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| Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen |
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Über diese römische offizielle Sammlung sibyllinischer Orakel sind wir verhältnismäßig nicht schlecht unterrichtet. Sie stand unter der Aussicht eines eigenen, sehr vornehmen Kollegiums, der decemviri, seit Sulla quindecimviri, sacris faciundis; diese hatten die Bücher zu Rate zu ziehen, sobald der Senat infolge von Unglücksfällen oder erschreckenden Wunderzeichen dies anordnete. Diesen praktischen Zwecken entsprachen nämlich die Orakel: sie hatten gar keine Ähnlichkeit mit den jetzt vorhandenen Sibyllinen, sondern die Form war diese: wenn dies geschieht, dann nehmt die und die Expiationen vor. Warnungen und Mahnungen mögen, neben einfachen Prophezeiungen des Zukünftigen, auch die vor Alters in Griechenland umlaufenden Sibyllensprüche gegeben haben; aber diesen in Rom gebrauchten merkt man es sofort an, daß sie für das besondere Bedürfnis des römischen Staates fabriziert waren, nur insofern den alten ähnlich, als auch sie die Prädikate „ungeziert und ungesalbt“ verdienen (Diels). Es ist uns nämlich, bei dem Historiker Phlegon in seinem Buche wundersamer Geschichten, ein im J. 125 v. Chr. zur Verwendung gekommenes sibyllinisches Orakel erhalten, indem zwar die Sammlung als solche ein Staatsgeheimnis war, aber die Veröffentlichung einzelner Stücke nach Befinden des Senats unbedenklich geschehen konnte. Die Echtheit dieses Orakels in dem Sinne, den das Wort „Echtheit“ hier haben kann, ist von H. Diels in seinem Buche: „Sibyllinische Blätter“ (Berlin 1890) glänzend erwiesen worden. Charakteristisch und nach römischen Begriffen gleichsam ein Siegel der Echtheit und Unverfälschtheit ist darin die bereits von Cicero an den Sibyllinen hervorgehobene akrostichische Form: der erste Vers des Spruches kann, wie an seinem Platze von links nach rechts, so außerdem von oben nach unten gelesen werden, indem die Anfangsbuchstaben sämtlicher Verse ihn bilden. |
Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 178. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/02&oldid=1959552 (Version vom 24.02.2013)