Hyperion an Bellarmin LIII

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Textdaten
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Autor: Friedrich Hölderlin
Titel: Hyperion – Hyperion an Bellarmin LIII
Untertitel: oder der Eremit in Griechenland – Zweiter Band
aus: Hyperion oder der Eremit in Griechenland von Friedrich Hölderlin. Erster Band. Tübingen 1799; S. 57–61
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum: o. A.
Erscheinungsdatum: 1799
Verlag: J. G. Cotta'sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan der Seite 57 des Erstdrucks

Scan der Seite 59 des Erstdrucks

Scan der Seite 60 und 61 des Erstdrucks

Kurzbeschreibung:
Beginn des 2. Buches des II. Bandes
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Zweites Buch.

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HYPERION AN BELLARMIN.

     Ich war in einem holden Traume, da ich die Briefe, die ich einst gewechselt, für dich abschrieb. Nun schreib' ich wieder dir, mein Bellarmin! und führe weiter dich hinab, hinab bis in die tiefste Tiefe meiner Leiden, und dann, du lezter meiner Lieben! komm mit mir heraus zur Stelle, wo ein neuer Tag uns anglänzt.

     Die Schlacht, wovon ich an Diotima geschrieben, begann. Die Schiffe der Türken hatten sich in den Canal, zwischen die Insel Chios und die Asiatische Küste hinein, geflüchtet, und standen am vesten Lande hinauf bei Tschesme. Mein Admiral verliess mit seinem Schiffe, worauf ich war, die Reihe, und hub das Vorspiel an mit dem ersten Schiffe der Türken. Das grimmige Paar war gleich beim ersten Angriff bis zum Taumel erhizt, es war ein rachetrunknes schrekliches Getümmel. Die Schiffe hiengen bald mit ihrem Tauwerk aneinander vest; das wütende Gefecht ward immer enger und enger.

     [60] Ein tiefes Lebensgefühl durchdrang mich noch. Es war mir warm und wohl in allen Gliedern. Wie ein zärtlichscheidender, fühlte zum leztenmale sich in allen seinen Sinnen mein Geist. Und nun, voll heissen Unmuths, daß ich Besseres nicht wusste, denn mich schlachten zu lassen in einem Gedränge von Barbaren, mit zürnenden Thränen im Auge, stürmt' ich hin, wo mir der Tod gewiss war.

     Ich traf die Feinde nahe genug und von den Russen, die an meiner Seite fochten, war in wenig Augenbliken auch nicht Einer übrig. Ich stand allein da, voll Stolzes und warf mein Leben, wie einen Bettlerpfenning, vor die Barbaren, aber sie wollten mich nicht. Sie sahen mich an, wie einen, an dem man sich zu versündigen fürchtet, und das Schiksaal schien mich zu achten in meiner Verzweiflung.

     Aus höchster Nothwehr hieb denn endlich einer auf mich ein, und traf mich, dass ich stürzte. Mir wurde von da an nichts mehr bewusst, bis ich auf Paros, wohin ich übergeschifft war, wieder erwachte.

     Von dem Diener, der mich aus der Schlacht trug, hört' ich nachher die beiden Schiffe, die den Kampf begonnen, seien in die Luft geflogen, [61] den Augenblik darauf, nachdem er mit dem Wundarzt mich in einem Boote weggebracht. Die Russen hatten Feuer in das Türkische Schiff geworfen, und weil ihr eignes an dem andern festhieng, brannt' es mit auf.

     Wie diese fürchterliche Schlacht ein Ende nahm, ist dir bekannt. So straft ein Gift das andre, rief ich, da ich erfuhr, die Russen hätten die ganze Türkische Flotte verbrannt - so rotten die Tyrannen sich selbst aus.

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