Topographia Braunschweig Lüneburg: Brunckensen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
 
Wechseln zu: Navigation, Suche
Topographia Germaniae
Brunckensen (heute: Brunkensen)
<<<Vorheriger
Bruchhausen
Nächster>>>
Closter Brunshausen
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 60–62.
Siehe auch: Wikipedia-logo.png Lippoldshöhle
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Brunkensen in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite
[60]
Brunckensen / sampt der Lippoldshöhl.

Das Gut Brunckensen ist ein Adelicher Ansitz / im Fürstenthumb Braunschweig Wolfenbüttel / welches die von Wrisberg / Anno 1393. von den beyden Gebrüdern / Herrn Heinrichen vnd Gebharden / Edlen Herren von Homburg / welche die Letzten deß Geschlechts gewesen / an sich gebracht. [61] Es ligt dieses Gut in einer Grund/ ist vmbher/ sonderlich nach Norden und Westen mit hohen Gebürgen vnd Wäldern vmbgeben.

Oberhalb dem Lippelsholl entspringt auß harten Steinen ein gut Forellenbach/ die Glehne genant/ treibet etzliche Mühlen/ laufft durch das Dorff Brunckensen nacher Brunichausen/ vnd bey Dehnsen in die Leine.

Dieser der von Wrisberg Adelicher Sitz vnd Kirche/ seyn mit einem Wassergraben vmbgeben/ worüber zwo Brücken gehen/ vnd haben die von Wrisberg an die von ihren Vorfahren erbawete Kirche/ Anno 1607. einen von grund auff gemauerten Thurn/ mit Schieffersteinen gedeckte Spitzen/ auch hernacher ein Pfarrhauß/ pia devotione auß ihren Mitteln new erbawen lassen.

In denen zu bemeltem Gut Brunckensen gehörigen Holzungen/ befinden sich viele hohe sehr harte Steinfelsen/ vnter denen eine/ die Lippelshöhle genant/ welche vor vielen hundert Jahren von einem Räuber vnd Mörder/ mit Nahmen Lippold/ wunderlich/ vnd mit großer Arbeit ausgehawen/ vnd zu einem vesten wunderbaren Raubnest gemacht worden: vnd hat sich dieser Erzrauber/ sampt seinen Dienern und Pferden/ darin auffgehalten/ weit und breit herumb gestreifft/ was sie geraubet/ sampt den Gefangenen/ durch die vmbgebene Wildnussen/ Gebürge und Holzungen/ zu dieser Höhle geführet/ vnd soll also/ durch angelegte Tortur/ vnd begangenen Mordthaten/ viel Geld erzwungen/ mit gefangenen Weibsbildern Kinder gezeuget/ die Kinder aber vmgebracht haben.

Diese Lippelshöhle ist ein überauß harter Steinfeld/ ligt nach Mittags werts in einem beschlossenen Berge/ oben mit grossen Büchen Bäumen bewurzelt/ vorne reicht diese Steinklippe herfür gegen Norden/ vnd ist selbige Seite 80. Fuß breit/ vnd 50. Fuß hoch/ darin außgehawen gefindlich die Küche/ Gefängnuß/ vnd ein langer niedriger Gang/ welcher gehet biß an die Ecke deß von orient herfür gehenden Steinfelsen/ worin der Rauber Lippold seine Stube und Cammer gehabt/ die Küche hebet sich an von der rechten Hand deß Steinfelsen/ ist an die runde 12. Fuß hoch/ darin ein tieffer Brunn gewesen/ welcher aber nach der Zeit zugeworffen worden/ Auß der Küchen kompt man zur lincken Hand/ durch einen niedrigen Gang/ zu einem Loch/ da steiget man mit einer Leiter hinauff/ zu einem außgehawenen Gewölbe/ welches 6. Fuß in die länge und breite/ auch zehenthalb Fuß in die höhe hat/ woselbsten der Räuber seine Gefangene angeschlossen gehabt/ Ausserhalb deß bemelten Gewölbes hat gehangen eine eiserne Thür 6. Fuß hoch/ vnd vierthalb Fuß breit/ davon anjetzo noch ein eiserne Thürhacke verhanden.

In vorbemeltem Loch/ vnter dem Gefängnuß/ kriechet man in diesem Felsen/ durch einen niedrigen finstern Gang/ an die 70. Fuß lang/ zu den beyden Gewölben/ welche in die beyden Ecke oder Flanquen deß Steinfelsen/ so gegen occident stehen/ gehawen/ woselbsten in der fordersten Klippen/ welche außwerts 20. Fuß breit/ der Lippold seine Stube/ und in der andern/ so hinter dieser hervor gehet/ die Schlaffkammer gehabt/ die Stube ist inwendig 16. Fuß lang/ 14. breit/ vnd 8. Fuß hoch/ hat vorne gegen Westen eine Thür/ und 2. Fenster/ oder Schießlöcher/ wovon die rudera noch zu sehen/ daß dieselbe mit eysern Gittern/ in Bley gegossen/ auch mit Rieglen wol versehen gewesen/ auß selbiger Stube kriechet man durch einen niedrigen Gang/ von 14. Fussen/ in die andere Ecke deß Steinfelsen/ zu der Schlaffkammer/ welche 8. Fu0 lang/ 6. Fuß breit/ vnd 7. Fuß hoch ist/ darin ist auch gegen Abend ein länglich Schießloch/ auß welchen drey Löchern und Seiten deß Steinfelsen/ bemelter Rauber seine ganze Höhle beschiessen/ vnd in acht nehmen können. Ausserhalb bemelter Höhle vnd Steinfelsen/ hat der Lippold eine Mauer auffgeführet/ vnd inwendig mit Balcken belegt gehabt/ das die annoch im Felsen verhandene Löcher [62] außweisen / wie üer dem annoch verhandenem gemauertem / aber mit Erden überschüttetem Keller / ein Pferdestall / vnd darüber noch drey Boden oder Wandelung / jede achthalb Fuß hoch gewesen / also / daß der Lippold auß seiner Stuben und Küchen vnten zum Keller vnd Pferdestall / wie auch oben zu den Gefangenen / vnd andern Böden kommen können.

Das vorder von Steinen und Kalck auffgemauert gewesene Gebäw / foll vor Jahren seyn weggerissen / auch die eyserne Hacken und Riegel / sampt dem Bley / herauß gebrochen / vnd weggenommen / daß also jetzo nicht mehr / als bemelte in den sehr harten Steinfelsen gehawene Gewölbe vng Gänge noch zu sehen seyn.


Persönliche Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge