RE:Appia via
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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1. Von Rom bis Capua (132 mp.) geben die Itinerarien (Tab. Peut. It. Ant. 108. 111. 121; Hieros. 610. 611. Geogr. Rav. IV 32. 34. V 2, vgl. CIL X p. 59) folgende Stationen: Roma – X – Bovillae (le Fratocchie) – VI – Aricia – XIIII – ad Sponsas (bei Cisterna) – III – tres Tabernae – X – Forum Appii (s. o.) – IX – ad Medias (Mesa) – X – Tarracina – XIII – Fundi – XIII – Formiae – IX – Minturnae (Traetto) – IX – Sinuessa (Mondragone) – IX – Pons Campanus – V – Urbana – IX – Casilinum – III – Capua. Die Strasse verlässt Rom durch die Porta Capena (zwischen Caelius und Aventin), von der aus ihre Meilensteine zählen (dass der erste Meilenstein der Via Appia unweit Porta S. Sebastiano gestanden habe, worauf z. B. noch Caninas ganze Berechnung der Wegedistanzen in der Nähe der Stadt beruht, ist irrig, s. Dessau Bull. dell’ Inst. 1882, 125). Etwa 3 km. vor dem Thore lag linker Hand der alte Tempel des Mars: auf eine Wiederherstellung der Appia dort (clivus Martis) durch Senat und Volk bezieht sich die Inschrift CIL VI 1270, etwa aus der ersten Kaiserzeit. Besonders in der Nähe der Hauptstadt war sie von ununterbrochenen Reihen zum Teil grosser und prächtiger [240] Grabmäler begleitet, unter denen das der Scipionen am ersten und das der Caecilia Metella am dritten Meilenstein die berühmtesten sind; die Monumente aufgenommen und reconstruiert besonders von Canina Edifizj di Roma antica vol. VI und in der Separatausgabe: La Via Appia, 2 Bde. fol. Rom 1853; vgl. auch Labruzzi Vedute di sepolcri della Via Appia, Rom ca. 1795, neu aufgelegt von A. Rem-Picci Rom 1844, fol. max. Piranesi Antichità di Roma vol. II. III. V (monumenti degli Scipioni). XI (antichità di Albano). Von Rom bis Terracina verläuft die Via Appia fast schnurgerade, bei Überschreitung des Albanergebirges (Bovillae-Aricia) hat man bedeutende Steigungen nicht gescheut, um nicht zur Umgehung des Gebirges gezwungen zu sein. Weiter tritt die Appia in das pontinische Gebiet. Dass sie noch zur Zeit des Lucilius am Abhange der Volskerberge (über Cora, Norba und Setia) entlang geführt gewesen sei, wird widerlegt durch die Auffindung des Meilensteins von Mesa mitten in den Sümpfen, welcher nur ca. 50 Jahre nach der Anlage der Via Appia gesetzt, das älteste Denkmal der Appia und des römischen Strassenbaus überhaupt ist (Hülsen Röm. Mitt. 1889, 83. 84). In der pontinischen Ebene war die Strasse begleitet von einem Canal, auf dem sich auch mittels Treidelschiffen der Personenverkehr zum grossen Teil bewegte, s. Strab. V 233: πλησίον δὲ τῆς Ταρρακίνης βαδίζοντι ἐπὶ τῆς Ῥώμης παραβέβληται τῇ ὁδῷ τῇ Ἀππίᾳ διῶρυξ ἐπὶ πολλοὺς τόπους πληρουμένη τοῖς ἑλείοις τε καὶ τοῖς ποταμίοις ὕδασι· πλεῖται δὲ μάλιστα μὲν νύκτωρ, ὥστ' ἐμβάντας ἀφ' ἑσπέρας ἐκβαίνειν πρωίας καὶ βαδίζειν τὸ λοιπὸν τῇ ὁδῷ, ἀλλὰ καὶ μεθ' ἡμέραν. ῥυμουλκεῖ δ' ἡμιόνιον. Vgl. Hor. sat. I 5, 3ff. Die eigentliche Sumpfstrecke von Forum Appii nach Tarracina hatte eine Länge von 19 römischen Meilen (Decennovium, s. d.). Bei Tarracina ist der schroff ins Meer fallende Vorsprung des Monte S. Angelo (Pesco Montano genannt) senkrecht um 120 römische Fuss (36 m.) abgesprengt, um der Strasse Raum zu schaffen; eine der bedeutendsten Leistungen römischer Strassenbautechnik, wohl erst aus der Kaiserzeit (CIL X 6849). Jenseits Terracina führt die Strasse in grossem Bogen an den Abhängen des Gebirges, um das sumpfige Terrain des Lago di Fondi zu vermeiden, überschreitet den Apennin, umgeht aber den Mons Massicus auf dem Umwege über Sinuessa. Mit der Via Appia waren verbunden oder kreuzten sich in dem behandelten ersten Abschnitt die Via Ardeatina, Setina, Domitiana (s. d.); Seitenstrassen gingen ferner von Bovillae nach Antium (von neueren via Antiatina genannt, Westphal Römische Kampagna 36f.) und von Minturnae zur Verbindung mit der Via Latina nach Teanum (Itin. Ant. p. 121. Tab. Peut.). Über den ersten Teil der Via Appia vgl. Chaupy Maison d’Horace III 365–461. R. C. Hoare Classical tour I 81–148. Angelini und Fea I monumenti più insigni del Lazio distribuiti in vie, P. I Via Appia, Rom 1828. Westphal Römische Kampagna 17f. 26–72. L. Rossini Viaggio pittoresco da Roma a Napoli, Roma 1839. Nibby Delle vie antiche im Anhang zu Nardinis Roma Antica (1820) IV 119–135 und Dintorni di Roma² III 522–559. P. Andrae Via Appia, dens historie [241] og mindesmaerker, 2 Bde. Kopenhagen 1882. C. Bohnsack Die Via Appia von Rom bis Albano, Wolfenbüttel 1886. Reiches und wertvolles Material über den der Stadt zunächst gelegenen Tract der Via Appia enthält auch de Rossis Roma Sotteranea, bes. Bd. III 626–633. Meilensteine CIL X 6812–6880, vgl. p. 1019. 2. Von Capua nach Benevent führt die Appia über (VI mp.) Calatia (Maddaloni) – VI – Novae (Arienzo) – IX – Caudium (Montesarchio) – XI – Beneventum. Von wem diese Verlängerung angelegt ist, steht nicht fest, jedenfalls nicht vor der Sendung der Colonie nach Benevent (268 v. Chr.), aber auch vermutlich nicht viel später. Meilensteine dieses Abschnittes s. CIL IX 5980–5997 = X 6908–6925. Über die Vicinalstrassen in Campanien s. Beloch Campanien 20f. 3. Von Benevent nach Brundisium (202 mp.) sind die Stationen nach den Itinerarien (Tab. Peut. It. Ant. p. 111. 120; Hieros. 610. Geogr. Rav. IV 33 p. 876. 35 p. 283 P.): Beneventum – IIII – Nuceriola – VI – ad Calorem – V – Aeclanum (Mirabella) – XVI – sub Romula – XI – Aquilonia (Lacedogna) – VI – Pons Aufidi (Ponte Venere) – XVIII – Venusia (Venosa) – XXXV – Silvium (Garagnone bei Spinazzola) – XIII – Blera – XIIII – sub Lupatia – XIII – ad Canales – XIII – Tarentum – X – Mesochorum – X – Uria (Oria) – VIII – Scamnum – XV – Brundisium. Auch von dieser Strecke ist ungewiss, wann sie angelegt worden sei. Dass schon um 190 v. Chr. die grosse Landstrasse nach Unteritalien über Venusia geführt habe, schliesst man aus dem Fragment einer Rede des C. Gracchus bei Gell. X 3, 5. Strabon unterscheidet (VI 282) zwischen der für Wagenverkehr geeigneten (ἁμαξήλατος μᾶλλον) Strasse über Tarentum (der eigentlichen Appia) und dem kürzeren aber beschwerlicheren Wege über Herdoniae, Canusium, Caelia, Gnathia (welch letzterer später zur Via Traiana [s. d.] ausgebaut wurde). Zwischen Benevent und Aquilonia scheint in älterer Zeit die Appia durch das Thal des Ufito und direct über die Berge von von Trevicum gegangen zu sein (Meilenstein eines Consuls Lepidus aus dem 2. oder 1. Jhdt. v. Chr. CIL X 6073. Horat. sat. I 5, 80), wogegen in der Kaiserzeit der weitere aber bequemere Weg über Aeclanum ausgebaut wurde. Von Hadrian wurde letzterer bereits restauriert, wie die Inschrift mehrerer zwischen Benevent und Aeclanum gefundenen Meilensäulen (CIL IX 6072. 6074. 6075) beweist, wonach die Via Appia auf eine Länge von 15 750 Schritt aus einem Beitrage von 1 157 000 Sesterzen von seiten des Kaisers, 569 000 Sesterzen von den anliegenden Grundbesitzern wiederhergestellt worden ist. Übrigens verlor die Via Appia in der späteren Kaiserzeit an Bedeutung, nachdem der Verkehr mit dem östlichen Teil der Halbinsel mehr über die Via Traiana, mit dem westlichen über die Via Herculia geleitet wurde. Doch ist auch die letzte Strecke der Via Appia (Tarentum – Brundisium) noch von Constantin um 315 wiederhergestellt worden (CIL IX 6076. 6077). Als Werk über die gesamte Via Appia ist immer noch einzig F. M. Pratilli Della via Appia riconosciuta da Roma a Brindisi, Napoli 1745, leider voller unzuverlässiger Angaben und Fälschungen, s. E. Gesualdo Osservazioni critiche [242] sopra la storia della V. A. di D. F. M. Pratilli, Napoli 1754. Mommsen CIL X p. 373. |