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nach dem Staatsstreich offenbar wahre Sagenkreise gebildet haben. »Ob wir an den Fortbestand Chinas glaubten? Ob es zu einer Aufteilung kommen würde? Ob Li Hung Tschang wirklich in russischem Solde stände? Welchen Mächten die Kaiserin zuneige?« Wir suchten uns aus all den verfänglichen Fragen herauszuziehen, indem wir wiederholten, daß wir ja keine Diplomaten, sondern einfache Privatleute seien – aber es war schwer, diese professionellen Frager los zu werden. Schließlich ließen wir durch Ta jedem neuen Besucher sagen, daß wir von der Reise sehr müde seien und niemand mehr sehen könnten. Da hörten wir denn durch die Tür, wie sie nun mit Ta ein Kreuzverhör anstellten. Besonders wollten sie wissen, wie ihm New York gefalle, was ja immer die erste Frage ist, die Amerikaner stellen. Ta entwickelte wieder die größte Ruhe und würdevolle Zurückhaltung, indem er antwortete, er sei ja eben erst bei Nacht angelangt und habe noch nichts erblicken können, es schiene ihm aber, daß die Amerikaner noch nicht viel Leute aus fremden Ländern gesehen hätten.

Heute Morgen stand ich ganz früh auf, setzte mich ans Fenster und sah die große Stadt erwachen. Wir wohnen im achten Stock, die Menschen unten in der Avenue sehen wie Ameisen aus, und

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/41&oldid=1196737 (Version vom 11.08.2010)