Winterlied (Salis-Seewis)
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Winterlied.
1785.
Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille:
Hell wie Krystall
Der Fluren Silberhülle.
Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und roth und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.
[22] Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind’
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Flaum
Wie leichter Blüthenregen.
Tief sinkt der braune Tannenast
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nacht
Gehärtet. kracht
Der Weg von seinen Tritten.
Voll lauter blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
[23] Der Zeisig hüpft
Durch blätterlose Haine.
Wohlan! auf festgediegner Bahn
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.
