Das Füllen
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- [13] Das Füllen.
- Ein Füllen, das die schwere Bürde
- Des stolzen Reuters nie gefühlt,
- Den blanken Zaum für eine Würde
- Der zugerittnen Pferde hielt;
-
5Dieß Füllen lief nach allen Pferden,
- Worauf es einen Mann erblickt,
- Und wünschte, bald ein Roß zu werden,
- Das Sattel, Zaum und Reuter schmückt.
- Wie selten kennt die Ehrbegierde
-
10Das Glück, das sie zu wünschen pflegt!
- Das Reutzeug, die gewünschte Zierde,
- Wird diesem Füllen aufgelegt.
- Man führt es streichelnd hin und wieder,
- Daß es den Zwang gewohnen soll;
-
15Stolz geht das Füllen auf und nieder,
- Und stolz gefällt sichs selber wohl.
- Es kam mit prächtigen Geberden[1]
- Zurück in den verlaßnen Stand,
- Und machte wiehernd allen Pferden
-
20Sein neu erhaltnes Glück bekannt.
- Ach! sprach es zu dem nächsten Gaule,
- Mich lobten alle, die mich sahn;
- Ein rother Zaum lief aus dem Maule
- Die schwarzen Mähnen stolz hinan.
-
25[14] Allein wie giengs am andern Tage?
- Das Füllen kam betrübt zurück,
- Und schwitzend sprach es: Welche Plage
- Ist nicht mein eingebildet Glück!
- Zwar dient der Zaum, mich auszuputzen;
-
30Doch darum ward er nicht gemacht.
- Er ist zu meines Reuters Nutzen
- Und meiner Sklaverey erdacht.
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- Was wünscht man sich bey jungen Tagen?
- Ein Glück, das in die Augen fällt;
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35Das Glück, ein prächtig Amt zu tragen,
- Das keiner doch zu spät erhält.
- Man eilt vergnügt, es zu erreichen;
- Und, seiner Freyheit ungetreu,
- Eilt man nach stolzen Ehrenzeichen,
-
40Und desto tiefrer Sklaverey.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Geberden = Gebärden
