Ein Duell des Komikers Wenzel Scholz
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
|
[191] Ein Duell des Komikers Wenzel Scholz. Vor etwa dreißig Jahren gastirte Scholz in Graz. Sein Benefiz war angekündigt. Die Einladung zu dieser Vorstellung liegt mir im Original vor und ich erlaube mir, sie als Curiosum dem Lesepublicum mitzutheilen. Heute zum Vortheile des Komikers Wenzel Scholz
zum ersten Male.
Der Elephantenrüssel.
Eine dialogisirte Pantomime in 3 Acten. Der erste Act ist von Herrn Pantalon, der zweite von Herrn Harlekin und der dritte von Herrn Pierrot gedichtet. Bin mit sehnlichstem Verlangen 5
Und ich sah auf einer SchüsselEinen Elephantenrüssel, 10
Tout égal, ich mach halt Schulden,Alles eins, wenn ich's nur habe, - 15
Haben's Nachsicht nur ein BisselMit dem Elephantenrüssel. 20
Noch vielleicht was G'scheidtes werden,Ist's nur Ihnen vorbehalten, Glückliche, harmlose Zeit, in weicher noch eine solche Einladungskarte [192] zur „Elephantenrüssel-Soiré“ das Publicum locken konnte! Man ließ sich glücklich „abspeisen“ damit. Nach der Vorstellung schritt Scholz der Franzensgasse zu, denn eine kleine allerliebste Grazerin hatte ihn dort zum Rendezvous eingeladen. Aber die kleine allerliebste Grazerin liebte neben Scholz noch einen Husaren-Lieutenant, der den Komiker zu seinem Schätzchen schleichen sah und zähneknirschend an der Straßenecke wartete, bis sein Nebenbuhler das Haus verließ. Er durste nicht lange warten, denn schon nach einer Viertelstunde kehrte der Komiker zurück. „Guten Abend!“ rief der Lieutenant barsch, indem er ihm den Weg vertrat. „Gehorsamer Diener!“ brummte der Komiker erschrocken und in einem Baß, den er Lablache entlehnt zu haben schien. „Verstellen Sie sich nicht - ich kenne Sie.“ „Ich bin's nicht - ich bin ganz ein Anderer.“ „Sie sind Wenzel Scholz?“ „Warum nicht gar! keine Idee! " „Leugnen Sie nicht! Im Theater habe ich oft herzlich über Sie gelacht, aber außerhalb desselben verstehe ich keinen Spaß, am allerwenigsten, wenn man meine Wege durchkreuzt.“ „Die Wege sind für Militair und Civil gebaut.“ „Sehr richtig, aber dennoch darf ich es nicht dulden, daß man Wege, die ich mir selbst gebahnt, mit mir gemeinschaftlich zurücklegen will. Sie werden mich verstehen und begreifen, daß Sie mir Genugthuung schuldig sind.“ „Was? Sie fordern mich?“ „Zu dienen. Morgen früh werde ich ihnen einen meiner Freunde senden, um das nähere mit ihnen zu verabreden. Aus Wiedersehen, mein Herr!“ Der Lieutenant grüßte kalt und förmlich und entfernte sich. Am nächsten Morgen fanden sich aus einem lichten platze eines naheliegenden Gehölzes die beiden Gegner gegenüber. Sie hatten die Röcke abgelegt, die Arme entblößt und Jeder hielt einen blitzenden Stoßdegen in der Hand. Die Secundanten hatten das möglichste gethan, die Gegner zu versöhnen, aber der Lieutenant wies jeden Vergleich zurück, und Scholz hatte zu viel Ambition, ein Wort der Entschuldigung fallen zu lassen. Aber als sich der Komiker in Positur stellte mit seinem martialischen pudelnärrischen Gesicht und den Degen kreuzen wollte, fing sein Gegner sowohl als die Secundanten aus vollem Halse zu lachen an, denn ihnen war plötzlich und unwillkürlich der "Klapperl“ eingefallen, die Rolle eines Tölpels, die Scholz unübertrefflich spielte. „was soll das?“ frug er ernst. „Hat ihnen mein Benehmen etwa Veranlassung zu dieser Heiterkeit gegebene?“ „Nein, nein, ihr Benehmen ist das eines Mannes von Ehre!“ antwortete sein Gegner, gewaltsam das Lachen verbeißend. „Aber Sie haben ein so drolliges Gesicht, daß ich mit geschlossenen Augen werde fechten müssen." Der Zweikampf begann und schon nach einigen Minuten färbte sich das Hemd des Komikers. Die Degenspitze seines Gegners war ihm in die Brust gedrungen, hatte ihm jedoch nur ein wenig zur Ader gelassen, ohne edle Theile zu verletzen. Die Gegner boten einander die Hände, feierten bei einer Bowle Punsch das Versöhnungsfest, und die komische Muse freute sich, nicht eines Priesters beraubt worden zu sein, für den sie wahrscheinlich in diesem Jahrhundert keinen Ersatz gefunden hätte. |
