Geschichte des Illuminaten-Ordens/Der Fortbestand des Ordens und die Furcht vor ihm
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[412] — 425 - errathen vermeynen sollten: so bitte ich Sie Ihre Vermuthung niemanden mitzutheilen. Denn der Mann mag von den Kreuz- luftfrommen weder geliebt noch gehasset seyn.« In dieser Schrift ist überzeugend nachgewiesen, dass der Illuminatenorden weder mit den Illumines verwechselt werden darf, noch jemals etwas mit Cagliostro zu tun hatte. Nur das hier Geschilderte ist der ganze Grund und Boden, auf dem auch diese Beschuldigungen aufgebaut worden sind. Der Fortbestand des Ordens und die Furcht vor ihm. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, dass nach Ausbruch der französischen Revolution und nachdem die Beschuldigung, diese sei durch die Illuminaten veranlasst worden, einmal Boden gefasst hatte, alle irgend erdenklichen Freiheitsbestrebungen stets dem Weiterbestehen des Ordens in die Schuhe geschoben wurde. Kein irgendwie geistig hervorragender Mann konnte dem Ver- dachte entgehen, Illuminat zu sein. Es gibt Schriften aus jener Zeit, die die Entstehung der Sturm- und Drangperiode in Politik und Literatur einzig und allein den aufrührerischen Ideen der Illuminaten zuschreiben. Schiller wurde als Illuminat ver- schrieen und die ganze Weimarer Schule als Nest des Illu- minatismus. Wie weit es die französische Illuminatenriecherei darin brachte, lehren uns die Dokumente des Parisei- Archivs, auf die wir spater noch zurückkommen werden. Es muss die Furcht vordem verschrieenen Illuminatismus geradezu wie ein Druck in der Luft gehangen haben, denn der (n den selbst existierte in seiner festeren Organisation schon lange nicht mehr, als sich die Gespenslerfurcht vor ihm in so allgemeiner Weise breit machte. Es gibt tatsachlich keine andere Erklärung für solche Er- scheinung, als dass diese Furcht der Ausdruck für das Ahnen einer neuen Zeit war, die infolge der Revolution über die gebildete Welt hereinbrach. Das Abschneiden althergebrachter Zöpfe mal veralteter Ideen, die Furcht vor dem Gewaltmenschen Napoleon, der immer rücksichtsloser in die Geschicke Europas eingriff, der Einfluss unserer hervorragendsten klassischen Digitized by Google [413] — 426 — Geister auf das Gemüt der Deutschen, kurz jene ganze Periode, die wir als die des Sturmes und Dranges bezeichnen, brachte eine Angstmeierei, ein sich Stemmen gegen das Fahrenlassen des Altgewohnten von Seiten konservativ und reaktionär Ge- sinnter hervor. Diese zeterten über den Verfall der Sitten, über Herrschen der Freigeisterei und schoben, um dem Kinde der Zeit doch einen Namen zu geben, alle ihnen so verderb- lich scheinenden Zustände dem Moloch Illuminatismus zu, der ihrer Meinung nach die Welt beherrschte. Wir werden aus dem Nachfolgenden unschwer erkennen, wie unschuldig die Schöpfung Weishaupts, die längst in Trümmern lag, an allen diesen Ereignissen war. In Berlin sollte ein besonderer Herd des Illuminatentums bestehen, dessen Haupt der Buchhändler, Verleger und Schrift- steller Nicolai war. Nicolai, der sich durch eine gewisse freie Lebensanschauung bekannt und namentlich durch Förderung vieler Schriftsteller und Dichter verdient gemacht hat, gehörte dem Orden an. Seine Beziehungen hat er selbst in einer Broschüre niedergelegt; sie gehen nicht weiter als die vieler anderer; durch eine besondere Propaganda für den Orden selbst hat er sich nicht hervorgetan. Auch ohne den Orden wäre sein Leben sicher in denselben Gleisen verlaufen. Die Fama machte ihn trotz alledem zu einem Haupte der preussischen Illuminaten, ebenso wie den Oberkon- sistorialrat Gedike. Gedike und Biester gaben 1783—96 die Ber- liner Monatsschrift heraus, die sich im aufklärenden Sinne mit allen Fragen jener Zeit befasste, auch der Illuminatenverfolgungen gedachte und hin und wieder für die Verfolgten in ganz sach- licher Art eine Lanze brach. Das war natürlich ein Verbrechen, noch dazu zu einer Zeit, in der Wöllner, als Haupt der Rosen- kreuzer, Preussischer Minister war und den König völlig be- herrschte. Es sei hier an das Schreiben Friedr. Wilhelms an den Kurfürsten von Sachsen (s. Seite 246) erinnert. Es ist klar, dass unter solchen Umständen Berlin gar nicht für die Ausbreitung des verpönten Ordens geeignet war, gar nicht sein konnte, wenn der Landesfürst derartige feindliche Gesinnungen hatte. Gedike gehörte seinerzeit dem Orden nur oberflächlich an, wie Nicolai, ohne dass er nötig gehabt hätte, seine Gesinnungen, die ihn zu einem ganz hervorragenden Schulmanne und Organi- sator des Schulwesens befähigten, erst aus den Lehren der [414] — 427 — Illuminaten zu beziehen. Er galt seiner Geistesfähigkeiten wegen natürlich erst recht als Hauptilluminat. Die ungeheure Lächerlichkeit der Illuminatenfurcht jener Zeit spricht sich stets deutlich durch die Annahme aus, als Buchhändler Nicolai (Lucian). seien ungewöhnliche Geister jener Zeit erst durch die Illuminaten entstanden und ersterer Ideen wären nie zur Ausführung reif geworden, wenn der Illuminatenorden nicht zuvor den Boden gepflügt hätte. Wie wenig ahnten damals die Menschen, dass das Gesetz des Fortschrittes die Hand an den Pflug gelegt hatte. Digitized by VjOOQIC [415] — 428 — Der Orden blieb unter den vielen Mitteln, über die jenes Gesetz verfügte, nur ein unbedeutendes Bruchstück, überschätzt von ängstlichen Fürsten und deren Regierungen. Eine auswärtige Regierung spähte immer wieder nach Illuminaten aus, und zwar die österreichische. Von Wien aus hatte Aloys Holtmann einen Fehdezug g€ die Freimaurerei und die Illuminaten in der von ihm heraus gegebenen Wiener Zeitschrift begonnen und suchte deren Gc fährlichkcit zu beweisen. Die Freimaurer hatten ihren hocli sinnigen Beschützer, den Kaiser Josef, durch den Tod verloren Sein Nachfolger, Kaiser Leopold, zeigte sich bald den Digitized by Google [416] flüsterungen der Feinde der Maurerei zugänglich und es dauerte nicht lange, so erreichte die reaktionäre Partei verschiedene Mandate, die schliesslich zu dem heute noch bestehenden Ver- bot -der Abhaltung von Logen") innerhalb der österreichischen Grenzpfähle führte. Namentlich waren und blieben die Illuminaten die beliebtesten Prügelknaben für Verleumdungen, denn diese konnten sich ja nicht mehr verteidigen, infolge der bayrischen Vorgänge. Hoffmann hatte nun herausgebracht, dass eine Unternehmung »Die deutsche Unioni benannt, die von Bahrdt begründet worden war und den Zweck haben sollte, den deutschen Buchhandel an sich zu reissen, nur eine Fortsetzung des gesprengten Ordens sei, um seine verlorene Macht wieder zu erlangen. Er beschuldigte Knigge, dass er die Seele dieses geplanten Unternehmens sei, trotzdem dieser sowohl als auch andere nachwiesen, dass der Orden nichts mit der Deutschen Union zu tun habe. — Sachliche Entgegnungen nützten bei solchen Anschuldigungen nichts, denn die billige Behauptung, die Beschuldigten würden die Wahrheit natürlich nicht zugeben, war stets bei der Hand und fand Glauben. — Schliesslich schlief zwar das Gerede ein, immer spukte aber der Gedanke von der Gefährlichkeit des Illuminatenordens und seiner Ver- treter. Die österreichische Regierung fühlte sich dadurch veranlasst, Erkundigungen einzuziehen, wie es mit dem Illuminatenorden stehe, und sandte im Jahre 1801 einen Agenten nach Bayern, die Sachlage zu prüfen. Den Bericht dieses Agenten Armbrust er hat Fournier gefunden und veröffentlicht in einer Schrift: Illuminaten und Patrioten. Soweit Fournier sich über diese beiden Parteien Bayerns, an der Hand des Berichtes, auslässt, muss hier der Voll- ständigkeit, halber angeführt werden. Es heisst in seiner Schrift: Als der Friedensschluss 1801 dem Kriege mit den Franzosen ein Ende gemacht und diese Bayern geräumt hatten, erhielt Arm- bruster seine geheime Mission, den politischen Boden des Nachbar- landes zu sondieren und ihn für den österreichischen Einfluss zu bereiten. Was er in Erfahrung brachte, berichtete er Ende
glättet, was der Kaiser von Österreich vorbietet, denn in Ungarn ist die Frei maurerei erlaubt und l.ostHien ilnscll.st Log«Mi, die aueb von Österreichern besucht werden. [417] — 430 — Oktober 1801 an den Polizeiminister in Wien. Der Bericht lautet: »Gehorsamste Relazion über meine Reise nach Baiern. »Dem mir erteilten hohen Auftrage gemäss reisste ich am 24. September nach Baiern ab und traf am 21. Oktober wieder in Wien ein. Da ich diese Mission nicht unvorbereitet antrat, die Quellen zuverlässiger Notizen zum Teil vorher schon kannte, haushälterisch jeden Augenblick des Tages zu Beobachtungen und immer die Nacht zur Reise benutzte, so reichte schon dieser beschränkte Zeitraum zur Erreichung meines Zweckes vollkommen hin. Empfehlungsschreiben an einige Matadoren aller Verbrüderungen, welche um die Vormundschaft über Baiern streiten, hatte ich mir in Passau, Straubing und Regensburg verschafft, und diese Herren schienen zum Teil nach einer kaum stundenlangen Bekanntschaft selbst die alltäglichsten Regeln der Zurückhaltung vergessen zu haben, so sehr sind sie von der Sucht ergriffen, sich und ihre Parthei in ein glänzendes Licht zu setzen. Allein eben dieses Herumtreiben unter Men- schen von so verschiedenartigen Fakzionen, welches mir für den Augenblick so nützlich war und für die Zukunft einen noch wichtigeren Gewinn versprach, machte mir zugleich auch die Abkürzung meines Aufenthaltes, hauptsächlich in München, zum Gesetz. Ohne von der persönlichen Gefahr zu reden, hätte sogar schon eine blosse Vermutung meiner wahren Ab- sichten mich in die Unmöglichkeit gesetzt, in einem anderen interessanteren Zeitpunkte, der auch ohne Divinazionsgabe sich voraussehen lässt, mit Sicherheit und Erfolg wieder in jenen Gegenden aufzutreten. »Es ist Tatsache, die gar keinem Zweifel unterliegt: 1. dass Eingeweihte, Zöglinge und Geschöpfe des »Illuminatenordens« den Churfürsten und die meisten Zweige der Staatsverwaltung in ihrer Gewalt haben, und 2. dass unter dem Nahmen der »Patrioten« eine zweite nicht weniger gefährliche geheime Ver- bindung existirt, die von dem Illuminatenorden nicht nur ganz unabhängig ist, sondern, trotz der Aehnlichkeit der Tendenz und der Grundsätze, mit demselben bisher in offenem Kampfe stand. 1. Die Illuminaten. »Um über die gegenwärtige Lage des Ordens in Baiern volles Licht verbreiten zu können, muss ich einige frühere bis- Digitized by VjOOQ IC [418] — 431 - her nicht bekannt gewordene Tatsachen anführen. Was nach der Entdeckung des Ordens i. J. 1787 unter dem Titel ,Original- schriften' auf höchsten Befehl Sr. Churfürstl. Durchlaucht ge- druckt wurde, war nur der kleinste und unbedeutendste Teil dessen, was man in den Ordensarchiven gefunden hatte. Die wichtigsten Papiere, und besonders der aufschlussreiche Brief- wechsel, wodurch Männer höheren Ranges, hauptsächlich aus fremden Staaten, in Gefahr oder Verlegenheit gestürzt werden konnten, wurden sogleich in dem Hause des Kanzlers, Frei- herrn v. Kreitmayer, durch den Hauskaplan desselben: Culva, abgesondert und unmittelbar in die Hände des Churfürsten niedergelegt. Daher kam es, dass viele thätige Mitglieder des Ordens in andern Ländern noch lange, und selbst bis in die neuesten Zeiten, fortwirken konnten, und dass, besonders im nördlichen Deutschland, Fürsten und Staatsmänner, die in den Originalschriften das ganze Gewebe aufgedeckt glaubten, den Orden nach Geist und Ausdehnung für weit weniger wichtig hielten, als er es in der That war. Die Folge ist jetzt noch sehr sichtbar. »Indessen glaubten S. Durchlaucht der Churfürst den Orden wenigstens in Baiern ganz zernichtet zu haben. Dieser Wahn dauerte bis zum Jahre 1795, wo zufälligerweise durch das Zoll- amt in Dekendorf ein neues Archiv des Ordens und die un- unterbrochene Existenz desselben entdeckt ward. Jetzt ernannte der Churfürst in tiefster Stille eine Commission, um alle Briefe, die an gewisse Personen einlaufen oder von denselben ver- schickt werden würden, zu eröffnen und den Inhalt zu proto- kolliren. Diese Commission, die immer in der persönlichen Gegenwart des Churfürsten zusammentrat, bestand aus dem geistlichen Rat v. Rittershausen, dem Schuldirektor Culva, dem Kammerdiener Tusch und dem Postsecretär Baader. In kurzer Zeit lag eine Menge aktenmässiger Beweise aufgehäuft: dass die Mitglieder des Ordens im engen Zusammenhange stehen, neue Brüder aufnehmen, in den meisten Dikasterien die Majori- tät besitzen, die National-Erziehung leiten, durch ihren Einfluss auf die General-Vikariate Passau, Regensburg, Salzburg und Freysingen die einträglicheren Pfarrstellen mit Affiliirten be- setzen und dass gerade solche Männer, die nicht bloss das Vertrauen, sondern selbst die Liebe des Churfürsten sich zu verschaffen gewusst hatten, an der Spitze seyen! Diese Chefs waren a) Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf v. Rumford, [419] — 432 — b) Reichsfreiherr v. Häffelin, Bischof zu Chersones, damals Vice- präsident des geistlichen Rates, c) Freiherr von Stengel, geheimer Kabinets-Referendar. Als Secretär des Ordens erschien der Ex-Professor Bermiller und als untergeordneter Geschäftsführer der Buchhändler Fontaine in Mannheim. Originalbriefe aus Paris bewiesen, dass der Graf v. Rumford selbst mit der Propa- ganda in naher Berührung stand. Der Inhalt mehrerer Briefe in Chiffern blieb ganz unaufgelöst. »In dieser Lage der Dinge fasste der Churfürst den Ent- schluss, die gemachten Entdeckungen als ein Staatsgeheimniss zu bewahren, allmählich die Matadoren von ihren Stellen zu entfernen und nach einem festgesetzten Plane indirecte den Orden zu entkräften. Graf Rumford ward unter einem ruhm- vollen Vorwand nach England geschickt, einige andere setzte man in den Ruhestand: allein ehe nur irgend ein bedeutender Teil jenes Plans ausgeführt war, starb Karl Theodor, und Maxi- milian Joseph IV., der lange schon von Mitgliedern des Ordens umstrickt war, trat die Regierung an. »Noch muss ich bemerken, dass weder in den neuentdeckten Archiven, noch in dem aufgefundenen Briefwechsel des in Gotha lebenden Stifters des Ordens, des Hofrat Weishaupt, jemals er- schien, dass von Verbindungen mit Ordensmitgliedern in den österreichischen Staaten nichts Erhebliches vorkam und dass die bayrischen Illuminaten, wie die Illuminaten andrer Provinzen, ihre Wirksamkeit ausschliesslich auf ihr Vaterland beschränkt zu haben scheinen. »Die Illuminaten hatten also schon in den letzten Jahren der Regierung Carl Theodors ihre Macht fest begründet. Die gegenwärtige Regierung bot ihnen selbst die Hand, sich noch weiter auszudehnen. Die verbannten Mitglieder des Ordens wurden zurückberufen sowie die Unterdrückten an die Spitze gestellt und ganz, im weitesten Sinne des Wortes, haben sie den ersten Zweck des Ordens erreicht: den offenen argwohn- losen Fürsten und durch ihn das Land zu beherrschen. »Der dirigirende Minister, Freiherr von Montgelas, ist Illuminat aus der früheren Epoche und ganz im Geiste des Ordens gebildet. Allein nach dem Urteile von Männern, die tiefer in seinem Charakter blickten, soll er lange nicht jener planvolle, systematische Kopf sein, für welchen man ihn zu halten geneigt ist. Unbeschränkt wird er durch den geheimen Rat und Referendar von Zentner und den Legationsrat Ringel, [420] — 438 — einen sehr trivialen Kopf, geleitet. Sogar nach der Erklärung vieler Illuminaten ist Montgelas ein egoistisches Wesen, das auf ihren Schultern zu seiner gegenwärtigen Höhe stieg, nun sich zurückzieht, todt ist für das Interesse des Ordens und bloss auf Befriedigung seiner unbegrenzten Habsucht hin- arbeitet. »Das Band, durch welches der Orden eigentlich mit der Person des Churfürsten zusammenhängt, sind die beiden ge- heimen Cabinetssecretäre Rheinwald und Käher, die in das unbegrenzte Vertrauen desselben sich teilten. Mit Ausnahme des Grafen von Törrihg-Gronsfeld, Präsidenten der General- Landesdireczion, der unter der Fahne der Rosenkreuzer steht und einiger weniger Andere, sind alle Chefs und die Majorität der Räte in den Centraldikasterien sowohl als den Provinzial- regierungen Mitglieder des Ordens. Aber auch von diesen stehen viele in dem Rufe der Gleichgültigkeit und Untätig- keit für den Orden als Corporazion. Doch trifft dieser Vorwurf weder den Finanzminister Freiherrn von Weichs, am wenigsten aber den Präsidenten des geistlichen Rats, Grafen v. Seinsheim, dessen Collegium beinahe ganz aus den determinirtesten Illu- minaten gebildet ist. Dieses Collegium, in welchem der Enrage Bermiller, ein Mitglied desselben, sehr wesentlichen Einfluss hat, bekennt laut die Absicht: »dass die Geistlichkeit Baierns nach dem Genius des Zeitalters reformirt werden müsse. Man darf den Kanzleystyl des Illuminatismus nur halbwegs kennen, um in den tieferen Sinn dieses Ausdrucks einzudringen. Itzt ist die Aufhebung aller oder wenigstens der reichsten Abteyen des Landes an der Tagesordnung und ein erklärter Illuminat, Freiherr von Fraunberg wirbt al3 ausserordentlicher Ge- sandter in Rom um die päpstliche Einwilligung. »Das geheime Ministerialdepartement der geistlichen An- gelegenheiten, welches die Curatel über die Universitäten und alle Unterrichts- und Erziehungsanstalten besitzt und die An- träge des geistlichen Rats an den Churfürsten bringt, steht ganz unter dem gebietenden Einflüsse von zween Männern, die ich für die tätigsten, consequentesten und gefährlichsten Mitglieder des Ordens halte. Diese sind: der obenerwähnte geheime Rat v. Zentner und der geistliche Rat Branca, beide geheime Refe- rendare dieses Departements. Der dirigirende Minister, Graf Morawitzky, ist bloss ihre willenlose Maschine. Durch sie wurden die Lehrkanzeln der Universitäten zu Ingolstadt vorzugs- Engel, Geschieht« dea Illuminatenordens. 28 [421] — 434 — weise mit Männern besetzt, die entweder wirkliche Illuminaten oder . wenigstens durch den Ruf politischer oder religiöser Heterodoxie bekannt waren. Ich brachte zu München einen Abend in der Gesellschaft mehrerer dieser Jugendlehrer zu und ich hatte Mühe, mein Erstaunen über die Aeusserungen zu unterdrücken, die ich hier vernahm. Die Sittenungebundenheit der Studierenden, die von dem Geiste der Aufklärung nicht blos angeweht, sondern wirklich besessen sind, hat bereits so tief gewurzelt, dass die Bürger von Landshut noch erst vor wenigen Wochen den Churfürst baten, die Universität wieder aus ihren Mauern zu entfernen. Dieses ist auch der Fall bei allen übrigen Bildungsanstalten. »Unter dem Militär hatte der Orden einen bedeutenden Anhang. Nur General Clerembault war in die höheren Grade initiirt. Jetzt besteht die Majorität der Lehrer an der Militär- akademie aus Mitgliedern des Ordens. »Ohne Eingeweihter zu sein, hatte der Herzog Wilhelm v. Baiern lange mit Vorliebe die Illuminaten geschützt. Man fürchtete sogar: er würde sie als Mittel zu seinen ehrgeizigen Absichten benützen. Aber ganz zog er sich zurück und jetzt steht Er an der Spitze der Minorität, die in der Stille sowohl den Illuminaten als den Patrioten entgegenarbeitet. »An der Spitze der Polizei, die übrigens das Ideal einer schlechten Anstalt ist, ward der Director Baumgarten, ehe mals ein sehr tätiges Mitglied des Ordens gestellt. Jetzt schläft er für sein Amt und seine Brüder. »Dass die Illuminaten nähere Verbindungen in den Biss- tümern des bayrischen Kreises haben, und besonders auf die General-Vikariate wirken, ist allerdings Tatsache sowie es er- wiesene Tatsache ist, dass unter den Illuminaten geistlichen Standes weit mehr Gemeinsinn in Ordensangelegenheiten existirt als unter den Mitgliedern aus anderen Ständen. Allein wenigstens bis jetzt noch konnte ich unerachtet des angestrengtesten Forschens nach diesem Zweige meiner Mission keine Spur irgend eines Einflusses in die österreichischen oder anderen Reichsstaaten entdecken. »Die Ursache dieser Isolirung liegt unstreitig in dem Mangel eines Zentralpunktes und einer planmässigen Organisation, die eigentlich seit Weishaupts Zeiten nie wieder ganz hergestellt worden war, obgleich Graf Rumford dazu sehr tätig die Hände bot. Allerdings versammeln sich die Mitglieder in ver- [422] — 435 - schiednen einzelnen Logen (in München bei Seinsheim, Ber- milier, den Kaufleuten Dalarmi und Oberhauser), nehmen durch Stimmenmehrheit, jedoch ohne Zeremoniel, Novizen auf, stehen unter einander in einem regelmässigen Briefwechsel, verbreiten den Geist des Ordens auch ausser ihrem Zirkel, allein noch fehlt glücklicherweise der superiöre Kopf, der die vielen zer- streuten Fäden aufnehmen und in ein Ganzes vereinigen könnte. Daher die Spaltungen unter den Mitgliedern, die Untätigkeit so Mancher und die Möglichkeit, durch feste, gut calculirte Mass, regeln das ganze Gebäude des Ordens zu stürzen. Aus allen, welche dem Orden angehören, würden Graf Rumford und der geheime Rat v. Zwack die einzigen Männer für jene infame Rolle sein. In dieser Rücksicht verdient die Reise, welche der Erstere im Anfange dieses Monats nach München machte, alle Aufmerksamkeit. Gewiss ist es, dass er seit seiner Entfernung immer in regelmässigem Briefwechsel mit den feurigsten Illu- minaten stand. Zwack, der zu gleicher Zeit aus Wetzlar nach München kam, soll zu einer sehr wichtigen Stelle prä- destinirt sein. Nach Rumford ist dieser der planvollste Kopf. »Die Wendung der französischen Revoluzion gab sichtbar- lich den ursprünglichen Absichten des Ordens eine veränderte Richtung und eine neue Terminologie. Man spricht nicht ge radezu mehr von »Tyrannen«, aber desto mehr von »demo- kratischen Fürsten, die in Krön und Scepter mit dem Volke sich teilen«, nicht mehr von »Staatsumwälzung und Freiheit und Gleichheit«, aber desto mehr von »unveräusserlichen Men- schenrechten«, von den »unaufhaltsamen Fortschritten des mensch- lichen Geistes, von unbeschränkter Pressfreiheit«, dem »Sturze der Hierarchie und der privilegirten Kasten«. Der stille Plan der Illu- minaten und selbst so mancher Uneingeweihten, die auf das Volk wirken, scheint ganz in diesen Aeusserungen zu liegen. »Um sowohl den Churfürsten als auswärtige Regierungen in Sicherheit einzuwiegen, um der öffentlichen Aufmerksamkeit sich zu entziehen, wird auf Zentners und Biancas Veranstaltung der Illuminatismus planmässig als ein Gespenst dargestellt, welches gar nicht mehr in der Welt, sondern blos in der Ein- bildungskraft der Jesuiten und Obscuranten existire. Ein sonst vortrefflicher Kopf, der Professor und Pfarrer Salat in München, ist der Auserwählte, der mit grosser Gewandtheit und sicht- barem Erfolge in der »National-Zeitung der Deutschen«, »den Annalen der leidenden Menschheit«, dem »Genius der Zeit«, [423] — 486 — dem »Deutschen Merkur«, den »Neuesten Staatsanzeigen«, der »Oberdeutschen Litteraturzeitung« etc. etc. den Glauben an das Dasein des Illuminatismus auszurotten sucht. Man wähnt in den verschiedenen Einkleidungen Stimmen aus allen Gegenden Deutschlands zu vernehmen und hört blos die Stimme eines Einzigen, durch welche denn doch die öffentliche Meinung ihre Richtung erhält. »Zwar wurden bereits mancherlei Versuche gemacht, dem Churfürsten über die Grundsätze und Absichten jener Menschen, die unter seinem Namen herrschen die Augen zu eröffnen, aber ohne Erfolg. Ob die Ursache davon in der Vorliebe — oder vielmehr in der Furcht vor der Macht der Fakzion liege? Darüber sind die Meinungen geteilt. Die Stimme der Land- stände hat in dieser Sache gar kein Gewicht mehr. Die Spannung zwischen diesen und dem Churfürsten wird mit jedem Tage heftiger und das Missvergnügen des Volkes grösser und be- deutender. Weiter unten mehr von diesem. »Schon im Jahre 1788 trennten sich der damalige Hof- kammerrat Utzschneider, der Professor und Buchhändler Strobel und einige andre Männer, denen samt und sonders nicht sowohl die Grundsätze als vielmehr die Despotie und Arroganz Weishaupts missfielen, von dem Illuminaten-Orden und denunzirten denselben sogar im September 1785. Diese Männer, an welche sich nach und nach mehrere missvergnügte oder ausgeschlossene Illuminaten anketteten, blieben immer in einem engen Zusammenhange, verhielten sich aber bis zum Regierungsantritt des gegenwärtigen Churfürsten so ruhig, dass sie auch nicht die kleinste Aufmerksamkeit auf sich zogen. »Auf einmal traten sie als Verfechter des Volkes gegen den Fürsten, den Adel und die Geistlichkeit auf und schleuderten eine Menge von Schriften und Schriftchen ins Publicum, die von unverkappten Revoluzions-Grundsätzen strotzten, aber desto tiefer wirkten, jemehr die Verfasser mit der Sprache, dem Geist und den Wünschen der niederen Volksklassen und zu gleich mit der Geschichte und Statistik des Landes vertraut waren. »Der Hauptpunkt, auf welchen sie hinarbeiteten, um eine Revoluzion vorzubereiten, war die Zusammenberufung des Land- tages nach ihren Prinzipien. Damals hielt man noch in Bayern 2. Die Patrioten. [424] — 437 — selbst wie im Auslande, diese Fakzion für das Organ der Illu- minaten, mit deren System ihre Handlungen in auffallendem Einklang zu stehen schienen. In diesem Glauben ward man noch mehr bestärkt, als Utzschneider ganz unerwartet zu der Stelle eines geheimen Rats und geheimen Referendars in Finanz- und landschaftlichen Gegenständen sich aufschwang. Allein schon in der ersten Epoche enthüllte dieser herrschsüchtige, impo- sante, aber kenntnissreiche Kopf den Plan: den Freiherrn v. Montgelas, der schon in der »Gallerte Pfalzbayrischer Staats- männer« heftig angegriffen worden war, und die Illuminaten zu stürzen, ihre Stelle mit Gliedern der Patrioten-Verbrüderung zu besetzen, das Feudalsystem und die Zehnten aufzuheben, den Prälatenstand auszumerzen, den Adel zu schwächen und — was das distinktive Prinzip dieser Fakzion war — den Bauern- stand nicht blos unter die Landstände aufzunehmen, sondern denselben ein überwiegendes Gewicht in der Staatsverwaltung zu geben, kurz, die monarchische Verfassung mit der demo- kratischen zu amalgamiren. »Während Utzschneider auf diese Art in der Nähe des Fürsten wirkte und mehrere Verordnungen zu Tage förderte, die der Ausführung seines Planes den Weg ebnen sollten, warben seine Verbrüderten auf regelmässigen Missionen sich Anhang unter den Bürgern und Bauern. Vorzüglich suchten sie Advocaten, Ökonomen, Landbeamte, Schullehrer und die sogenannten Bauern Könige an sich zu ziehen. Um die Letzteren in's Feuer zu hetzen, liess Strobel die Bildnisse einiger der- selben mahlen und in seinem Pantheon merkwürdiger Bayern aufstellen. Dieser Celebritäts-Kitzel, verbunden mit einigen andern Kunstgriffen, die auf die grossen Motive, Eigenliebe und Eigennutz, sehr schlau kalkulirt waren, hatte grosse Wirkung. Nicht nur von den Bürgern, sondern selbst in den elendesten Bauernhütten, wohin die Illuminaten nie Einfluss gehabt hatten und — nach dem mehr aristokratischen System des Ordens — nie Einfluss suchten, wurden die Tagesblätter der Patrioten verschlungen, und so ward auch dieser bisher noch unverdorbene Teil des Bayrischen Volkes ein Werkzeug des Zeitgeistes. In- dessen hinderte die Publizität und die oft unglaubliche Etourderie, mit welcher diese Fakzion ihren Plan durchzusetzen suchte, glücklicherweise die Ausführung desselben, erleicherte aber auf der andern Seite den Illuminaten ihren Sieg und der Sturz Utz- schneiders war der Grundstein ihrer fortdauernden Macht. [425] - 438 - Mit dem Einmarsch der Franzosen in die Bayrischen Länder begann eine neue Epoche. Die Patrioten-Fakzion erklärte sich gewissermassen als eine Art von National-Repräsentation und suchte im Gewirre des Krieges und durch französische Unter- stützung in einigen Wochen zu erreichen, was nach früheren Entwürfen das Werk einiger Jahre gewesen wäre. Klubbs wurden formirt, Missionäre ausgesandt, Flugschriften und Auf- rufe ausgeteilt; kurz: die ganze Revoluzions-Taktik angewendet, um einen allgemeinen Aufstand zu erregen. Dem Obergeneral Moreau legte man 2 Pläne vor: der eine, aus der Feder Utz- schneiders, liess noch einen konstitutionellen Churfürsten zu, der andere, von dem Direktiorialrath von Hellersberg der Sage nach entworfen, wollte eine Republik nach Frankreichs Muster. Diese sollte zugleich Franken, Schwaben und das Tyrol umfassen. Zur Vorbereitung auf diesen letzteren Plan ward eine Flugschrift: »Wahrer Überblick der bayrischen Nazion, oder das Erwachen der Nazionen nach einem Jahrtausend« mit grösster Emsigkeit ausgestreut. Diese Aufruhrschrift, unstreitig die infamste aller Geburten dieser Epoche und dieser Fakzion, war nicht sowohl gegen die churfürstliche Regierung als vielmehr gegen das Erz- haus Oesterreich gerichtet, welches überhaupt nach dem Ent- würfe der Patrioten in der öffentlichen Meynung ganz vernichtet werden sollte. »Einige Missionäre gingen zwar bis an dieGränze desTyrols und des Innviertels. Aber in das Land selbst wagten sie sich nicht und selbst von ihren Flugschriften und Proklamazionen gingen nur sehr wenige Exemplare hinüber, obgleich der Direk- torial-Rat Graf Hazzi, eines der tätigsten Mitglieder dieser Fak- zion, in eigener Person an der Verbreitung Teil nahm. Nirgends fanden sie — worüber manche bittre Klagen bei dem Mittel- punkte eintrafen — Empfänglichkeit für eine Staatsumwälzung, und sogar die bayrischen Bauern-Könige, die vor dem Einmarsch der Franzosen ganz für eine Änderung der Dinge gewonnen waren, blieben während der Anwesenheit der Franzosen ganz ruhig, obgleich die Patrioten den Subsidientractat des Churfürsten mit England sehr geschickt für ihre Zwecke benützt hatten. Moreau verwarf beide Konstitutionsplane und der Friede änderte überhaupt die Lage der Dinge. Allein man würde sehr irren, wenn man glauben würde, dass die Patrioten-Fakzion zugleich auch ihre Absichten und Plane geändert habe. »Sie hatte während der Anwesenheit der Franzosen an sehr [426] — 439 — tätigen Mitgliedern einen bedeutenden Zuwachs erhalten. Mehrere Räte und selbst Professoren der juridischen Fakultät in Lands- hut, Männer von unruhigem Geiste, aber vielen Talenten, stehn in ihrer Verbindung. Mit dem Bureau topographique in Paris — das unter dieser wenig auffallenden Benennung zu grossen Zwecken benützt wird, aus den erklärtesten Revolutionärs zu- sammengesetzt ist und in ganz Deutschland einen regelmässigen Briefwechsel unterhält — hängt die Gesellschaft noch itzt zu- sammen und einer ihrer Chefs, der Directorialrat v. Hazzi, be- findet sich wirklich mit geheimen Aufträgen der Patrioten in Frankreich. So wenig sie in dem Augenblicke, wo sie es wünschten, einen Aufstand erregen konnten, so sind doch manche ihrer Grundsätze in die mittlere und unterste Volksklassen über- gegangen. Durch das ,Churfürstliche Regierungs- und Intelligenz- blatt', welches in ihren Händen ist, wirken sie fortdauernd, freilich mehr versteckt, auf eben diese Menschen, und das steigende Missvergnügen über die gegenwärtige Regierung wird mit vieler Gewandtheit von ihnen benützt. Durch die Buch- handlung des Professor Strobel — die in München öffentlich die Patrioten-Buchhandlung heisst, zur Unterscheidung von der nebenanstehenden Lindauer'schen, welche von den Illuminaten geleitet wird, — kommen unvermerkt die älteren und neueren Flugschriften dieser Fakzion in Umlauf. Auch das Theater steht nun, durch die Verbindung mit dem geheimen Sekretär Babo, unter dem nämlichen Einfluss und es verdient angemerkt zu werden, dass am Namensfest Sr. Durchlaucht der Churfürst ein Singspiel »Armand« aufgeführt ward, dessen Held als Verfechter der Freiheit des Volkes von dem Kardinal Mazarin verfolgt und durch eine Volksempörung von der Strafe befreit wird, die gegen ihn ausgesprochen ist. Gleich darauf ward »Otto von Wittels- bach« zum Erstaunen Aller gegeben, welche dieses historisch- politische Schauspiel und den Geist, der darin weht, näher kennen. »Die meisten Flugschriften der Patrioten werden in München selbst, die wüthendsten aber in Pappenheim, an der Gränze von Schwaben und Franken, gedruckt. Eins der neuesten Producte dieser Art ist das Trauerspiel »Germania«, ein Inbegriff aller nur möglichen Schändlichkeiten.*)
und Klage Ober ihre Verleumder« wurde 1801 bei Strobel mit andern Büchern * konfisziert. [427] — 440 — Öffentlich ward es in Landshut vom Buchhändler Krüll verkauft und in reichlicher Zahl an andere Buchhandlungen ver- sandt. Die Reichsversammlung in Regensburg veranlasste dar- über eine Untersuchung, über die man in Bayern noch spöttelte und den Verfasser, der dem Gerücht nach ein Priester sein soll, als einen Witzkopf in Schutz nahm! In einem andern Flugblatte Abschied an Utzschneider4 wird dieser revoluzionäre Kopf mit Jesus Christus in eine Parallele gesetzt.*) Das letzte Product patriotischer Presse: »Die Folgen des Friedens« kam mir noch nicht zu Gesicht. Nach Briefen aus München vom 26. Oktober soll es seiner Vorgänger vollkommen würdig sein. »Utzschneider steht itzt in gar keinem öffentlichen Amte. Er errichtet eine Lederfabrik in Gesellschaft des ehemaligen Kammerdieners Andrä, der wegen einer höchst gefährlichen Korrespondenz nach Preussen unter der vorigen Regierung exilirt war. Bei ihm und Strobel versammeln sich von Zeit zu Zeit die Mitglieder ihrer Fakzion, zu welcher bis itzt aus den höhern Ständen noch Niemand sich schlug. Noch verdienen unter den Matadoren genannt zu werden: der geistliche Rat und Pfarrer Bucher in Engelbrechtsmünster,**) und der Oekonom Rott- manner zu Ast bei Straubingen. Diese machen mit den früher Genannten den leitenden Ausschuss der Verbindung aus. »Während des Krieges lieferte ihnen ein gewisser nun nach Bayern zurückgekehrter Mineralienhändler Graf zuweilen
anspielt, lauten: Ein Exemplar dieses Gedichtes liegt den Untersuchungsakten bei, in welche mir die Königl. Archivverwaltung freundlich Einblick gewährte. Die- selben enthalten ein ausführliches Verzeichnis der oppositionellen Flugschriften und sind eines genaueren Studiums durchaus wert Hier sei nur zur Vervoll- ständigung von Heigels Mitteilungen erwähnt, dass sich als Verfasser der »Zehn Gebote für Bürger und Bauern im heben baierischen Vaterlande (1800)«- Graf Hazzi herausstellte und dass die ironische Dankadresse der bayrischen Nation an Max Joseph IV. dem Drucker Zangl von dem dem Generalslabe Moreaus zu- geteilten Offleier Krokowiecky zum Druck überbracht worden sei. Krokowiecky lag bei Strobel im Quartier und letzterer dürfte vielleicht der Verfasser ge- wesen sein.
»So war vor achtzehnhundert Jahren Der Gottmensch auch den Observanten seiner Zeit Den Pharisäern und den schriftgelehrten Narren Ein Revolutionär wie Du« usw. [428] — 441 — Nachrichten aus Wien. Allein nähere Verbindung hatten sie in Oestreich selbst nicht, wie ich aus guten Quellen vernahm. Nur gegen Böhmen zu sollen sie geneigtes Gehör gefunden haben, als sie ihre Missionen ausschickten. Doch wagten auch von jener Seite die geheimen Abgeordneten sich nicht tiefer in das Land. Bestimmtere Notizen über diese letztere Lage ver- mochte ich mir nicht zu verschaffen. Jetzt scheint auch diese Fakzion ihre Wirksamkeit wieder, wie vorher, bloss auf ihr Vaterland Bayern beschränkt zu haben. »Wo man nicht ein- reissen kann, muss man untergraben,« sagte mir einer ihrer Stimmgeber. Nach diesem Grundsatz, den die Illuminaten bis- her zur Norm annahmen, wollen nun auch sie handeln. »Um die Patrioten zu stürzen, Hessen die Illuminaten durch ihr Organ, den Professor Salat, in die »Nationalzeitung der Deutschen« mehrere Briefe einrücken, welche das Unwesen der- selben während der letzten Epoche des Kriegs in einem sehr schwarzen, aber nicht übertriebnen Kolorit darstellten. Zu gleicher Zeit wird auch von Seite des Churfürsten eine scharfe Untersuchung gegen jene angeordnet, welche als vorzügliche Teilnehmer bekannt waren. Aber ehe noch ein bedeutender Schritt gethan war, liess Montgelas selbst die Untersuchung wieder aufheben: auch nicht Einer wind gestraft! Jede der beiden Fakzionen rechnet itzt auf den Schutz des französischen Ge- sandten Reichnrdt, der nach München bestimmt, aber noch nicht dahin abgereist ist. Der bayrische Bevollmächtigte in Paris, Cello, ein tiefeingeweihter Illuminat, wie die meisten diplo- matischen Agenten, intrikirte die Ernennung desselben, aber er drang nicht ohne Schwierigkeiten durch. Indessen liegt bereits auch zu Gunsten der Patrioten ein Empfehlungsschreiben an Beichardt von Moreau's Secretär Weiss, einem gebornen Ungar, zu München. »Was den Entwürfen der Patrioten eine günstigere Periode verspricht, ist das fast allgemeine Missvergnügen über die Neue- rungen der gegenwärtigen Regierung, die den Bayern an den empfindlichsten Seiten seines Nationalchnrakters antasten. Als man das Kirchensilber für die Staatsbedürfnisse hinwegnahm, geschah dies mit Verletzung aller Delicatesse. Der churfürstliche Commissar Bermiller riss mehr als einmal den Kelch aus den Händen des Priesters, als dieser kaum die Messe vollendet hatte. Gleich darauf erschien das Toleranzedict, zu welchem die Nazion gar nicht vorbereitet war. Jetzt wird — ausser der [429] — 442 — Aufhebung der Abteyen — an einer Totalaufhebung aller Mendi- kantenklöster und an der Unterdrückung aller Prozessionen, blos mit Ausnahme der Frohnleichnams-Prozession gearbeitet. Während man auf diese Art die Geistlichkeit und eine Menge von Menschen aus den übrigen Ständen in eine sehr missmutige Stimmung versetzt, werden neue Auflagen erschaffen, um das ungeheure Deficit in den ganz zerrütteten Finanzen zu decken und Ausgaben zu bestreiten, die das Volk geradezu mit lauter Stimme verschwenderisch nenntl Das Theatinerkloster wird in einen Palast für den Freiherrn von Montgelas, ein Teil des Gartens von Nymphenburg in einen Park umgewandelt. Man baut neue Casernen, will überall mit ungeheuren Kosten ver- schönern, und alle Cassen sind leerl Die Landstände, die man mit sichtbarer Verachtung behandelt, geben in den Klagen über dies Alles den Ton an, und die Patrioten intoniren, um ihre Gegenmittel anzupreisen. Die Illuminaten sagen, man müsse durchgreifen und hindern, dass das, was man mit Recht all- gemein Volksstimmung nennt, nie zu den Ohren und ans Herz des sonst so wohlwollenden Churfürsten gelange. Man hat mir aktenmässige Beweise zugesichert, dass ein Nazional-Bankrut unvermeidlich sei, da selbst der Credit der Stände nur noch an den Personen einiger weniger Mitglieder hänge. Der Canzler Baron von Kreitmayr, der das Land vollkommen kannte, pro- phezeyhte schon vor mehreren Jahren, dass Bayern unter eine kaiserliche Administrazion kommen würde, so sehr waren die Finanzen schon damals zerrüttet. Da Utzschneider — nach einem fast allgemeinen Urteile beider Parteien — der einzige Mann ist, der im Finanzfache tiefe und ausgebreitete Kennt- nisse besitzt, so wäre der Fall nicht bloss möglich, sondern selbst wahrscheinlich, dass er wieder, wenn die Verlegenheit den grössten Punkt erreicht hat, an das Staatsruder berufen werden dürfte. Die Folge davon lässt sich mit mathematischer Gewissheit berechnen. »Vergleicht man nach der Basis der Tatsachen, die ich bis- her zusammenstellte, die Illuminaten und Patrioten als Fak- zionen miteinander, so erscheint folgendes charakteristisches Resultat: Beide Fakzionen arbeiten auf eine Fundamental-Er- schütterung der kirchlichen und politischen Verfassung des Landes hin, die Illuminaten durch das Medium des philo- sophisch-litterarisch-politischen, die Patrioten des blos politischen Zeitgeistes. Jene sind geheime, verkappte, diese offene Feinde [430] — 443 - des Fürsten; jene wirken in den höheren, kultivirteren Ständen, diese in den niederen Volksklassen; jene haben mehr Aus- dehnung, mehr Macht durch Stand, Stellung und Einfluss, diese mehr Gemeingeist, mehr zusammenwirkende planmässige Tätig- keit; jene haben den Zweck zu herrschen, schon bereit, diese wollen ihn erst erreichen, daher sind jene in einem Zustand von Ruhe, diese in steter sichtbarer Bewegung; beide Partheyen handeln nach dem Grundsatz Weishaupts, dass der Zweck die Mittel heilige; beide sind erbitterte geschworene Feinde Oest- reichs; aber beide werden auch seit dem Frieden durch die Furcht vor Oestreichs Nachbarschaft wo nicht im Zaun gehalten, doch wenigstens weit behutsamer gemacht. Vorzüglich steht die geheime Polizey Wiens bei beiden Parteien in einem so furchtbaren Ansehen, dass man im buchstäblichen Sinne an die Allwissenheit und Allwirksamkeit derselben glaubt. Darin liegt auch wohl die Ursache, dass weder die Illuminaten, noch Patrioten eine Verbindung in den östreichischen Staaten zu stiften unternahmen, seit der Friede wiederhergestellt ist. »In Salzburg und in Passau blieb zwar von dem Illu- minatismus, der einst dort Filiallogen hatte, allerdings noch eine sehr freie Denkungsart zurück, allein förmlicher Zusammen- hang mit den bayrischen Fakzionärs existirt weder in der einen noch in der andern dieser Städte. Hingegen unterliegt es gar keinem Zweifel, dass sowohl von Passau als hauptsächlich von Salzburg aus ein sehr gefährlicher Schleichhandel mit verbotenen politisch und moralisch scandalösen Büchern in die östreichi- schen Staaten getrieben wird.«-- Soweit Armbrusters Bericht über die politischen Parteien in Bayern am Beginne des Jahrhunderts. Von kleinen Wider- sprüchen und Ungenauigkeiten abgesehen, wird man zugeben müssen, dass hier zum ersten Male ein vollständiges Bild von Verhältnissen entgegentritt, von denen man bisher nur vereinzelte Kenntnisse und allgemeine Vermutungen hatte. Bei aller Einseitig- keit des Standpunktes, der dem Berichterstatter durch Gesinnung und Stellung vorgeschrieben war, lässt sich doch in seiner Dar- legung ein sicherer Blick und die durch die Pflicht gebotene Absicht erkennen, seiner Regierung mit soviel Wahrheit zu dienen, als ihm selbst erreichbar war. Der Gewinn für die Ge- schichte ist unbestreitbar. Nicht nur, dass wir über Organisation und Schicksale der Illuminaten genauer unterrichtet werden; viel [431] — 444 — bedeutungsvoller ist, was wir über die Entstehung und das Wachstum jener zweiten grossen Partei erfahren, die sich unter dem Einfluss der französischen Revolution als ein demokrati- sches Element der mehr aristokratisch organisierten Verbindung von Schülern Weishaupts gegenüberstellte. Und nicht minder wichtig ist es, aus dem Berichte über die »Patriotenc heraus- lesen zu können, dass sich auch hier eine radikale von einer gemässigten Fraktion trennte, die beide den Verkehr mit den Franzosen suchten, von denen jedoch nur eine die republikanische Staatsform erstrebte, während die andere dem angestammten Fürsten treu bleiben und denselben nur durch eine Constitution binden wollte. Damit ist wohl auch der vielbesprochnen Persön- lichkeit Utzschneiders der richtige Platz in der Geschichte ange- wiesen.*) Armbruster hat aber auch den zweiten Zweck seiner Reise erreicht. Er hat in Bayern und Oestreich freundliche Korre- spondenten gewonnen, zumeist freilich in den Reihen derjenigen, welche dem letzten Churfürsten als willige Werkzeuge zu Diensten gewesen waren, wo es gegolten hatte, eine freiheitliche Regung zu verfolgen und zu unterdrücken. Diese Herren sehen alles in den dunkelsten Farben, wahre Hiobsposten drängen sich in ihren Berichten und das ganze Jahr 1802 hindurch wird darin von der drohenden, aufrührerischen Haltung des niederen Volkes gegen Max Joseph und von der unterbrochenen Agitation der Patrioten erzählt. Sie hören überall den nahenden Schritt der Revolution: sie ist im Einverständnis mit den Pariser Jaco- binern verabredet, die Napoleon hassen, und wird binnen kurzer Zeit losbrechen. »Mit dem Ende Bonapartes — schreibt einer der Agenten im Dez. 1802 — »entsteht Revolution in Frankreich, d. i. der Zeitpunkt der deutschen Revolution, die schon organi- sirt sein soll......Preussen und Bayern sind die Organisations- punkte......Nach der Illuminaten Meinung steht nach 3 Jahren oder noch früher die Revolution.c Das war nun allerdings Täuschung. Das »Ende Bonapartes« trat sobald nicht ein und die »deutsche Revolution« ist damals nicht ausgebrochen. Auch in Bayern vollzog sich, ohne die Schrecken einer gewaltsamen Umwälzung unter einem gutgesinnten und gemässigten Fürsten und einem tüchtigen Minister die innere Reform und durch
schaft vergl. Bauernfeind: Joseph v. Utzschneider, München 1880. [432] — 445 — eine kluge Politik nach aussen erhielt sich und erstarkte der neue Staat. Vor diesen praktischen Erfolgen traten der Hader der Parteien und die Konspirationen der Geheimbünde in die zweite Linie zurück. Man wird sie aber doch niemals übersehen dürfen. Sie lassen die Politik der deutschen Fürsten mit ihrem An- schluss an den Gewalthaber im Westen unter einem besonderen Gesichtspunkte erscheinen und beleuchtet die Reaktionstendenz der späteren Zeit schärfer, als es bisher das Urteil der Ge- schichtschreibung imstande war. Fournier schreibt dem Bericht Armbrusters wohl mehr Be- deutung zu, als er verdient; aus diesem erkennt man, dass ganz sicher ähnlich den Starkschen Korabinationen, auch hier dem Illu- minatenorden wieder Folgen zugeschrieben wurden, die auch ohne dessen Existenz eingetreten wären. Das Ende des 18. Jahrhundert bildet in der Geschichte einen Drehpunkt in dem Geschicke der Völker und hat einen Grundstein zu unserer heutigen modernen Entwickelung geschaffen. Die Regierungen waren überrascht über den erwachten Oppositionsgeist und folglich suchten sie eine Ursache, die sich in dem Schlagwort Illuminatismus so bequem darbot. Dass die alten Zustände infolge des geistigen Fortschrittes unhaltbar geworden seien, wurde nicht zugegeben, der revolutionäre Geist, die Freigeisterei musste Schuld sein und deswegen galt es deren vermeintliche Quellen zu verstopfen. Napoleon, der teils als Retter der Völker, als Bringer einer neuen, schönen Freiheitszeit begrüsst, teils als Unterdrücker gehasst wurde, verfiel in denselben Irrtum, wie die ersten Ver- folger des Ordens. Auch er schob dem Illuminatismus als Prügelknaben diejenigen Folgen zu, die seinem Despotismus allein entsprangen. Seine Knechtung Deutschlands hatte in den Gemütern den Drang nach Freiheit wachgerufen; widerum waren es aber einzelne offene und verborgene Verbindungen, die diesen Geist pflegten und in den Freiheitskriegen zur Explosion brachten. Die schwarzen Brüder und der Tugendbund haben sich hervor- getan in den Freiheitsbestrebungen. Auf diese Bünde naher einzugehen, liegt hier kein Grund vor, sie müssen jedoch er- wähnt werden, weil auf diese die Illuminaten einen gewissen Einfluss gehabt haben sollen. Im Dresdner Staatsarchiv befindet sich ein Manuskript: [433] Preussische Schrift über den Tugendbund 1809-1815. Aus den Papieren des k. sächs. Gesandten am k. preuss. Hofe v. Thiollag. Es heisst daselbst Seite 11: Schon vor 30 und mehreren Jahren waren auf allen deutschen Universitäten geheime Orden und als Weishaupt den Illuminaten Bund errichtete und die ersten beiden Grade auf katholischen Akademien verbreitete, da wirkten die Illuminaten auch auf die schwarzen Brüder ein, die ihre erste Entstehung in Erlangen erhalten hatten, von hier nach Jena, Göttingen, Giessen und Marburg sich ausbreiteten. Hier war dieser Orden besonders von 1780 bis 1795 sehr thätig und zeichnete sich an vorzüglichen Subjecten, besonders in Jena aus, wie die anderen beiden Orden, Unitisten und Con- stantisten, die besonders in Halle und auch in Jena hauseten. Jener Orden der schwarzen Brüder dehnte sich über das aka- demische Leben ins Bürgerliche hinaus und schon 1788 war eine Loge in Braunschweig, welche die akademischen Logen leitete und unter Einfluss der Illuminaten stand. Das Streben nach Freiheit war in allen schwarzen Brüdern die Haupt- Tendenz.« -- Es wäre nun sehr leicht, wenn auch sehr lächerlich, aus diesem Zusammenhange, dass wahrscheinlich einige ehemalige Illuminaten den schwarzen Brüdern, dem Tugendbunde und anderen Bündnissen gleicher Tendenz angehörten, zu konstru- ieren, die gesamte Freiheitsbewegung gegen das Joch Napoleons sei schliesslich, infolge dieses Zusammenhanges, ein Werk der Illuminaten. Der Beweis, dass die Illuminaten die französische Revo- lution zur Explosion brachten, steht auf genau solchen un- sicheren Füssen. — Wer solchen Versuch wagen wollte, würde sich sicher unsterblich blamieren und dennoch liegt der Nach- weis vor, dass in Frankreich diese Meinung wenigstens inso- weit Boden fand,"dass alle die Fremdherrschaft bekämpfenden Strömungen als Illuminatismus gefürchtet und bezeichnet wurden. Im Pariser Archiv befindet sich unter der Bezeichnung: Allemagne. Memoires et Documents. T. 119 page 60 ein Schrift- stück betitelt: Digitized by VjOOQ IC [434] — 447 — Extrait d'un Memoire sur les Illumines et l'Allemagne. Es ist ohne Verfasser und Datumangabe und stammt, wie aus einigen Stellen hervorgeht, aus der Zeit um 1810, ist von Anfang in Übertreibung der Dinge abgefasst und erinnert manch- mal geradezu an die Lügen eines Cagliostro. Es ist jedoch so ungeheuer charakteristisch, bis zu welchem Schreckgespenst der Begriff Illuminatismus sich ausgewachsen hatte, dass die ganze, umfängliche Schrift hier wiedergegeben werden muss und zwar wegen ihrer Wichtigkeit für den Geschichtsforscher in der Ursprache mit allen Fehlern, wie sie geschrieben ist. Der Berichterstatter unterscheidet hier zwischen Illumines, die aber jetzt die wirklichen deutschen Illuminaten bedeuten und Idealistes. Letztere sind jedenfalls die weniger gefähr- lichen. — Allemagne. Memoires et Documents. T. 119 page 00. Extrait d'un Memoire sur les Illumines et l'Allemagne. II existe, depuis longtemps, dans tous les partis de l'Alle- magne et du Nord de l'Europe, une association d'Illumines, dont la doctrine tend ö renverser les Gouvernements, etablis pour leur substituer des Systemes politiques, fondes sur des prineipes du republicanisme et des idees de perfectibilite infini. Cette association fondöe, ä ce qu'on croit, pnr quelques — uns des prineipaux Chefs de la Societe de Jesus, dans le but de ressaisir la puissance dont lö Suppression de l'Ordre les avait depouil!6s, se fit d'abord connaitre en Baviöre en 1775. Elle eut pour Chef dans ce pays, un certain Abraham Weishaupt, qui trouva ses premiers proselytes parmi les Etudiants d'Ingolstadt. Le gouvernement electoral decouvrit leur correspondance, exila les plus coupables; mais le germe oxistaif, et il se developpa, avec le temps, en Baviere, aussi bien ((ue dans les autres provinces germaniques oü son existence ne s'Ctait pas encore mnnifestee. Aujourd'hui il a franehi les bornes de rAllemagne. Elle a des 6tablissements--en Dannemarck, en Suede, en Russie et meme en Turquie; et l'on compte parmis mem- bres un grand nombre de littcraleurs et de Savants, et quel- ques hommes destinguSs par le rang qu'ils occupent dans la societe, ou par les emplois publies, dont ils sont revetus. [435] - 448 — is principaux Chefs, ses reglements organiques ne sont pas connu. On ignore aussi quels sont les lieux oü s'operent les reunions, mais en observant les variations qu' eprouve l'opinion publique et les points d'oü part l'impulsion qui lui est donnee, on est fonde ä croire que ses principaux foyers sont: Gotha pour le centre de rAllemagne. Berlin pour la Prusse. Hambourg pour la Westphalie et la Basse Saxe. Copenhague pour le Dannemarck et le midi de la Suede. Stockholm pour le nord de la Su6de, la Pomeranie et la Finlande. Petersbourg pour les provinces russes de la Mer Baltique. Moscou pour le centre de la Russie. Constantinople pour la Grece et la Hongrie. Vienne pour l'Autriche. Münich pour la Bavierc. Stuttgart pour la Würtemberg. St. Gall pour la Suisse. L'influence frnncaise parait avoir empechö jusqu'ä present tout etablissement de cette espece sur les bords du Rhin. Tous ces foyers communiquent entre eux par divers canaux, notamment par les membres de l'association, qui font partie des loges maeonniqucs du Rite Ecossnix, et la Inge de Berlin, appelee La Royale Yorck, est regardee comme un de principaux points intermi'dinires pour les Communications avec le Dannemarck, la Suede et la Russie, jusqu'ä Moscou. De lä, la ligne de Corre- spondance se dirige la Tauride, passe h Constantinople et rentre dans l'Allemngne, par la Hongrie et l'Autriche. Hambourg et Amsterdam etaient autrefois des points de communicntion avec 1'AnglelerTe, aujourd'hui c'est Copenhague et Gottenbourg. L'association, dont la Doctrine a beaucoup d'analogie avec les idees exaktes de la premiere tenue de la Revolution, montra ä cette epoque, un grand attachement pour la France; mais depuis que l'Empereur a change les bases de l'ordre social, et qu'il a adresse aux princes de l'AUemagne, par son influence sur ce pays une garantie contre les entreprises des Illumines, ceux-ci ont tourn^ tous leurs efforts contre le Systeme fran- cais; persuades que si lAllemagne elait soustraite ä l'influence de la France, ils parviendraient bientöt, dans letät de fermen- Digitized by Google [436] - 449 tation oü se trouvent les esprits, n mettre ä executer leurs projets. Rendre l'Allemogne independant de la France, tel est donc aujourd'hui l'.unique but de l'association; et le moyen qu'elle n choisi pour y arriver, c'est d'armer l'opinion des peuples contre l'Empereur, en excitant le fanatisme politique et religieux. Les ressorts, que les Illumines font agir sont calcules selon les interets des diverses classes de la Societe; a la Noblesse, ils promettent le retablissement des formes anciennes et feodales, aux patricieux des ci-devant Villes Libres Emperiales les retour l'ancienne independance Germanique avec des formes republicaines. Aux Commercanls et manufacturiers, le retablissement des rapports commerciaux avec L'Angleterre; ä ceux qui cultivent les arte et les sciences, un developpement de civilisation qui amenera l'etablissement d'une aristocratie des gens de lettres etc. etc. etc. Pourexciter le fanatisme religieux, ils attribuent ü l'Empereur le dessein de porter ntteinte aux principaux fondamentnux du christianisme, en reunissant dans so personne les pouvoirs temporel et spirituel. On peut ranger sur la möme ligne, quoique ne faisant point partie de l'association, un assez grand nombre d'individus de toutes les classes, qui ont enfante ou adopte des Systemes de Perfectibilit£ Sociale. Ces reveurs, designes sous la denomination d'Idealistes tendent au fond, vers le meme but que les Illumines, avec lesquels ils ont des rapports intimes. Iis prechent une regeneration morale et politique, qui doil sssurer lindependance des peuples Allemands et le regne des ldees. La providence, disent-ils, n'a promis les maux de la guerre que pour faire sentir aux peuples la faiblesse, les defauts des institutions politi(jues et leur donner l'energie necessaiie pour arriver ä un ordre de choses plus parfait. Les Illumines trouvent encore un appui dans deux sectes religieuses, dont In doctrine offre egalement beaucoup d'annlogie avec leurs idees. La plus considerable est celle, qui fut fondee vers le milieu du 17femesieele par un Protestant allemand N. Boehm. Elle voit dans une explication mysti(]ue des lextes sacres,ia promesse Engel, Geschichte des Illuuiinateuortleos. 29 Digitized by Google [437] — 450 — positive d'une regeneration future, d'un nivellement general, qui doit amener le regne du St. Esprit. Jung, celebre oculiste allemand, attache" a la Cour de Bade, est l'Apötre le plus ehaud et le plus influent, qu'elle ait au- jourd'hui. Les sectateurs au nombre de plusieurs millions, sont repandus dans les cantons protestants de la Suisse, en Alsace, (particulierement ä Strassbourg, oü Jung a un disciple tres zeles dans la personne du Sr Saltzmann, ancien redacteur du Journal politique de cette Ville); en Allemagne, en Prusse, en Russie et dans tout le Nord. La seconde, sous la denomination d'IndSpedants Rigo- ristes, aussi de la religion protestante• a egalement pour Prin- cipe une explication republicaine des livres sacres. Elle a pris naissance dans le Würtemberg: L'opposition qu'elle a trouv^e dans le Gouvernement a beaucoup ralenti ses progres; cependant eile compte aujour- d'hui un assez bon nombre de proselytes dans ce pays, en Suisse, dans le Grand Duche de Bade et dans la West- Pour faire connaitre letat actuel de l'association des III. et les appuis qu'elle peut trouver soit dans l'exaltation des reveries philosophiques et du fanatisme religieux, soit dans la diversite" des interets politiques, on va reunir dans un tableau statistique des Etats, oü eile a propage sa doctrine. 1. Tous les documents, epars dans le memoire sur le caractere et les dispositions des familles regnantes, envers la France; 2,'Tous les proselytes marquants, que l'association y a faits; 3. Les partisans des divers systemes d'Idealisme; 4. Les sectaires religieux qui suivent la doctrine de Jung. Autriche. Le caractere paisible des Autrichiens offrait peu de prise aux efforts des Illumines et des Idealistes: cependant de frequentes declamations contre le Systeme franeais des esperances de vengeance et de prosperitis futures, adroite- ment propagees, ont fini par exalter l'esprit de la Noblesse et de la Bourgoisie. L'imperatrice regnante et les Archiducs, surtout l'Archiduc Jean, entiches de la manie du bel-esprit, conlribuent a phalie. [438] entretenir cette exaltation, par l'appui qu'ils accordent aux Idealistes. Illumines ou protecteurs de l'association. Le Comte de Metternich, avant l'alliance entre la France et l'Autriche, depuis il parait les avoir abandonnes; Les Comtes de Stadion et l'ancien ministre de ce nom ä Münich. Les comtes de Wallmoden, de Piulay; Mrs Chasteller, Grüne et Bellegarde, tous officiers generaux; Gentz II a publie pendant la revolution un Journal historique, qui a beaucoup contribue* a propager la doctrine. Schneider, Chef des re\-oltes du Vorarlberg en 1809, aujour- d'hui au Service d'Autriche en qualite de Conseiller: II Stait l'automne en Suisse annoncant un changement prochain dans l'etat politique de l'Europe. Les Idealistes sont beaucoup plus nombreux et l'on doit placer ä leur töte Frederic Schlegel, poete celebre, attache" ä la Cour de Vienne depuis qu'il a embrasse la Religion Romaine. II est, ainsi que son frere Guillaume Schlegel, l'apötre le plus zele" et le plus influent de l'Idealisme, lie" avec Mme de Stael et avec plusieurs Illumines. Saumenfels,*) professeur d'economie politi(jue a Vienne. Egger, professeur de droit naturel, il a publie des opinions revolutionnaires sur la division des pouvoirs executifs et legislatifs. Collins poete dramatique, Auteur d'un grand nombre de chan- sons pour la Landwehr. Le Baron de Hornmayer, Ancien Intendant du Tyrol, historien distingues: Lie avec Gentz, les Schlegel, les Stadion etc. — Le Comte Azewsky et Ms de Hameo savants orientalistes, dis- ciples zeles de Schlegel. Stoll poete, attache au theatre de la Cour ä Vienne, lie ä l'asso- ciation etparticulierement ä Schlegel. II entretient une corres- pondance suivie avec Ms Wangenheim, conseiller prive de S. M. de Roi de Würtemberg. Bade: Mde La Margrave Douairiere: de l'attachement pour rAutriche et pour le Systeme feodal; beaucoup d'elevation desprit et d'aversion pour l'intrigue.
[439] - 452 — Le Grand Duc Hereditaire, aujourd'hui regnant, esprit droit mais libertin et paresseux. 11 se livre, dit-on, depuis quel- ques mois aux affaires publiques avec une grande activite et met beaucoup d'amabilite dans ses rapports avec son Epouse. Le Prince Louis: ambitieux, petit, tres porte a l'intrique: On lui impute la mauvaise intelligence qui a regre entre la Margrave Douairiere, son fils et la Princesse Stephanie. La Comtesse de Hochberg, Epouse du Grand Duc; imbue de la doctrine du Secretaire Jung. Le Baron de Reizenstein, Ministre d'fitat, beau-frere du Ministre prussien de Hardenberg, protecteur des Illumines — des talents et de l'ambition, beaucoup d'emportement. II a de l'ascendance sur le Prince hereditaire; mais il est hai de la Noblesse Bavaroise. Le Baron d'Edelsheim, Ministre des Affaires Etrangeres, Beau-pere du General autrichien Comte de Giulay — peu porte pour la France; vain, intriguant et pussillanime. Ces conseillers prives Stoesser et Mayer, Tous deux Illumi- nes — Le premier d'un caractere fougueux, laisse facilement pen£trer ses dispositions; l'autre agit avec plus de prudence. Hoffer conseiller prive, Gouverneur de la province Badoise, voisine du lac de Constance, Idealiste passionne. Schrikel. Conseiller prive, premier Medecin de la Cour. Voss, helleniste et poete. II demeure a Heidelberg et il est un des collaborateurs de la »Gazette de Jena« — tres lie avec rillumin£ Jacobi de Münich. Thibaut Heisse, professeur de jurisprudence. Kluber, professeur d'Histoire, ancien chef de cotteries revo- lutionnaires ä Claugen. Dumge, aussi professeur d'histoire, jeune homme sans fortune. Devillers, pensionne" de la Russie; tres age\ vivant ä Heidelberg dans une profonde retraite. Creutzer, Goerres et Kastner, professeurs ä Heidelberg. Les professeurs et les etudiants de Fribourg, allients au Fana- tisme religieux, l'idealisme et l'attachement pour l'Autriche. Jung, medecin oculiste; signale ci-dessus. II a publie* des ouvrages sous le nom de Stil Ii ng. Fein. Conseiller prive, disciple zele de Jung. II a publie dans la doctrine de la Secte un Commentaire sur l'Apocalypse. [440] — 453 — lereser, Cure catholique ä Carlsruhe; lie avec les III. de Munich. L'oraison funebre qu'il a prononce lors du deces de S. A. Ie Grand-Duc etait dictee par le fanatisme ultramontain et par l'esprit revolutionnaire de rassociation. Luchesi, Ancien Chambellan de la Reine Caroline (de Siecle) intrigant vivant dans une espece d'intimite S. A. Le Grand Duc regnnnt, — Grand admirateur des Schlegel. Ruth, natif de Fribourg, dirigeant depuis quelques temps le Ministere de l'Interieur, ä Carlsruhe. Itriguant delie, parti- san exalte de rilluminisme et des principes ultramontains. Bnviere. Le Roi: attache ä la France. II connnit et deteste les menees des Illumines; mais faule de fermete et de dis- cretion, il est souvent le jouct de leur intrigues. La Reine: de l'nffection pour l'Autriche; Une grande noblesse d'äme et beaucoup d'eloignement pour l'iritrigue. Elle a de la bienveillnux pour la famille d'Arco, qui, ainsi que toute la noblesse du pays, est peu portee pour la France. Le Prince Royal. Esprit juste et cultive; beaucoup dele- vation dans le caractere; un peu entich^ d'Anglomanie, avant la derniöre guerre; mais tout a-fait revenu de ces idees, quoiqu'il soit generalement entoui-e par les ennemis de la France. Le Colone] Jordan, Aide de Camp du Prince Royal, ancien secretaire de la Legation prussienne ä Paris — bei esprit, intri guant, tres prononce contre la France; tres favorise de la Reine, a ete eloigne; on la fnit voyager, ensuite on l'a mis dans la Ligne. Mi' Washington, ne Hollandais, aussi Aide de Camp du Prince. Mernes dispositions que le precedent; avec peu de moyens. N'est plus Aide de Camp depuis le mariage du Prince. — Grand Mäitre de la mnison du prince. Mr de Selten; ancien patricien d'Augsbourg; aujourd'hui direc- teur de la police a Münich. Esprit borne, opiniatre; devoue ä L'Autriche. Le Colonel Pappenheim. Gendre de M«* de Hardenberg, porte pour l'Autriche; a servi longtemps dans l'Armee. Autrichienne, Seigneur de la Noblesse mediate; qui est devenu Bavarois par l'incorporation de son pays. Digitized by Google [441] — 454 — Illumines. ün regarde comme les Chefs des Illumines de la Baviere es reTerendaires intimes Stickanuer, Chef de ['Administration nouvellement eHablie a Augsbourg et Zentner, directeur de l'Instruction publique. Ce dernier est bien avec Mrde Monte glas, ä qui son esprit et ses talents le rendent agreable et necessaire. Jacobi et Schlichtegroll, Lun President et lautre secretaire de l'Academie des Sciences de Munich. Iis ont des rapports suivis avec les Illumines de Berlin, Gotha etc. — le premier est bien recu dans la maison de Mr de Monteglas. Gehling. Membre de la meme Academie. Tout-a-fait contraire et deraisonnable. Chimiste. Schelling. Secretaire de l'Academie des Beaux-Arts ä Münich, ami intime de Jacobi. Seitz. Conseiller prive, ancien precepteur du Prince Royal et Gouverneur du Duc Charles, homme mediocre. Ammon et Marheineche, professeur a Erlangen. Mr Baumgarten, catholique et Bavarois, ancien directeur de Police ä Munich; homme excellent pour la France; tres fort de moyens, estime du Roi, mais il a ete ecarte par l'inliuence des ennemis de la France; homme dune grande influence dans le peuple. — Mal avec Mr de Monteglas. Schultes, catholique et Bavarois, professeur de Botanique e de Chimie; auteur dun voyage en Styrie et d'un voyage en Gallicie: a demeure presque toute sa vie a Vienne, oü il etait professeur du College de la Noblesse. Obligo de «juitter Vienne ä cause de ses sentiments pour la France. II etait professeur /1 Insbruck, lors de la revolte du Tyrol. envoye" par les Autrichiens dans le fond de la Hongrie; maintenant professeur ä Landshut; tres bon ecrivain, excel. lent polemique et sntyrique: a ete redacteur ä la Gazette de Vienne. Le Ministre de Russie ä Munich. Sa Maison et le Rendezvous de tous les Chefs qui sont dans la Capitale de la Baviere. II est tres intimement lie avec Mme de Moteglas et avec la Comtesse de Taxis; — lies prononcee contre le Systeme franrais. — Ses rapports avec ces deux dames le rendent agreable ä la Beine. Feversbach, Jurisconsulte distingu^ Tun des {»artisnns les plus Digitized by Google [442] — 455 — outres de rilluminisme. II a la plus grande influence sur Mr Reigersberg, Ministre de la Justice. Niethammer, et le Professeur Chiezschi, porte" nouvellement, le premier ä la place de Dictateur d' l'instruction publique et le second a celle d'instituteur des Princesses Royales. Fleischmann, Libraire ä Munich, II a publik en 1809 le 1° Volume du Libelle de Cevallos. L'influence de l'association l'a fait absoudre: On s'est borne" assure-t-on, a le placer sous la surveillance de la police. Seiler, professeur a Landshut. II a des correspondances sui- vies en Suisse, et il fait de frequent voyages dans ce pays, pour y propager les principes et l'exaltation de la Secte. Richter, poete et Romancier distingue\ Les Idealistes de toutes les communions le regardent comme le legislateur du bon göut. Kaune, Erudit de Bareuth. Les Seliman, Banquiers juifs etablis ä Munich et a Carlsruhe. Iis ont des rapports intimes avec plusieurs Illumines. Hamberger, demeurant a Munich, intimement lie* avec les Jacobi, les Schlichtegroll etc. etc. Breyer | Soemering l Membres de la soci&e* Royale de Munich. Mannert, professeur d'histoire ä Landshut: il a beaucoup d'in- fluence sur les Jeunes Etudiants. La plupart des professeurs de l'Universit£ de Landshut, et en premiere ligne le S«* Ast, helleniste et historien. — Ast est un des plus zeles defenseurs de Frexlerich Schlegel. II est peu d'Universites oü ridee.li.sme ait fait autant de progres; la grande majorite des Etudiants en est imbue. üarmstadt. La famille rögnante est generalement attach^e a l'Autriche. Le Grand Duc H£r£ditaire et le Prince Christian, son oncle, penchent vers les räveries des Idealistes. Starke, lr predicateur de la Cour, ancien llluming. II est accueilli du Grand Duc, de la Grande Duchesse et tres Ii avec le Prince her£ditaire et le Prince Christian. Idealistes. Moll [443] — 456 — Frankfort. Le Grand Duc: ses lumieres et son attachement ä la France l'eloignent des Illumines et des Idealistes, - auxquels il est aussi tres redoutable par son influence morale sur l'opinion. Les sectaires et la Noblesse immediate cher- chent ä se venger de lui en deprimant ses qualites et son talent ljtteraire. Brentano et d'Arnius,*) litterateurs, auteurs d'un recueil de poesies et de Romances popüiaires, qui enflamant l'enthou- siasme des basses classes de la Societe, par les Souvenirs, qu'il rappele. Beckmar, Banquier et Consul general de la Russie ä Frankfort: partisan des Illumines par attechement ä la Russie et a 1 Autriche. Holsstein. Le Prince et ses deux fils, partisans de l'Autriche. Ces dispositions sont assez generalement partagees pour toutes les classes de la Societe; mais plus ouvertement par les Ministres de Bernstorf, Schimelman et par Mr d'Ahle- feld, president a Schleswig. Reinhold, professeur de philosophie a Kiel, ancien moine qui a embrasse la religion protestante, tres exalte partisan des Illumines. Henrich, professeur d'eioquence dans le meme ville: En rapports suivis avec les Illumines de Berlin, Gotha et Munich. Mecklenbourg. La famille de Schwerin, devouee ä la Russie. Celle de Strehlitz ä l'Angleterre. La Noblesse de ce pays est dans les memes conditions. Nassau-Weilburg. De Marschal et de Gragert, partisans des Idealistes: ce dernier est un auteur distingue.v Prusse. Toute la Noblesse, tant civile que militaire qui a perdu, par suite de la guerre 1806, les appointements dont eile jouissait, propage la doctrine des Illumines en haine de la France. Leur plus ferme appui, dans tout le Nord de •) Jedenfalls Arnim. Illumines. [444] — 457 — l'Allemagne est le Ministre Baron de Hardenberg. Les principaux membres de l'association en Prusse sont: Mr de Stein, ancien Ministre a Vienne. Mr de Humbold, conseiller prive, frere du voyageur de ce nom- de Kollm, arrete pour avoir public en Silesie, plusieurs bro- chures tres violentes; libre aujourd'hui ä Berlin; il a des rapports suivis avec le Duc de Brunswig-Oels ä Londres et Gentz ä Vienne. Sartorius, ancien professeur ä Goettingen. Employe depuis peu, dans la meme qualite ä Berlin. Lie depuis longtemps avec Gentz. II est un des collaborateurs de la Gazette d'Jena. Kuhn. Redacteur du Journal: den Frey Muttigen, ouvertement dirige contre la France. D'Archenholz. Redacteur du Journal historique,. politique La Minerve, qui paräit a Hambourg. II a quitte depuis peu les bords de l'Elbe pour se fixer ü Berlin. Vieu, accable d'inferinites et tres riche. Wolf et Jacobs, professeurs a l'Universite de Berlin. Le dernier professait il y a quelque temps ä Munich, oü il dirigeait les Illumines conjointement avec ses amis, Jacobi, Schelling etc.-- Bull mann, helleniste, ami de Sartori us. Ray, pasteur a Breslau, orateur distingue. II preche assez ouvertement la doctrine de l'association. Boeckh, Savant helleniste, ancien professeur a Heidelberg, appele recemment a Berlin. Herbart, professeur de philosophie a Göttingue, appele aussi depuis peu a Berlin. Schleger-Macher, professeur a Berlin et anciennement a Hall. II jouit d'une grande Imputation comme helleniste et penseur. Fichte, professeur a Berlin. Werner, poete; en rapports intimes avec les freres Schlegel et Mm de Stael. II a recemment embrasse la foi catholique dans un voyage a Rome. Lehmann, professeur ä Koenigsberg. Russie. L'Imp^ratrice Douairiere: disposte en faveur de l'Angle- terre et tendance marquee vers les reveries des Idealistes. Idealistes. [445] — 458 — Toutes ses filles parlagent ses sentiments, particulierement >ouse du Duc d'Edin la Princesse Catharine Paulowna, Ep bourg. La nobl< nooiesse des provinces russes sur la mer tialtique generalement disposee (par 1 educatjon philosophique quelle recoit dans les Universit^s allemande) ä goüter la doctrine des Illumines. Et parmi les familles qui en sont les plus imbues, on cite particulierement celle de Campen hausen, surtout le Conseiller d'Etat de ce nom, gouverneur de Tauride, les Liewen, les Lewis, les Schroetter en Livonie et les Raden en Courlande. Le Cte Hnzomoufsky; anglomnne, ami de Gentz, pait partie de l'association. Kotzebüe, homme de lettres ä Higa. II l'avait abandonnee dans l'espoir d'obtenir des titres et des honneurs; trompe dans son attente, il vient d'v rentier. Le Cte de Riaibiny, Ministre de Russie pour le Grand Duc de Bade. Infantum des Rcveries de Jung, avec lequel il est tr6s lie. II a des rapports avec tous les Illumines, qui dirigent I'upinion dans les Etats de la Confederation. Le Prince Lapouchiu: partisan zele de la doctrine de Jung. La doctrine des Illumines et des Idealistes a fait peu de progres danslaSaxe Royale, gräce .1 l'attachement des habitants pour les usages et les idees de leurs peres; et le Roi na pas peu contribue ä gurantir ses Etats de la contagion. Cependant le romancier Lafontaine y repand dans ses ouvrages, mais sous des couleurs tres moderees, les principes des Idealistes. la Balti est SaxeRoyale. Saxe-Ducale. j Saxe Ducale. Gotha. Le Duc regnant: ami des lettres, les cultivant avec succös: oppose" aux Illumines; attarhe 6 la France. La Duchesse Douairiere su purtage pas ses dispositions; et C*esl saus doute ä lastronome Baron de Zach illumine, avec lequel eile est tres liee que Ton doit atlribuer son attache ment ä In doctrine de l'nssociation. Le Cte de Sa lisch. Litterateur distingue. autre Illumine. Digitized by Google [446] — 459 — rapports avec tous les litterateur de l'Allemagne protestante, lui donnent beaucoup d'influence. Weimar. Devouement aveugle ä la Russie; haine pour le nouveau Systeme politique et disposition marquee i\ favoriser les ecarts des Idealistes, tel est en general la caractere de la famille Ducale ä Weimar. L'association a quelques partisans zeles dans le Duche. am Müller, Conseiller aulique, historien tres estime en Allemagne. Mm de Berlepsch, nee en Suisse, mariee h Weimar, auteur de plusieurs ouvrages distingues. — Intriguante propageant la doctrine des Illumines, par attachement pour l'Angleterre. Eichstaedt, professeur a 1'Universite d'Jena et redacteur de la Gazette de cette ville. Les articles de l'economie poli- tique, inseres dans cette feuille, doivent surtout fixer l'attention. Le vestige, de l'ldealisme est generalement repandu dans l'Universitö d'Jena. Suede et Pomeranie. L'imagination nrdente des Suedois et leurs. divisions politiques ont beaucoup favorise les entre- prises des Illumines, qui cachent dans ce pays leurs intrigues sous le voile de la Maronnerie. L'on cite comme Chefs principaux de 1'association: Le Cte de la Gardie. Aide de Camp du Roi et Capitaine des Gardes Nobles; homme d'esprit, opiniätre, ambitieux et le plus riebe proprietaire de la Scanie. Mr Stedingk. Ministre de Suede ä Petersbourg; devoue aux interets de la Russie et de l'Angleterre. Le Baron de Wettersted, chancelier de la Cour. II doit ce [»oste a la protection de Mr Stedingk, dont il partage les sentiments. Arndt, professeur de Jurisprudence ä Greifswald. Son Imagi- nation ardente le Ii vre aux plus fongueux exces. II publica, il y a quelques annees un Libelle, qui produisit un tres mauvais etat en Allemagne. Suisse. Les Illumines ont beaucoup de partisans pnrmi les anciens patriciens de Berne. On eile particulierement M. Steigner de Rugisberg que ses rapports de fortune Digitized by Google [447] — 460 — attachent ä l'Autriche. II a deux fils au Service de l'Angle- terre. Mm de Stael. Ses liaisons intimes avec les freres Schlegel, surtout avec Guillaume, lui donnent beaucoup d'influence parmi les Idealistes. On regarde Mm de Stael et Guillaume Schlegel comme le lieu qui unit les Idealistes Romains aux Idealistes protestants. de Bonstetter: poete, d'une famille patricienne de Berne. Tres lie avec Mm de Stael et Gum Schlegel. Tiecke, aussi poete, originaire de la Basse-Saxe, il vient d'embrasser la Religion Romaine. Tres lie avec les Sendling et les Schlegel. Ses rapports avec Mm de Stael, l'ont conduit, depuis peu, en Suisse. Schultess, professeur ä Zürich: sur quelques opinions meta- physiques de M. Pestalozzi, Schultess bätit un Systeme d'education, dont l'objet doit etre de former une gene- ration energique de l'independance. L'esprit du Canton de St. Gall est generalement tres mauvais; aussi ce point est il regarde comme un des foyers des Illumines. Le Journal des Erzachler, qui s'imprime ä St. Gall, parait dirige contre la France; et son influence s'etend sur les paysans des petits cantons de la Souabe, de la Baviere et du Tyrol, oü il est fort repandu. On croit le Redacteur en rapport avec les Officiers suisses qui sont au Service d'Espagne. _ Westphalie. Reichardt, mäitre de la Chapelle de S. M. le Roi de Westphalie. — 11 a publik, avant 1806, un voyage ä Paris et d'autres ecrits anonymes d'un tres mauvais esprit. Bredow, professeur d'histoire a Helmstadt. La sagesse du Sieur Heine a longtemps preserve l'Uni- versite de Göttingen de la doctrine des Illumines; mais eile s'y est intro-duite maintenant et a gagne les etudiants qui, en g£ne!ral, allient a ces idees une forte dose d'Anglo- manie. Parmi les professeurs, qui propagent cette doctrine, Ton cite particulierement: Illumines. [448] — 461 — Hugo, professeur de Jurlsprudence, tres lie avec Butt man et Sartorius de Berlin. Eichhorn et Bouteweck. (Butterweck?) Würtemberg. Ce Boyaume est un centre vers lequel les I llumines d'Aliemagne meridionnle dirigent sans cesse leurs efforts; parce que de la, ils pourraient agir avec succes sur la Souabe, la Suisse etc. — Le roi, qui connait leurs desseins, s'oppose avec fermete ä toutes leurs menees. Iis esperent trouver un jour moins d'obstaeles dans In personne du Prince Royal, qui a beaucoup de penchant pour les idees d'Independance germanique. Le Prince Paul, son frcre, partage ses dispositions. Le Baron de Sechendorff, Ministre d'Etat est un grand partisan du fanatique Jung. Wangen heim; president de regence et Conseiller prive; en rapports suivis avec les Illumines de Gotha, de Munich et de Vienne. Son correspondant de conliance dans cette derniere ville, est un S* Stoll, poete, attache ü la Direction du Thea Ire de la Cour. Mr Wangenheim jouit depuis quel- que temps de la conliance du Roi, qui le destine, nssure-t-on au Ministere des finances. Würtzbourg. Hennebrith. Conseiller d'Etat du Grand Duc. Son opinion contre le Systeme francais est trös fortement prononeee. II a fait perdre ä son Collegue Mr Seyffert, les bonnes gräces du Grand Duc, en l'accusant d'avnir servi le Ministre francais. Man findet in diesem Verzeichnis die Namen vieler be- deutenden Männer aus der Zeit der Freiheitskriege und es ist ersichtlich, dass der Illuminatenorden, wie er von Weishaupt begründet wurde, absolut nichts mit ihnen zu tun hatte. Es beliebte eben in jener Zeit, wie schon angedeutet, alles, was einem Gewaltherrschertum entgegen war, als Illuminatis- mus zu bezeichnen. Auch Napoleon hatte diese Ansicht, wie bereits erwähnt, denn als der Student Friedrich Staps in Schön- brunn ein Attentat auf Napoleon versuchte, jedoch daran ge- hindert wurde, war Napoleons erster Gedanke, er sei ein Illu- [449] minat. Die betreffende Szene wird folgendermassen von dem General Rapp als Augenzeuge geschildert: »Am 13. Oktober 1809 machte sich bei einer Parade ein junger Mann, der sich immer in die Nähe des Kaisers zu drängen suchte, durch sein auffallendes Wesen verdächtig. Rapp Hess ihn durch einen Gendarmerieoffizier arretieren, bei der Untersuchung fand sich ein langes, scharf geschliffenes Küchenmesser bei ihm vor. Als ihn Rapp verhörte, verweigerte er jede Auskunft, nur dem Kaiser wolle er Rede stehen. Napoleon Hess ihn vor sich führen; da Staps nicht französisch sprach, musste Rapp als Dolmetscher fungieren. Der junge Mann, der Sohn eines protestantischen Geistlichen, gab ohne weiteres zu," dass er den Kaiser habe ermorden wollen. »Sie sind von Sinnen, junger Mann, Sie sind ein Illuminat,« sagte Napoleon. »Ich bin nicht von Sinnen, ich weiss nicht, was ein Illuminat ist Ich bin nicht krank, ich bin gesund!« — war die Antwort. »Weshalb wollten Sie mich umbringen?« — »Weil Sie das Unglück meines Vaterlandes verschuldet haben!« Der Kaiser Hess seinen Leibarzt Corvisart rufen, um Staps auf seinen geistigen Zustand zu untersuchen. Corvisart erklärte ihn für gesund und geistig normal. »Ich habe es Ihnen ja gesagt,« bemerkte Staps. Napoleon, erstaunt über diese Ruhe und Sicherheit, bot ihm Begnadigung an, wenn er bereuen und um Verzeihung bitten wolle. »Ich will keine Verzeihung; es tut mir nur leid, dass ein Erfolg ausblieb.« »Den Teufel auch,« rief erzürnt der Kaiser, »gilt denn in Ihren Augen ein Ver- brechen nichts?« — »Sie zu töten ist kein Verbrechen, es ist Pflicht,« entgegnete Staps. »Nun, und wenn ich Sie begnadigte, würden Sie mir nicht dankbar sein?« — »Ich würde Sie trotz- dem töten.« Napoleon Hess Staps abführen; ein durch den Ober-Auditeur der Armee General Lauer mit ihm angestelltes Verhör ergab kein weiteres Resultat. Der Kaiser äusserte dann zu Rapp: »Es gibt wohl kein Beispiel, dass ein junger Mann in seinem Alter, ein Deutscher, ein Protestant und wohl- erzogen, ein solches Verbrechen hat begehen wollen. Suchen Sie zu erfahren, wie er gestorben ist.« Staps wurde am 17. Ok- tober früh erschossen, er bewahrte seine gleichmässige, fast heitere Ruhe bis zu seinem Ende. Seine letzten Worte waren:
Es liegt nahe, dass solche Geistesstärke Aufsehen erregte [450] — 463 — und nach deren Ursache geforscht wurde. Dass da natürlich die Illuminaten als verdächtigste Gesellschaft wieder hervorgeholt wurden, ist nicht verwunderlich. Nicht unmöglich ist es, dass der bekannt gegebene französische Bericht eine Folge der Nach- forschungen über die Gründe des Attentates ist. In ihrer Gesell- schaft finden sich aber in der französischen Phantasie plötzlich auch die sämtlichen deutschen Fürsten, sogar diejenigen, die Napoleon den Königsthron verdankten. — Die Undankbarkeit der Illuminaten ist eben eine entsetzliche. Existierte denn aber der Orden zu dieser Zeit wirklich noch? — Die Antwort ist klipp und klar: Neinl — Frühere Illuminaten lebten noch allerdings, aber die Organi- sation war längst gesprengt. Die Napoleonische Herrschaft hatte längst andere Interessen, andere Anschauungen entwickelt und durch diesen Druck das eigentliche Wesen des Ordens gänzlich erstickt. Nur in der Tradition einiger Familien lebteer noch fort und ward in der Erinnerung erst wieder lebendig, als Napoleon auf St, Helena sein Leben beschloss. Wie sehr aber die Begriffe über die eigentlichen Ziele des einstigen Ordens sich verwirren konnten, zeigt ein Passus der erwähnten Schrift über den Tugendbund, in der es S. 35 heisst: »Jemehr Druck, jemehr Elastizität, habe ich schon früher gesagt, die ganze Geschichte lehrt es. In Bayern wurden die Illuminaten wie Ketzer verfolgt, seitdem hat sich ihr Geist auf den Thron von Frankreich gesetzt, verwandelt in eines Menschen Leib, genannt Napoleon.« — Napoleon als Inbegriff des Illuminatismus, das dürfte allerdings der Gipfel der Geschmacklosigkeit sein, den die llluminatenbeschuldigungen jemals erreichten. Nachdem die schicksalsschweren Ereignisse, die die frühe- ren Illuminaten über sich ergehen lassen mussten, an unseren Augen vorüberzogen, tritt das Recht des Kritikers an uns heran und wir fragen: War das Werk Weishaupts überhaupt von aussichtsvollem Erfolg oder nicht? — Der neue Illuminatenorden. Digitized by |