Elektromagnetische Theorie der Strahlung (1914)
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§ 22. Das Lorentzsche und das Bucherersche Elektron.
Gewisse später zu erörternde Fragen der Optik bewegter Körper haben H. A. Lorentz[1] veranlaßt, unsere kinematische Grundhypothese (VII) durch eine andere zu ersetzen. Seine Dynamik des Elektrons fußt ebenfalls auf den Grundgleichungen I bis V, und der dynamischen Grundgleichung (VI), welche verlangt, daß die resultierenden elektromagnetischen Kräfte des äußeren und des vom Elektron selbst erregten Feldes einander im Sinne der Mechanik starrer Körper das Gleichgewicht halten. Er nimmt indessen das Elektron nicht als „starr“ an, sondern läßt dessen Form mit der Geschwindigkeit sich verändern. Im Ruhezustande soll das Elektron eine Kugel vom Radius ![]() kontrahieren. Das gleichförmig translatorisch bewegte Elektron soll demnach ein Heaviside-Ellipsoid sein. Wir wollen die Lagrangesche Funktion sowie die elektromagnetische Energie und Bewegungsgröße eines solchen Lorentzschen Elektrons berechnen. Das elektromagnetische Feld bestimmt sich aus den Ansätzen des § 18; die Anwendung der dort gegebenen Transformation (105) gestaltet sich hier besonders einfach. Das bewegte System
Die Langrangesche Funktion, welche nach (104b) im Falle gleichförmiger Bewegung der Kräftefunktion entgegengesetzt gleich ist, wird, gemäß (106d),
Ferner folgt aus (102) und (106)
und daher aus (101d) und (105)
Hieraus und aus (101f) bestimmt sich die ![]() dessen Volumenelemente denen des ruhenden Systemes durch (105) zugeordnet und daher im Verhältnis
![]() verkleinert sind, folgt
Beachtet man ferner, daß in ![]() gilt, so erhält man ![]() Der Betrag des der Bewegungsrichtung des Heaviside-Ellipsoides parallelen Vektors
Aus der so bestimmten elektromagnetischen Bewegungsgröße folgt, auf Grund der allgemeinen Beziehung (103), die doppelte magnetische Energie
Hieraus und aus (124a) erhält man, für die gesamte elektromagnetische Energie des Heaviside-Ellipsoides, den Ausdruck
H. A. Lorentz nimmt nun an, die träge Masse des Elektrons sei rein elektromagnetischer Art; demnach zieht er, neben der elektromagnetischen Bewegungsgröße (124e), eine materielle Bewegungsgröße nicht in Rechnung. Er erhält auf Grund der Formeln (115) und (115a), für die longitudinale und transversale Masse
stellt dabei die Ruhmasse vor, die im Falle der Flächenladung durch (117b), im Falle der Volumladung durch (117 c) gegeben wird. Nach dem in § 18 bewiesenen Satze geht der Wert von im Falle der Volumladung aus dem im Falle der Flächenladung gültigen Werte durch Multiplikation mit hervor; mit demselben Faktor sind demnach die Ausdrücke der Lagrangeschen Funktion (124a), der Bewegungsgröße (124e) und der elektromagnetischen Energie (124g) beim Übergang zur Volumladung zu multiplizieren
Versucht man, die longitudinale elektromagnetische Masse des Lorentzschen Elektrons auf Grund der Formeln (115b) und (124g) zu berechnen, indem man annimmt, daß die Energie des Elektrons rein elektromagnetischer Natur ist, so gelangt man zu einem Ergebnis, welches zu (125) in Widerspruch steht. Das kann nicht wundernehmen; haben wir doch in § 19 gesehen, daß die Relation (111b), welche die Identität der aus der elektromagnetischen Energie und aus der elektromagnetischen Bewegungsgröße abgeleiteten Werte der Masse ausspricht, auf der Annahme einer unveränderlichen Ladungsverteilung beruht. Für das Lorentzsche Elektron, welches der Grundhypothese (VII) nicht gehorcht, gilt diese Relation ebensowenig wie die Gleichungen (111) und (111a), welche Impuls und Energie mit der Lagrangeschen Funktion verknüpfen. In der Tat, nach (124a) ist
während nach (124e) und (125a) ![]() ist. Während für das „starre“ Elektron die Differenz dieser beiden Größen verschwindet, hat sie für das deformierbare Elektron den von Null verschiedenen Wert
Da nun allgemein gilt: ![]() ![]() Hieraus ersieht man, daß (115) und (115b) nicht zu demselben Werte der longitudinalen Masse führen können. Bestimmt man die Masse durch die elektromagnetische Bewegungsgröße, so ist, für das Lorentzsche Elektron, (115b) zu ersetzen durch ![]() Da die longitudinale Masse des Lorentzschen Elektrons sich nicht aus der elektromagnetischen Energie allein ableiten läßt, so müssen wir, um das Energieprinzip aufrecht zu erhalten, diesem Elektron eine innere Energie Die innere Energie
und der Impulssatz
![]() oder
Für gleichförmige Bewegungen ist nun ![]() Für quasistationäre Bewegungen wird diese Beziehung als gültig angesehen, und es wird
Da ferner, bei stationärer und quasistationärer Bewegung, für das Lorentzsche Elektron aus Symmetriegründen der Impuls parallel der Bewegungsrichtung ist, so gilt
Nach (127b) sollen nun die Ausdrücke (127c) und (127d) einander gleich sein, und zwar für beliebige Werte der Beschleunigung; hieraus folgt die Relation
Aus (128), im Verein mit (126a) und (126), kann man
und, durch Integration,
hier sind
Diese Formel gibt an, wie die innere Energie des Lorentzschen Elektrons mit wachsender Geschwindigkeit abnimmt. Für Lichtgeschwindigkeit, wo das Elektron in eine Kreisscheibe übergeht, wird
Wir können daher (128c) auch schreiben
Diese Energie nicht elektromagnetischer Art muß man dem Lorentzschen Elektron zuschreiben, wenn man das Energieprinzip aufrecht zu erhalten wünscht. Das Lorentzsche Elektron ist ein spezielles HeavisideEllipsoid, mit den Halbachsen ![]() wo Es liegt nahe, ein allgemeineres Heaviside-Ellipsoid zu betrachten, indem man ![]() Man kann nun folgende Frage aufwerfen: Ist es möglich, ![]() daß mithin aus Impuls und Energie der gleiche Wert der longitudinalen Masse folgt: ![]() ohne daß man wie beim Lorentzschen Elektron eine Energieform nicht elektromagnetischer Art heranzuziehen hat? Indem wir den Betrag des elektromagnetischen Impulses dem Differentialquotienten der Lagrangeschen Funktion nach der Geschwindigkeit gleichsetzen, erhalten wir ![]() ![]() wo ![]() Es bleibt das Volumen des Ellipsoides konstant. Wir sehen also: Das Heaviside-Ellipsoid von konstantem Volumen ist das einzige, bei dem die Arbeit der äußeren translatorischen Kräfte dem Zuwachs der elektromagnetischen Energie gleich ist. Man kann diese Folgerung prüfen, indem man sich davon überzeugt, daß aus Impuls und Energie:
der gleiche Wert der longitudinalen Masse folgt:
Für die transversale Masse erhält man
Ein solches Heaviside-Ellipsoid konstanten Volumens ist von Bucherer[2] zuerst behandelt worden. Versucht man, sich die Bedingung konstanten Volumens kinematisch verständlich zu machen, so findet man Schwierigkeiten. Am nächsten liegt es wohl, Volumladung anzunehmen und die Kinematik der dieses Volumen erfüllenden Elektrizität derjenigen inkompressibler Flüssigkeiten nachzubilden. Doch zeigte es sich, daß dann bei Bewegung im magnetischen Felde Wirbel entstehen, die bei fehlender materieller Masse ins Unendliche wachsen könnten. Auch dürfte es kaum gelingen zu beweisen, daß unter diesen Annahmen bei veränderlicher Geschwindigkeit das Elektron jeweils die Gestalt des Heaviside-Ellipsoides annimmt. Auch die Massenformeln von H. A. Lorentz sowie diejenigen von A. H. Bucherer lassen sich mit den experimentellen Ergebnissen in Übereinstimmung bringen. Die Ablenkungsversuche liefern eben kein empfindliches Kriterium in bezug auf die Gestalt des Elektrons. § 23. Der Impuls des Energiestromes und die Trägheit der Energie
Man kann Hypothesen über Form und Ladungsverteilung des Elektrons überhaupt vermeiden, wenn man die in der Lorentzschen Elektrodynamik für das Vakuum gültige Beziehung (17) des § 5 in der dort bereits angedeuteten Weise verallgemeinert[3], und den „Satz vom Impulse des Energiestromes“ zugrunde legt: Jeder Energiestrom
Das Elektron befindet sich, unter der Einwirkung des selbsterregten Feldes, in einem Spannungszustand. Bewegt es sich, so fließt in seinem Innern, ähnlich wie in einem gezogenen Seil, ein Strom mechanischer Energie in einer der Bewegung entgegengesetzten Richtung. Dieser mechanische Energiestrom soll nun, ebenso wie der elektromagnetische, eine Bewegungsgröße besitzen. Es wäre eine Aufgabe der Elastizitätstheorie, für ein Elektron von gegebener Form, Ladungsverteilung und Elastizität, die Verteilung der Spannungen und damit des Energiestromes und seines Impulses, zu ermitteln. Indessen kann man einfacher, ohne besondere diesbezügliche Annahmen, den aus mechanischem und elektromagnetischem Impuls resultierenden Vektor Wir denken uns irgend ein System von Ladungen, in welchem die wechselseitigen elektromagnetischen Kräfte durch mechanische Spannungen im Gleichgewicht gehalten werden, in geradliniger gleichförmiger Bewegung begriffen. Wir legen schief zur Bewegungsrichtung eine feste Ebene, und wählen sie als ![]() Denkt man sich das System durch Parallelebenen zur ![]() Mithin wird ![]() Andererseits ist, gemäß dem Satze (131) vom Impulse des Energiestromes, der Gesamtimpuls des Systemes
und es folgt somit für die ![]() dies gilt für eine beliebige Richtung der
Hier fällt auf, daß der Gesamtimpuls stets der Geschwindigkeit parallel ist; er besitzt demnach keine transversale Komponente. Doch haben wir in § 19 gesehen, daß z. B. für ein Ellipsoid der elektromagnetische Impuls im allgemeinen schief zur Bewegung gerichtet ist, und haben daraus geschlossen, daß dann eine Drehkraft zur Aufrechterhaltung der gleichförmigen Bewegung erforderlich ist. Wie wir jetzt sehen, trifft dieser Schluß nur dann zu, wenn der Impuls des mechanischen Energiestromes unberücksichtigt bleibt; denn seine transversale Komponente kompensiert diejenige des elektromagnetischen Impulses, so daß der Gesamtimpuls parallel zur Geschwindigkeit wird. Hiernach ist also keine Drehkraft zur Aufrechterhaltung der gleichförmigen Translation notwendig; und zwar gilt dies Ergebnis für ein System von beliebiger Form und Ladungsverteilung Da ![]() Mithin besteht, nach (131b), zwischen transversaler Masse und Gesamtenergie die Beziehung
sie formuliert den „Satz von der Trägheit der Energie“; beim Übergang zur Ruhe besagt dieser Satz: Die Ruhmasse ist gleich der durch
Vergleichen wir diesen Wert für die Ruhmasse mit demjenigen, den wir in Gl. (117b) des § 20 für eine flächenhafte geladene Kugel gefunden haben, so finden wir, daß dort die mit Da in
Führt man diese Ausdrücke in (131b) ein: ![]() und setzt ![]() so folgt ![]() Die Integration dieser Differentialgleichung ergibt ![]() wobei, gemäß (132) und (131d), zu setzen ist: ![]() Demnach folgt als Ausdruck der Lagrangeschen Funktion
Indem man Aus (132) folgen die Beträge von Impuls und Energie: ![]()
Der Impulsvektor (131b) ist also
welche ganz mit den in § 22 für das Lorentzsche Elektron abgeleiteten Formeln (125, 125a) übereinstimmen. Wir haben sie hier, ohne irgend welche Voraussetzungen über Form und Ladungsverteilung zu machen, allein aus dem Satze vom Impulse des Energiestromes abgeleitet; dieser Satz, in Verbindung mit den im Lagrangeschen Schema zusammengefaßten Impuls- und Energiesätzen, reicht aus, um die Dynamik eines beliebigen in innerem Gleichgewichte befindlichen Systemes zu begründen. Für den „Massenpunkt“ der elementaren Mechanik müssen demnach die nämlichen Bewegungsgleichungen gelten, wie für das Elektron. Wir wollen in diesem Zusammenhange einige Versuchsergebnisse besprechen, welche die Bedeutung der Sätze vom Impulse des Energiestromes und von der Trägheit der Energie erläutern und ihre Gültigkeit wahrscheinlich machen Das Fehlen einer transversalen Komponente des Gesamtimpulses erklärt das negative Ergebnis eines Versuches, den Fr. T. Trouton und H. R. Noble[4] angestellt haben, um einen Einfluß der Erdbewegung zu entdecken. Sie brachten einen geladenen Kondensator in eine zur Erdbewegung schiefe Lage, und erwarteten ein Kräftepaar zu finden, welches die Plattenebene der Bewegungsrichtung parallel zu stellen sucht. In der Tat ergibt die Theorie ein solches Kräftepaar, wenn man allein die elektromagnetische Bewegungsgröße in Betracht zieht. Wird die ![]() ![]() Es folgen hieraus die Komponenten der elektromagnetischen Impulsdichte: ![]() Bei langsamer Bewegung folgt hieraus als transversale Komponente des ganzen elektromagnetischen Impulses ![]() wo ![]() welches die Plattennormale senkrecht zur Bewegungsrichtung der Erde zu stellen sucht Ein solches Drehmoment konnte indessen, trotz ausreichender Empfindlichkeit des Apparates, nicht beobachtet werden. Dieses negative Ergebnis des Versuches von Trouton und Noble erklärt sich, wenn man, außer dem Impulse des elektromagnetischen, auch denjenigen des mechanischen Energiestromes in Rechnung stellt. Die elastischen Spannungen, welche die elektrischen Kräfte im Gleichgewicht halten, rufen mechanische Energieströme in den Kondensatorplatten und in deren Stützen hervor; der Impuls dieser Energieströme hat eine transversale Komponente, welche diejenige des elektromagnetischen Impulses, wie oben dargetan, gerade kompensiert. Es ist also das resultierende Drehmoment gleich null, in welcher Stellung gegen die Erdbewegung der Kondensator sich auch befinden mag. Fr. T. Trouton[5] hat noch folgenden interessanten Versuch angestellt. Er brachte an einer empfindlichen Drehwage einen Kondensator an, derart, daß die Platten der Erdbewegung parallel waren ![]() Trouton erwartete nun, bei Ladung und Entladung des Kondensators, entsprechend dem Gewinn und Verlust von Bewegungsgröße, eine Stoßkraft zu finden, welche die Drehwage hätte anzeigen müssen. Der erwartete Effekt blieb indessen aus. Hierzu ist auf Grund der obigen Entwickelungen Folgendes zu bemerken. Erstens fällt, bei Berücksichtigung des mechanischen Energiestromes, der in den materiellen Teilen des Apparates fließt, und seines Impulses, der Faktor 2 fort, so daß der Gesamtimpuls durch (131b) angegeben wird. Zweitens ist, nach dem Satze von der Trägheit der Energie, der Energiezuwachs, welchen der Kondensator beim Laden erfährt, von einem Massenzuwachs begleitet, und lediglich diesem Zuwachs an Masse ist der Gewinn an Bewegungsgröße zu danken. Der Vorgang ist mit einer Wasserströmung innerhalb eines gleichförmig bewegten Systems vergleichbar; wenn das Wasser aus einem Gefäß in ein anderes strömt, so führt es die Bewegungsgröße, welche es der Translation des ganzen Systemes verdankt, einfach mit sich. Bei dieser Strömung treten keine anderen relativen Beschleunigungen auf, als wenn sie im ruhenden Systeme erfolgte. Dasselbe gilt hier, wenn Energie aus dem Akkumulator in den Kondensator, oder zurück, strömt; mit der Energie wird die träge Masse, gemäß (131c), übertragen; diese behält den Impuls, welchen sie in Folge der Erdbewegung besaß, bei; beschleunigende Kräfte, welche zur Feststellung der Erdbewegung dienen könnten, werden durch diese Energieübertragung nicht hervorgerufen. Ähnliche Verhältnisse liegen vor, wenn eine bewegte Lichtquelle Energie ausstrahlt. Wir hatten dieses Problem in § 14 behandelt, und dort (Gl. 82d) die folgende Beziehung zwischen ausgestrahlter Energie und Bewegungsgröße gefunden:
![]() und ihm entspricht ein Verlust an Impuls ![]() Dieser Impulsverlust ruft indessen keine hemmende Kraft hervor; vielmehr bleibt die Geschwindigkeit der Lichtquelle ungeändert. Nach dem Satze von der Trägheit der Energie besitzt ein ruhender Körper von der Masse
Berechnet man hieraus die Energie eines Wasserstoffmoleküles, dessen Masse nach § 2 Gl. (2a) beträgt gramm,so findet man den Wert erg.Die Größenordnung dieser Energie ist eine weit höhere, als diejenige der Energieänderungen, welche den Wärmetönungen der gewöhnlichen chemischen Reaktionen entsprechen. Man muß sich vorstellen, daß diese Energie im Innern der Atome ihren Sitz hat, und somit bei den gewöhnlichen chemischen Prozessen ungeändert bleibt. Nun haben wir aber in den radioaktiven Erscheinungen Transformationen der Atome kennen gelernt; die hierbei stattfindende Wärmeentwickelung übersteigt wirklich weitaus alle sonst bekannten Wärmetönungen. Man darf annehmen, daß hier jene latente Energie ins Spiel kommt. Bei jenen Transformationen findet bekanntlich eine Emission von Würde die gleichförmige translatorische Bewegung eines Ladungssystems drehende oder sonstige innere Kräfte hervorrufen, so könnte diese Bewegung von einem mitbewegten Beobachter festgestellt werden. Das wäre nicht mit dem später zu erörternden Prinzip der Relativität verträglich. Wie wir soeben gesehen haben, schließt der Satz von dem Impulse des Energiestromes, wenn er als allgemein gültig angenommen wird, die Existenz solcher Kräfte aus, und befindet sich also im Einklang mit dem Relativitätsprinzip. Doch kann man den Satz von dem Impulse des Energiestromes nicht aus dem Relativitätsprinzip ableiten. Das geht z. B. aus der Minkowskischen Elektrodynamik bewegter Körper hervor, in welcher für Impuls und Energiestrom Ansätze gemacht werden, welche, obwohl sie dem Relativitätsprinzip genügen, nicht jenem Satze entsprechen. Ich habe es daher vorgezogen, die Sätze von dem Impulse des Energiestromes und von der Trägheit der Energie unabhängig vom Relativitätsprinzip aufzustellen, als naheliegende Verallgemeinerung von Beziehungen, welche nach der Lorentzschen Elektrodynamik für Lichtwellen im Vakuum gelten. Es wird unsere Aufgabe sein, zu zeigen, daß die postulierte Beziehung zwischen Impuls und Energiestrom sich auch auf die Elektrodynamik bewegter ponderabler Körper übertragen läßt (Vgl. § 39). Viertes Kapitel
Relativitätstheorie
§ 45. Der Lichtweg in einem gleichförmig bewegten System.
Wir hatten in § 41 die Aberration des Fixsternlichtes erklärt, indem wir zeigten, daß nach der Lorentzschen Theorie die Richtung des von einem mit der Geschwindigkeit ![]() d. h. durch den Vektor der Relativgeschwindigkeit von Licht und Beobachter. Unter ![]() Welchen Einfluß hat nun die Erdbewegung auf dasjenige Licht, welches von irdischen Lichtquellen entsandt wird? Läßt sich nicht durch Beobachtung dieses Lichtes, also durch optische Versuche im Laboratorium, die Bewegung der Erde feststellen? Diese Frage führt uns dazu, die Lichtfortpflanzung in einem gleichförmig bewegten Systeme zu behandeln. Wir denken uns zur Zeit
hat die Komponenten
wenn unter
der im absoluten Strahlengang zurückgelegte Lichtweg verstanden wird. Da ,
Es wird demnach die Richtung des relativen Strahles durch den von der gleichzeitigen Lage der Lichtquelle aus gezogenen Fahrstrahl angezeigt, d.h. in einem gleichförmig bewegten Systeme sieht man die Lichtquelle dort, wo sie sich gerade befindet. Die gemeinsame Bewegung von Lichtquelle und Beobachter ist demnach durch Beobachtung der Strahlrichtung durchaus nicht festzustellen. Dagegen sollte man vermuten, daß die Erdbewegung sich durch Messung des Lichtweges feststellen ließe. Denn die durch Aus dem Dreieck ![]() somit bestimmt sich, bei gegebenem relativem Lichtweg ![]() Für das stets positive ![]() oder
( ) mit den Komponenten einen Fahrstrahl ( ) zu, mit den Komponenten
Während die ursprünglichen Koordinaten ![]() hervorgeht. Es ordnet sich somit einem Heaviside-Ellipsoide des ursprünglichen Systemes
Jetzt wird Gl. (242) zu:
dabei ist
Aus (243) und (243a) folgt umgekehrt:
Wir sind jetzt imstande die Frage zu erörtern, ob ein mit der Erde bewegter Beobachter durch Messung des Lichtweges die Erdbewegung festzustellen vermag. Dabei kommen für Interferenzmessungen im bewegten Systeme nur geschlossene relative Lichtwege in Betracht. Wir denken uns Licht, im relativen Strahlengang, von ![]() wobei ![]() Die Summe der beiden absoluten Lichtwege ist demnach (244)
Wir denken uns um Ist ![]() Ist dagegen ![]() Demnach sind, gemäß (244), die zugehörigen absoluten Lichtwege
im ersten Falle im Verhältnis größer als im zweiten Falle. Der Unterschied der beiden Lichtwege beträgt
wenn Größen vierter und höherer Ordnung in Auf die Entdeckung dieser zuerst von Maxwell aus der Annahme ruhenden Äthers abgeleiteten Differenz der Lichtwege, welche zwei parallel bzw. senkrecht zur Erdbewegung gerichteten relativen Strahlen entsprechen, zielte der Versuch von A. Michelson[6] hin. Es wurden zwei Lichtstrahlen zur Interferenz gebracht, welche, von derselben Lichtquelle ausgehend, längs zweier zueinander senkrechter Arme sich fortgepflanzt hatten und dort durch Spiegel zurückgesandt waren. Indem jedes Lichtbündel mehrmals hin und her reflektiert wurde, konnte die Länge
Die erhaltenen Verschiebungen der Interferenzstreifen aber waren kleiner als 0,02 des Streifenabstandes. Das negative Ergebnis des Michelsonschen Interferenzversuches spricht gegen die Vorstellungen über die Lichtfortpflanzung im leeren Raume, die den Ausgangspunkt unserer Betrachtungen bildeten, falls die bei der Ableitung von (244a, b) stillschweigend gemachte Voraussetzung zutrifft, daß die Abmessungen der festen Körper auf der bewegten Erde die gleichen sind, die sie auf der ruhenden Erde wären. Läßt man die Möglichkeit einer Dimensionsänderung infolge der Erdbewegung zu, so sind die Betrachtungen entsprechend abzuändern. In der Tat haben Fitzgerald und H. A. Lorentz das negative Ergebnis des Michelsonschen Versuches erklärt, indem sie zur Hypothese der Kontraktion der Materie infolge der Erdbewegung ihre Zuflucht nahmen: Es sollen die Körper infolge der Erdbewegung eine Kontraktion im Verhältnis Daß durch diese Hypothese das negative Ergebnis des Michelsonschen Versuches ohne weiteres erklärt wird, folgt aus den oben abgeleiteten Beziehungen. Denn nach der Kontraktionshypothese liegen die Punkte Nach der Fitzgerald-Lorentzschen Hypothese ist demnach ein positives Ergebnis des Interferenzversuches ausgeschlossen, nicht nur, was Größen zweiter Ordnung, sondern auch, was Größen beliebiger Ordnung anbelangt. Der Arm, welcher beim Michelsonscben Versuch der Richtung der Erdbewegung parallel steht, verkürzt sich im Verhältnis Man könnte nun einwenden, daß die Dimensionsänderungen fester Körper, wenn sie auch sehr klein sind, der Messung zugänglich sein müßten. Das wäre aber nur dann möglich, wenn man die Abmessungen der Körper durch „absolut ruhende“ Maßstäbe messen könnte. Wir sind aber auf solche Maßstäbe angewiesen, die sich mit der Erde bewegen; diese erfahren nach der Kontraktionshypothese bei der Bewegung der Erde dieselbe Längenänderung wie die zu messenden Körper; eine Kugel des irdischen Maßstabes ist der Kontraktionshypothese zufolge ein Heaviside-Ellipsoid des „absolut ruhenden“ Maßstabes. Mit irdischen Maßstäben kann man diese Behauptung weder bestätigen noch widerlegen. Auch wenn man zur Längenmessung optische Methoden verwendet, ist es selbstverständlich unmöglich, die behauptete Kontraktion der Materie festzustellen. Man würde dann die Länge eines bewegten Stabes durch den Lichtweg messen, während beim Michelsonschen Versuch der Lichtweg durch die Länge eines bewegten Stabes gemessen wird. Der Einfluß der Erdbewegung auf Lichtweg einerseits und Länge des Stabes andererseits kompensiert sich aber gerade so, daß sie auf der bewegten Erde gleich erscheinen, wenn sie auf der ruhenden gleich sind; eine optische oder elektrische Messung kann also niemals die behauptete Anisotropie der Körper auf der bewegten Erde feststellen. Die zur Erklärung des Michelsonschen Versuches eingeführte Kontraktionshypothese erscheint zunächst bedenklich. H. A. Lorentz[7] hat indessen versucht, sie plausibel zu machen, indem er von der Vorstellung ausging, daß die Molekularkräfte, welche die Form fester Körper bestimmen, elektrischer Natur sind. An jedem Moleküle des ruhenden Körpers halten sich, dieser Vorstellung zufolge, die von den übrigen Molekülen herrührenden elektrostatischen Kräfte das Gleichgewicht. Wird nun der Körper in eine gleichförmige Translationsbewegung versetzt, so werden die Molekularkräfte abgeändert, indem zu dem elektrischen Felde ein magnetisches tritt. Wie in § 18 dargelegt wurde, entspricht dem Gleichgewichte der elektrostatischen Kräfte im ruhenden Systeme ein Gleichgewicht der elektromagnetischen Kräfte in einem bewegten Systeme, welches aus jenem durch eine Kontraktion im Verhältnis Betrachtet man die Molekularkräfte in ruhenden Körpern als elektrostatische Kräfte, und läßt zunächst die Wirkungen der regellosen Molekularbewegungen außer acht, so erscheint es hiernach plausibel, daß ein fester Körper, in Bewegung gesetzt, sich der Bewegungsrichtung parallel im Verhältnis § 46. Zeit und Raum
Wir wollen uns auf den Standpunkt der Kontraktionshypothese stellen; dann verstehen wir, wie es kommt, daß bei der Messung des Lichtweges die durch die Bewegung des Systemes gegebene Vorzugsrichtung dem mitbewegten Beobachter entgeht. Es empfiehlt sich, mit den Koordinaten Einem mitbewegten Beobachter, der in dem Systeme
Die Zeit In den Punkten Wir wollen annehmen, daß wie
Es geht also in einem Punkte Wir sind jetzt imstande zu beurteilen, unter welchen Umständen die Beobachtung einen Einfluß der Erdbewegung auf die Lichtzeit entdecken könnte. Es kommt offenbar darauf an, durch welche Mittel die Stellung der Zahnräder, Spiegel oder sonstigen Vorrichtungen reguliert wird, deren man sich zur Messung der Lichtzeit bedient. Geschieht die Regulierung auf elektrischem oder optischem Wege, so kommt es auf dasselbe heraus, als wenn die Lichtzeit durch die Differenz der Ortszeiten des Empfängers und Senders gemessen wird. Dann ist es, nach der Definition der Ortszeit, selbstverständlich, daß die gemessene Lichtzeit unabhängig von der Richtung des Strahles gegen die Bewegung der Erde wird. Um einen Unterschied der Geschwindigkeit zweier, parallel bzw. entgegen der Bewegung der Erde gerichteter Strahlen festzustellen, bedürfte es einer mechanischen Regulierung der Zahnräder oder rotierenden Spiegel, wobei Fehler gleich dem Bruchteil Das ist erst dann der Fall, wenn Größen zweiter und höherer Ordnung in Wir haben soeben von einer Vorrichtung zur Messung der Lichtzeit gesprochen, welche mechanisch reguliert werden sollte. Eine solche Regulierung wird auch theoretisch unmöglich, wenn man die Lorentzsche Hypothese der elektrischen Konstitution der Materie annimmt. Dann pflanzen sich die Molekularkräfte, auf denen die Elastizität und die Kohäsion der Körper beruht, im Raume mit Lichtgeschwindigkeit fort, so daß jede „mechanische“ Regulierung im Grunde doch wieder eine elektromagnetische ist. Auch sie bestimmt, für ein gleichförmig bewegtes System, nur die Ortszeit, kann aber nicht zur Feststellung der Bewegung dienen. H. A. Lorentz hat dargetan[9], daß die Vorstellung von der elektromagnetischen Konstitution der Materie ausreicht, um das negative Ergebnis aller bisherigen Versuche über den Einfluß der Erdbewegung zu erklären. Allerdings muß er dabei die Kontraktionshypothese nicht nur auf die Materie, sondern auch auf die Elektronen anwenden, in der in § 22 angeführten Weise. Um so die Einflußlosigkeit der Erdbewegung auf die elektromagnetischen und optischen Vorgänge zu deuten, nimmt Lorentz zu Hypothesen seine Zuflucht, die mit dem Raum- und Zeitbegriffen der klassischen Mechanik nicht verträglich sind. Wenn wirklich die Bewegung alle Maßstäbe verkürzt, so kann die Ausmessung mit solchen Maßstäben im bewegten Systeme nicht zur Kenntnis der „absoluten Form“ der Körper führen, von der die klassische Geometrie handelt. Andererseits soll eine elektromagnetische Uhr — und nach der Hypothese der elektrischen Konstitution der Materie verhält sich jede Uhr wie eine elektromagnetische — im bewegten System die Ortszeit, nicht die „absolute Zeit“ der alten Kinematik anzeigen. Man muß sich fragen, ob unter diesen Voraussetzungen den überlieferten Anschauungen der Geometrie und der Kinematik überhaupt noch eine Bedeutung zukommt. Diese Frage wurde von A. Einstein verneint. Seine Theorie[10], die meist kurzweg „Relativitätstheorie“ genannt wird, gründet sich auf zwei Postulate. Das erste Postulat verlangt die Äquivalenz zweier Systeme, die gegeneinander in gleichförmiger, geradliniger Translationsbewegung begriffen sind. (Postulat der Relativität). Es gibt hiernach kein ausgezeichnetes, etwa im Äther verankertes Bezugssystem, sondern lediglich eine dreifach unendliche Schar ausgezeichneter, gleichberechtigter Bezugssysteme, welche sich gegeneinander mit gleichförmiger Geschwindigkeit bewegen. Nach dem zweiten Postulat pflanzt sich in jedem dieser Systeme das Licht in Kugelwellen fort, und zwar mit der nämlichen Geschwindigkeit Das erste Postulat schließt die Möglichkeit einer absoluten Raum- und Zeitmessung aus; auch in Hinsicht auf die Definition von Raum und Zeit sind alle ausgezeichneten Bezugssysteme mit einander gleichberechtigt. Zwischen den Koordinaten und Zeiten in zwei solchen Bezugssystemen
und somit
Mathematisch ist demnach die Einsteinsche Theorie mit der Lorentzschen äquivalent. Von Bei Lorentz folgt aus der Hypothese der elektromagnetischen Natur aller Kräfte, daß sich im Vakuum alle Vorgänge mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen, und daß so im bewegten Systeme die Zeitregulierung nur nach der Skala der optischen Ortszeit erfolgen kann. Einsteins Postulate enthalten nicht die Hypothese des universellen Elektromagnetismus. Doch folgt auch aus ihnen, daß alle Kräfte im Vakuum sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Denn hätte etwa die Schwerkraft eine größere Geschwindigkeit, als das Licht, und benutzte man sie zur Zeitregulierung, so würde man aus der Abweichung zwischen den Stellungen einer so regulierten Uhr, und einer optisch regulierten, auf die Bewegung des Systems schließen können; das wäre aber ein Widerspruch gegen das Postulat der Relativität. Mit der relativistischen Zeitdefinition ist also eine verschiedene Geschwindigkeit der im Vakuum sich fortpflanzenden Störungen unvereinbar. Doch wäre es denkbar, daß sich die Schwerkraft nicht, wie die elektromagnetischen Kräfte, in transversalen, sondern in longitudinalen Wellen ausbreitete. Insofern bedeutet die Einsteinsche Formulierung der Grundpostulate eine Erweiterung des physikalischen Weltbildes, und eine Durchbrechung des Rahmens der Elektronentheorie. Wir kehren zu den Transformationsformeln (246a) zurück, und knüpfen an die erste derselben die folgende Betrachtung an: In einem festen Punkte
Es scheint sich also der nämliche Vorgang, bezogen auf die Uhr Die Beobachter, welche dem Systeme Es ist vielleicht nicht ganz ausgeschlossen, den Einfluß der Bewegung eines Moleküles auf die Schwingungen seiner Elektronen durch Beobachtung an Kanalstrahlen zu untersuchen. Da hier (vgl. § 14) die Lichtemission durch bewegte Teilchen geschieht, so müßte bei Beobachtung senkrecht zu Bewegungsrichtung, wobei der Doppler-Effekt fortfällt, die von Einstein behauptete Vergrößerung der Schwingungsdauer zur Geltung kommen; freilich ist der Effekt von zweiter Ordnung. H. Minkowski[11] hat die mathematische Darstellung der Relativitätstheorie übersichtlicher gestaltet, indem er die Zeit als vierte Koordinate auftrug, und eine vierdimensionale Vektorrechnung entwickelte. Wir geben auf diese vierdimensionale Formulierung der Theorie nicht ein, sondern verweisen den Leser auf die Darstellung von M. Laue[12]. Der schwache Punkt der Relativitätstheorie ist offenbar das zweite Postulat der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Es wäre denkbar, daß die Bewegung, oder auch andere Zustandsgrößen den Wert der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beeinflussen. In der Tat hat Einstein selbst später eine Abhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit vom Schwerepotential angenommen (vgl. § 51) In Hinblick hierauf werden wir im folgenden, um auch Systeme verschiedenen Schwerepotentiales miteinander vergleichen zu können, das zweite Postulat Einsteins nicht annehmen, sondern zulassen, daß die Lichtgeschwindigkeit in
eingehen, so lassen sich die mathematischen Betrachtungen, welche die Grundlage der Relativitätstheorie bilden, auch dann durchführen, wenn § 47. Die Lorentzsche Transformation.
Wir verstehen unter
Da hier gesetzt ist ![]() so folgt durch Umkehrung der Formeln (247):
Die durch (247), bzw. durch (247a) gegebene Transformation der Koordinaten und des Lichtweges nennt man eine „Lorentzsche Transformation“. Wir beschränken uns auf den Fall Aus (247) folgt, wenn wir
Entsprechend folgt aus (247a), wenn
Wir denken uns jetzt einen — materiellen oder elektrischen — Punkt, der sich in vorgegebener Weise bewegt. In dem Systeme
der Geschwindigkeitsvektor des Punktes, so werden die Geschwindigkeitskomponenten, wenn man sie auf die Lichtgeschwindigkeit als Einheit bezieht:
Man gehe nun durch die Lorentzsche Transformation (247) zu dem Systeme
gegebene Bewegung in
den durch (248a) gegebenen Geschwindigkeitskomponenten in Aus (247) folgt, wenn gemäß (248)
Durch Division der beiden letzten Gleichungen ergibt sich
In entsprechender Weise erhält man für die ![]() aus Gl. (250) den Ausdruck
und für die
die Formel ab:
Ein Punkt, der sich in Aus den Gleichungen (250a bis d), denen gemäß sich die Komponenten und der Betrag von
Wir gehen jetzt zur Transformation des Beschleunigungsvektors über. Wir setzen
und erhalten durch Differentiation von (250a) ![]() und hieraus, mit Rücksicht auf (250) ![]()
oder
Ähnlich erhalten wir aus (250b) durch Differentiation ![]() folglich
und entsprechend für die
Die Formeln (253a, b, c) können wir noch einfacher schreiben, wenn wir zur Abkürzung den Vektor einfügen
dann lauten sie nämlich
Betrachten wir insbesondere einen — materiellen oder elektrischen — Punkt, der sich gerade mit der Geschwindigkeit des Systems bewegt, aber nicht mit konstanter, sondern mit variabler Geschwindigkeit. Die Regeln, nach denen die Beschleunigungskomponenten aus dem System ![]() dann folgt:
Diese Ergebnisse werden weiterhin von Nutzen sein. § 48. Die Gruppeneigenschaft der Feldgleichungen der Elektronentheorie.
Die im vorigen Paragraphen erörterte Lorentzsche Transformation steht, wie wir gesehen haben, in enger Beziehung zu den Gesetzen der Lichtfortpflanzung im Raume. Da diese Gesetze, der Theorie der elektromagnetischen Strahlung zufolge, sich aus den Feldgleichungen der Maxwellschen Theorie ableiten, so kann man erwarten, die Lorentzsche Transformation mit diesen Feldgleichungen verknüpft zu finden. In der Tat ist H. A. Lorentz von den Feldgleichungen seiner Theorie aus zu jener Transformation gelangt. Wir verstehen, indem wir uns der Schreibweise des § 28 bedienen, unter
Welche Form nehmen diese Feldgleichungen an, wenn man statt der Unabhängigen Wir transformieren zunächst die 4 partiellen Differentialgleichungen (III) und (I), indem wir die Regeln (247b) beachten; sie ergeben dann: ![]()
Dann erhält man aus den ersten beiden jener Differentialgleichungen, indem man die eine, mit ![]() während die beiden letzten Differentialgleichungen sich schreiben: ![]() Transformiert man ferner die Dichte der Elektrizität gemäß der Festsetzung
und dementsprechend die Dichte des Konvektionsetromes, mit Rücksicht auf die Transformationsformeln der Geschwindigkeitskomponenten (250a, b, c), folgendermaßen:
so lautet das System der transformierten Feldgleichungen (I) und (III) in leicht verständlicher Symbolik:
Aus (III) und (I) gehen (IV) und (II) hervor, indem man
Es haben also die auf das System Wir wollen zunächst auf die Bedeutung der Relation (257) genauer eingehen. Die Vergleichung mit (250) ergibt für das Verhältnis der elektrischen Dichten in einander entsprechenden Punkten von
Andererseits ist aus dem im vorigen Paragraphen bereits erwähnten Umstande, daß die Funktionaldeterminante der Lorentzschen Transformation gleich ist: ![]() die bemerkenswerte Folgerung zu ziehen: Einander entsprechende Bereiche in den vierdimensionalen Mannigfaltigkeiten der Größen (
Demnach ergibt (258): ![]() und , haben zu entsprechenden Zeiten die gleiche elektrische Ladung. Wir können demnach, das Resultat der obigen Entwickelungen zusammenfassend, den folgenden Satz aufstellen: Geht man von dem Systeme durch eine Lorentzsche Transformation (247) zum Systeme über, indem man die elektrischen Ladungen entsprechender Volumelemente zu entsprechenden Zeiten einander gleich setzt, so bleiben die Feldgleichungen der Elektronentheorie ungeändert, wofern man die Feldstärken in , und in durch (256) einander zuordnet.
Dieser Satz gestattet es, jedes Problem, welches sich auf ein in gleichförmiger Translationsbewegung begriffenes elektromagnetisches System Im Sinne einer solchen Abbildung aufgefaßt, hat jener Satz eine von den Postulaten der Relativitätstheorie unabhängige Bedeutung. Nach der Relativitätstheorie liegt jedoch in der Gruppeneigenschaft der Feldgleichungen ein tieferer Sinn. Wie die Transformationsformeln (247) die Raumzeitmessungen in zwei gleichberechtigten Systemen miteinander verknüpfen, so setzen die Gl. (256) die in den beiden Systemen gemessenen Feldstärken § 49. Die relativistische Dynamik des Elektrons.
Wir denken uns ein Elektron von der Ladung ![]() Beim Übergange von
Da im System ![]() wofern das von den übrigen Elektronen herrührende Feld, in dem vom Elektron eingenommenen Bereiche, als homogen betrachtet wird. Für die in ![]() Aus (256) und (259) folgen nun die Beziehungen zwischen den Komponenten von
Da nach dem Postulate der Relativität ein in Wir denken uns nun, ausgehend von dem oben angenommenen Zustande — der Ruhe in
wo
Dieses sind die Bewegungsgleichungen des Elektrons für quasistationäre Bewegung in der Relativitätstheorie. Setzt man
so entsprechen die Größen Man wird somit auf dem hier eingeschlagenen Wege, vom Relativitätspostulate ausgehend, wiederum auf die Lorentzschen Formeln (125) und (125a) für die Masse des Elektrons geführt, welche wir in § 22 durch Übertragung der Kontraktionshypothese auf das Elektron, und dann in § 23 auf Grund des Satzes vom Impulse des Energiestromes abgeleitet hatten. Ist die Bewegung des Elektrons nicht quasistationär, so kommt in erster Linie die Reaktionskraft der Strahlung in Betracht. Wir hatten für diese Kraft in § 15 den Ausdruck (87) angegeben, ohne aber eindeutig dessen Gültigkeit nachzuweisen. Wir wollen ihn jetzt aus der Relativitätstheorie ableiten, indem wir voraussetzen, daß für langsame Bewegung die in Gl. (58) des § 9 angegebene Formel zutrifft, die wir mit Rücksicht auf (252a) schreiben können:
Dies mag der Ausdruck der Rückwirkung der Strahlung in dem System ![]() wo ![]() für den sich durch Ausführung der Differentiation und mit Rücksicht auf Gl. (250) ergibt ![]() Hier ist nun, wie im Eingange dieses Paragraphen angegeben worden ist, zu setzen ; dann folgt
Bei geradliniger, ungleichförmiger Bewegung ergibt, wenn wir setzen ![]() die Formel (261b)
Die Reaktionskraft der Strahlung verschwindet natürlich wenn die erste und die zweite Ableitung der Geschwindigkeit nach der Zeit gleich null sind. Es gibt aber, außer der gleichförmigen Bewegung, noch eine andere geradlinige Bewegung mit verschwindender Strahlungsrückwirkung; durch Integration der Differentialgleichung
wird sich diese Bewegung ergeben. Als Zwischenintegral erhält man
wo
wird der Differentialgleichung (262b) genügt. Denn es folgt
Die Lösung (263) entspricht einer Bewegung, die mit der Anfangsgeschwindigkeit null beginnt. Mit wachsender Zeit wächst die Geschwindigkeit, und nähert sich asymptotisch der des Lichtes; die Beschleunigung hingegen nimmt mit wachsender Zeit beständig ab. Aus ![]() beginnen läßt:
![]() oder ![]() Trägt man § 50. Die Minkowskischen Grundgleichungen für bewegte Körper.
In § 48 haben wir gesehen, daß die Feldgleichungen der Elektronentheorie invariant gegenüber der Gruppe der Lorentzschen Transformationen sind. Nun könnte man zu den Grundgleichungen für bewegte Körper durch Mittelwertsbildung über die Elektronenfelder gelangen, wobei die Deformation der Elektronen und ihre Dynamik zu berücksichtigtigen wären.[15] Einfacher jedoch ist es, ähnlich vorzugehen, wie im vorigen Paragraphen bei der Transformation der Trägheitskraft und der Reaktionskraft, d. h. Gleichungen aufzustellen, welche bei der Transformation auf Ruhe in die Maxwellschen Feldgleichungen übergehen. Dieses leisten die Minkowskischen Grundgleichungen für bewegte Körper, von denen bereits in § 36 die Rede war. Die Gl. (189) daselbst lauten, wenn
Hierzu treten die Gl. (189a), welche die Vektoren
Wir vergleichen dieses System von Differentialgleichungen mit den Feldgleichungen der Elektronentheorie, die wir in § 48 durch eine Lorentzsche Transformation umgerechnet haben. Die Gleichungen (IIe, IVe) entsprechen durchaus den Feldgleichungen (II, IV), nur daß an Stelle von
wofern die Vektoren
Ferner lehrt der Vergleich von (Ie, IIIe) mit den Gl. (I, III) des § 48, daß in diesen Gleichungen, den Vektoren
falls beim Übergang von dem gleichförmig bewegten System
da das ganze System
In dem ruhenden System
hervorgehen. Die ersten beiden dieser Beziehungen ergeben sich nun wirklich aus den Relationen (Ve, VIe), wenn man, gemäß (264) und (265), vom bewegten Systeme Damit dies auch für Leiter zutreffe, muß, wie aus der letzten der Relationen (268) im Verein mit (264) und (267) hervorgeht, im bewegten System
Die Komponenten der Dichte des Leitungsstromes sind also jeweils proportional den Komponenten der elektromagnetischen Kraft, d. h. des Vektors Hierdurch findet das negative Ergebnis des Versuchs von Trouton und Rankine[17] seine Deutung; diese Physiker untersuchten den Widerstand eines Drahtes, welcher zuerst parallel, und dann senkrecht zur Richtung der Erdbewegung gespannt war, fanden aber in beiden Lagen den gleichen Widerstand. Hier scheint zunächst ein Widerspruch gegen die Lorentzsche Kontraktionshypothese vorzuliegen. Die Kontraktion des Drahtes, die parallel seiner Längsrichtung stattfinden soll, wenn er der Erdbewegung parallel gespannt ist, würde nämlich eine Widerstandsabnahme zur Folge haben; diese wird jedoch durch jene Abnahme der spezifischen Leitfähigkeit kompensiert. Ist hingegen der Draht senkrecht zur Bewegungsrichtung der Erde gespannt, so würde die Lorentzsche Kontraktion eine Abnahme des Querschnitts, mithin eine Widerstandszunahme im Verhältnis Die Minkowskischen Gleichungen umfassen auch die Optik bewegter dispergierender Körper, wenn in der ersten der Beziehungen (268) an Stelle von Wir sehen also, daß sich die Elektrodynamik und die Optik in das System der Relativitätstheorie einordnen lassen. Diese Theorie verlangt aber mehr; damit ihre Definitionen von Zeit und Raum allgemein gültig seien, müssen die Gleichungen, nach denen beliebige physikalische Vorgänge sich abspielen, invariant gegenüber Lorentzschen Transformationen sein. Es ist jedoch fraglich, ob es gelingt, z. B. die Mechanik in das relativistische Schema einzuzwängen, ohne ihrer Eigenart Gewalt anzutun. § 51. Die Schwere der Energie.
Im § 23 haben wir aus der fundamentalen Beziehung zwischen Impulsdichte und Energiestrom den Satz von der Trägheit der Energie abgeleitet. Er besagt, daß die träge Masse eines Körpers seinem Energieinhalt proportional ist. Seit Galilei gezeigt hat, daß alle Körper im Vakuum gleich schnell fallen, weiß man, daß die schwere Masse eines Körpers seiner trägen Masse proportional ist. Wäre dem nicht so, dann würde die Schwingungsdauer eines Pendels von seiner chemischen Konstitution abhängen. Auch würde die Lotrichtung, d. h die Richtung der Resultierenden aus der Anziehung der Erde und der durch die Erdrotation bedingten Zentrifugalkraft, für verschiedene Körper eine verschiedene sein; denn die Anziehungskraft wirkt auf die schwere, die Zentrifugalkraft auf die träge Masse. Doch folgt aus äußerst empfindlichen Versuchen von B. Eötvös, daß die Richtung der resultierenden Massenkraft von der chemischen Konstitution unabhängig ist[20]; diese Versuche sichern die Proportionalität des Gewichtes zur Trägheit mit einer solchen Genauigkeit, daß Abweichungen von der Größenordnung Diese Tatsachen berechtigen uns, dem Satze von der Trägheit der Energie das Postulat von der Schwere der Energie gegenüberzustellen, welches wir folgendermaßen formulieren wollen: An einem gegebenen Orte im statischen Schwerefelde wirkt die Schwere auf alle Massenpunkte in gleicher Richtung, und mit einer dem Energieinhalt proportionalen Stärke. Als Massenpunkt kann dabei auch ein Körper oder ein System von Körpern betrachtet werden, falls seine Abmessungen entsprechend klein sind. Ist ein System gegen äußere Einwirkungen abgeschirmt, so bleibt seine Energie erhalten, welches auch immer die physikalischen Vorgänge oder die chemischen Reaktionen sein mögen, die sich in seinem Inneren abspielen. Aus dem obigen Postulate folgt dann sofort, daß auch das Gewicht des Systemes sich nicht ändert, falls das Schwerefeld ein statisches ist. Unser Postulat enthält also in sich das Gesetz von der Erhaltung der schweren Masse. Es schreibt selbstverständlich allen Energiearten schwere Masse zu; auch die elektromagnetische Energie besitzt hiernach Gewicht; auch die Lichtwellen sind der Schwerkraft unterworfen. Strahlt ein Körper Licht oder Wärme aus, so verliert er dementsprechend an Gewicht. Im allgemeinen ist der Gewichtsverlust indessen viel zu gering, um der Messung zugänglich zu sein. Doch erscheint es nicht als ausgeschlossen, daß man durch Vergleichung der Energiebilanz und der Gewichtsbilanz radioaktiver Umwandlungen das Postulat von der Schwere der Energie experimentell wird prüfen können (vgl. § 23). Um zu den Bewegungsgleichungen eines Massenpunktes im im statischen Schwerefelde zu gelangen, bedienen wir uns der Lagrangeschen Methode, die sich in der Dynamik des Elektrons (§ 20) als so wirksam erwiesen hat. Jetzt wird indessen die Lagrangesche Funktion nicht allein vom Betrage
Da jedoch die Lagrangesche Funktion jetzt auch von den Parametern , usw.Es ergeben also die Lagrangeschen Gleichungen bei fehlender äußerer Kraft
Die Schwerkraft selbst wird durch das zweite Glied dargestellt, die Trägheitskraft durch das erste; beide Eigenschaften der Materie, die Trägheit und die Schwere, sind in den Lagrangeschen Gleichungen enthalten. Die Gl. (271) ist die Bewegungsgleichung eines frei beweglichen materiellen Punktes im Schwerefelde. Noch haben wir das Postulat von der Schwere der Energie nicht herangezogen. Doch sehen wir, daß seine erste, auf die Richtung der Schwerkraft bezügliche Aussage ohne weiteres erfüllt ist, falls
eine universelle Funktion von ist. Es ist bequem, statt eine andere unabhängige Variable einzuführen, welche bestimmt ist durch
so daß man hat
Dann wird nämlich
also nach (272)
Diese Gleichung drückt jetzt das Postulat von der Schwere der Energie aus. Da ferner
so gilt für die Schwerkraft der Ausdruck
Wir führen jetzt den Wert (273) für die Energie in die allgemeine Formel (270) ein; dann folgt
Nach einem bekannten Satze von Euler besagt diese Gleichung, daß
wo Vergleichen wir jetzt diesen, dem Postulate der Schwere der Energie entsprechenden, Ausdruck der Lagrangeschen Funktion mit demjenigen, den wir in § 23, Gl. (132a) aus dem Satze vom Impulse des Energiestromes gewonnen hatten:
Die Vergleichung ergibt
Es spielt also die Lichtgeschwindigkeit die Rolle des Schwerepotentiales. Die träge Ruhmasse wird der Lichtgeschwindigkeit umgekehrt proportional und hängt somit vom Orte im Schwerefelde ab. Aus (270a) folgt jetzt für den Impuls der Ausdruck
und aus (270), oder aus (273), für die Energie
Nach (275) und (275b) besteht zwischen Ruhenergie und Ruhmasse die Beziehung
Mit wachsendem Schwerepotential, d. h. wachsendem Für die Schwerkraft folgt aus (273a, 275, 275b) der Wert
Die Lagrangesche Gleichung (271) ergibt
sie nimmt, gemäß (275a, d) die Form an:
ist in dieser Bewegungsgleichung nicht mehr enthalten. Es bewegen sich also beliebige materielle Punkte in einem gegebenen Gravitationsfelde unter gleichen Anfangsbedingungen in gleicher Weise. Im statischen Felde bleibt die Energie jedes einzelnen Punktes erhalten; es gilt nach (275b) die Energiegleichung
![]() Mit Rücksicht hierauf kann man die Bewegungsgleichung (276a) materieller Punkte im statischen Felde auch schreiben
Aus den obigen Entwickelungen folgt das wichtige Ergebnis, daß das zweite Postulat der Einsteinschen Relativitätstheorie von 1905, das Postulat der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (vgl § 46), mit dem Postulate der Schwere der Energie nicht verträglich ist. Sieht man das Postulat von der Schwere der Energie, und somit den Satz von der Erhaltung des Gewichtes, in dem oben angegebenen Sinne als gültig an, so muß man jene Relativitätstheorie und die auf ihr fußenden Raum-Zeit-Begriffe aufgeben. Das Licht pflanzt sich dann im Vakuum nicht mehr geradlinig fort, sondern dem Huyghensschen Prinzip entsprechend in einer gekrümmten Bahn; in der Nähe der Sonne krümmen sich die Lichtstrahlen ein wenig, als ob sie von ihr angezogen würden. Die soeben dargelegte Theorie der Bewegung materieller Punkte und der Fortpflanzung des Lichtes im Schwerefelde rührt von A. Einstein[21] und M. Abraham[22] her. G. Mie[23] und G. Nordström[24] haben versucht, die Theorie so abzuändern, daß die Relativitätstheorie von 1905 gültig bleibt; dann ist die Lichtgeschwindigkeit konstant, das Licht pflanzt sich auch im Schwerefelde geradlinig fort. In den Ausdruck (274b) der Lagrangeschen Punktion kann dann das Schwerepotential nur multiplikativ eingehen. Setzt man demgemäß
also
so werden, nach (270, 270a), Impuls und Energie
Schreibt man die Lagrangesche Gleichung (271):
so erhält man für die Schwerkraft den Ausdruck
Es ist also, wenn man an dem Postulat der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit festhält, die Schwere nicht der Energie proportional, sondern der negativ genommen Lagrangeschen Funktion, d. h. bei kleinen Geschwindigkeiten der Differenz aus potentieller und kinetischer, bzw. elektrischer und magnetischer Energie. Hiernach würde also, wenn in einem abgeschlossenen Systeme chemische, etwa radioaktive, Umwandlungen vor sich gehen, zwar die Energie, aber nicht das Gewicht erhalten bleiben; denn die kinetische bzw. die magnetische Energie wäre in der Gewichtsbilanz mit negativen Vorzeichen in Rechnung zu stellen. Es wäre von der größten Wichtigkeit, wenn es gelänge, diese Folgerung aus der Relativitätstheorie von 1905 experimentell zu bestätigen. Einstweilen erscheint es aber als höchst unwahrscheinlich, daß das Gewicht der Differenz, die träge Masse aber der Summe von potentieller (elektrischer) und kinetischer (magnetischer) Energie proportional sei. Denn dann könnte bei radioaktiven Umwandlungen der Materie das Gewicht nicht proportional der trägen Masse bleiben, es sei denn, daß die Energie vor und nach der Transformation ausschließlich in potentieller (elektrischer) Form auftritt, eine Annahme, welche mit den Strahlungserscheinungen unverträglich wäre. Sieht man die Atome der verschiedenen chemischen Elemente als aus denselben Bausteinen zusammengesetzt an, so erscheint es von diesem Standpunkt aus nicht als verständlich, wieso die träge Masse immer gleich der schweren Masse bleibt. Nach (277b) und (278a) nimmt die Bewegungsgleichung (278) die Form an
während nach (277c) die Energiegleichung bei Bewegung im statischen Felde lautet
Indem man (279) durch (279a) dividiert, erhält man als Bewegungsgleichung materieller Punkte im statischen Schwerefelde:
Da für Lichtwellen die Differenz von elektrischer und magnetischer Energie gleich null ist, so ist das Licht der Schwere nicht unterworfen; dem entspricht es, daß seine Geschwindigkeit in der Relativitätstheorie konstant, seine Bahn eine geradlinige ist. Die soeben dargelegten Entwickelungen beziehen sich auf die Kraft, welche auf die Materie in einem gegebenen Schwerefelde wirkt. Sie sind durch Ansätze zu ergänzen, welche das Gravitationsfeld bei gegebener Verteilung der Materie bestimmen. Die von der Fernwirkungstheorie zu Grunde gelegte Poissonsche Gleichung wird man nicht als strenge gültig ansehen können, da sie eine Fortpflanzung der Schwerkraft mit unendlicher Geschwindigkeit ergeben würde. Die Nahewirkungstheorie verlangt eine Fortpflanzung mit endlicher Geschwindigkeit, und nach der Relativitätstheorie muß diese Geschwindigkeit derjenigen des Lichtes gleich sein. Nun läge es am nächsten, die Theorie des Schwerefeldes derjenigen des elektromagnetischen Feldes nachzubilden, d. h das Feld durch zwei Vektoren zu bestimmen, welche durch Feldgleichungen vom Typus der elektromagnetischen miteinander verknüpft wären. Die Fortpflanzung der Schwerkraft würde dann in transversalen Wellen vor sich gehen. Doch führt diese Theorie, wie bereits Maxwell bemerkt hat, schon in der Statik des Gravitationsfeldes zu Schwierigkeiten. Es wird nämlich, in Folge des verschiedenen Vorzeichens der Kräfte — Massenanziehung gegenüber der Abstoßung gleichnamiger Ladungen — die Energiedichte des Schwerefeldes negativ, wenn man die Energieverteilung der Maxwellschen Theorie entsprechend vornimmt; daraus folgt eine Instabilität des Gleichgewichtes. Diese der elektrostatischen nachgebildete Energieverteilung entspricht nun keineswegs den oben vorgetragenen Anschauungen. Denn nach (275b) bzw. (277b) steckt ein Teil der Gravitationsenergie in der Materie; dieser Teil nimmt ab, wenn die Massen einander genähert werden. Man kann es darum so einrichten, daß der auf das Feld entfallende Teil der Energie stets positiv ist. Dies geschieht in dem vom Verfasser dieses Buches angegebenen Ausdrücken für Energiedichte, Energiestrom, Impulsdichte und Spannungen im Schwerefelde. Diese bilden ein symmetrisches Schema von zehn Größen, welches dem Satze vom Impulse des Energiestromes genügt. Doch sind es nicht, wie in dem elektromagnetischen Schema, sechs Vektorkomponenten, welche jene zehn Größen bestimmen, sondern die vier Ableitungen des Gravitationspotentiales nach den Koordinaten und der Zeit. Die Fortpflanzung der Schwerkraft im Vakuum geschieht mit Lichtgeschwindigkeit, und zwar in longitudinalen Wellen. Man kann diese allgemeinen Ansätze sowohl mit dem Postulate der Schwere der Energie, wie mit demjenigen der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in Einklang bringen. Im ersteren Falle sind die Quellen des Feldes in die Energiedichte der Materie zu verlegen, und die Gleichungen des Schwerefeldes haben dann nicht die Lorentzsche Gruppe. Im zweiten Falle sind die Gleichungen invariant gegenüber der Gruppe Lorentzscher Transformationen, doch ist die Masse eines anziehenden Körpers, ebenso wie diejenige eines angezogenen, seiner Lagrangeschen Funktion proportional. Wir müssen uns hier mit diesen Andeutungen begnügen; denn ein genaueres Eingehen auf die Theorie des Gravitationsfeldes liegt außerhalb des Bereiches dieses der Theorie der Elektrizität gewidmeten Werkes. Anmerkungen
|

sein; bei der Bewegung aber soll es sich parallel der Bewegungsrichtung im Verhältnis
ist ein Heaviside-Ellipsoid; geht man durch Streckung parallel der Bewegungsrichtung im Verhältnis
zum ruhenden System
über, so erhält man eine Kugel vom Radius 



-Komponente des Vektors
, welcher die Dichte der elektromagnetischen Bewegungsgröße angibt:




wird demnach




stellt dabei die Ruhmasse vor, die im Falle der Flächenladung durch (117b), im Falle der Volumladung durch (117 c) gegeben wird. Nach dem in § 18 bewiesenen Satze geht der Wert von
im Falle der Volumladung aus dem im Falle der Flächenladung gültigen Werte durch Multiplikation mit
hervor; mit demselben Faktor sind demnach die Ausdrücke der Lagrangeschen Funktion (124a), der Bewegungsgröße (124e) und der elektromagnetischen Energie (124g) beim Übergang zur Volumladung zu multiplizieren






nicht elektromagnetischer Art zuschreiben. In der Tat, es soll sich ja das Elektron bei einer Zunahme der Geschwindigkeit abplatten; dabei wird gegen die elektrodynamischen Kräfte, mit denen sich die Volumelemente abstoßen, Arbeit geleistet. Während für das starre Elektron die Zunahme der elektromagnetischen Energie gleich der von der äußeren Kraft
geleisteten Arbeit ist, findet das hier nicht mehr statt. Die Zunahme der elektromagnetischen Energie bei einer Beschleunigung ist, für das Lorentzsche Elektron, größer als die Arbeit der äußeren Kräfte




wie 




die Werte, welche 
gleich Null, mithin die innere Energie



unabhängig ist.




den Radius des Elektrons im Falle der Ruhe darstellt. Bei Bewegung sind die Halbachsen des Heaviside-Ellipsoides:




soll einen Impuls hervorrufen, von der Dichte
direkt und allgemein berechnen
-Ebene, so daß ihre Normale der
-Achse parallel ist. Im Laufe der Zeit wird die gesamte Energie
des Systemes durch diese feste Ebene hindurchströmen; man hat also, wenn 
geteilt, so bestimmt sich die Zeit
, in der die betreffende Schicht durch jene feste Ebene tritt, aus




ist, so folgen, wie in § 20, die Formeln (115) und (115a) für die longitudinale und die transversale Masse. Auch gilt

geteilten Ruhenergie:
der elektrostatischen Energie
betrug. Die Ruhenergie eines starren Elektrons wird nun durch das Auftreten mechanischer Spannungen nicht geändert, da diese keine Deformation hervorrufen. Wohl aber bedingen, wie bemerkt, diese Spannungen einen der Bewegung entgegengesetzten Energiestrom; sein Impuls muß im Ganzen, bei geringer
des gesamten elektromagnetischen Impulses sein, damit für die Ruhmasse der Wert (131d) herauskommt
durch die Bedingung (111b) verknüpft, die identisch erfüllt wird, indem man Bewegungsgröße und Energie aus der Lagrangeschen Funktion ableitet:










)-Ebene den elektrischen Kraftlinien parallel gelegt, welche den Winkel
mit der 



die elektrische Ruhenergie des Kondensators ist. Diese Impulskomponente würde nach § 17, Gl. (94a), das Auftreten eines inneren Kraftpaares bedingen:
. Dann ist, den obigen Formeln gemäß, der elektromagnetische Impuls parallel der Bewegungsrichtung; er beträgt




gramm,
erg.
-Strahlen (He-Atomen), sowie von
-Strahlen statt. Man könnte nun daran denken, die Relation (132f) zu
bewegten 
nahezu konstant; es ist
vom Punkte
aus (Abb. 11) ein Lichtsignal entsandt. Zur Zeit
mag es im Aufpunkte
eintreffen. Die absolute Strahlrichtung wird durch den von
bewegt. Der von 

die Komponenten von
, unter
,
des absoluten Lichtweges verschiedene Längen
des relativen Lichtweges
zuordnen, je nach der Richtung des Fahrstrahles
. Es fragt sich, ob auf Grund dieses Umstandes durch Interferenzmessungen ein Einfluß der Erdbewegung festzustellen sein könnte. Die Untersuchung dieser Frage wird durch die folgenden geometrischen Betrachtungen vorbereitet.
(Abb. 11), mit den Seitenlängen
, folgt:



(
einen Fahrstrahl
(
) zu, mit den Komponenten

von
eines materiellen Systemes, welches aus dem gegebenen Systeme durch eine Streckung parallel der Bewegungsrichtung im Verhältnis
eine Kugel zu:

der relative Lichtweg in dem Systeme 


ist, nach (243):
und
durch (242a, b) den Komponenten des Fahrstrahles
oder
, zurückgelegt, so entspricht ihm der absolute Lichtweg

der gleiche. Anders im Falle der Bewegung; in diesem Falle bestimmt sich, wie (244) besagt, der zu
. Dieser aber ist, wie in (242b) gefunden wurde, nicht auf Kugeln, sondern auf Heaviside-Ellipsoiden des Systemes 
-Achse, so hat man
und 


größer als im zweiten Falle. Der Unterschied der beiden Lichtwege beträgt


die gleichen, welches auch die Richtung des Fahrstrahles
-Koordinaten gemäß der Kontraktionshypothese im Verhältnis
kleiner; die zugehörigen
bezeichnen und zulassen, daß sie von der im System
verschieden sei. Da der Lichtweg jedesmal das Produkt der Lichtgeschwindigkeit und Lichtzeit ist, so kann Gl. (243) geschrieben werden:
, d. h. den Quotienten aus Lichtweg
des bewegten Systemes mögen sich zwei synchrone Uhren befinden. In dem Augenblick, wo die Uhr in
und der im bewegten Systeme
nur um Größen zweiter Ordnung in 
zweier nach Ortszeit
befindliche Uhr reguliert; dieser Zuwachs ist jeweils proportional der Projektion des im Systeme
der Lichtzeit vermieden sein müßten. Eine so genaue mechanische Regulierung würde, wenn sie überhaupt theoretisch als möglich angesehen wird, doch praktisch nicht durchführbar sein. So spricht es denn keineswegs gegen die Grundannahmen der hier entwickelten Theorie, wenn ein derartiger Einfluß der Erdbewegung nicht entdeckt worden ist. Dabei kommt, da es sich hier nur um Größen erster Ordnung in 

aufgestellt; infolge der relativen Bewegung von
des Systemes
abgelesen werden, in der Beziehung
bewegt, einen im Verhältnis 
Koordinaten und Lichtweg im ersten, unter
Koordinaten und Lichtweg im zweiten System. Zwischen diesen Größen mögen die in § 45 auf induktivem Wege gewonnenen Beziehungen (243a, b) gelten:

, da für
die Transformation zu imaginären Werten führen würde.

angegeben werden:








-Komponente
die Formel ab:

entspricht nach (250d)
. Ebenso ersieht man, da
, ohne weiteres aus dieser Formel: Unterlichtgeschwindigkeit in
ausdrücken, erhält man die Formeln, nach denen sich umgekehrt 
















und
die elektromagnetischen Vektoren, die in den Feldgleichungen der Elektronentheorie auftreten; diese lauten im System
setzt:





multipliziert, zur anderen addiert:






statt
gleich Null setzt. Da die Formeln (256) hierbei ungeändert bleiben, wofern zugleich
,
an Stelle von 



) und (
) haben die gleiche Ausdehnung:

in
in
gestrecktes System
zueinander in Beziehung; dabei hat die Ladung entsprechender Bereiche in beiden Systemen den gleichen Wert. Die Invarianz der Feldgleichungen gegenüber der Gruppe der Lorentzschen Transformationen bedingt es, daß alle ausgezeichneten Bezugssysteme, wie hinsichtlich der Raumzeitmessung, so auch in Bezug auf die elektromagnetischen Vorgänge, welche durch jene Feldgleichungen beschrieben werden, gleichberechtigt sind. Denn der Ablauf eines elektromagnetischen
in gleichförmiger geradliniger Bewegung begriffen, falls es von dem Bezugssystem 
.
in diesem System gegeben durch den Vektor
des elektromagnetischen Feldes folgt aus der Grundgleichung V des § 4![\mathfrak{K'}=e\ \left\{ \mathfrak{e+[qh]}\right\}](http://upload.wikimedia.org/math/7/a/8/7a8fdda3633ed9c62a64ac3dee43cdc8.png)


eine Konstante bedeutet. Von hier aus kann man, auf Grund der Transformationsgesetze (255) für die Beschleunigungskomponenten und (260) für die Kraftkomponenten, sofort zu den Bewegungsgleichungen in 

und
der longitudinalen bzw. der transversalen Masse.

eben der in Gl. (254) des § 47 eingeführte Vektor ist, dessen Komponenten durch (254a) mit denen des Vektors
verknüpft sind. Es handelt sich also nur noch um die Berechnung des Vektors

; dann folgt




eine Konstante ist. Durch nochmalige Integration ergibt sich
; durch


beginnen läßt:


gesetzt wird:



im bewegten Körpersystem ![\mathfrak{D}+[\mathfrak{qH}]=\epsilon\{\mathfrak{E+[qB]}\}](http://upload.wikimedia.org/math/4/e/3/4e3b4307c8dc585470bea949af31b658.png)
![\mathfrak{B-[qE]}=\mu\{\mathfrak{H}-[\mathfrak{q}\mathfrak{D}]\}](http://upload.wikimedia.org/math/7/a/f/7af89e667c3dd0ac992277e7dce19714.png)
treten, die in § 28 als die Mittelwerte jener definiert worden waren. Aus der formalen Identität folgt ohne weiteres, daß die transformierten Gleichungen jetzt lauten:

des Systemes 
und
entsprechen. Es liegt somit nahe, diese Vektoren beim Übergang zu 


in
so umrechnen, wie gemäß (257, 257a, b) in § 48 die Größen
in
und
sich transformierten:


parallel der 



; doch wird durch die Bewegung die Leitfähigkeit für parallel der Bewegungsrichtung fließenden Strom im Verhältnis
das Quadrat des Brechungsindex
gesetzt wird, welcher sich in
der betreffenden Farbe zuordnet. Sie erklären dann auch das negative Ergebnis der Experimente von Lord Rayleigh
auszuschließen sind.
der Geschwindigkeit, sondern außerdem von einer zweiten Veränderlichen
abhängen, welche ihrerseits vom Potentiale des Schwerefeldes und damit vom Orte abhängig ist. Doch geht aus den Entwickelungen des § 20 hervor, daß auch jetzt noch Energie 

selbst, und nicht allein von deren zeitlichen Ableitungen abhängt, so kommen jetzt in den Lagrangeschen Gleichungen (116) auch die Glieder in Betracht:
, usw.

eine universelle Funktion von
einzuführen, welche bestimmt ist durch








eine Konstante bezeichnet, die wir „Massenkonstante“ nennen wollen.

















und
haben hier natürlich eine andere Bedeutung, als die in den §§ 33—39 ebenso bezeichneten Vektoren.