollen, o Jezabel, daß geschrieben stehts): »Das Land, in welchem Blut vergossen ist, kann nicht anders wieder entsühnt werden, als wenn in dem sollzen das Blut des Blutvergießers vergossen wird. Hätte dich nicht, o Jezabel, die Furcht hiervor davon abhalten sollen, deinen gottlosen Eifer für die Ehre Gottes durch die lügenhafte Beschuldigung, Naboth habe Gott gelästert, zu bethästigen? Ferner heißt es:-3) »Wer Menschenblut vergießt. dessen Blut soll wieder vergossen werden.« Aber Jezabel die Gott Erzürnende, vergaß das unschuldige Blut Naboths. Deßhalb wurde das Blut Jezabels an derselben Stelle Vergossen. wo das unschuldige Blut durch das von ihr angeordnete gottlose Fasten vergossen worden war, und sie selbst wurde von den Hunden gefressen. Auch das Blut Achabs, welcher ihrem Rathe gehorcht hatte, leckten eben daselbst die Hunde. 1) Deuter. 19, 10. —— 2) Num. 35, 33. ——— 3) Gen. 9, 6. [057] Wenn sich nun Jezabel, freilich zu ihrem eigenen Schaden, das, was ihr zxoeckdienlich schien. aus dem Gesetze auswählte, warum habt dann ihr, gottlose Bewohner von Jezabel, jenen Brief angenommen. in welchem das frevelhafte Fasten und das lügenhafte Zeugniß vorgeschrieben tzoar? In welcher Generation ist es ie erhört worden, daß man Falten mit dem Vergießen unschuldigen Blutes Verbunden hat? Warum habt ihr nicht den gottlosen Brief und das falsche Zeugniß zurückgewiesen? Achab und Jezabel sind mit gerechtem Gerichte bestraft worden, weil sie das unschuldige Blut Naboths vergossen hatten. Aber auch die Jezraheliten haben ihre gerechte Strafe erhalten, weil sie der Jezabel Gehorsam geleistet hatten. Denn «) hat also geweissagt: ,,Noch kurze Zeit. lo at-nde ich die Blutschuld Jezabels am Hause Jehu’s.« Jehu hatte nämlich das Blut Naboths an Jezabel und dem Hause Achabs gerächt, aber auch die Jezraheliten in dem Tempel Baals erschlagen lassen. So kam das Blut Naboths üher sie, wie Jehu am Tage der Rache sprachi): "rlm Abend habe ich gesehen, wie dem Blute Naboths und seiner Söhne Vergeltung zu Theil geworden ift. So hat den Jezraheliten ihr Fasten den Untergang bereitet. Die Niniviten aber hielten ein reines Fasten, als ihnen Jonas die ihnen beoorstehendegzkzerstörung ankündigte. Denn es steht geschrieben. daß sie auf die Bußpredigt des Jonas hin ein anhaltendes Fasten und ein inständiges Flehen um Gnade anordneten, indem sie im Sack und in der Asche trauerten. Ihre kostbaren Gewänder zogen sie aus und bekleideten sich statt dessen mit Säeken. Ihren Kindern versagten sie die Mutterbrust. und den Schafen und Rindern die Weide. Denn also steht geschrieben: ,,Die Nachricht kam vor den König von Ninive; da erhob er sich von seinem Throne, nahm feine Krone vom Haupte und demüthigte sich, im Sack und in der Asche sitzend. Dann ließ er in feiner Stadt 1) Os. 1, 4. —— 2) IV. Kön 9, 26. [058] Ninive Dieses ausrufen: Auf Befehl des Königs und seiner Großen sollen die Menschen Nichts essen und die Thiere nicht geweidet werden, auch soll man kein Wasser trinken, sondern Menschen und Vieh sollen in Säcke gehüllt werden, und man soll Gott mit Seufzen anrufen, aus daß sich sein Zorn und Grimm von uns wende und wir nicht zu Grunde gehen. Auch heißt es also: ,,Gott sah an ihre Werke, wie sie sich bekehrten von ihren bösen Wegen; darum wandte er seinen Grimm von ihnen ab und vertilgte sie nicht. Es heißt nicht: Er sah an ihr Fasten von Speise und Trank, ihren Sack und ihre Asche, sondern: daß sie sich bekehrten von ihren bösen Wegen und von der Gottlosigkeit ihrer Werke. Denn der König von Ninive hatte also ausrufen lassen: »Es bekehre sich ein Jeder von seinem bösen Wege und von dem Raube in seinen Händen!« So wurde das Fasten der Niniviter ein reines Fasten, welches angenommen wurde, weil sie sich bekehrten von ihren bösen Wegen und von dem Raub in ihren Händen. Deßhalb wurde das reine Fasten der Niniviten wohlgefällig aufgenommen und glich nicht dem Fasten der Iezraheliten, bei welchem unschuldiges Blut vergossen wurde. Denn es ist stets vorzüglicher, mein Lieber, daß der Mensch sich der Sünden enthalte. als daß er ohne Speise und Trank faste, oder sich kasteie, oder seinen Hals wie einen Haken krümme, oder sich in Sack und Asche demüthige, wie Isajas 1) sagt. Denn wenn sich der Mensch der Speise und des Trankes und aller Lebensbedürfnisse enthält- sich in Sack und Asche demüthigt und trauert, so ist Dieß zwar Gott wohlgefällig, angemessen und schön; aber noch weit schöner ist es, wenn er sich oerdemüthigt, die Riegel der Sünde löst und die Fesseln des Truges bricht. Alsdann strahlt sein Licht hervor gleich einer Sonne, und seine Gerechtigkeit zieht vor ihm her. Er wird gleich einem wonnevollen Paradiese und gleich einer Quelle, deren Wasser nicht ver- 1) Js. 58, 5——11. [059] siegen. Nicht gleicht er den Heuchlern, welche finstere Mienen annehmen, ihr Angesicht entstellen und ihr Fasten zur Schau tragen. Denn siehe, auch die Irrlehrer, diese Gefäße des Bösen, fasten und bekennen ihre Sünden: aber Niemand belohnt sie dafür. Wer sollte wohl dem Marcion Lohn verleihen, da er unseren Schöpfer nicht als den Gütigen anerkennt? Wer sollte dem Valentinus sein Fasten vergelten, da er ver- kündigt, er habe viele Schöpfer, und der vollkommene Gott könne weder mit dem Munde genannt noch im Gedanken erkannt werden? Wer sollte endlich jenen Söhnen der Finsterniß ihren Lohn verleihen. welche, der Lehre des gottlosen Manes folgend, gleich Schlangen im Dunkel haufen und Chaldäerkunst, babylonische Weisheit betreiben? Siehe, alle Diese fasten, aber ihr Fasten wird nicht angenommen. Höre nun, mein Lieber, wie ich dir das Gott wohlgefällige Fasten des Mardochäus und der Esther beschreibe, welches zum Schilde des »Heils für alle ihre Volksgenossen wurde. Sie machten den Ubermuth ihres Verfolgers Aman zu nichte. Sein Frevel fiel aus sein eigenes Haupt zurück, und sein ränkevoller Plan traf ihn selbst. Mit dem Gericht, welches er vollstrecken wollte, wurde er selbst gerichtet, und mit dem Maße, mit welchem er messen wollte, wurde ihm selbst gemessen. So wie er thun wollte, ward ihm geihan, und in den Strick seiner Sünden verstrickte er sich selbst. Sein Reichthum, dessen er sich rübmte, konnte ihn nicht begleiten, und seine Klugheit ihn nicht erretten. Er, welcher in Bosheit schlau war, mußte seinen Hochmuth gedemüthigt sehen. Seine Herrlichkeit wich von ihm, sein Glanz ward ausgetilgt. seine Gewalt sank zu Boden; durch den Schlag, den er führen wollte. ward er selbst getroffen, und durch den Mord, den er plante. ward er selbst getödtet. Denn er wollte alle Juden im Reiche des Königs Assuerus ausrotten; aber das Fasten des Mardochäus und der Esther ward zu einem Schilde, welcher die Pfeile des Aman auffing. In seinem Frevel ward Aman gefangen, sein mörderisches Schwert durchbohrte sein eigenes Herz. und sein [060] zum Verbrechen gespannter Bogen wurde zerbrochen. wie es von den Gottlosen heißt 1): »Ihr Schwert dringe ein in ihr Herz, und ihre Bogen mögen zerbrochen werden Dieß erfüllte sich an Amun; denn er und seine Söhne wurden an dem Holze aufgehängt, welches er siir Mardochäus und seine Söhne hatte ausrichten lassen. In die Grube, welche er gegraben hatte, fiel er selbst hinein und fing sich in der Schlinge. die er gelegt hatte. Sein Netz wurde über ihn selbst ausgebreitet, er verstrickt-e sich in die Maschen seiner Ungerechtigkeit und ging zu Grund aus ewig. Warum aber, mein Lieber, verlangte Aman vom König, das; alle Juden vertilgt werden sollten? Er wollte seine Volksgenossen an ihnen rächen und den Namen des Volkes Israel ebenso austilgen, wie das Gedächtniß Amaleks ausgetilgtnoroen ist unter dem Himmel. Aman war nämlich als Uberrest der Amalekiter zurückgeblieben. Denn es steht geschrieben,daß Aman, Sohn Amadathäs, der Agagiter hoch angesehen war bei dem König Assuerus s) Mardochäus aber saß täglich an der Pforte des Königs wegen Esther, seiner Pflegetochter. Diese war vor den König rlssuerus gebracht worden und gefiel ihm mehr als alle anderen Jungfrauen, so daß sie an die Stelle der Königin Vasihi gesetzt wurde. Mardochäus mm kam täglich und setzte sich an die Pforte des Königs. Amon war Reichskanzler des Königs und im ganzen Reiche hochgeehrt, so daß Jedermann an der Pforte des Königs, wenn er ihn sah, niederfiel, um ihn anzubeten. Nur Mardochäus blieb vor ihm stehen. Deßhalb wollte Aman bei dieser Gelegenheit Rache an den Volksgenossen des Mardochäus nehmen und ihnen vergelten. was sie den Amalekitern angethan hatten. Denn Aman stammte aus dem Geschlecht Agaxks, des Königs der Amalekiter, welchen Saul gefangen genommen hatte und Samuel vor dem Herrn in Stücke hieb. Mardochäus aber war aus dem Geschlechte Sauls, aus dem Stamme Benjamin, von den Söhnen des 1) Ps. 36, 15. —— 2) Esth. 3, 1. [061] Kis. Weil also Saul die Amaleliter ausgetilgt hatte, wollte Atnan sein Volk an den Israeliten und die Tbdtnna Aaaatz an Mardochäntz rächen. Er war nicht verständig gennxzs bedenken, daß über Amalek die Ausltilgung seines Gedächtnisses nnter dem Himmel beschlossen war. Denn es steiht ia geschrieben in dem heiligen Gesetze, daß Gott zu Moysee sprach 1): ,,Rede mit Josne, dem Sahne Nun?. daß er Männer autzwähle, um Krieg gegen Amalek zu führen!« Da rüstete sich Josue und Iämpste mit Tlmalek, und Vgmalet ward besiegt durch dat? Krenzeöszeichszn. nämlich durch die Ausebreitang der Arme Mehlis. Nachdem nim diejenigen Amalekiter, welche in den Kaneps gezogen . getödtes. worden waren, blieb noch ein Rest von ihnen am Leben, nätnlici: s diejenigen, welche zatjanse geblieben waren. Da sprach der Herr zu Moyses: »Schreibe das Buch zum Gedächtniß und lege es nieder bei Josue. dem Sohne Nnn’H, daß ich das Gedächtniß Aznaleli? austilgen werde unter dem Himmel.« Darauf hatte er noch eine Zeit lang Geduld mit Amalekitern, ob sie vielleicht auf die Drolmna dee? lieilitx-::r göttlichen Buches, daß er sie auetilgenwolle, achten und sich zu thin bekehren würden, so daß er sich ihnen wieder anädi-3zuwenden könne. Denn wenn sie sich bekehrt hätten, hätte Gott ihre Buße cmgenommeet, wie die der Niniditen- al-Z er ihnen die Zerstöruua ihrer Stadt atxdrohle, Dükliii aber, als sie sich bztßierti;1 seinen Zesrn von ihnen al-wandte, oder, wie mit den Gabaonitern ein Bund geschlossen tdnrde, daß sie nicht mit den Kanaanitern ausgerottet werden sollten, oder wie Der Rahab, welche geglaubt hatte. Buße gewährt wurde. Ebenso wäre auch den Amalekitern Buße gewährt worden, wenn sie in der ihnen gelasseaen vierhundertjähtigen Frist geglaubt hätten. Aliz er aber nach Ablauf dieser Zeit sah, daß sie sich nicht belehrt hatten, ergrimmte sein Zorn über sie, mid er gedachte desse--, wc:53 Moyses in das heilige Bach eingetragen szatie. 1) Exod. 17, [062] nämlich Saul die Herrschaft angetreten hatte, beauftragte Gott den Samuel, ihm Folgendes zu sagen ’): ,,Ich gedenke dessen, was euch Amalek that, als ihr auszoget aus Aodpten, daß er euch mit dem Schwerte entgegen trat; nun ziehe aus und vertilge das sündige Amalek! Da zog Saul aus und besiegte die Amalekiter; weil er aber Barmherzigkeit an Amalek that, wurde er der Herrschaft entsetzt. Denn er hatte einen Rest von ihnen am Leben gelassen. und Aman stammte aus diesem Reste von dem Geschlecht Agag’s, welchen Saul verschont hatte. Mardochäus aber stammte aus dem Geschlechte Sauls, welcher den Agag und sein Volt besiegt hatte. Es gibt Menschen, mein Lieber, welche dem Mordochäus einen Vorwurf daraus machen, daß er sich nicht vor Amau erhob, da dieser doch der Tlngesehenste im ganzen Reich war. Was hätte es ihm denn geschadet, wenn er ihm diese Ehrenbezeigung erwiesen hätte? Wenn Mardochäus, so sagen Jene. vor Amau aufgestanden wäre, so wäre der Vernichtungsplan gegen ihn und sein Volk nicht ausgesonnen worden. Wer aber so spricht, versteht die Bedeutung der Sache nicht. Denn Mardochäus handelte so als ein gerechter Gesetzesbeobachter. Er erhob sich nicht vor dem gottlosen Aman, weil er seines Ahnen Saul gedachte, gegen welchen Gott zürnte und ihm die Herrscherwürde eutzog, weil er an Agag, dem Ahnen Amans. Barmherzigkeit gethan hatte. Ebenso hätte sich auch Matdochäns, wie Saul, den göttlichen Zorn zugezogen, wenn er dem Frevler Aman Ehrerbietung erwiesen hätte. Weßhalb aber, mein Lieber, zog wohl vor allen anderen Völkern gerade Amalek Israel entgegen. um es zu bekämpfen? Dieß that das amalekitische Volk in der Absicht. die Söhne Jakobs im Kampse zu vernichten und die Segnungen Jsaaks wirkungslos zu machen. Co fürchtete nämlich, von den Söhnen Jakobs unterjocht zu werden, weil Isaak zu Esau gesprochen hatte 9): »Du wirst deinem Bruder Jakob dienen; wenn du dich aber bekehrß, I) I. Kön. 15, 2——3. 2) Gen. 27, 40. [063] so wird sein Joch von deinem Halse weichen. Du mußt aber wissen, daß Amalek der Sohn eines Nebenweibes von Eliphas, dem Sohne Esau’s, war und den Söhnen Jakobs nicht unterworfen sein wollte. Weßhalb aber, mein Lieber, sprach Isaak zu Esau: »Du wirst deinem Bruder Jakob dienen? Dieses Wort bezieht sich daraus. daß sich Esau Weiber aus den Töchtern Kanaan's genommen hatte, welcher von seinem Vater Moe verflucht worden war. Denn so sprach Noe 1): »Ein Knecht der Knechte sollst du deinen Brüdern sein. Weil also Abraham und Isaak roitßtex:, daß die Kanaaniter verflucht waren, so nahmen sie deren Töchter nicht zu Weibern für ibre Söhne. Weder nahm Abraham für Isaak, noch Isaak sürJakob eine Kanaaniterin,’ damit nicht der verfluchte Same der Kanaaniter mit dem von Noe gesegneten Samen Seins vermischt würde. Deßhalb wollte also Amalek. der Sohn des Eliphas, des Sohnes Esau’s, mit den Söhnen Jakobs kämpfen. um den Fluch — Noe’c3 und den Segen Jsaak’a wiriunaslos zu machen. Gott schrieb also dem Amalek ein aerechtes Urtheil, indem er bestimmte, das; sein Gedächtuiß durch die Söhne der Rachel ausgetilgt werden sollte. Zuerst besiegte ihn Iosue, der Sohn Nun'58, aus dem Stamme Joseph. alsdann Saul, aus dem Stamme Benjamin; seinen Rest aber rottete Mardochäus durch Fasten aus. Weil Amalek unter allen Söhnen Esau’s vorzugsweise die Söhne Jakobs zu bekämpfen strebte, deßhalb ist gerade s ein Gedächtniß ausgetilgt worden. Siebe da, wie durch das Fasten des Mardochäus und der Esther Aman von seiner Höhe herabgestürzt und der Nest der Amalekiter vertilgt worden ist! Mardochäus aber erlangte die Würde Amans und ward der Oberste im ganzen Reiche des Assnerus, und Esther ward Königin anstatt der Vastbi. Auch Daniel hielt drei Wochen lang ein Gott wohlgefälliges Fasten für sein Volk, damit es nicht nach Ablauf der siebenzig Fahre noch ferner in Babel bleiben müsse. 1) Gen. 9, [064] Nachdem er einundzwanzig Tage gefastet hatte, ward ihm Erhörung vor seinem Gotte. In jenen Tagen erhob sich Gabriel. welcher stets die Gebete anzunehmen pflegt, zu seiner Hilfe. Aber ausser Gabriel half ihm auch noch Michael, der Schützer Israels. Diese beiden toiderstanden einundzwanzig Tage hindurch dem Fürsten von Persien 1) und untersisßtzsen den Daniel während feines Faftens. Wisse aber, mein Lieder. daß Gabriel die Gebete vor Gott zu bringen pflegt. Dem: als Daniel betete, kam Gabriel zu ihm, stärkte ihn und PI-J(Jl)2J2 »Mein Gebet ist vor Gott erhört worden. und ich bin gekommen wegen deiner Worte. Darauf ermuthigte er Ilm und sprach zu ihm: ,,Fasse Muth, Mann des Verlanaeisle !« Auch während er in feinem Fasten betete. kam Jener zu ihm. 'zzlnch das Gebet des Zxzckzariaö brachte Gabriel vor Gott. Denn als er ihm die Geburt des Johannest anikündigte, sprach er zu Ihm: »Dein Gebet ist vor Gott erhöre eo-zrt3en.« Deßaleiclzen brachte er datz Gebet Maria’s vor Gott ::383 verkündete ihr die Geburts Christi. Denn er sprach zu ,,T—t: hast Gnade gefunden vor Gott. Wodurch anders? hat Maria Gnade gefunden als durch Fasten .H:::;Xo- Gebet? Gabriel nimmt die reinen Gebete ia Empfaztza und bringt fte vor Gott. Michael aber war dez: Vorsteher des Volkes Israel, von welchem Gott zu Moyset sprach 9,1: »Siehe, mein Engel wird vor dir herziehen und die Bewolzcxer des Landesö vor dir her ausrotten. Dieser ist Oel, tz;zeTehx:r der Eselin Balaamö entgegentrat. als-’Balaa:n auszog, am Israeliten zu flachen. Dieser ist es Hitch. Welcher dem Ioftie, den; Solms: Rücke;. mit gezücktem Schwerte auf dem Doz: Jericho stehend erschien. Als; thx: Josue erblickte. glcxzzhte er, daß er zu den Feinden gehörte. Deßhalb fragte ihn Josua-): »Gehörst du zu 1::nL oder zu unseren Feinden?« Michael antwortete 1h D M Schutzengel des persischen Reichs. 2) Dan. 10, 13. -— H3; Exod. 23, 23; 2. ——— 4) Its.- 5, 13. [065] ihm: »Ich bin der Anführer der Heerschaaren des Herrn und bin hierher gekommen.« Er stürzte die Mauern Jericho’s vor Iosue, dem Sohne Nun’s. Er vernichtete vor ihm her einunddreissig Könige. Er vertilgte auch die tausendmal tausend Äthiopier vor Asa. Er schlug ferner im Lager der Assyrier hundert fünfundachtzig tausend Mann. Als die Israeliten nach Babel hinweg geführt wurden, begleitete er sie dorthin und kämpfte für sie. Weßhalb aber, mein Lieber, fastete wohl Daniel diese drei Wochen hindurch unter Gebet und Flehen zu Gott, da doch nicht gemeldet wird, daß er in der vorhergehenden Zeit gefastet habe? Er steht geschrieben, daß er, als die siebenzig Jahre seit der Zerstörung Jerusalems vollendet waren, von welcher; der Prophet Jeremias 1) geredet hatte, vor seinem Gott eifrig betete und flehte, damit die Gefangenschaft des Volkes nicht über diese siebenzig Jahre hinaus verlängert werden möchte. Denn schon früher hatte Gott die ursntüuglich von ihm angesetzte, Frist bald verkürzt, wie den- Geschlechtg zur Zeit Noe’s, bald verlängert, wie dem Volke Israel in Ägypten, bald wieder verkürzt, wie dem Reiche Ephraim. Deßhalb befürchtete Daniel, daß das Volk wegen seiner Sünden noch über die von Jeremias geweissagten siebenzig Jahre hinaus zurückbleiben würde. Während seines Fastens nun halfen ihm Gabriel und Michael, der Fürst des Volkes Israel. Denn auch dem Michael war daran gelegen, daß er sich über die Rückkehr seines Volkes in das heilige Land freuen könne; und Gabriel half ihm, damit ihm das Volk im Tempel reichliche Früchte des Gebets liesere, welche er täglich als Opfergaben Gott darbringen könne. Aber der Fürst des persischen Reiches wollte nicht, daß der heilige Same Israels das sündige persische Reich verlasse, welches ihm von Gott anvertraut war. Denn je mehr Gerechte in demselben waren, um so mehr gereichte es ihm zur Freude. Sieh’ also, welchen reichen Erfolg das Gott gefällige Fasten Daniels hatte K) Jer. 25, 12; 29, 10. [066] indem es nach Verlauf der siebzig Jahre der Gefangenschaft seines Volkes ein Ende machte! Aber der Vorsteher unserer Heerschaar ist größer als Gabriel und herrlicher als Michael und stärker als der Fürst Persiens. Er ist unser Herr und Erlöser Jesus Christus, welcher gekommen ist. um sich mit unserer Menschheit zu bekleiden. welcher Leiden und Versuchungen in seinem von uns angenommenen Leibe erduldet hat und den Versuchten zu helfen vermag. Denn er hat selbst für uns gefastet und unseren Widersacher besiegt und hat uns befohlen. stets zu fasten und zu wachen. damit wir durch die Kraft des reinen Fastens zu seiner Ruhe gelangen sollen. |
