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Noch ein Fall aus derselben Stadt[1]. Im Jahre 1880 wurde im Auftrage des preußischen Kronprinzen die dort unter dem Altare der Marienkirche sich befindende Gruft durch einen Regierungsbauführer aufgesucht und aufgefunden und dann neu und würdig wieder hergestellt. Nach kurzer Zeit jedoch hörte man schon die folgende Sage, daß nämlich Ende der siebziger Jahre ein gewaltiger Blitz in die Kirche eingeschlagen und eine Gruft mit mehreren Särgen, darunter auch den des Markgrafen Hans, freigelegt habe. Auch in neuerer Zeit, und da vielleicht erst recht, können literarische Einflüsse die Bildung von Sagen bewirken. So ist z. B. außer Herders aus dem Dänischen 1779 übersetzten Ballade „Erlkönigs Tochter“ keine andere direkte Quelle für das bekannte Goethesche Gedicht „Erlkönig“ (1782) bekannt. Nun begegnet man aber neuerdings in Kapellen in der Provinz Antwerpen folgender Sage[2] „vom Ritter mit seinem Kinde und dem Könige des Erlengebüsches“: Ein mächtiger Ritter bewohnte ein schönes, prächtiges Schloß. Er hatte ein fünfjähriges Söhnchen, das er zärtlich liebte. Einst stieg der Ritter zu Pferde, er wollte durch seine Felder und Wälder reiten. „Vater, laß mich mitgehn“, schmeichelte der Kleine. Und weil er seine blauen Guckaugen so hübsch zum Vater emporhob, nahm ihn der Ritter und setzte ihn mit auf den Sattel. Wie froh war der Junge! Er schwatzte, lachte und jauchzte beständig. Nach langem Reiten kamen sie an den Rand eines Erlengehölzes, wovon ein Ast ihnen mit seinen Zweigen den Weg versperrte. Der Vater brach einen Zweig ab und ritt langsam weiter. Bald darauf |
Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/37&oldid=1139988 (Version vom 12.06.2010)