Das Fräulein von Randenburg

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Autor:
Titel: Das Fräulein von Randenburg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch: Eine Sammlung der schönsten Sagen, Geschichten, Märchen und Legenden des Badischen Landes aus Schrifturkunden, dem Munde des Volkes und der Dichter. S. 112f.
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Kurzbeschreibung:
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[112]
Das Fräulein von Randenburg.


Im Münster zu Schaffhausen findet sich neben den Gräbern der Aebte ein Grabstein, auf welchem das Bild einer knieend betenden Jungfrau dargestellt ist, mit der Umschrift: „Dominus mirabilis in Sanctis suis.“ (Der Herr ist wunderbar in seinen Heiligen.) Dieser deckte den Leichnam des Fräuleins von Randenburg, deren gottseliges Andenken noch im Munde des Volkes fortlebt. Obwohl umgeben von dem Glanze des Ritterlebens und den Reizen der Weltlust auf ihrem Stammsitze, der Schaffhausen benachbarten Randenburg, diente sie doch stets in heiliger, unentweihter Jungfrauschaft einzig und allein ihrem Gott und Heiland. Jeden Morgen schon vor Tagesanbruch eilte sie, begleitet von einer treuen Magd, von ihrer Burg nach Schaffhausen, um dort noch zu rechter Zeit zum Frühgottesdienste zu kommen. Voran leuchtete allemal ein zahmer Hirsch mit Laternchen an seinen Geweihen, sorgfältig von Zeit zu Zeit sich nach seiner Gebieterin umblickend; so ging alle Morgen der fromme Zug über den Randen durchs Hemmenthal hinab nach Schaffhausen und zum Engelbrechtsthor hinein. Vor dem Thor wartete der Hirsch gehorsamlich, bis das Fräulein ihre Andacht im Münster verrichtet hatte. Jetzt noch, nach beinahe 500 Jahren, zeigen Einem die Hemmenthaler den Weg, den die Schritte jener Jungfrau geweiht haben. Nach ihrem Tode wurde sie neben dem Abte Jakob Hün († 1353) begraben, an dieselbe Gottesstätte, wo sie so oft gebetet und reiche Gaben mit Herz und Hand geopfert hatte. [113] Man erzählt noch von ihr, sie sey eines Morgens auf einem solchen Kirchgange, von Räubern verfolgt, zu früh, oder als der Thorwart noch tief geschlafen, vor dem Thor angelangt. Da habe ein Engel ihr rasch dasselbe geöffnet und sie so aus der Gefahr gerettet; daher das Thor den Namen Engelbrechtsthor erhalten.

(Vergl. „Erinnerungen aus der Geschichte der Stadt Schaffhausen.“ Schaffhausen, 1834. Hurter’sche Buchhandlung. 1. Bändchen S. 74.)

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