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Specht, Friedrich, Tier- u. Landschaftsmaler, älterer Bruder August’s, geb. zu Lauffen am Neckar am 6. Mai 1839. Auf der Kunstschule zu Stuttgart gebildet. Als Illustrator zoologischer Werke bekannt. Lebt in Stuttgart.

I. Oelgemälde.

1. Affenfamilie. – Berl. int. KA. 91.
2. Beendeter Hirschkampf. – Stuttg. int. KA. 91; Berl. int. KA. 91.
3. Elch im Kampf mit Wölfen. Abb. „Meisterw.“ I.

II. Zeichnungen.

1. 2. Sauhetze; Hirschhetze, je h. 0,58, br. 0,75. – Wiener int. KA. 82.
3. Mondlandschaft mit Fasanen. Kohlez. – Münch. int. KA. 83.
4. Gefahr in Verzug. Rehbock mit drei Ricken im Waldtal. Abb. „Illustr. W.“ 1895.
5. Jagd mit Elefanten auf Tiger. Abb. „Illustr. W.“ 1896.
6. Hirschziegen-Antilopen auf der Flucht. Abb. „Gartenlaube“ 1897.
7. Feind in Sicht. Löwe u. Löwin von einer Anhöhe Ausschau haltend. Bez: F. Specht. Abb. „Illustr. W.“ 1898.

Speckter, Erwin, Historienmaler, älterer Bruder Otto’s, geb. zu Hamburg am 18. Juli 1806, gest. daselbst am 23. Nov. 1835, war schon früh durch den Maler Heinrich Herterich u. 1822 durch den aus Italien heimkehrenden Baron Rumohr zu Kunstübungen angeregt worden, die Erwin in Gemeinschaft mit seinem Freunde Julius Milde eifrig fortsetzte. Von tiefem Eindruck wurde auf die Kunstjünger Overbeck’s „Einzug Christi in Jerusalem“, der 1824 in der Hamburger Marienkirche Aufstellung fand. 1825 begaben die Freunde sich über Bamberg u. Nürnberg nach München, wo Cornelius sich freundlich ihrer annahm. In München begann Erwin infolge eines Hamburger Auftrags das Oelgemälde „Christus u. die Samariterin am Brunnen“, sah sich aber im Spätherbst 1827 zur Rückkehr nach Hamburg veranlasst, wo er in Begleitung seines Landsmanns Julius Oldach nach einer gemeinsamen Schweizer- u. Rheinreise eintraf. Hier vollendete er 1828 die „Sameriterin“, malte 1829 die „Heiligen Frauen am Grabe“ u. brachte die Wanddecorationen aus dem Psyche-Mythos im Sieveking’schen Landhause zum Abschluss. Im Sept. 1830 reiste er mit seinem Freunde Louis Asher über Berlin, Dresden u. Nürnberg nach München, das er, bereits asthmatisch leidend, am 18. Oct. erreichte. Nach Besichtigung der neuesten Münchener Monumentalwerke, namentlich der Glyptothekfresken, brach er in Begleitung Asher’s am 10. Nov. nach Italien auf. Ende 1830 war er in Venedig u. ging im Januar 1831 nach Rom, das, mit Ausnahme von Studienreisen, bis zum Sommer 1834 sein wesentlicher Aufenthalt blieb. Im Mai 1832 unternahm er mit Bernh. Neher u. Ernst Meyer einen Ausflug nach Neapel, von dem er im Juli nach Rom zurückkehrte. Im Sommer 1834 erhielt Speckter von dem ihm befreundeten Hamburger Baumeister Chateauneuf die Aufforderung, ein Zimmer des von ihm hergestellten Prachtbaues für Dr. Abendroth mit Fresken zu schmücken. Mit Freuden ergriff der Künstler die Aufgabe u. traf schon im Sept. in Hamburg ein, wo alle Vorbereitungen eiligst getroffen wurden. Mit grösster Anstrengung arbeitete er an den Cartons, deren er drei grosse gezeichnet, eines aber nur „Minerva mit dem Pegasus“ als Gemälde vollendet hat. Bei Ausführung des zweiten Fresco verliessen ihn die Kräfte.

Ueber seinen Aufenthalt in Italien hat Erwin Speckter uns in seinen Briefen ein wertvolles Denkmal hinterlassen. Sie erschienen, herausgegeben von seinem Schwager Prof. Wurm, unter dem Titel: „Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien“ 1846 in 2 Bänden.

I. Oelgemälde.

1. Die Bilder seiner Eltern, 1822 gemalt. E: Frau Otto Speckter.
2. Familienbild, 1825 gemalt. E: Samml. zur Gesch. der Malerei in Hamburg, gestiftet von Frau Otto Speckter.
3. Christus u. die Samariterin am Brunnen, 1828 gemalt. E: Frau Otto Speckter. – Hamb. KA. 29; Hamb. A. a. Privatbesitz 79.
4. Die drei Marien am Grabe. Der auf dem Grabrande sitzende Engel deutet mit einer Hand in das Grab, mit der andern nach oben. Bez: 18 ES 29. Rund, Durchm. 0,51. E: Kunsthalle Hamburg, Geschenk der Frau Dr. Kramer geb. Hugues 1862.
5. Bildniss einer Albanerin mit einem Wasserkrug. Bez: ES pinx. Roma 1831. h. 0,87, br. 0,75.
6. Bildniss einer Römerin. Seitenstück des Vorigen. Bez: Erwin Specter pinx. Roma 1832.
5 u. 6 E: Kunsthalle Hamburg, Vermächtn. der Frau Hermine Wurm geb. Speckter (gest. 1851), Schwester des Künstlers, 1852.
7. Simson u. Delila. Der Held liegt mit seinem geschorenen Haupte im Schos der Buhlerin. Bez: Erwin Spekter inven. et pinx. Roma Anno 1834. h. 1,09. br. 1,29. E: Städt. Museum Leipzig, angek. aus dem Nachlasse Baron Rumohr’s 1845. – Münch. KV. 34; Hamb. KA. 35.
8. Bildniss Gottfried Semper’s (1833). – Dresd. Semper-A., Sept. 92.
9. Italienischer Studienkopf. h. 0,285, br. 0,23. E: Dr. H. Schleiden. – Hamb. A. a. Privatbesitz 79.

II. Wandgemälde.

1. Wandmalereien im Landhause des Svndicus Dr. Sieveking.
a) Deckenbild: Amor bändigt die Elemente.
b) Wandgemälde: Darstellung der Tageszeiten in der Natur.
c) Schlussbild: Amor hält Psyche umschlungen (Apotheose der Liebe).
2. Wandmalereien in einem Zimmer des neuerbauten Dr. Abendroth’schen Hauses. Von den drei fertigen grossen Cartons wurde nur der eine: „Minerva, die von den Gratien den Pegasus empfängt“ von Erwin Speckter selbst al fresco ausgeführt.
Empfohlene Zitierweise:
Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts – Zweiter Band. Fr. v. Boetticher’s Verlag, Dresden 1898/1901, Seite 776. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Malerwerke_des_neunzehnten_Jahrhunderts_Zweiter_Band.pdf/781&oldid=- (Version vom 28.12.2023)