Eine arme Spinnerin baut dem Herrn das Haus
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Eine arme Spinnerin baut dem Herrn das Haus.
Mitgetheilt von Wilh. Grimm.
Künde ich ein mere getichten 5
unde daz ez wol mochte bestan,unt daz mich ein wiser man 10
künd ich als der von Nifenden frouwen singen suzen sanc, 15
den frouwen unt den geerten,die hochen pris ie merten. 20
von lobelichen sachen,Got ze lobe unt ze eren; 25
daz munster daz waz volbrachtrecht als er sin hete gedacht; 30
recht als liep im were daz leben;daz lon wolde er eine han, 35
der kunic hiez daran ergrabenmit guldinen buochstaben, 40
unt stuont ein ander name daraneiner armen frouwen nam, 45
er hiez den namen tilien siderunt sinen namen schriben wider; 50
do man die buochstaben gelaz,daz si were mit sinne 55
der kunic erkante sich in Got,daz ez were von Gotes gebot; 60
des wart si truric unt unfro,si muoste fur den kunic gan, [38]
er sprach: „frouwe, nu sag an, 65
wie ez hiezuo si bekomen.hast du darumbe icht vernomen? 70
ich bekenne uf die genade din,ich bin ein vil armez wip: 75
do verdient ich einen helbelinc,darnach stuont aller min gerinc, 80
damite kouft ich ein kleinez heu,daz streut ich uf die strazen 85
Got nam der fronwen reinen muotfur des richen kuniges guot. 90
an guote sicherliche;Got hat in ouch gewarnet wol, 95
daß si lr sunde ouch gebüzen;welle er Got furbaz grüzen 100
Got in darumbe ze friunde erkos.nu helfe uns allentsamt Got, 104
die daz mere vernamen.Anmerkung. Aus der Heidelberger Handschrift Nr. 341 S. 70 u 71: verglichen und benutzt ist eine andere, mir zugehörige, wo es sich gleichfalls in einer Sammlung kleiner Gedichte (Nr. 46) befindet, so wie es auch in jener Coloczer (Nr. 37) vorkommt. Das Ganze scheint in einer Volkssage begründet, wenigstens ist jene noch gangbare, wornach ein vor Wien stehendes, zweihundert Jahr altes Heiligenbild von dem mühsamen, lang ersparten Verdienst einer armen Spinnerin aufgerichtet worden (S. unsere deutsche Sagen Nr. 178) nah verwandt. Crusius (ann. suev. III 387) bemerkt, daß zwischen Calw und Zabelstein an der Straße ein steinernes Kreuz stehe, in das ein Spinnrocken und die Jahrszahl 1447 eingehauen sey. „Ein 70 jähriger Mann erzählte, einst von einem mehr als hundertjährigen gehört zu haben: es wäre eine arme Spinnerin gewesen, allda im greulich tiefen Schnee erstickt.“. Ueberhanpt ward das Spinnen (Schaffen, Wirken) als eine bedeutende und fromme Arbeit betrachtet; die hl. Elisabeth ist auf einem Holzschnitt spinnend dargestellt, welches Gailer von Kaisersperg (S. das Bild und die Stelle aus dem Buch Granatapfel in Arnims Trösteinsamkeit S. 173.) geistlich zu erklären weiß. [37] V. 9. daruf, dazu, dafür. – 11. beide Handschriften lesen zwar der frouwen, dennoch scheint die Verbesserung nöthig. – 13. harte, sehr, wie V. 34 – 14. gemeine, gemeinschaftlich, zugehörig. – 16. deren Lob immer wuchs, die an Tugenden immer zugenommen. – 20 aus löblichem Grund; sache heißt hier Ursache. – 26. wie ers ausgedacht hatte. V. 29. niemand sollte etwas zu dem Bau geben, beitragen. – 44. versmacht dem kunige,',verdroß ihn. - 45. tilien, tilgen (wie Lilien und Lilgen). sider, hernach. – 49. aber, zum zweitenmal. – 51. mit sinne, ohne Zweifel, in Wahrheit gesagt. – 54. ie immer. – 55. sah ein, erkannte durch Gott. – 60. truric und unfro, vgl. Armer Heinrich V. 566. [38] V. 75. ein helbelinc, ein halber Pfennig. – 76. gerinc Streben, Ringen. – 79. dreu, Drohung. – 85. Er achtete höher, zog vor. – 94. der laße jeden daran Theil nehmen. – 96. Furbaz grüzen, weiter ehren, ihm dienen. – 97. so kaufe er der Kirche Eigenthum und Erbe. – 99. der König ward belohnt. – 102. behalden, halten. |
