Elektrochemischer oder Volta’scher Condensator, und neue Volta’sche Kette
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VIII. Elektrochemischer oder Volta’scher Condensator, und neue Volta’sche Kette.
A ist eine einfache Kette, entweder eine Daniell’sche, die für sich das Wasser zwischen Platten gar nicht zu zersetzen vermag, oder eine Grove’sche, die es unter gleichen Umständen nur in sehr unbedeutendem Maaße [398] zersetzt. Die an ihre Platten gelötheten Drähte endigen in den Quecksilbernäpfchen B und G. C ist ein Schälchen von amalgirtem Kupfer. CD ein Metallstab, verseben bei D mit einer Feder, die sein herabgebogenes Ende C mit dem Boden des Schälchens in Berührung hält; DE ein Leiter, welcher den Stab CD mit dem Draht EFG in Verbindung setzt. Dieser Draht EFG, ein mit Seide besponnener Kupferdraht, ist um eine Hülse gewickelt. Er muß dick seyn und darf keine zu große Länge haben. Hr. De la Rive nimmt statt eines Drahtes lieber drei neben einander, jeden von 1 Millimeter, die er 100 Umgänge um die Hülse machen läßt, und dann an ihren Enden in E und G vereinigt[1]. mn ist ein Cylinder von weichem Eisen im Innern der Hülse; p ein Stückchen weiches Eisen, das an dem Stab DC befestigt ist und vom Ende m des Eisencylinders heraufgezogen wird, sobald dieser durch den Strom magnetisirt ist. H und I sind die Enden zweier Leiter, die dazu dienen, das mit Platinplatten versehene Voltameter V in den Kreis der Kette zu bringen. So wie man die Kette schließt, kreißt der Strom in BCDEG, augenblicklich wird das Stückchen p heraufgezogen, weil mn magnetisirt ist. Allein dadurch wird auch sogleich die Schliessung bei C unterbrochen, weil der Stab DC, dessen herabgebogenes Ende auf den Boden des Schälchens C drückte, sich hebt. Diese Unterbrechung ruft in dem auf F gewickelten Draht einen Inductionsstrom hervor, welcher gleiche Richtung mit dem der Kette besitzt. Andererseits ist, so lange der Stab DC gehoben bleibt, ein neuer Schließbogen gebildet, von der Kette A aus längs BCH zum Voltameter V und von da längs IEG zur Kette zurück. Das Voltameter [399] wird also zugleich durchlaufen von dem Inductionsstrom und von dem Volta’schen Strom (verstärkt — wie Hr. De la Rive meint — durch den Durchgang des Inductionsstroms durch die Kette). So wie indeß die Schließung bei C unterbrochen wird, ist auch das Eisen nicht mehr magnetisirt oder wenigstens sehr schwach, weil das Voltameter sich in der Bahn des Stromes befindet; das Stückchen p wird nicht mehr heraufgezogen, der Stab DC dagegen von seiner Feder niedergedrückt und der Kreis wieder bei C geschlossen. Der Strom fängt also wieder an durch BCDEG zu kreisen und dieselbe Reihe von Erscheinungen wiederholt sich[2]. Die Kraft der Feder D und der Abstand des Stückchens p von der Unterseite des Endes m des Eisencylinders müssen so abgeglichen werden, daß die oscillatorische Bewegung des Stabes DC leicht und sehr rasch geschehe. Durch Probiren gelangt man sehr bald dahin, den Apparat in dieser Beziehung unter die günstigsten Bedingungen zu versetzen. Mittelst einer solchen Vorrichtung, erhielt Hr. De la Rive 10 bis 15 Kubikcentimeter Knallgas in einer Minute, doch nur mit Anwendung einer Daniell’schen oder Grove’schen Kette. Eine gewöhnliche Zink-Platin-Kette, mit Säure oder Salzwasser geladen, bewirkte keine Wasserzersetzung zwischen den Platinplatten des Voltameters. Eine Bleihyperoxyd-Kette, die für sich 9 Kubikcentimeter Gas in der Minute gab, lieferte in obiger Vorrichtung 18 Kubikcentimeter. Hr. De La Rive hält seinen Volta’schen Condensator, wegen der Einfachheit [400] und Wohlfeilheit, besonders für practische Anwendungen brauchbar.
Derselbe enthält unter andern auch noch die Beschreibung der eben erwähnten Bleihyperoxyd-Kette, welche der Verf. als sehr wirksam rühmt. Diese Kette besteht aus Zink und Platin, von welchem ersteres in verdünnter Schwefelsäure oder Salzwasser steht, letzteres sich aber in einem porösen Thoncylinder befindet, inmitten von Bleihyperoxyd (peroxyde, also doch wohl braunes Hyperoxyd, und nicht etwa Mennige), mit dem, wohl eingestampft, der Cylinder gefüllt worden ist[3]. Eine solche Kette ist, nach Hrn. De la Rive, wirksamer als eine Grove’sche, denn während letztere das Wasser in einem Voltameter mit Platinplatten kaum wahrnehmbar zersetzt, giebt erstere unter gleichen Umständen 10 Kubikcentimeter Knallgas in der Minute. Bei zwei Ketten, zur Säule vereint, würde aber doch, nach des Verf. Angabe, das Uebergewicht wieder auf Seile der Grove’schen Combination seyn, denn diese lieferte 27 C.C. Gas in 1', während die Bleioxyd-Combination nur 24 C.C. gab. Noch sonderbarer klingt die Angabe, daß eine Bleioxydkette, vereint mit einer Grove’schen, 32 C.C., und vereint mit einer Daniell’schen, 31 C.C. Knallgas in [401] der Minute liefert, d. h. beträchtlich mehr als eine Combination von zwei Ketten jeder der drei Arten für sich. Die Wirksamkeit der neuen Kette, die Hr. De la Rive als das Resultat zweier chemischen Actionen, der Oxydation des Zinks und der Reduction des Bleihyperoxyds, ansieht, findet nicht mehr statt, wenn statt des Bleihyperoxyds Mangan-Hyperoxyd, oder statt der Platinplatte eine Kupferplatte genommen wird; den Grund zu letzterem setzt der Verf. in eine locale elektro-chemische Action auf das Kupfer, das auch dabei rasch verändert wird. Die Dauer der Wirksamkeit dieser Kette ist, nach des Verf. Angabe, beträchtlich, weshalb und wegen ihrer geringen Kostspieligkeit (da sollte man wieder glauben, er wendete Mennige an, denn braunes Hyperoxyd eigends dazu zu bereiten, wäre doch nicht eben wohlfeil) er sie besonders für technische Anwendungen geeignet hält, — aber constant ist sie doch nicht.
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[Bearbeiten] Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vorlage: Widerderstand
