Seite:Die Edda (1876).djvu/296
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
| Anonym: Edda |
|
|
|
|
Von Hermodhr aber ist zu sagen, daß er neun Nächte tiefe dunkle Thäler ritt, so daß er nichts sah bis er zum Giöllfluße kam und über die Giöllbrücke ritt, die mit glänzendem Golde belegt ist. Modgudr heißt die Jungfrau, welche die Brücke bewacht: die fragte ihn nach Namen und Geschlecht und sagte, gestern seien fünf Haufen todter Männer über die Brücke geritten, „und nicht donnert sie jetzt minder unter dir allein, und nicht hast du die Farbe todter Männer: warum reitest du den Helweg?“ Er antwortete: Ich soll zu Hel reiten, Baldur zu suchen. Hast du vielleicht Baldurn auf dem Helwege gesehen? Da sagte sie: Baldur sei über die Giöllbrücke geritten; „aber nördlich geht der Weg hinab zu Hel.“ Da ritt Hermodhr dahin bis er an das Helgitter kam: da sprang er vom Pferde und gürtete ihm fester, stieg wieder auf und gab ihm die Sporen: da setzte der Hengst so mächtig über das Gitter, daß er es nirgend berührte. Da ritt Hermodhr auf die Halle zu, stieg vom Pferde und trat in die Halle. Da sah er seinen Bruder Baldur auf dem Ehrenplatze sitzen. Hermodhr blieb dort die Nacht über. Aber am Morgen verlangte Hermodhr von Hel, daß Baldur mit ihm heim reiten solle, und sagte, welche Trauer um ihn |
Empfohlene Zitierweise:
Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876. Seite 288. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/296&oldid=943298 (Version vom 19.12.2009)