Über den nervösen Charakter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Alfred Adler
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Über den nervösen Charakter
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Vorlage:none
Herausgeber: {{{HERAUSGEBER}}}
Auflage: {{{AUFLAGE}}}
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: J.F. Bergmann
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Wiesbaden
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel:
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung: {{{KURZBESCHREIBUNG}}}
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:{{{BILD}}}|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[IA]

ÜBER DEN


NERVÖSEN CHARAKTER.


GRUNDZÜGE
EINER VERGLEICHENDEN INDIVIDUAL-
PSYCHOLOGIE UND PSYCHOTHERAPIE.


VON


DR. ALFRED ADLER
WIEN.


WIESBADEN.
VERLAG VON J. F. BERGMANN.
1912.


[III]
Inhaltsverzeichnis.




Vorwort V
Theoretischer Teil 1

Einleitung 3

I. Kapitel. Ursprung und Entwickelung des Gefühls der Minderwertigkeit und dessen Folgen 9
II. Kapitel. Die psychische Kompensation und ihre Vorbereitung 23

III. Kapitel. Die verstärkte Fiktion als leitende Idee in der Neurose 30
Praktischer Teil 61

I. Kapitel. Geiz. — Misstrauen. — Neid. — Grausamkeit. — Herabsetzende Kritik des Nervösen. — Neurotische Apperzeption. — Altersneurosen. — Formen- und Intensitätswandel der Fiktion. — Organjargon 63

II. Kapitel. Neurotische Grenzerweiterung durch Askese, Liebe, Reisewut, Verbrechen. — Simulation und Neurose. — Minderwertigkeitsgefühl des weiblichen Geschlechts. — Zweck des Ideale. — Zweifel als Ausdruck des psychischen Hermaphroditismus. — Masturbation und Neurose. — Der „Inzestkomplex“ als Symbol der Herrschsucht. — Das Wesen des Wahns 95

III. Kapitel. Nervöse Prinzipien. — Mitleid, Koketterie, Narzissimus. — Psychischer Hermaphroditismus. — Halluzinatorische Sicherung. — Tugend, Gewissen, Pedanterie, Wahrheitsfanatismus 111

IV. Kapitel. Entwertungstendenz. — Trotz und Wildheit. — Sexualbeziehungen des Nervösen als Gleichnis. — Symbolische Entmannung.— Gefühl der Verkürztheit. — Der Lebensplan der Manngleichheit. — Simulation und Neurose. — Ersatz der Männlichkeit. — Ungeduld, Unzufriedenheit und Verschlossenheit 125

V. Kapitel. Grausamkeit. —Gewissen. — Perversion und Neurose 143

VI. Kapitel. Oben-Unten. — Berufswahl. — Mondsucht. — Gegensätzlichkeit des Denkens. — Erhöhung der Persönlichkeit durch Entwertung Anderer. — Eifersucht. — Neurotische Hilfeleistung. — Autorität. — Denken in Gegensätzen und männlicher Protest. — Zögernde Attitude und Ehe. — Die Attitude nach aufwärts als Symbol des Lebens. — Masturbationszwang. — Nervöser Wissensdrang 146

VII. Kapitel. Pünktlichkeit. — Der Erste sein wollen. — Homosexualität und Perversion als Symbol. — Schamhaftigkeit und Exhibition. — Treue und Untreue. — Eifersucht 159

VIII. Kapitel. Furcht vor dem Partner .— Das Ideal in der Neurose. — Schlaflosigkeit und Schlafzwang. — Neurotischer Vergleich von Mann und Frau. — Formen der Furcht vor der Frau 169

IX. Kapitel. Selbstvorwürfe, Selbstquälerei, Bussfertigkeit und Askese. — Flagellation. — Neurosen bei Kindern. — Selbstmord- und Selbstmordideen 181

X. Kapitel. Familiensinn des Nervösen. — Trotz und Gehorsam. — Schweigsamkeit und Geschwätzigkeit. — Die Umkehrungstendenz 190

Schluss 194

Zitierte Schriften des Autors 195
[V]
Vorwort.




Nachdem ich in der „Studie über Minderwertigkeit von Organen“ (1907) den Versuch gemacht hatte, den Aufbau und die Tektonik der Organe im Zusammenhang mit ihrer genetischen Grundlage, mit ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Schicksal zu betrachten, ging ich, — gleichermassen gestützt auf vorliegende Befunde wie auf meine eigenen Erfahrungen, daran, dieselbe Methode der Betrachtung in der Pathopsychologie durchzuführen. In der vorliegenden Arbeit sind die hauptsächlichsten Ergebnisse meiner vergleichenden, individualpsychologischen Studien über die Neurosen niedergelegt.

Wie in der Organminderwertigkeitslehre ist in der vergleichenden Individualpsychologie die empirische Grundlage dazu benützt, ein fiktives Mass der Norm aufzustellen, um Grade der Abweichung daran messen und vergleichen zu können. In beiden Wissensgebieten rechnet die vergleichende Forschung mit der Herkunft des Phänomens, misst daran die Gegenwart und sucht die Linie der Zukunft aus ihnen abzuleiten. Diese Betrachtungsweise führt uns dahin, den Zwang der Entwickelung und die pathologische Ausgestaltung als das Ergebnis eines Kampfes anzusehen, der im Gebiet des Organischen um die Gleichgewichtserhaltung, um Leistungsfähigkeit und Domestikation entbrennt; die gleiche Kampfbereitschaft in der Psyche steht unter der Leitung einer fiktiven Persönlichkeitsidee, deren Wirksamkeit bis zum Aufbau des nervösen Charakters und der nervösen Symptome reicht. Wird so im Organischen „das Individuum eine einheitliche Gemeinschaft, in der alle Teile zu einem gleichartigen Zweck zusammenwirken“ (Virchow), — — bauen sich die mannigfachen Fähigkeiten und Regungen des Organismus zu einer planvoll gerichteten, einheitlichen Persönlichkeit aus, dann können wir jede einzelne Lebenserscheinung derart erfassen, als ob in ihr Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft samt einer übergeordneten, leitenden Idee in Spuren vorhanden wären.

Auf diesem Wege hat sich dem Autor dieses Buches ergeben, dass jeder kleinste Zug des Seelenlebens von einer planvollen Dynamik durchflossen ist. Die vergleichende Individualpsychologie erblickt in jedem psychischen Geschehen den Abdruck, sozusagen ein Symbol des einheitlich gerichteten Lebensplanes, der in der Psychologie der Neurosen und Psychosen nur deutlicher zutage tritt.

Die Ergebnisse einer derartigen Untersuchung am neurotischen Charakter sollen Zeugnis ablegen für Wert und Anwendbarkeit unserer Methode der vergleichenden Individualpsychologie bezüglich der Probleme des Seelenlebens.

Der Autor.
Wien, im Februar des Jahres 1912.