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dabei sind wir noch nicht auf der halben Höhe des Hotels. Über seinem letzten Stockwerk ist eine Terrasse angelegt, ein sogenannter Dachgarten, wo man in den heißen Sommernächten Musik hören, kalte Getränke einnehmen und ein bißchen kühle Brise einatmen kann. Auf mehreren der höchsten Gebäude der Stadt, den achtzehn, zwanzig und noch mehr Stockwerke hohen Himmelskratzern, sind solche Vergnügungslokale errichtet – hell erleuchtet, scheinen sie nachts wie unbewegliche Ballons im dunkeln Himmel zu hängen. Von unsern Fenstern aus haben wir einen schönen weiten Blick auf die Fünfte Avenue und die Dreiunddreißigste Straße, bis auf das Wasser des East River, auf dem früh noch nächtlicher Nebel lagert. Das Astorsche Haus, uns unmittelbar gegenüber, das ich vor Jahren so massiv und prächtig fand, ist längst überflügelt durch die neuesten Riesenbauten. Aus dem bläulichen Morgendunst tauchen sie auf wie Werke eines neuen Geschlechts, voll noch ungeahnter Möglichkeiten, wie die Schlösser künftiger Märchen, gigantisch, himmelstürmend und schön in ihrer Art, weil sie so vollkommen zweckentsprechend sind.

Das erste, was ich heute tat, war, mich mit der Ausschmückung meines äußeren Menschen zu beschäftigen, denn ach, im Sonnenlicht westlichster Zivilisation besehen, erscheint meine chinesische

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/42&oldid=1196736 (Version vom 11.08.2010)