RE:Aule 4
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| Bd. II,2 (1896), Sp. 2401–2402 | |
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[2402] Α. heisst bei Homer auch das ländliche, rings von einer Mauer umgebene Gehöft, Od. XIV 5 (so auch lateinisch aula, Prop. IV 13, 39), sonst μέσσαυλον (oder –ος?). So war auch das Blockhaus des Achilleus rings von einem Hofe umgeben, Il. XXIV 452. Dass dies auch bei den Anaktenhäusern, namentlich in der Ebene, manchmal der Fall war, ist eben deshalb wahrscheinlich, und auch beim Hause des Odysseus ist es nicht ausgeschlossen, wenn auch nur von dem vor dem Hanse liegenden Teil der α. die Rede ist. Auch in der attischen Blütezeit gehört zum Hause die davorliegende α. So war sie bei dem gewiss bescheidenen Hause des Sokrates (Plat. Protag. 311 a) und bei Lysias I 17; man betrat sie durch die αὔλειος θύρα und kam aus ihr durch die μέταυλος (später μέσαυλος) θύρα (s. d.) in die eigentlichen Wohnräume. Beide Thüren werden oft erwähnt, z. B. Lysias a. O., vgl. auch Plat. symp. 212 c. d. Bei Plat. Protag. 314 e ff. hat der Hof des Kallias wenigstens auf der Eingangs- und Rückseite Säulenhallen (ob auch seitwärts, bleibt zweifelhaft), also ganz ähnlich wie bei Homer. Auch der Altar behauptete seinen Platz, Plat. rep. I 328 c. Harpocr. s. ἕρκειος Ζεύς. Eust. Od. 1930, 26. Indem die Säulenhallen ganz herum geführt und ringsam Wohn- und Wirtschaftsräume angelegt wurden, wurde die α. aus einem Vorhofe zu einem Binnenhofe, zum περίστυλον, peristylium, der Andronitis des von Vitruv VI 9 (7) beschriebenen Palastbaues, welches dann mit letzterem Namen auch dem italischen Atriumhause angefügt wurde. Auch den Peristylien der Andronitis und Gynaikonitis kam der Name α. zu; daher die sie verbindende Thür μεσαύλιος; vgl. auch Vitr. VI 9 (7), 5. Ein zweiter Hof als Mittelpunkt der Gynaikonitis ist schon in Tiryns. Da bei reicherer Entwicklung des Hausbaues die α. immer mehr der Mittelpunkt der ganzen Anlage wurde, so wurde α. Bezeichnung eines grossen und reichen Hauses, namentlich des Königspalastes. So schon Hom. Od. IV 74, und später oft, namentlich bei Dichtern, aber auch wiederholt bei Polybios, z. Β. V 26, 9. Auch lateinisch wird aula in diesem Sinne gebraucht, ganz wie bei uns ‚Hof‘, s. die Lexica. Bei Hor. ep. I 1, 87 ist aula eine uneigentliche, griechisches und römisches vermischende Bezeichnung des Atrium: das Atriumhaus hat keinen Hof; der ländliche Hof heisst cohors. Litteratur s. unter Haus. |