„Die lichten Nächte“

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: „Die lichten Nächte“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 512
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[512] „Die lichten Nächte.“ Ein Freund der „Gartenlaube“ in Waltershausen theilt uns seine Beobachtungen über eine seltene Erscheinung bei Nacht leuchtender Nebel mit, die wir im Folgenden wiedergeben. Derselbe schreibt:

„Ist wohl einem der wissenschaftlichen Naturfreunde die eigenthümliche Erscheinung aufgefallen, welche ich, um derselben nur überhaupt einen Namen zu geben, 'die lichten Nächte' nennen möchte? Ich meine nicht die bekannten hellen Nächte vor und nach der Sommer-Sonnenwende, in welchen einige den Rand unserer Atmosphäre noch erreichende Sonnenstrahlen einen schwachen Reflex bis zur Erdoberfläche gelangen lassen und bei hellem Himmel selbst der Mitternachtsstunde einen schwachen Dämmerungsschimmer verleihen; ich meine eine andere Erscheinung, welche ich, unterstützt durch meinen seit Jahren sehr unvollkommenen Schlaf, von Zeit zu Zeit, wenngleich nicht gerade häufig, beobachtet habe. Es sind dies Nächte (respective Nachtstunden), in welchen jede Quelle von atmosphärischer Beleuchtung (als Mondschein, Sonnendämmerung, Sternenlicht, Nordlicht etc.) ausgeschlossen und dennoch eine eigenthümliche, mir in ihrem Ursprunge nicht erklärliche Helligkeit über Himmelsgewölbe und Erdoberfläche verbreitet ist. – Ich will als Beispiel die letzte meiner diesfälligen Beobachtungen anführen.

Es war in der Nacht vom 6. zum 7. November 1877. Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht erwachend, nahm ich sofort das Vorhandensein der erwähnten abnormen Nachthelligkeit wahr, stand auf, um mich über die allgemeinen atmosphärischen Verhältnisse zu orientiren, und fand Folgendes: Temperatur: + 9½° Réaumur, Barometer = 766,0 Mm., Wind: lebhafter, jedoch nicht stürmischer WSW., Himmelsbedeckung: eine allgemeine, ununterbrochene, nebelähnliche Verschleierung ohne Wolkenformen, welche nicht allzu dicht zu sein schien, jedoch keinen einzigen Stern durchscheinen ließ. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft schien (ich habe kein hygroskopisches Instrument) nicht mehr als ein mittlerer zu sein. Regen hatte in den vorhergehenden wie nachfolgenden Tagen nur wenig stattgefunden. Der Mond, ohnehin eine kaum sichtbare Sichel, war seit 6 bis 7 Stunden untergegangen. (Neumond war am 5. November Vormittags 9 Uhr 30 Minuten gewesen.) Es waren demnach alle Verhältnisse gegeben, um eine sogenannte 'rabenschwarze' Nacht zu schaffen. Trotzdem war das ganze Himmelsgewölbe von einer eintönigen, blassen, an Phosphorescenz erinnernden Helligkeit in allen Richtungen und Höhen gleichmäßig bedeckt, sodaß erhabene Gegenstände, besonders Dachfirsten, in mäßigen Entfernungen, in welchen von denselben Gegenständen bei wirklich dunkeln Nächten keine Spur von Umrissen sich erkennen ließ, sich mit einer unverhältnißmäßigen Deutlichkeit hervorhoben.

Hier würde, unter den oben angeführten Verhältnissen, nur noch das Nordlicht als die etwaige Quelle der sonderbaren Nachthelligkeit anzunehmen sein, aber ich kann daran nicht glauben wegen der, wie erwähnt, nach allen Richtungen und Höhen hin vollkommen homogenen, dabei gänzlich farblosen Helligkeit. Ich beobachtete in genannter Nacht die geschilderte Erscheinung etwa zwei Stunden lang, worauf ich, da sich keine merkliche Aenderung zeigte, mich dem Schlafe überließ.

Auf Erscheinungen, wie die hier geschilderte, bin ich seit etwa fünfzehn Jahren aufmerksam geworden. Es mögen in diesem Zeitraume mir dergleichen ungefähr fünf bis sechs vorgekommen sein. Doch hat erst diese zuletzt beobachtete meine Aufmerksamkeit so weit gespannt, daß ich das Betreffende zu notiren für gut fand, was ich bei den früheren Fällen leider nicht gethan hatte.

Eine genügende Erklärung der besprochenen Erscheinung vermag ich nicht zu finden. Vielleicht zieht dieselbe das Interesse der Naturforscher auf sich.“

Wir können Obigem einstweilen nur die Bemerkung hinzufügen, daß dieselbe Erscheinung auch von Anderen bereits beobachtet worden ist, so z. B. 1743 mitten in einer Neumondnacht, wo man Gegenstände in 600 Fuß Entfernung deutlich erkennen konnte. (Humboldt's „Kosmos“ I., Seite 146.) Die Ursache ist noch, wie Plinius sehr schön von einem anderen Phänomene sagt, „in der Majestät der Natur verborgen“.