Seite:Flach Der deutsche Professor.djvu/019

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aber fragen, wie ist es möglich, dass jugendliche Studenten im Frohsinn ihres Spiels zu so anmassenden und absprechenden Urtheilen kommen, da sie doch naturgemäss unfähig sind, die Wissenschaftlichkeit jener Professoren zu beurtheilen? Giebt es hierfür eine andre Erklärung, als dass sie diese Urtheile in Vorlesungen, Seminarübungen, Gesellschaften u. s. w. von anderen Professoren aufgeschnappt haben? Wohin gelangen wir, wenn eine solche Impietät gegen die Lehrer einreisst, die ihre Kraft, ihren Fleiss und ihre Geistesgaben daran setzen, um den Schülern etwas tüchtiges beizubringen?

In früheren Zeiten herrschte wenigstens nur eine naive und derbe Grobheit, die in weit geringerem Grade einen entsittlichenden Einfluss ausübte. Wenn die Geschichte wahr ist, die von der Heidelberger Universität erzählt wird, dass ein Professor ein Buch in die Vorlesung mitbrachte, dasselbe in eine Ecke warf, und erklärte: „Dies Buch ist so dumm, dass es mein College Y. geschrieben haben könnte“ (beiläufig lebte Y. an derselben Universität) – so kann dies doch nur eine heitere Wirkung ausgeübt haben. Aber heute wird die Bedeutung eines Collegen durch systematisches Angreifen, malitiöse Bemerkungen, vernichtendes Kritisiren, immer das Gegentheil für das Richtige erklären – langsam untergraben, und der Professor in jeder Beziehung schwer geschädigt.

Nun ist ja die Freiheit der Wissenschaft das höchste Gut der Hochschulen, und derjenige würde
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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/019&oldid=1255699 (Version vom 16.10.2010)