„Einberufung zur großen Armee“

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Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: „Einberufung zur großen Armee“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 776
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[776] „Einberufung zur großen Armee.“ Die Ordres des Unerbittlichen ergehen in letzter Zeit rasch nach einander an den glänzenden Kreis, welchen die Helden des „Reichs“ um den Kaiser bilden. Einer um den Andern von den Grauköpfen salutirt zum letzten Mal und marschirt zur „großen Armee“ ab. Sie stehen eben Alle in einem Alter, wo, wie im Kriege, die Jahre doppelt zählen. Das Jahrzehnt, welches seit dem großen Kriege nahezu vergangen ist, hat aus Sechszigern Siebenziger und aus Siebenzigern Achtziger und Alle „zur Einberufung fertig“ gemacht. Der Jüngsteinberufene war der vielerprobte Generalquartiermeister des deutschen Heeres.

General Eugen Anton Theophil von Podbielski gehörte bis zur Belagerung von Paris zu den hohen Officieren Preußens, deren Wirken sich dem Auge der Oeffentlichkeit entzieht, deren Namen aber innerhalb der Armee um so gewichtiger sind; sonst würde sein Kriegsherr ihm nicht in den drei Feldzügen von 1864 (in Schleswig-Holstein), 1866 und 1870 die verantwortliche Stellung eines Generalquartiermeisters – bekanntlich soviel wie die rechte Hand des Generalstabschefs – anvertraut haben. Auch um die Organisation des Norddeutschen Bundesheeres erwarb er sich anerkannte Verdienste. – Trotz alledem wurde sein Name erst allgemein, aber auch gleich weltbekannt durch die telegrafischen Kriegs- oder vielmehr Siegesberichte, die er aus dem Hauptquartier nach Deutschland sandte. Seine Telegramme sind für die Geschichte jener gewaltigen Tage Marksteine mit Lapidarschrift, so bestimmt, kurz, klar und wahr, daß sie in ihrer Art einzig dastehen. Und damit Komus in der Weltgeschichte nicht fehle, sind es nicht die Berichte über die vielen und großen Triumphe allein gewesen, die auf seinen Namen besonders aufmerksam machten, sondern der Umstand, daß er so lange Zeit „nichts Neues vor Paris“ zu berichten hatte. So ist es in der That, aber um so wohlthuender ist es auch, daß dieses Spiel des Schicksals das Andenken des Mannes nicht im Geringsten beeinträchtigt. Er steht bei den Helden des „Reichs“ und wird seine Stelle in unserer Geschichte behaupten, so lange sie selbst besteht.

Podbielski hatte fünfzehn Jahre vor der verhängnißvollen Majorsecke zugebracht und war einundvierzig Jahre alt geworden, ehe es mit seinem Avancement rascher vorwärts ging. Er wurde 1861 Oberst; in den österreichischen Krieg zog er als Generalmajor und nach Frankreich als Generallieutenant. Im Jahre 1872 wurde er zum Generalinspector der Artillerie ernannt, und im folgenden Jahre erhielt er den Rang eines Generals der Cavallerie.

Der letzte des October war auch der letzte Tag seines Lebens. Der Tod hätte fast den alten Soldaten auf dessen Morgenritte überrascht. Kaum heimgekehrt, traf den Fünfundsechszigjährigen ein Herzschlag, und der Mittag fand ihn entseelt. – Dem um das Vaterland verdienten Helden legen wir dankbar dieses Blatt auf das Grab.
F. Hfm.