Erwiderung an die HH. Fizeau und Daguerre
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III. Erwiderung an die HH. Fizeau und Daguerre;
von L. Moser.
Was den Aufsatz des Hrn. Daguerre betrifft, so enthält er sehr, viele Unrichtigkeiten, auf die ich mich jedoch hier nicht einlassen kann. Ich werde es bei dem Einwand bewenden lassen, den Hr. Daguerre gegen mich, und zwar in Betracht meiner Ansicht von unsichtbarem Licht anführt. Hr. Daguerre kocht die Silberplatten, nachdem sie jodirt worden, in destillirtem Wasser, gießt dasselbe vorsichtig ab, und setzt die heiße Platte denjenigen Dämpfen aus, die das Silber empfindlich [41] machen. Er giebt an, daß bei dieser Art zu verfahren die Schnelligkeit im Verhältniß von 8:3 wachse, und schreibt diese Beschleunigung auf das Entfernen eines Luftschlammes, der durch den Wasserdampf der Atmosphäre an die Platte abgesetzt, durch das Kochen aber wieder entfernt werde. Das Wichtigste für mich war, daß zwei so gekochte Körper sich bei der gewöhnlichen Temperatur auf einander nicht abbilden sollen. Diesen Versuch jedoch muß Hr. Daguerre flüchtig angestellt haben; denn nach meinen Versuchen bilden sich die gekochten Körper gerade so ab, wie die nicht gekochten. Hiermit könnte es in Bezug auf Hrn. Daguerre genügen. Ich könnte ihm überlassen es zu rechtfertigen, wie der Wasserdampf der Luft dazu komme, an eine eben jodirte Platte heranzugehen, da es doch bekannt ist, daß selbst Wasserdampf höherer Spannung schwer von einer gut Jodirten Platte condensirt wird, und um so schwerer, wenn sie eben jodirt worden, und also noch etwas erwärmt ist. Ich könnte es ihm überlassen, glaublich zu machen, daß durch Entfernung des Schmutzes die nachherige Empfindlichkeit der Platte, wie er angiebt, streng im Verhältniß von 8:3 wachse. Solcher Unwahrscheinlichkeiten ließen sich mehrere namhaft machen; allein man bedarf ihrer nicht. Selbst wenn die Ansicht des Hrn. Daguerre nicht unwahrscheinlich wäre, so wäre sie doch falsch. Hr. Daguerre hat, wie ich vermuthe, so experimentirt, daß er die gekochte Platte bloß den Joddämpfen, oder erst diesen und dann den Dämpfen von Jodchlorür, Brom u. s. w. aussetzte. Wendet man aber Jodchlorür an, so braucht man die Platte vorher nicht zu jodiren. Man verfahre also mit dem Kochen der Platte, wie Hr. Daguerre es vorschreibt, bringe aber die heiße Platte unmittelbar über Jodchlorür. Man wird dann finden, daß die Platte nicht allein nicht empfindlicher, sondern sogar unempfindlicher geworden ist, als wenn man das Kochen fortgelassen hätte. Wo bleibt [42] nun hier die Vorstellung von Luftschlamm und dessen Wirkungen? Hr. Daguerre ist mit dem Kochen der Silberplatte auf einen der schwierigsten Gegenstände dieser Sphäre getreten, mit welchem ich mich seit meinem Aufsatze über das Latentwerden des Lichts (diese Ann. Bd. LVII S. 1) beschäftigt habe. Ich gab dort im Allgemeinem die Erscheinungen an, welche verdampfendes Wasser auf Platten hervorbringt; seitdem habe ich einzelnen Gelehrten von den merkwürdigen Erscheinungen Mittheilungen gemacht, auf welche ich gestoßen war, als ich diesen Gegenstand nach seinen verschiedenen Seiten untersuchte. Wegen der beträchtlichen Schwierigkeit desselben ist es mir bis jetzt nicht möglich gewesen, ihn in einer abgeschlossenen Form dem wissenschaftlichen Publicum vorzulegen. Auch jetzt bin ich darin so weit nicht vorgeschritten, stehe aber nicht an, so viel von meinen Resultaten mitzutheilen, als nöthig ist, um einen der delicatesten Processe, der eine Oberfläche betreffen kann, vor den rohen Hypothesen zu Schützen, die man seinetwegen erfindet. Die Dämpfe von Jod, Chlor, Brom haben bekanntlich die Eigenschaft, das Silber gegen das gewöhnliche Licht empfindlicher zu machen. Allein sie haben außerdem eine ganz andere Eigenschaft. Wenn nämlich das gewöhnliche Licht auf eine, nach der üblichen Art präparirte Silberplatte gewirkt und ein Bild hervorgebracht hat, dann haben dieselben Dämpfe die Eigenschaft, diese Wirkung gradatim zurückzuführen, das Bild also in jedes der früheren Stadien zurückzuversetzen. Von meinen sehr zahlreichen Versuchen hierüber theile ich einen als den ausgedehntesten dieser Art mit. Am 11. Februar d. J. war die richtige Zeit für das gewöhnliche Bild zwischen 10 und 12 Uhr Vormittags 2 Es ist wohl eine der seltsamsten Erscheinungen, daß dieselben Dämpfe, welche das Silber für das gewöhnliche Licht so empfindlich machen, eine geradezu entgegengesetzte Action gegen die stattgefundenen Wirkungen dieses Lichts ausüben. Man kann unmöglich glauben, [44] daß diese beiden Erscheinungen nur zufällig sich hier beisammenfinden sollten. Viel wahrscheinlicher ist es, daß dieser Zusammenhang sich auch anderweitig zeigen werde, und daß überhaupt jeder Dampf oder jede Gasart, welche, mit dem Silber verbunden, ihm eine größere Empfindlichkeit für das gewöhnliche Licht ertheilt, auch die andere Eigenschaft haben werde, die stattgefundenen Effecte dieses Lichts gradatim zurückzuführen, und umgekehrt. Ausnahmen von diesem Satze sind mir nicht bekannt; vielleicht daß später die Bedingungen des chemischen Processes dergleichen herbeiführen. Vorläufig will ich anderweitige Bestätigungen dieses Satzes mittheilen. Bekanntlich erhöht der Sauerstoff, mit dem Silber chemisch verbunden, dessen Empfindlichkeit für das Licht. Der Sauerstoff führt aber auch die Wirkungen des gewöhnlichen Lichts gradatim zurück. Man lasse eine jodirte, chlorjodirte u. s. w. Platte 4 bis 6 Mal zu lange in der Camera obscura, und bringe sie hierauf in einen Strom reihen Sauerstoffs, Da nun verdampfendes Wasser die zurückführende Kraft besitzt[1], so ist nach dem Vorigen schon zu erwarten, daß das reine Silber durch dasselbe gegen das gewöhnliche Licht empfindlicher werden wird, und das ist es nun, was dem oben mitgetheilten Versuch des Hrn. Daguerre zu Grunde liegt, und was derselbe so sehr verkannt hat. Zur näheren Erläuterung dieser Sache wird Folgendes dienen. Wenn man zwei Dämpfe oder Gase, A und B von denen jeder einzeln die zurückführende Kraft oder die Eigenschaft besitzt, das Silber empfindlicher zu machen, hinter einander auf eine Silberplatte wirken läßt, so wird [47] die definitive Empfindlichkeit der Platte eine andere seyn als wenn nur A oder B allein darauf gewirkt hätte, (Der Fall bleibt natürlich hier ausgeschlossen, wo der eine Dampf durch seine Elasticität oder Dauer der Einwirkung gar zu sehr überwiegt, so daß der Einfluß des andern für den Versuch verschwindet.) 1) Die Empfindlichkeit der Silberplatte wird durch die successive Anwendung von A und B vermehrt, und zwar in welcher Ordnung man sie wirken lasse. In diesem Verhältniß stehen Jod und reines Chlor zu einander. Läßt man gleich nach dem Poliren Chlordämpfe auf die Platte wirken, dann Joddämpfe, oder umgekehrt, so wird in beiden Fällen die Platte für das gewöhnliche Licht empfindlicher, als wenn man bloß Chlor oder bloß Jod genommen hätte. 2) Die Empfindlichkeit der Silberplatte wird durch die successive Anwendung von A und B vermehrt, aber nur, wenn sie in einer bestimmten Ordnung wirken. In diesem Verhältniß stehen die Dämpfe von Jod und Jodchlorür. Läßt man zuerst Jod wirken, dann Jodchlorür, so wird die Platte ein wenig empfindlicher, als wenn man bloß Jodchlorür, und viel empfindlicher, als wenn man bloß Joddampf allein genommen hätte. Kehrt man dagegen die Ordnung um, läßt erst Jodchlorür, dann Jod wirken, so wird die Platte nicht so empfindlich, als wenn der erstere Dampf allein gewirkt hätte. 3) Die Empfindlichkeit der Silberplatte wird durch den gasförmigen Körper B vermindert, mag man ihn vor oder nach A anwenden. Der Chlordampf vor oder nach dem Jodchlorür angewandt, macht die Platte weniger empfindlich. Fluorwasserstoff vor oder nach dem Jod angewandt, macht ebenfalls die Platte unempfindlicher, und dasselbe findet Statt, wenn statt des Jods Jodchlorür genommen wird. Wie der Fluorwasserstoff, wirkt in dieser Beziehung auch der Sauerstoff. Wenn man die Silberplatte, nachdem sie polirt oder jodirt worden, einige [48] Zeit liegen läßt und nachher den übrigen Processen aussetzt, so zeigt sich die Platte unempfindlicher. Obgleich ich keine directen Beobachtungen hierüber an reinem Sauerstoff angestellt habe, so giebt der Sauerstoff der Luft doch die natürliche Erklärung für das zuletzt erwähnte Phänomen. Was nun das von der reinen Silberplatte verdampfende Wasser anbetrifft, so reiht sich dessen Wirkung den Fällen ad 2 und 3 an, je nachdem man Jod oder Jodchlorür anwendet. Wendet man Jod an, so wird durch die Verdampfung von kaltem oder heißem Wasser, wenn sie vorangeht, die Empfindlichkeit der Platte vermehrt. Das Umgekehrte tritt ein, wenn Jodchlorür angewandt wird. Allein welche der beiden Dampfarten auch gewählt werde, immer wirkt das Verdampfen des kalten und erwärmten Wassers nachtheilig auf die Empfindlichkeit, wenn man dasselbe von einer bereits jodirten oder chlorjodirten Platte eintreten läßt. Königsberg, im Juli 1843.
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bis 2 Minuten, wenn die jodirte Platte noch dem Chlordampf ausgesetzt worden war. Eine solche Platte brachte ich