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55 du verwandtest dein Leben auf Weisheit
und nanntest Vernunft deine Mutter[1].

56 Deshalb habe ich dir dies gezeigt, denn es giebt einen Lohn bei dem Höchsten. — Nach dreien Tagen ’aber‘[2] will ich weiter mit dir sprechen und dir schwierige[3] und wunderbare Dinge erklären.

Schluß.

57 So ging ich von dannen und wandelte durch das Gefilde, voll Lob und Preis gegen den Höchsten, um der Wunder willen, die er zu seiner Zeit[4] ’wirkt‘[5]: 58 er regiert ja die Stunden, und was in den Stunden geschieht[6]. So blieb ich dort drei Tage.


Siebentes Gesicht.
Die Wiederherstellung der heiligen Schriften.
Das Gebot, diese Gesichte geheim zu halten.

1 Am dritten Tage, als ich unter einer Eiche saß, 2 siehe, da kam eine Stimme aus einem Dornbusch[7] mir gegenüber hervor; die sprach: Esra, Esra! Ich sprach: Hier bin ich, Herr! Und ich erhob mich und trat auf meine Füße. Da sprach er zu mir:

3 Ich habe mich schon einmal am[8] Dornbusch offenbart und habe zu Moses geredet, als mein Volk in Ägypten dienstbar war. 4 Damals habe ich ihn ausgesandt, ’habe‘[9] mein Volk aus Ägypten geführt und es dann an[10] den Berg Sinai gebracht. Daselbst behielt ich ihn viele Tage bei mir[11];

5 ich teilte ihm viel Wunderbares mit,
zeigte ihm die Geheimnisse der Zeiten,
und ’wies ihm‘[12] das Ende der Stunden[13].

Dann habe ich ihm also befohlen: 6 Diese Worte sollst du veröffentlichen, jene geheimhalten[14].

7 Nun aber sage ich dir:

8 Die Zeichen, die ich dir offenbart,
die Träume, die du gesehen,
und die Deutungen, die du gehört,

die bewahre in deinem Herzen!

Ankündigung der Entrückung.

9 Du aber sollst aus den Menschen entrückt werden und wirst fürderhin[15] bei meinem Sohn[16] und bei deinen Genossen verweilen[17], bis die Zeiten um sind.

10 Denn die Welt hat ihre Jugend verloren,
die Zeiten nähern sich dem Alter.

  1. Spr. 7,4.
  2. Vgl. zu 6,8; Syr autem.
  3. βαρύς = כָּבֵד.
  4. Lat per tempus = κατὰ καιρόν (Volkmar).
  5. ἐποίει verlesen für ποιεῖ (Volkmar). Oder Mißverständnis des Ps. עָשָׂה.
  6. Lat et quae sunt in temporibus inlata = καὶ ὅσα ἐν τοῖς καιροῖς φέρεται = וַאֲשֶׁר בָּאוּ בָעִתִּים.
  7. Ex. 3,4.
  8. Lat super rubum = ἐπὶ τῆς βάτου (Hilg.). Ar² in Sina monte.
  9. Lat S A Aeth Arm eduxi, Syr Ar¹.² eduxit.
  10. Vgl. 3,17.
  11. Ex. 34,28.
  12. Syr (Aeth Ar¹.² Arm) et ostendi.
  13. Diese „Geheimnisse der Zeiten“ sind der Inhalt der Geheimtradition über Mose; vgl. die Assumptio Mosis.
  14. Vgl. die Erzählung Dt. 5. Das Offenbarte ist nach dem Verf. die Tora, das Geheimgehaltene die apokalyptische Tradition.
  15. τὸ λοιπόν (Volkmar).
  16. Hieraus geht hervor, daß der Christus eine himmlische (präexistierende) Größe ist; um so mehr sollte sein Titel „Mensch“ auffallen.
  17. ἀναστρέφεσθαι.
Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gunkel (Übersetzer): Das vierte Buch Esra. Mohr Siebeck, Tübingen 1900, Seite 398. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DasVierteBuchEsraGermanGunkelKautzsch2.djvu/68&oldid=2236993 (Version vom 7.09.2014)