Geschichte des Illuminaten-Ordens/Giftrezepte der Illuminaten und ein berüchtigtes Protokoll

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« Weitere Verordnungen der Kurfürsten und Verfolgungen Geschichte des Illuminaten-Ordens Die Ordenskasse. Geistliche als Illuminaten. »
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bessern, drohe ihnen das Schicksal Weishaupts. Mehrere Studierende wurden relegiert.

Glaubt man nun, die Universität Ingolstadt sei ein be- sonderer Hort des Ordens gewesen, so ist solche Annahme irrig, denn ausser den Genannten ist das Register der wirklichen Illuminaten erschöpft, wenn noch der Repetitor Hübner, der Aktuar Bauer und von Studierenden Baron Bartels, Frauenberg, Danzer genannt werden. Einige Studenten, deren Namen unbe- kannt geblieben, sind vielleicht noch hinzuzuzählen. — Es ist aus dieser kleinen Anzahl zu erkennen, dass die Anwesenheit der Illuminaten die Universität keineswegs entarten konnte, wie der Papst meinte; wie aber soll man den nach der Verfolgung des Ordens entstandenen Zustand der Universität nennen, den Prantl in seiner bereits oft angezogenen Geschichte der Uni- versität auf Seite 638 mit folgenden Worten schildert? »— aber anderseits liegt ein zweiter mittelbarer Berührungspunkt in der Strömung, welche seitens der Regierung bei Aufhebung des Ordens und Verfolgung der Mitglieder desselben eintrat, denn von da an waren die finsteren Mächte überhaupt entfesselt und jeder bessere Universitäts-Lehrer schwebte in der Gefahr, auf die niedrigste Denunciation hin als Illuminat schwere Leiden erdulden zu müssen.«--

Giftrezepte der ninminaten und ein berüchtigtes

Die genannten finsteren Mächte entfesselten sich zügellos, nachdem die bei Zwackh gefundenen Papiere veröffentlicht worden waren. Durch diese erhielt man allerhand Handhaben, die, . geschickt benutzt, selbst Unschuldige zu Verbrechern stempeln konnten. — Es befanden sich unter den Papieren auch ) allerhand Rezepte; eines sollte die Herstellung des aqua tofana betreffen, die Massenhausen (Ajax) gesammelt hatte, der ausser- dem in den Briefen Weishaupts nicht nur oft genannt wird, sondern von dem auch Briefe sich vorfanden. Es war natürlich, dass der inzwischen Hofkammerrat gewordene

Protokoll. [313] — 226 —

Massenhausen das besondere Interesse des Kurfürsten wegen der mörderischen Rezepte erweckte, das sich denn auch in nachfolgendem Befehl an den Präsidenten Grafen von Törring aussprach:

Aus Churfürstl. gnädigstem Befehl soll der junge Hof- kammerrath Massenhausen oder sogenannte Ajax heut noch in das Schottenstübel gebracht und dessen sämmtliche Papiere zu Obrigkeit Händen genohmen werden.

Die Beyde Herren Hofräthe Engel und von Stockh sind als comissarii ernannt, worüber das weitere per rescriptum erfolgen wird. Euer Excellenz belieben einstweilen nur den Arrest sowohl quo ad personam als scripturas zu verfügen.

Am nächstfolgenden Tage den 14. April beorderte Sere- nissimus Elector gnädigst, dass Massenhausen, der bereits im Schottenstübel sitzt, zuforderniss über die der Zwackh'schen Briefsammlung einverleibten recepten**) befragt werde, nemlich von wem und zu was Ende er solche erhalten habe, warum sie den Zwackh communiciret, auch ob davon kein Gebrauch nach dem jure vitae und necis von ihm oder andern würck- lich gemacht worden sey. Weiterhin gibt die Order Anwei- sungen, wie seine in Beschlag genommenen Papiere zu be- handeln wären. —

Liest man nun das umfangreiche Protokoll, das in sieben Verhörstagen vom 24.—30. April 1787 aufgezeichnet wurde, so begreift man tatsächlich heute nicht, wie es möglich war, ernst- haft an eine Schuld des Inhaftierten zu glauben. Massenhausen gibt zuerst eine genaue Schilderung seiner Aufnahme, resp. Annahme durch Weishaupt Er gehörte, wie wir bereits wissen, zu den ersten Ordensangehörigen und war mit Zwackh der Vertraute Weishaupts. Er zählte damals, 1776, 16^ Jahre, war völlig für Weishaupt eingenommen und traute ihm keinerlei

  • ) Original im Bay. Geh. Haus-Archiv.
    • ) Hier ist das Eingeständnis, dass nur der Stimmungsmache wegen,

die gar nicht von Zwackh herrührenden Rezepte, der Briefsammlung einver- leibt wurden. Der Druck ist so arrangiert, als wären diese Rezepte und andere Dinge offizielle Ordenssachen.

P. P.

München 13. April 1787*) A. v. Kreitmayer. [314] — 327 —

Unrecht zu; infolgedessen erschienen ihm auch die ersten Auf- nahmefragen, die der Kommission höchst auffallend schienen und Gehorsam gegenüber dem Orden verlangten, keineswegs bedenklich. Über die Rezepte gibt er genau an, dass er sie der Kuriosität halber sammelte, nie daran dachte, sie zu gebrauchen, und dass sie auch von niemandem jemals gebraucht worden wären. Das so gefährliche Aqua tofana-Rezept entpuppt sich als alberne Mystifikation. Man sollte nach diesem ein Schwein in besonderer Art füttern und dann aus seinem Fett das tödliche Gift herausdestillieren können!! Die unter den Papieren gefundene Beschreibung und Zeichnung einer Brennkiste, zu dem Zwecke, die in solcher Kiste befind- lichen, aufbewahrten Papiere plötzlich verbrennen zu lassen, war einem alten Folianten entnommen, Versuche zur Herstellung derselben nie unternommen. Ebenso verhielt es sich mit der Herstellung eines geheimen Schlosses. Die berüchtigten Abortus- rezepte, von denen vermutet wurde, Weishaupt habe sie bei seiner delikaten Angelegenheit benutzt, während M. nachweist, dass dieser sie gar nicht kennen konnte, sind unschädliche Aufgüsse von Petersilienkraut, Kamillen und Knoblauch. Nur ein einziges angegebenes Mittel kann wirksam sein; natürlich nennen wir es hier nicht. Alle diese Dinge, sowie weitere Rezepte zu sympathe- tischen Tinten und anderen Dingen waren alten Büchern (es werden Wiglebs und Kirchers Schriften angegeben) entnommen, und J778 schon Zwackh übergeben worden, weil der noch sehr jugend- liche Massenhausen sich vom Orden zurückzog. Öfter hatte er im Lauf der Jahre Zwackh gebeten, den Plunder, wie er sagte, zu verbrennen, es war jedoch nicht geschehen; wie wir aus Zwackhs Angaben schliessen können, rein aus vergesslicher Sorg- losigkeit, und nur dadurch wurde beiden später ein böser Strick gedreht. Irgend eine böse Absicht kommt bei dem ganzen Verhör nicht zum Vorschein,*) man mag die Sache drehen wie man will. Auch die Kommissäre haben trotz aller getreulich aufgezeich- neten, verfänglichen Fragen eine solche nicht nachweisen können.

Eine Schuld musste aber um jeden Preis nachgewiesen werden, sonst wäre das ganze Verfolgungssystem zusammen- gefallen, infolgedessen blieb Massenhausen in Arrest.

Nach 22tägiger Haft schrieb er erfolglos dem Rat Engel einen Brief mit der Bitte, den Kurfürsten um Haftentlassung

  • ) Abschrift des Protokolls in Händen des Autors.

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anzugehen, es war vergebens. Der August kam heran und der Inhaftierte sass immer noch im Schottenstübl. Am 9. Aug. kam ein kurfürstliches Rescript heraus, das Massenhausen seiner Ratsstelle entsetzte und ihn zu weiteren fürstlichen Diensten für unfähig erklärte, welches ihm der Kurfürstliche Hofrat per Com- mission bedeuten zu lassen. Merkwürdigerweise lautete eine Order vom 13. Aug. mit dieser Eröffnung einzuhalten und in der Nacht vom 13. zum 14. Aug. fand sich Massenhausen so schlecht bewacht, dass er entwischen konnte und nicht wieder gefasst wurde. Es scheint fast gewiss, dass hier eine Absicht vorlag. Ein klares Vergehen konnte nicht nachgewiesen werden, die Rezepte waren geradezu lächerlicher Natur, entwischte Massenhausen aber, so blieb auf ihm alles odium angebüch verbrecherischer Rezepte für Giftmischung sitzen, und man brauchte namentlich diese Angst vor aqua tofana dringend, um einesteils den Kurfürsten, andernteils das Publikum in lllu- minaten-Angst zu erhalten. Der Kurfürst wird das aqua tofana Rezept aus Schweineschmalz gewiss nicht erfahren haben, denn es heisst ausdrücklich in seinem Urteil vom 9. April, er habe sich die Akten vortragen lassen, also hat er sie nicht selbst gelesen, sondern erhielt nur Auszüge, wie er s. Zt. bei der Zwackhschen Angelegenheit selbst befohlen hatte. Es war daher sehr leicht die famose Herstellung dieses aqua tofanae ihm zu verschweigen. Massenhausen sass bereits Monate lang, seine Sehnsucht nach Freiheit war gewiss gross, blieb er nun in Un- kenntnis darüber, dass sein Urteil eigentlich durch die Order vom 9. Aug. gesprochen war, seine Entlassung demnach bevor- stand, und gab man ihm Gelegenheit zur Entweichung, so war sicher anzunehmen, dass er sie ergreifen würde. Daher die Contre-Order, die einem Frank nicht schwer werden konnte, zu erlangen. Die Clique, die hauptsächlich die Illuminaten-Ver- folgung inszenierte, konnte nur den grössten Vorteil von Massenhausens Entweichung haben, von deren absichtlicher Zu- lassung der Kurfürst natürlich keine Ahnung hatte, denn sie wurde das Mittel ihn selbst durch Furcht zu fesseln. Er wird sicher über die gelungene Flucht sehr erzürnt gewesen sein, ein Befehl von ihm fordert auch strenge Untersuchung, ob die Wächter immer die Schlüssel gut bewahrt und an jenem Abend nicht etwa betrunken gewesen wären, aber der beabsichtigte Zweck wurde erreicht, wenn Massenhausen nur nicht wieder erwischt wurde. Es wurde deswegen auch erst am 17. August [316] — 329 —

hinter ihm ein Steckbrief erlassen, dessen Personalbeschreibung derartig ist, dass Massenhausen wegen seiner Ergreifung recht beruhigt sein konnte. Es heisst da:

Anton Massenhausen 28zig jährigen Alters von München, ist grosser Statur, 6 Schuh hoch, mager, blassen Angesichts, hat rötliche Haare, dann derley Bart und Augenbraun, eine hohe breithe Stirne, mitlmässige Nasse, ist schlanken Leibs und übrigens wohl gewachsen, ohnwissend dessen Kleidung. —

Nach solcher, auf viele Menschen passende Beschreibung, ausserdem am 4. Tage nach seiner Entweichung, die in der Nacht vom 13. zum 14. stattfand, würde der beste moderne Detektiv Massenhausen unmöglich gefangen haben. Das dürfte auch mehr als wahrscheinlich gerade die Absicht gewesen sein. —

Die Angst, durch aqua tofana der Illuminaten um sein Leben zu kommen, ist erwiesenermassen systematisch dem Kur- fürsten beigebracht worden, diese Furcht diente dazu, die Fürsten der Rachsucht der Verfolger gefügig zu machen. Wir haben bereits gesehen, dass der König von Preussen in seinem Briefe an den sächsischen Kurfürsten später auch schaudernd dieser Herstellungskunst gedenkt, in der die Illuminaten solche Fertig- keiten besitzen sollten; ihm hatten die Rosenkreuzer, die Erz- feinde der Illuminaten, diese Furcht beigebracht. Bevor wir jedoch den Beweis für die erste Behauptung antreten, müssen wir noch einer Episode gedenken, die charakteristisch ist für die ausgesprochene Ansicht und<für die damalige Zeit.

Es wird erinnerlich sein, dass die Veröffentlichung der bei Zwackh gefundenen Papiere unter dem Hinweis geschah, jeder könne sich von der Echtheit derselben überzeugen; das wagte jedoch so leicht keiner von den getreuen Untertanen, sicherlich witterten diese Gefahr bei solchem Unterfangen, und mit Recht. Am 13. April 1787 erschien plötzlich im geheimen Archiv ein Doktor Friedrich Munter aus Kopenhagen, derselbe stellte das Ersuchen ihm einige der Illuminaten-Papiere vorzulegen. Es geschah. Ein Protokoll wurde aufgesetzt und Munter verlangte einige Briefe, in denen die Namen der Herzoge Ferdinand von Braunschweig und von Gotha sich befinden. Er sollte sein Ehrenwort für Verschwiegenheit geben, tat es, setzte jedoch in dem vom Archivar Eckartshausen vorgelegten, zu unterschreiben- den Protokoll wörtlich hinzu: [317] — 330 —

Ich verspreche bey meinem Ehrenwort, dass ich niemals öffentlich in Druck die Namen nennen werde, die in den mir zufolge der gnädigsten Erlaubniss Sr. Churf. Durchl. zum Durch- sehen verstatteten Briefe genannt worden sind. Kann mich aber nicht dazu verbinden, dasselbe Geheimniss in Gesprächen mit meinen Freunden, wenn auf diese Sache die Rede kommen sollte, zu bewahren.

München, d. 13. April 1787. Dr. Friedrich Munter

Die Einschränkung seines Ehrenwortes ist wohl auf einen Ärger darüber zurückzuführen, dass er auch die berüchtigten Rezepte einsehen wollte, was ihm jedoch verweigert wurde. Sein Verfahren war jedenfalls unklug, denn sofort wurde er heimlich beobachtet. Sein für die Zeit seines kurzen Aufent- haltes engagiert gewesener Diener Joseph Freysinger wurde in ein Verhör gezogen und nach allem Möglichen über Munter ausgefragt. Dabei kam zum Vorschein, dass er den Professor Baader besucht hatte, Hertel und Massenhausen und dann nach- dem am Sonnabend den 14. April Massenhausen verhaftet wurde, Montag früh den 16. allein nach Salzburg zu fortgefahren sei. Auch Massenhausen wurde in seinem Verhör über Munter be- fragt und gab an, dass er am Abend des 13. April mit ihm bei Baader zusammengetroffen sei, Munter habe auch dort die Ab- schrift seines schriftlich gegebenen Ehrenwortes vorgelesen.

Aus solchen Umständen schien Munter natürlich höchst verdächtig. Man vermutete in ihm einen auswärtigen Minerval des Ordens, glaubte, bei Baader sei eine Loge abgehalten worden und sicherlich müsse das Fragen nach den Rezepten auch seine tieferen Gründe haben. —

Am 9. Mai 1787 berichtete der Gesandte v. Lerchenfeld aus Regensburg, dass Munter sich in der Stadt aufgehalten habe und aussagte, es habe der ihm vorgelegte Revers, ausser der Beglaubigung, die Schriften gesehen und gelesen zu haben, noch einen zweiten Teil enthalten, in dem er die Sekte als gefährlich anzuerkennen sich verpflichte. Munter habe gesagt, dass er bereit war, den ersten Punkt zu unterschreiben, nicht aber den Schluss, und dass seine Freunde ihm rieten, München so schnell als möglich zu verlassen. Seitdem habe man ihm geschrieben, wenn er nicht am andern Tag abgereist wäre, so wäre er ver- haftet worden. Der Gesandte bezweifelt zwar die Wahrheit

aus Kopenhagen. [318] — 331 —

dieser Angaben in seinem Bericht, glaubt, die Illuminaten wollten durch solche Ausstreuungen nur die Regierung blamieren, — aber er irrte sich in dieser Meinung sicherlich. Munter tat sehr wohl daran, sich zu entfernen, er hätte andernfalls Kopenhagen nicht sobald, vielleicht gar nicht wiedergesehen. Nach der Her- stellung des aqua tofana aus Schweinefett sich erkundigende Fremde waren damals mindestens Verbrecher, man pflegte kurzen Prozess mit unbeliebten Ausländern zu machen.

In dieser Episode spielt die Frage nach den Rezepten jedenfalls eine Hauptrolle. Furcht, unversehens vergiftet zu werden, war ein vortreffliches Mittel, den Kurfürsten zu be- herrschen und Kreaturen, die diese Furcht durch selbst groteske Anklagen möglichst schürten, fanden sich. Eine solche Kreatur, oder ein Narr, dessen geringe Denkfähigkeit missbraucht wurde, war der Hof- und Kammerrat Baron von Mandl, dessen Ver- 1 nehmungs Protokoll*) vorhanden ist, von ungeheuerlichen Aus- | sagen, denen die Lüge offenbar anklebt, wimmelt und in sich den Beweis enthält, den wir zu geben versprachen. — Mandl war Ordensmitglied, ein Beweis, wie wenig sorgfältig die Per- sonen ausgewählt wurden. Graf Savioli hatte ihn erst der Baaderschen Loge zugeführt, später wurde er Illuminat. Mandl gibt über die Baadersche Loge nachfolgende protokollarisch fest- gelegte Angaben, die meist gänzlich unwahr sind;

»Diese Baaderische Loge hatte überhaupt 97 grad, welche alle vill Geld kosteten und nicht vill lehrten; so kostete der Lehrlinggrad 50 fl., 2 Pf. Wachs und 3 fl. für das Ordenszeichen, der Gesellengrad 7 fl. und abermahl 2 Pf. Wachs, der Meister- grad 25 fl. der Elu 50 fl. der Schott 150 fl. und so vermehrte es sich von 50 zu 50 fl. durch alle 97 grad und jeder Lehrling musste allzeit ein kleines Souper, welches beim Priem gehalten wurde auf seine Kosten geben. Nebstdem zallet jeder des Monats 1 fl. Deponent war in der Loge Secretaire der untere grad, wurde darauf Redner und endlich frere terrible, sowohl bei der teutschen, als französischen und polnischen von dem Altmeister Grafen von Seefeld gehaltenen Loge.

Er war zur zeiten erster, oder 2ter Oberaufseher und einige- mahl deputirter Meister vom Stuhl, in Specie wie das Haus von dem Prtizka erkauft wurde, wo sich Baader, Seefeld, Zwackh und

  • ) Abschrift zu Händen des Autors. •

[319] Berger nicht hineintrauten, ohne von der umliegenden Bürger- schaft sich, oder das Haus misshandelt zu sehen.«--

Für alle übrigen maurerischen Grade, Bänder, Schurzfell und Schriften will, er 100 Dukaten gezahlt haben, in den Illu- minatenorden will er durch Baaders Betreiben durch Savioli aufgenommen seyn. —

Das ganze Protokoll ist sehr weitläufig, teilweise auch un- interessant. Es ganz abzudrucken ist ermüdend, wir geben es daher teils wörtlich, teils im Auszuge wieder, damit man erkennt, in welcher" raffinierten Weise die den Kurfürsten am meisten interessierenden Dinge ausgeputzt wurden, um die Illu- minaten als äusserst gefährliche Menschen hinzustellen. Mandls Aussagen hat der Kurfürst zweifellos wörtlich gelesen, denn bald nach dessen Verhör am 18. Juli und weitere Tage erschien das Verbot, das den Anwerber zum Tode durch das Schwert verur- teilte. Dieses Verbot wäre gerecht, wenn Mandls Aussagen nur zur Hälftewahr gewesen wären. Man urteile nun selbst. Über- all wo eine besonders leicht nachweisbare Lüge vorliegt, steht das Zeichen (!?).

Nach seiner Aufnahme als Minerval, die 25 fl. nebst 3 fl. für das Ordenszeichen gekostet, musste er verschiedene pensas bearbeiten, worunter ihm immer das Auffallendste war, dass er bei Ankunft des Pabstes in München, sowie seiner Anwesenheit, das Hofceremoniel beobachten und darüber schriftlich berichten musste. Er musste beschreiben, welchen Einfluss der Pabst auf die Fürsten, Geistlichkeit, Adel, Kanzleien, Gollegien, die Bürgerschaft und Bauern habe, welchen nämlichen Auftrag Baron Egger und Fronhofer bekam. Er will dann einige dreissig Per- sonen geworben haben, die aber meistenteils vor, teils nach seinem Austritt davongelaufen sind. Er bekam endlich ganz besondere Aufträge zur Correspondenz. Endlich wurde er ein Magistratsglied (!?), machte also die quibus licet auf und durfte sie auch ohne Anfrage befördern und wurde als Areopagit (1?) zum ewigen Magistrat (1?) und geheimen Kapitel vorgeschlagen; als aber in des Baaders Haus bei offenen Fenstern eine so be- titelte Elü-Loge (wobei jedoch Baader ohne alle Maurerische Zeichen mit dem breiten roten Band als Provinzialoberer, dann der Major Ob und Baron Bassus als Assistenten sassen) ge- halten ward (!?), erstaunte ihn folgender Vortrag nicht wenig, [320] — 333 —

und es waren doch praesentes, Seefeld Vater und Sohn, Graf Seeau, Baron Montgelas, Savioli, Berger, Zwackh, Hertl, Massen- hausen, Constanzo, Cossandey, Renner, Grünberger, Fronhofer, Krenner, Buecher, — jeder der etwas von den neu vorkommen- den Sachen ausschwätzen würde, sei auf Gottes Erdboden, in allen Logen ausgeschrieben, sein Leib und Leben, Gut und Blut nicht sicher. (!??)*)

Es ist unser Bruder Constanzo in grösster Gefahr. Wir haben ihn mit 200 fl. (wie wir dies alle, so wir im geheimen Capitel sind, ja alle wissen) nach Berlin geschickt, um den König zu sondiren, was er wegen einen gewissen Veränderungs Fuess (lies Veränderungsfuss) in Bayern sagen würde.**) Er sollte auch zugleich sehen, ob es Illuminaten in Berlin gebe, was sie für ein System haben,***) (!?) allenfalls das Unsere etablieren (1?) und uns ächte Grade bringen und bewirken, dass unsere Mutter Loge Royal-York an den von jedem Maurer jährlich einzusenden- den 3 fl. 2 nachlassen und dann uns einen District vom Pofluss bis an die Sau einräumen, nachdem jede Loge die 7 Filialen hat, selbst Mutterloge ist.

Nun hat sich Constanzo an einen echten Maurer, den ge- heimen Schreiber des Königs gewendet, und dieser ist ein Spitz- bube geworden und hat dem König alles entdeckt; der König hat ihn also unter Bedrohung, nach Spandau zu liefern, eiligst aus Berlin geschafft, und da retirierte er sich in ein 3 Stunden von Berlin gelegenes Märktl und als er auf unsere Aufforderung noch weiteres über diese Gegenstände zu korrespondieren suchte, musste er sich eilends aus dem Preussischen Lande entfernen, sonst hätte ihm der König den Kopf zwischen die Füsse ge- legt (!?)f), und nun sitzet er zu Aachen ohne Geld, und wir sind verraten. (!??)tf)--

Mandl erzählt nun weiter, dass er aus dem Protokoll habe an Constanzo einen Brief schreiben müssen, er solle zurück-

•) Hier findet sich die Vorbereitung auf die später verstärkte Behaup- tung, dass die Illuminaten vergiften.

••) Gemeint ist der Länderauslausch.

    • •) Das musste doch selbstverständlich das Geheime Kapitel längst wissen;

was för ein System hätten denn Illuminaten besitzen sollen, doch nur das von ihnen ausgegebene!

f) Der König schrieb aber dem Grafen Seeau, die Ausweisung berühre die Ehre Constanzos nicht, — und dann köpfen?? —

ff) Unter den Präsentes zählt Mandl aber Constanzo auf.

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kehren, das Geld würde ihm geschickt; ein zweiter Brief wurde an Sonnenfels in Wien gerichtet, des Inhalts, der Lander- tausch sei in Preussen kund, dass man den König als contra- dictor mutmasse und deswegen in Wien sehr behutsam sein müsse.*)

Von dieser Zeit gefiel es ihm angeblich nicht mehr im Orden, er besuchte weder Logen noch Illuminatenversamm- lungen, versagte den Beitrag, bis man ihm mit Suspension drohte. Jetzt begehrte er seine Entlassung, die ihm endlich nach vielen angeblichen Versuchen, ihn zurückzuhalten, gegeben wurde. Er sagt dann weiter über das System des Illuminaten- ordens: es besteht kürzlich darin, so viel Glieder anzuwerben, und zwar in allen Fächern, dass ausser einem Mitglied von ihnen keiner zu einträglichen und Ehrenstellen kommt, mittels der angeworbenen Medicarum (Ärzte) und Apotheker auch jene aus dem Weg zu räumen, welche diesen Absichten hinderlich sind, mittels der angeworbenen Geistlichkeit denen Leuten glauben zu machen, dass nur dieses Laster und Tugend sei, was sie Laster und Tugend nennen. (1?)

Durch die angeworbenen Domherrn Bischöfe (l?)zu machen, die in quemcumque casum mit ihren votis eine ihnen beliebige Reichsveränderung verursachen und dass also unter einem nur den Namen tragenden Oberhaupt nur ihre Absichten in Er- füllung gebracht und all übrige, so sich nicht zu ihnen schlagen, oder von ihnen aus Geld, Vernunft oder Freundemangel ver- worfen werden, kriechen müssen.--

Aus vorstehendem sieht man, dass in Mändels Einbildung strebende Menschen ungeheuer leicht zu Schurken umgewandelt werden können. Er sucht nun in unklarer Darstellung durch Behauptungen den Beweis zu ersetzen für seine Aussagen, bringt eine interessante Wechselgeschichte vor und schiesst dann wieder nachfolgenden Pfeil ab:

>Der erste Antrag welchen Serenissimo gegen Verwendung der Jesuiten Güter zum Maltheser Orden gemacht wurde, rührt von den Illuminaten her, und diesen Entwurf machte ein da- maliger Jesuit-Deputations Kanzellist, Schwager des Professor Baaders, den er nicht zu nennen weiss, (?!) und Pro-

  • ) Was von diesen Dingen zu halten ist, wurde weitläufig bereits be-

wiesen. [322] — 335 —

fessor Baader cum suis arbeitete ihn aus dem Rohen in das Reine.« —

Dieser Pfeil musste jedenfalls verletzen, nach dem Rezept: »Verleumde nur frisch darauf los, etwas bleibt immer kleben 1,« weil Carl Theodor diese Malteserzunge aus den konfiszierten Gütern des aufgehobenen Jesuitenordens nur zu dem Zweck bildete, um Günstlinge, Favoritinnen und seine unehelichen Kinder zu versorgen, anstatt die Gelder für Schulzwecke zu ver- wenden, wie allgemein erwartet wurde. —

Als Mandl nach dem Stand und Aufbewahrungsort der Ordenskasse gefragt wird, über die der Kanonikus Hertel als Ordensschatzmeister sehr genaue und wahre Angaben in einem Bericht, auf den wir noch näher eingehen werden, gibt, versteigt er sich zu nachfolgenden Angaben:

Die Illuminaten Cassa sowohl, als das Archiv hat sich gleich nach dem ersten churfürstl. Verboth, das die Maurer und Illuminaten bestrafe, da sie auseinander gehen sollen, flüchten müssen.*) Beides war eine Zeitlang bey Widmann in Arding, bey Fischer Stadtober Richter in Ingolstadt, bey Bassus in Sandersdorf, bey Bellet zu Straubing, bey Wolfegg in Augsburg und endlich beim jungen Grafen Seinsheim,**) (!?) welcher es vor 2 Jahren bey dem grössten Schnee mit dem Grafen Wolfegg nach Salzburg in die Hände des Domherrn Grafen Spaner und Hofrath Gillapzky transportierte, welche Deponent selbsten am Freytag nach dem Aschermittwoch anno 1785 nachts um halb 8 Uhr damit begegnet sind. Dessen Wagen mit grossen, schweren Kästen hint und vorn beladen, so, dass sich der Schlitten, worauf, es gebunden war, vast geborsten hat, und sie machten ihm noch darüber Zeichen, dass er sie nicht verrathen möchte.

Die Stärke der Casse belangend, kenne Deponent theils in, theils ausser Land zu den hiesigen Kirchen gehörig, 6000 Illu- minaten***) aus Schriften, eingeloffenen Briefen, und auch einige persönlich.

  • ) Vergleiche die nachfolgenden Aussagen Hertels.
    • ) Er nennt alle möglichen Namen, nur den wirklichen Ordensschatz-

meister Hertel nicht.

      • ) Unverschämte Lüge, da der Orden noch nicht 3000 Mitglieder umfasste.

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Wenn man nun annimmt, dass jeder für acception einen Ducaten, für das Zeichen 3 fl. und für die introduction 25 fl. nebst dem dass jeder von 1779—82, wo er ausgetretten ist, monathlich 50 X bezallen haben müssen, so wirft sich schon eine grosse Summe*) heraus, wenn man nun weiteres annimmt, dass unter 6000, wenigstens 2000 Freymaurer sein müssen,

---, (Zwischensätze unwesentlich) —, dass also jeder von

diesen 2000, den Lehrling grad mit 50 fl., 3 fl. für Logenzeichen und 2 ü Wachs, den Meistergrad mit 25 fl. und 2 & Wachs und noch darüberhin 7 fl. bezallet hat, so wird addendo mit der Illuminaten Cassa eine ungeheure Summe herauswerfen, welche sich seit seinem Austritt durch wiederholte Auf- nahmen und grad Erteilung noch ansehnlicher vermehrt haben muss.c--

Im weiteren Verlauf des Verhörs gibt er nach geschehener Befragung an, dass nach dem ersten Verbot die Illuminaten nur darüber gespottet, dass sie an verschiedenen Orten Zusammen- künfte gehabt hätten, schafften sich Pferde an, fuhren auswärts, hielten dort Versammlungen, natürlicherweise auch einen Frass, wobei die Professorin Baadern und ihre Töchter (1?) die Speisen auftragen mussten. Später wurden sie vorsichtiger, kamen nur nachts zusammen und verkleideten sich sogar als Frauenzimmer**) (1?) und dies geschah nicht einmal, sondern öfter. —

Den Hauptschlag führte nun Mandl, nachdem durch die bisherigen Aussagen alles gut vorbereitet war, nach der ihm ge- stellten Frage, ob er noch etwas von den Handlungen anzu- geben weiss, durch nachfolgende Aussage:

»Hätte, als er sich wegen seiner kranken Tochter zum Professor Baader verfügte und dort um Rath fragte, 15 bis 18 Personen in 2 Zimmer, 3 aber ihm nicht mehr erinnerlich vornen am Fenster ohngefehr haec formalia äusserst gemustert,

•) Wenn diese Angaben wahre gewesen wären, so hatte der Orden an Auf- nahmegeldern 6000 Dukaten = Mk. 57,600, an Einführungsgeldern und Insignien 6000 ä 28 fl. =- 168000 fl. und an Beiträgen monatlich 50 Kreuzer »jährlich 6 fl. = 36000 fl. jährlich eingenommen, Summen, die in damaliger Zeit min- destens den fünffachen Wert von heute haben und schon deswegen als normale Einkünfte unwahrscheinlich sind.

    • ) Woher Mandl das nur alles weiss, da er doch 1782 schon ausge-

treten war. [324] — 337 —

wahrgenommen, das Ding hat doch in Zweybrück gut reussirt; denn den Abend wo ein gewisser schrieb, »das Überschickte hat guet reussiret« starb auch der Prinz. Ihm schauderte vor dem Ausdruck und gienge davon, weill er ohnehin nichts mehr da zu machen hatte.«--

Dieser Prinz war der Erbprinz von Zweibrücken, Sohn des Karl August, durch dessen Tod der Bruder des letzeren, Maxi- milian Joseph, der spätere erste König von Bayern, Herzog der Pfalz und Nachfolger des Kurfürsten wurde. Der plötzliche Tod des Prinzen am 21. August 1784 hatte zu dem Gerücht Veran- lassung gegeben, er sei vergiftet worden. Natürlich konnte nur das aqua tofana der Illuminaten dieses Verbrechen bewerkstelligt haben, und dieser Verdacht sollte unbedingt erregt werden. Die Illuminaten sollten sich das Recht über Leben und Tod ihrer Mitglieder vorbehalten haben, dazu brauchten sie das Gift, so- wie zur Racheausübung gegen andere Personen. Mandl schob ein ähnliches Vergehen auch den sämtlichen Freimaurern zu und sagte:

> Belangend aber das jus vitae et necis ist dieses für einen Illuminaten kein neuer Vortrag, denn alle Freymaurer Logen auf Gottes Erdboden exerciren das jus gladii und haben sogar ihre Kerker um denen nach ihrem System fehlenden den Pro- zess zu machen, und der grösste Prinz, sowie der geringste j Bürger wird so aufgenohmen, dass, wenn man ihn fraget, ob er , das Licht sehen wolle, und ihm der erste Oberaufseher die i Binde von den Augen abnihmt, ein Feuer aus einer mit Kalkstein \ gefüllten Maschine mit denen Worten anblasset — »sie transit | gloria mundi« — so stehen alle Brüder mit entblösstem und gegen 1 den Aufzunehmenden haltenden Degen, der erschröckliche Bruder aber sezet seinen Degen auf des Aufzunehmenden Brust, und der Meister vom Stuhle spricht diese Worte, hier siehst du alle Brüder in Waffen dich zu verteidigen, so lang du ein Mit- glied bleibst, aber auch dich zu verfolgen, wenn du einst mein- eydig werden solltest; und daher haben die Illuminaten sich viel- leicht das Römische Recht angemasst.«

Mandl wurde gefragt, ob er seine Aussagen beschwören würde. Er bejahte es und leistete den Eid am 24. August 1787 ungescheut des so leicht nachzuweisenden Meineides. Er fühlte sich sicher und setzte sogar durch nachstehende Angaben seiner

Engel, Geschichte des Illuminatenordens. 22 [325] — 338 —

Narrheit oder gemeinen Gewissenlosigkeit die Krone auf, nach- dem beim Kurfürsten der Hinweis auf den Giftmord des Prinzen guten Boden gefunden hatte und dieser mehr wissen wollte, namentlich wer die drei waren, die die Rede in betreff des jungen Prinzen hätten schiessen lassen.

»Nachdem diese 3, das Gesicht von Deponenten weck ge- wendet hatten, so können sie der Stimm, Statur und Kleidung nach, ihm so bemessen werden, dass es ohnfehlbar der Apo- theker von der Rosengasse März und Baron Montgelas gewesen seyen, welches auch dadurch bestätiget wird, dass mit Gelegen- heit der verwittweten Frauen Churfürsten Durchlcht. Reise, der Professor Baader nachthin zu Zweybrücken eine Loge und Illu- minaten Versammlung gestiftet, wozu er den Montgelas weilland hinunter kommen Hess, und zum Meister den entwichenen Kreuzer und zum Provinzialoberen den Hofmeister der herzogl. zweybrückischen Edelknaben gemacht hat, welch beide im Be- dürfnungsfall chimische producte an März und Steixner ange- wiessen worden, Deponent aber sich kaum glauben machen lassen, dass diese chimischen Producte nicht den Versand einiger Massenhauserischen Rezepte haben sollten.--

Weiteres seye nichts gewisseres, als dass, wenn S. Chur- fürstl. Durchlaucht diesem Ungeheuer nicht zuvor kommen, die Illuminaten ihre sach mit Gift und Dolch durchsetzen trachten werden, wovon ersteres durch ihre habenden medi- cos und Apotheker, 2tens aber durch ein erst im vorigen Jahr gemachten Specialauftrag, dass sich jeder in der Dult (d. i. Markt- tag) ein Stillet ankaufen und zum Gebrauch für den Orden, stets gebrauchen sollen, (!??) ganz leicht bewerkstelligt werden kann: (!??) wie sie denn wirklich einen mit derley Stilletwaaren versehenen Dultstand ganz aufgekauft haben.

Se. Churfürstl. Durchlcht. dürfen sich, so lange Illuminaten bey Churfürstl. und Kürchengelden, und solchen Plätzen auch im Ministeria sizen, überzeugt halten, dass, nachdem dieser Ländertausch diesen Herren nicht gelungen hat, selbe das Land und den Herrn in so unermässliche Schulden hineinstecken, ihre heiligste Maxime ist, dass Serenissimus selbst einen Länder- tausch*) anzutragen bemüssigt wären. Wie dann auch Kreuzer

  • ) Er wird hier erinnert, dass Karl Theodor selbst den Ländertausch sehr

ersehnte, um König von Burgund zu werden. Mandl scheint das nicht ge- wusst zu haben. [326] — 389 —

schon zu Zweybrücken mit solchen Manipulationen den Anfang gemacht hat.

Und dürfen sich S. Churfürstl. Durchl. die bisherige Scho- nung ihres Lebens nur von darum erhalten glauben, weill durch solches die Herren ihre sache bey dem Nachfolger noch mehr verschlimmert werde. Sollte den Illuminaten aber der verfluchte Streich gelingen die durchlauchtigsten Prinzen von Zweybrücken zu erst aus der Welt zu schaffen können, so bittet Deponent Sr. Churfürstl. Durchl. möchten dann auf sich wohl acht haben und auch allenfahls das durchlauchtigste zweybrückische Haus warnen oder warnen zu dürfen erlauben.

Endlich zeiget Deponent unterthanigst gehorsamst an, dass in der Stadt ein Brief rollire, den er selbst gesehen (1?) die Schrift aber nicht gekannt und dessen Formalia, die Illuminaten bedanken sich, für die Entlassung des Massenhausen, die commissarrios und jene, so zu diesen prozess geholfen haben, werden schon nach und nach mit Gift aus der Welt geschafft werden; und zwar mittels eines Pulvers, welches auf einen Brief gestreuet wird, dieser Brief wird in Gegenwart eines und des andern Commissary oder andern Illuminaten Feind geöffnet und ihm die Streuh ganz künstlich in das Gesicht gebraust werden, wodurch dann der Effect erscheinen wird. Sollte aber diesem Schröcken kein Glauben beygemessen werden wollen, so möchte man es an der unbedeitenden Kreatur auf Gottes Erdboden dem Baron Mayer in der Kaufingergasse probiren.

Deponent bittet um gute Verwahrung seiner Aussage als sonst seine Sache in den Justiz-Dicasterys*) und auch vielleicht sein Leben in grösster Gefahr stehet, beschlüsset hiermit seine Aussage und unterschreibet selbst auf nochmaliges Vorlesen eigenhändig. Theodor von Mandl.

Der Aufbau der ganzen Angelegenheit, die allmählige Steigerung der Aussagen, die schliesslich, nachdem der Kur- fürst gefangen war, sich in den nachträglichen Lügen bis zur grotesken Unverschämtheit steigern, beweisen in sich voll- kommen die Absicht, den Kurfürsten in Furcht zu erhalten. War es auch Wahnsinn, so hatte es doch Methode — und Erfolg, denn alsbald begann die inquisitorische Verfolgung nach spa- nischem Muster.

  • ) Mandl wusste, dass er dort mit seinen Lügen nicht Erfolg haben konnte.

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