Topographia Braunschweig Lüneburg: Brunckensen
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Brunckensen / sampt der Lippoldshöhl.
Das Gut Brunckensen ist ein Adelicher Ansitz / im Fürstenthumb Braunschweig Wolfenbüttel / welches die von Wrisberg / Anno 1393. von den beyden Gebrüdern / Herrn Heinrichen vnd Gebharden / Edlen Herren von Homburg / welche die Letzten deß Geschlechts gewesen / an sich gebracht. [61] Es ligt dieses Gut in einer Grund/ ist vmbher/ sonderlich nach Norden und Westen mit hohen Gebürgen vnd Wäldern vmbgeben. Oberhalb dem Lippelsholl entspringt auß harten Steinen ein gut Forellenbach/ die Glehne genant/ treibet etzliche Mühlen/ laufft durch das Dorff Brunckensen nacher Brunichausen/ vnd bey Dehnsen in die Leine. Dieser der von Wrisberg Adelicher Sitz vnd Kirche/ seyn mit einem Wassergraben vmbgeben/ worüber zwo Brücken gehen/ vnd haben die von Wrisberg an die von ihren Vorfahren erbawete Kirche/ Anno 1607. einen von grund auff gemauerten Thurn/ mit Schieffersteinen gedeckte Spitzen/ auch hernacher ein Pfarrhauß/ pia devotione auß ihren Mitteln new erbawen lassen. In denen zu bemeltem Gut Brunckensen gehörigen Holzungen/ befinden sich viele hohe sehr harte Steinfelsen/ vnter denen eine/ die Lippelshöhle genant/ welche vor vielen hundert Jahren von einem Räuber vnd Mörder/ mit Nahmen Lippold/ wunderlich/ vnd mit großer Arbeit ausgehawen/ vnd zu einem vesten wunderbaren Raubnest gemacht worden: vnd hat sich dieser Erzrauber/ sampt seinen Dienern und Pferden/ darin auffgehalten/ weit und breit herumb gestreifft/ was sie geraubet/ sampt den Gefangenen/ durch die vmbgebene Wildnussen/ Gebürge und Holzungen/ zu dieser Höhle geführet/ vnd soll also/ durch angelegte Tortur/ vnd begangenen Mordthaten/ viel Geld erzwungen/ mit gefangenen Weibsbildern Kinder gezeuget/ die Kinder aber vmgebracht haben. Diese Lippelshöhle ist ein überauß harter Steinfeld/ ligt nach Mittags werts in einem beschlossenen Berge/ oben mit grossen Büchen Bäumen bewurzelt/ vorne reicht diese Steinklippe herfür gegen Norden/ vnd ist selbige Seite 80. Fuß breit/ vnd 50. Fuß hoch/ darin außgehawen gefindlich die Küche/ Gefängnuß/ vnd ein langer niedriger Gang/ welcher gehet biß an die Ecke deß von orient herfür gehenden Steinfelsen/ worin der Rauber Lippold seine Stube und Cammer gehabt/ die Küche hebet sich an von der rechten Hand deß Steinfelsen/ ist an die runde 12. Fuß hoch/ darin ein tieffer Brunn gewesen/ welcher aber nach der Zeit zugeworffen worden/ Auß der Küchen kompt man zur lincken Hand/ durch einen niedrigen Gang/ zu einem Loch/ da steiget man mit einer Leiter hinauff/ zu einem außgehawenen Gewölbe/ welches 6. Fuß in die länge und breite/ auch zehenthalb Fuß in die höhe hat/ woselbsten der Räuber seine Gefangene angeschlossen gehabt/ Ausserhalb deß bemelten Gewölbes hat gehangen eine eiserne Thür 6. Fuß hoch/ vnd vierthalb Fuß breit/ davon anjetzo noch ein eiserne Thürhacke verhanden. In vorbemeltem Loch/ vnter dem Gefängnuß/ kriechet man in diesem Felsen/ durch einen niedrigen finstern Gang/ an die 70. Fuß lang/ zu den beyden Gewölben/ welche in die beyden Ecke oder Flanquen deß Steinfelsen/ so gegen occident stehen/ gehawen/ woselbsten in der fordersten Klippen/ welche außwerts 20. Fuß breit/ der Lippold seine Stube/ und in der andern/ so hinter dieser hervor gehet/ die Schlaffkammer gehabt/ die Stube ist inwendig 16. Fuß lang/ 14. breit/ vnd 8. Fuß hoch/ hat vorne gegen Westen eine Thür/ und 2. Fenster/ oder Schießlöcher/ wovon die rudera noch zu sehen/ daß dieselbe mit eysern Gittern/ in Bley gegossen/ auch mit Rieglen wol versehen gewesen/ auß selbiger Stube kriechet man durch einen niedrigen Gang/ von 14. Fussen/ in die andere Ecke deß Steinfelsen/ zu der Schlaffkammer/ welche 8. Fu0 lang/ 6. Fuß breit/ vnd 7. Fuß hoch ist/ darin ist auch gegen Abend ein länglich Schießloch/ auß welchen drey Löchern und Seiten deß Steinfelsen/ bemelter Rauber seine ganze Höhle beschiessen/ vnd in acht nehmen können. Ausserhalb bemelter Höhle vnd Steinfelsen/ hat der Lippold eine Mauer auffgeführet/ vnd inwendig mit Balcken belegt gehabt/ das die annoch im Felsen verhandene Löcher [62] außweisen / wie üer dem annoch verhandenem gemauertem / aber mit Erden überschüttetem Keller / ein Pferdestall / vnd darüber noch drey Boden oder Wandelung / jede achthalb Fuß hoch gewesen / also / daß der Lippold auß seiner Stuben und Küchen vnten zum Keller vnd Pferdestall / wie auch oben zu den Gefangenen / vnd andern Böden kommen können. Das vorder von Steinen und Kalck auffgemauert gewesene Gebäw / foll vor Jahren seyn weggerissen / auch die eyserne Hacken und Riegel / sampt dem Bley / herauß gebrochen / vnd weggenommen / daß also jetzo nicht mehr / als bemelte in den sehr harten Steinfelsen gehawene Gewölbe vng Gänge noch zu sehen seyn. |