Seemannstreue
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- [12] Seemannstreue
- Nafikare necesse est.
- Meine längste Braut war Alwine.
- Ihrer blauen Augen Gelatine
- Ist schon längst zerlaufen und verwest. –
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5Alwine sang so schön das Lied:
- „Ein Jäger aus Kurpfalz“.
- Wie Passatwind stand ihr der Humor.
- – Sonntags morgens wurde sie bestattet
- In der Heide, wo kein Bäumchen schattet,
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10Und auch ihre Unschuld einst verlor.
- Donnerstags grub ich sie wieder aus.
- Da kamen mir schon ihre Ohrlappen
- So sonderbar vor.
- Freitags grub ich sie dann wieder ein.
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15Niemand sah das in der stillen Heide. –
- Montags wieder aus. Von ihrem Kleide,
- Das man ihr ins Grab gegeben hatte,
- Schnitt ich einer Handbreit gelber Seide,
- Und die trägt mein Bruder als Krawatte. –
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20Gruslig war's: Bei dunklem oder feuchten
- Wetter fing Alwine an zu leuchten.
- Trotzdem parallel zu ihr verweilen
- Wollt ich ewiglich und immerdar.
- Bis sie schließlich an den weichen Teilen
-
25Schon ganz anders und ganz flüssig war.
- [15] Aus. Ein. Aus; so grub ich viele Wochen.
- Doch es hat zuletzt zu schlecht gerochen.
- Und die Nase wurde blauer Saft,
- Wodrin lange Fadenwürmer krochen. –
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30Nichts für ungut: das war ekelhaft. –
- Und zuletzt sind mir die schlüpfrigen Knochen
- Ausgeglitten und in lauter Stücke zerbrochen.
- Und so nahm ich Abschied von die Stücke.
- Ging mit einem Schoner nach Iquique,
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35Ohne jemals wieder ihr Gebein
- Auszugraben. Oder anzufassen.
- Denn man soll die Toten schlafen lassen.
