Erzählung der Mutter
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Erzählung der Mutter.[1]
Ach, liebe Frau, der Augen Licht 5
In dieser Stube blind gesessen —Ich hatte, daß ich blind, vergessen. 10
Da trat mein guter, treuer SohnZu mir mit liebem Gruße schnell, 15
Wie Sonnenwärme mich durchdrangDer trauten, treuen Stimme Klang. 20
Den ich, als ich noch sehend war,Geschaut vor manchem langen Jahr; 25
Nur eine Spalt' in MannesbreiteBlieb offen an der Abendseite, 30
Denn seine Blätter, die noch ebenHernieder hingen, farblos ganz, 35
Nun saß ich selbst so Tag für TagUnd harrte auf der Stunde Schlag, 40
Zog auch in meines Sohnes Brust.Er freute sich auf diesen Krieg 45
Doch ach, ich konnt' ihm Nichts versagen,Ich hab' ihn gar nicht drum befragt 50
Doch seins in Muth und Hoffnung schwoll:„Als Sieger kehr' ich bald zurück, 55
Und ließ ihn. Als sein Schritt verhallt,Da sank ich nieder. Die Gewalt, 60
Aus meiner Ohnmacht tiefer Nacht.Und wieder saß ich Tag für Tag, 65
Obwohl, daß er nicht kam, ich wußte,Ich dennoch wieder lauschen mußte. 70
Die Sonne, ihn mit Wärme labend,Mit Wolken war ja oft bedeckt 75
Und sieh, es kam ein Hoffnungsstrahl,Zu mindern meine Angst und Qual: 80
Bei Wörth und unversehrt geblieben.Da bin ich in die Kirch gewankt, 85
Dann saß ich wieder Monden lang,Da — wieder neigte sich ein Tag 90
Als scheut' er sich, herein zu gehen,Doch öffnet er sie endlich leise 95
Nach einer Weil', als Nichts er sagt,Hab' leis ich, wer er sei, gefragt, 100
Und habe athemlos geharrt — —Da hör' ich draußen Viele kommen, 105
Und jetzt sind sie hereingetretenGeheimnißvoll mit Schlurfen, Schleichen — 110
Bewegungslos, in Todesbangen.Da hör' ich wunderbarer Weise 115
Und plötzlich, wie mit Blitzesschlag,Als schaute ich's im lichten Tag, 120
Nur wollt' er sterben, nur bei mir!Cam'raden hatten ihn gebracht, 125
Jetzt stand ich auf, befreit vom Bann,Unnd meinen Arm ergriff ein Mann, 130
Und wieder kam der Kindeston„Lieb' Mutter“ leise, leise; schwach 135
Hat liebestart den Tod gezwungen,So lange noch bei Seit' zu stehen. 140
Schon stockt der Atbem eine Weile,Es zuckt die Hand ihm in der meinen, 145
Damit er sich nicht fühlt' verlassen.Jetzt stockt der schwache Athem wieder 150
Ach, liebe Frau, ich kann nicht sagen,Was sich mit mir dann zugetragen. 155
Da war und blieb es um mich Nacht,Die Sonn' kam nimmer warm und lind, Gustav Duill.
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- ↑ Episode aus einem noch ungedruckten größeren Gedicht: „Das Helden Weib“.
