„Straßburg eine deutsche Stadt“

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Titel: „Straßburg eine deutsche Stadt“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 607
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[607] „Straßburg eine deutsche Stadt.“ Unter diesem Titel schrieb der Dichter des „Camoens“ und des „Columbus“, unser geschätzter Mitarbeiter Herman Schmid schon vor Jahren ein Drama, welches damals überall gefiel, aber bald wieder von der Bühne verschwand; denn auch die frische Luft, der es sein Leben verdankte, war nur allzu rasch wieder verweht. Die Sorge, den Franzosen zu mißfallen und die eigenen Gemüther nicht in Wallung zu bringen, unterbrach es im ersten Anlauf. Das war im Jahre 1849. Wie anders ist der Lauf der Zeiten geworden und wie herrlich hat er sich zum Bessern gewendet! Weil es aber Pflicht der deutschen Theater ist, auch von ihren erhabenen Bühnen herab zum Volke zu sprechen, würdig der großen Gegenwart, in welcher wir leben, und weil es ihre Aufgabe ist, gerade jetzt mitzuschüren am Sturme der unbesiegbaren Begeisterung, der uns die Errungenschaften der blutigen opferreichen Kämpfe – einer ränkevollen Diplomatie zum Trotz – erhalten muß, so freut es uns berichten zu können, daß Schmid’s Drama von verschiedenen Theatern in Deutschland wieder hervorgesucht worden ist und zur Aufführung vorbereitet wird. Es sind dies das Münchner Hoftheater, das Darmstädter Hoftheater, das Thaliatheater in Hamburg und das Stadttheater in Nürnberg. Wohl werden auch die übrigen größeren Bühnen Deutschlands, diesem Beispiele folgend, gerne zu dem Drama greifen, welchem die Eigenschaft, wirklich „zeitgemäß“ zu sein, vor Allem zuerkannt werden muß und dessen Wirkung auf das deutsche Volk den patriotischen Absichten des begabten Verfassers gewiß entsprechen wird.

Von Interesse dürfte das Handbillet sein, welches kurz nach dem Erscheinen von „Straßburg eine deutsche Stadt“ König Ludwig der Erste von Baiern an den von ihm hochgeschätzten Autor schrieb, und welches – von der vaterländischen Gesinnung wie von der bekannten eigenthümlichen Stilweise des königlichen Briefschreibers ein genügendes Zeugniß ablegend – also lautet: – „Ein in Straßburg Gebohrener spricht tief ergriffen seine Anerkennung aus dem Verfasser des Trauerspiels ‚Straßburg‘. Soeben ich es zu lesen geendigt und Thränen drangen aus meinen Augen. Ernste Wahrheit in herrlicher Dichtung zeigen Sie uns. Ja, Straßburgs Verlust ist ein Trauerspiel, welches nicht verklungen. Dieses dramatische Werk ist des Verfassers des Camoens würdig. Man kann nur wünschen: fahren Sie fort. Der Ihnen wohlgewogene Ludwig. München, 19. November 1849.“