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deren ja so viele unter den Eingeborenen und sind mir immer als der eine Fremde erschienen, der wirklich Fühlung mit den Chinesen hatte. Sie kannten Palastbeamte, Zensoren, Gildenhäupter. Literaten, während so manche andere Europäer beinah einen gewissen Stolz hineinsetzten, von den Kindern des Landes möglichst wenig zu wissen. Jetzt ist es mir ein Trost, mich daran zu erinnern, daß Sie auch unter den Mongolen, die jeden Herbst nach Peking ziehen, Freunde hatten, und unter den Händlern, die die fernen Provinzen durchstreifen, um für reiche Sammler berühmten alten Vasen nachzuspüren. Von all diesen Leuten erhielten Sie stets Nachricht von Dingen, die anderen verborgen blieben, und Sie haben gewiß die Ursachen und das Entstehen dieser neuesten Begebenheiten, die uns als plötzliche Erscheinungen überraschen, lange im voraus gekannt. Sie sind ja vielleicht der einzige Europäer, der China so gut kennt, daß Sie spurlos in den Volksmassen untertauchen könnten – den Strickland Chinas hatten Kipling-Schwärmer Sie einstmals genannt. Wenn irgend einer, mußten Sie sich retten können.

Wenn ich doch aber nur eine Silbe von Ihnen hörte!

Ach, dies fortwährende Grübeln und Sehnen – dies Wissenwollen und doch Zittern vor dem Wissen.

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/222&oldid=1213642 (Version vom 26.08.2010)