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| Molière übersetzt von Wolf Graf von Baudissin: Die erzwungene Heirath |
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Dorimene. Das versteht sich, Ihr könnt mir’s glauben; denn wahrhaftig, mein Vater hat mich bis jetzt auf die verdrießlichste Weise kurz gehalten. Schon seit Gott weiß wie lange bin ich außer mir gewesen, daß er mir so wenig Freiheit ließ, und habe mich hundertmal nach einer Heirath gesehnt, um nur bald von dem Zwang erlöst zu werden, und meinen eigenen Willen haben zu dürfen. Ihr seid, Gott Lob, recht zur glücklichen Stunde gekommen, und nun denke ich an Nichts, als wie ich mir gute Tage machen und das Versäumte nachholen will. Da Ihr ein galanter Mann seid und Lebensart habt, so hoffe ich, wir werden ganz gut mit einander auskommen, und Ihr werdet nicht zu den unbequemen Männern gehören, die von ihren Frauen verlangen sie sollen wie Hausunken leben. Ich muß Euch sagen, daß mir das gar nicht anstehen würde, und daß die Einsamkeit mir sehr zuwider ist. Ich liebe das Spiel, die Visiten, die Bälle, die Tischgesellschaften und die Spazierfahrten, mit einem Wort, alle Vergnügungen, und Ihr könnt Euch glücklich schätzen, eine Frau von meiner Gemüthsart zu bekommen. Wir werden nie Streit mit einander haben; ich will Euch in Nichts hinderlich sein, und erwarte dagegen daß Ihr mir ebenfalls alle Freiheit lassen werdet; denn ich bin der Ansicht, daß man gegenseitig nachsichtig sein, und sich nicht verheirathen soll, um Einer dem Andern das Leben schwer |
Molière übersetzt von Wolf Graf von Baudissin: Die erzwungene Heirath. S. Hirzel, Leipzig 1866, Seite 316. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_erzwungene_Heirath-Moli%C3%A8re-Baudissin-1866.djvu/12&oldid=1852093 (Version vom 26.07.2012)