Verselets à mon premier né
[161]
O mein lieb Kindelein, wahr Bild vom Vater deine,
Schlaf an dem Busen, den dein Mund gepreßt!
Schlaf, Kleinchen, ein und schließ auf Mutterschoos das kleine
Süß Aeugelein im süßen Schlummer fest.
Aeuglein den Schlaf, der nicht mehr ist für mich.
Ich wach’ um dich zu schaun, zu nähren, zu behüten,
Wie süß ist mirs zu wachen nur für dich.
Schlaf ein mein Kindelein, mein Heiligthum und Sorge,
Wenn ich noch nicht dem Laute deines Wortes horche,
Entzückt mich doch dein Lächeln oft genug.
O mein lieb Kindelein, etc.
Wirst lächeln mir vielleicht, mein Kleinod, beym Erwachen,
Wirst lächeln meinem freudevollen Blick,
Schon kann, daß du mich kennst, der deine kund mir machen,
Wie? dein weiß Händchen läßt die Brust auf einmal fahren,
Wo erst nach Lust geschöpft dein Mündelein?
Mein süßes Minnepfand, du mußt sie niemal sparen,
nie schöpfst du gnug nach dem Verlangen mein.
Mein Sorge, meine Liebe, liebstes Kind!
Schau immer dich, schau dich mit nimmersatten Blicken,
Zu kurz dafür nur Tag und Nacht mir sind.
[162]
O mein lieb Kindelein, etc.
Streckt seine Aermchen aus, der Schlaf will ihn umfangen,
Sein Auge schließet, - rührt nicht mehr - schläft ein -
Schien er nicht in des Todes Arm zu seyn?
Halt ein mein liebes Kind - ich schaudre durch die Glieder -
Ermuntre dich - scheuch einen schlimmen Wahn!
Sohn - einen Augenblick - o sieh das Licht doch wieder,
Ein süß Versehn, er schlief - gnug - meine Pulse gehen
Grüßt, leichte Träume, seinen Schlummer fein. -
Wann werd ich ihn, um den mein Herze seufzt, sich sehen
An meiner Seiten seins Erwachens freun?
Wann wird dich sehen, der das Daseyn dir gegeben,
Ja schon zu sehn vermeyn’ ich es mit Wonnebeben,
Wie du die Hände reichst zu ihm hinan.
Wie wird dein Schmeicheln ihn, dein allererstes, laben!
Wird meinen Küssen streitig machen dich.
Behält wohl eben auch so viel für mich.
Wie wird er sich in dir sein Bild zu schauen weiden,
Sein großes Feueraug und doch so mild,
Die edle Stirn, und die selbst Liebe könnte neiden,
Dieß seine Mienen, Züg’, all was mir kann gefallen,
Des Auges Feur und seiner Wangen Ros’;
Und warum staunen? konnt er anders als in allem
Er selbst jemals entblühen meinem Schoos?
Kann eifersüchtig je ich seyn auf sein Verlangen,
Mach einer Gattin Glück, Freund, gleich wir er; doch bangen
Und schmachten laß sie nicht so lang nach dir.
Ich sprech und hörst mich nicht - Was sag ich? unbesonnen!
Er hörte mehr nicht, wär’ er ganz erwacht.
Sind deine Gedanken noch nicht losgemacht.
Wir waren allesammt wie du zu dieser Weile,
Zu bald bricht traurige Vernunft den Traum;
In diesem Frieden ach, wo möglich ist, verweile;
O mein lieb Kindelein, etc.
[161]
O cher enfantelet, vray pourtraict de ton pere,
Dors sur le seyn, que ta bouche a pressé!
Dors, petiot; cloz, amy, sur le sein de ta mère,
Tien doulx oeillet, par le somme oppressé.
Gouste ung sommeil, qui plus n’est fait pour moy!
Je veille pour te veoir, te nourrir, te défendre -
Ainz qu’il m’est doulx ne veiller que pour toy!
Dors, mien enfantelet, mon soulcy, mon idole!
Ne m’esjouit encor le son de ta parole,
Bien ton soubriz cent fois m’aye enchanté.
O cher enfantelet etc.
Me soubriraz, amy, dez ton réveil peut-estre;
Tu soubriraz à mes regards joyeulx…
Jà prou m’a dict le tien, que me sçavoiz cognestre,
Quoy! tes blancs doigtelets abandonnent la mamme,
Ou vingt puyzer ta bouschette à playzir! … !
Ah! dusses la seschier, cher gage de ma flamme,
N’y puyzeroiz au gré de mon dezir.
Cher enfançon, mon soulcy, mon amour!
Te voy toujours; te voy et veulx te veoir encore:
Pour ce trop brief me semblent nuict et jour.
[162]
O cher enfantelet etc.
Estend ses brasselets; s’espand sur lui le somme;
Se clost son oeil; plus ne bouge — il s’endort -
Ne le diriez dans les bras de la mort? —
Arreste cher enfant! — j’en frémy toute engtiere! —
Reveille toy! chasse ung fatal propoz! —
Mon fils! — pour ung moment … ah ! — revoy la lumière!
Doulce erreur! il dormoit — c’est assez, je respire;
Songes légiers, flattez son doulx sommeil!
Ah! quand voyray cettuy, pour qui mon coeur souspire,
Aux miens costez, jouir ds son réveil?
Quand te voyra cestuy dont as receu la vie,
Oui, desjà cuyde voir ta mere aux cieulx ravie
Que tend vers luy tes innoceutes mains.
Comme ira se duysant à ta prime caresse!
Aux miens bayzers comm’ t’ira disputant!
A sa Clotilde en garde bien autant.
Qu’aura playzir, en toy de cerner son ymaige,
Ses grands yeulx vairs, vifs, et pourtant si doulx!
Ce front noble, et ce tour gracieulx d’ung vizaige
Voyla ses traicts … son ayr! voyla tout ce que j’ayme!
Feu de son oeil, et roses de son tayn …
D’ou vient m’en esbahyr? aultre qu’en tout luy mesme
Pust il jamais esclore de mon seyn?
Pour moy, des siens transports onc ne seray jalouse
Faiz amy, comme luy, l’heur d’ugne tendre espouse,
Ainz, tant que luy, ne la fasses languir!
Te parle et ne m’entends, … eh! que dis je? — insensée! —
Plus n’oyroit il, quand fust moult esveillé,
L’eachevelet n’est encor debroillé.
Tretouz avons été comme ez toy dans ceste heure; -
Triste rayzon que trop tost n’adviendra!
En la paix dont jouys, s’ est possible ah! demeure!
O cher enfantelet etc.
