RE:Crux
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Band IV,2 (1901), Sp. 1728–1731 | |||
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In republicanischer Zeit erscheint die Strafe zunächst allerdings nur als schwere Strafe für Sclaven, wie sie denn auch in der Folge recht eigentlich das servile supplicium (so z. B. Tac. hist. IV 11. Hist. Aug. Avid. Cass. 4, 6) geblieben ist; in dieser Anwendung erwähnen sie z. B. Plaut. mil. glor. 359; Mostell. 55. Liv. XXII 33. Cic. pro Cluent. 187; Verr. V 12; pro Mil. 60. Val. Max. VIII 4, 2. Auch die Anwendung der Strafe auf freie Nichtrömer scheint, namentlich im provincialen Regiment und gegenüber Räubern, nichts Bedenkliches zu haben, Cic. Verr. V 7. 28. 71ff. Val. Max. VI 3. 5. Joseph. bell. Iud. II 271ff. Suet. Caes. 71; dagegen wird die Kreuzigung römischer Bürger als etwas durchaus Unerhörtes bezeichnet, Cic. pro Rabir. 16; Verr. I 7. V 12. 162ff. Suet. Galb. 9; vgl. Val. Max, II 7, 12. In der Kaiserzeit ist die Kreuzigung zunächst ebenfalls servile supplicium und trifft den Sclaven mehrmals, wo den Freien leichtere Strafe trifft, Hadr. (Ulp.) Coll. I 6. 4. Paul. V 22, 1. 25, 1 (vgl. Ulp. Dig. XLVIII 19, 1, 1). Ulp. Dig. XLVIII 10, 8. Apul. met. X 12. Petron. 53, 3. 126, 10; namentlich bei schweren Vergehen gegen den Herrn (Nachstellung, Denuntiation), Senec. de clem. I 26, 1. Hist. Aug. Pertin. 9, 10. Herod. V 2. Paul. V 21, 4. Lactant. inst. V 19. Constant. Cod. Theod. IX 5, 1. Sodann wird die Strafe numnehr auch gegenüber Freien, Nichtbürgern und Bürgern, minder bedenklich angewendet; mehrmals wird sie ohne Rücksicht auf den Stand des Thäters allgemein angedroht, häufiger allerdings auf humiliores (Gegensatz: honestiores) beschränkt; decuriones sollen überhaupt nicht gekreuzigt werden, Ulp. Dig. XLVIII 19, 9, 11; ebensowenig Soldaten, sofern sie nicht transfugae sind, Mod. Dig. XLIX 16, 3. 10. Tarrunt. Pat. Dig. XLIX 16, 7. Paul. Dig. XLVIII 19, 38, 1. Diocl. u. Maxim. Cod. Iust. IX 41, 8. Hist. Aug. Opil. 12, 2; die Strafe gilt als besonders schmachvoll, Arnob. I 36. Lactant. inst. I V26 (infame genus supplicii, quod etiam homine libero qaumvis nocente videatur indignum). Die Verbrechen, für welche Freien Kreuzigung angedroht wird, [1730] sind: Tötung und Raub, Paul. V 23, 1. Callistr. Dig. XLVII1 19, 28, 15. Evang. Marc. 15, 27. Senec. ep. I 7, 5. Iuven. VIII 187. Joseph. bell. Iud. II 253. Petron. 111, 5. Firm. Mat. math. VIII 22; Übergang zum Feind und Hochverrat, Paul. Dig. XLVIII 19, 38, 1; Anstiftung zu Aufruhr (auctor seditionis) Paul. Dig. XLVIII 19, 38, 2. Joseph. ant. Iud. XX 129, hieher auch die Kreuzigung Christi; sacrilegium Ulp. Dig, XLVIII 13, 6 pr.; falsum Paul. V 25, 1. Firm. Mat. math. VI 31 u. a. Häufige Anwendung hat die Kreuzigung in den Christenprocessen gefunden, vgl. z. B. Tertull. apol. 31; ad mart. 4. Constantin hat die Kreuzesstrafe abgeschafft, Cassiod. hist. trip. I 9. Aurel. Vict. Caes. 41. Sozom. hist. eccl. I 8, jedenfalls nicht vor dem J. 314, in welchem er sie selbst noch anordnet, Cod. Theod. IX 5, 1. In den iustinianischen Rechtsbüchern ist das Wort crux aus Pietät vor dein Zeichen des Erlösers regelmässig in furca abgeändert; dies macht wahrscheinlich, dass an Stelle der Kreuzigung eine andere Strafe (furca) in Anwendung kam, jetzt wahrscheinlich eine Strafe des Erhängens, bei der weder die Form des Gerüstes, noch die Stellung des Opfers den Gedanken an das Kreuz Christi aufkommen liess, so wohl das vinctis post tergum manibus suspendere bei Ammian. Marc. XV 7, 4 und das ἀνασκολοπίζειν bei Procop. hist. arc. 17; vgl. Isid. orig. V 27, 34 suspensum et strangulatum exanimat. Der Vollziehung der Kreuzigung geht die Geisselung des Verurteilten voraus, Cic. Verr. V 162ff. Jos. bell. Iud. II 308. Er wird entkleidet, Artemid. oneirocrit. II 61 und die Evangelien. Die für den Act der Kreuzigung selbst gebräuchlichen Wendungen sind in crucem agere, tollere, ἀνασταυροῦν, cruci affigere, suffigere; damit ist gegeben, dass der Gekreuzigte in die Höhe gehoben wird, und, irgendwie befestigt, in der Höhe hängt; wesentlich ist weiter ein Aufhängen zu langsamen Tod. Im übrigen scheint die Strafe zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten und je nach der Laune des Schergen verschiedene Formen angenommen zu haben, Senec. ad Marc. de cons. 20, 3. Jos. bell. Iud. V 449ff. Ursprünglich wurde wohl einfach ein Baum oder ein ad hoc in die Erde gerammter Balken oder Pfahl (crucem figere bei Verr. V 12. 169, crucem statuere bei Suet. Galb. 9 u. a.) benutzt, wie denn auch mit crux die Bezeichnungen palus (Cic. Verr. V 11) und stipes (Senec. de vit. beat. 19, 3) abwechseln; darauf führt auch der griechische Name des Kreuzes, σταυρός = aufrecht stehender Pfahl, Eustath. zu Hom. Od. XIV 11. Hesych. s. σταυροί (σταυροί – πάντα τὰ ἑστῶτα ξύλα), vgl. Curtius Grundzüge der griech. Etym.³ 200. Jedenfalls ist nicht erwiesen und höchst unwahrscheinlich, dass das Kreuz notwendig, immer und überall, die uns heute geläufige und bei den Kirchenvätern beschriebene Form Litteratur. Cobet Adnot. crit. ad Charit., Mnemosyne VIII (1859) 275–279. Wächter De crim. incend. (1833) 13–17: Beil. z. Vorlesg. üb. deutsch. Strafr. 66. 67. Geib Lehrb. d. deutsch. Strafr. I 62, 113. Zestermann Bildl. Darstellg. d. Kreuzes u. Kreuzigung, Progr. d. Thomasschule in Leipzig 1867. 1868. Stockbauer Kunstgesch. des Kreuzes. 1870, 17–51. –Daude De cap. poen. iur. Iust. (1871) 56–61. Fulda Kreuz und Kreuzigung (1878). Mommsen Geschichte der Todesstrafe im röm. Staat, Cosmopolis I (1896) 135ff. |