ADB:Unterberger, Ignaz

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Artikel „Unterberger, Ignaz“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 318–319, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Unterberger,_Ignaz&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 00:36 Uhr UTC)
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Unterberger: Ignaz U., Maler (geboren zu Cavalese 1748, † zu Wien am 4. December 1797), Sohn des Unterwaldmeisters Josef U. und Bruder des Christoph U. Nachdem er den ersten Unterricht in der Malerei bei seinem Oheim Franz U. genossen hatte, trat er in die Malerschule des Josef v. Alberti in Cavalese ein, in der er seine Studien fortsetzte. Hierauf begab er sich nach Rom, wo er unter der Anleitung seines Bruders Christoph große Fortschritte machte, im Verkehr mit Raphael Mengs, Battoni und anderen Meistern, im Studium der besten Werke der alten und neuen Zeit seinen Geschmack läuterte und seinen Kunstsinn veredelte. Vor allem fühlte er sich zu Correggio hingezogen, dessen Malweise er ganz in sich aufnahm. Dabei vervollkommnete er seine Bildung durch die fleißige Lectüre italienischer, französischer und deutscher Schriftsteller. Unterberger’s Arbeiten in Rom, zumeist Bilder mit historischen und allegorischen Stoffen, erregten bald die Aufmerksamkeit der Kunstkenner; es häuften sich die Bestellungen und seinen Bildern begegnete man in den Kunstsälen und den Gemächern der Vornehmen. Besonderes Geschick zeigte er in der Behandlung des Grotesken und kleiner Figuren und Bambocciaden nach Art der Niederländer. Seine Geschicklichkeit in der Nachahmung der Eigenart älterer Meister war so groß, daß seine Copien von Kennern für Originale gehalten wurden. Zwei solcher Nachbildungen, deren eine Raphael Morghen unter Correggio’s Namen gestochen, gaben zu einer merkwürdigen Täuschung Veranlassung. Eines der Bilder kaufte als Werk Correggio’s Fürst Esterhazy um 1200 Dukaten, ein zweites ein anderer Cavalier um 4000 fl., beide stellten eine Mutter mit mehreren [319] Kindern dar. Im J. 1776 begab sich U. nach Wien, wo er aus der eben eröffneten Kunstausstellung der Akademie durch einige historische Bilder und gemalte Arabesken und Cameen Aufsehen erregte. Begünstigt vom Fürsten Kaunitz nahm ihn die Akademie unter ihre Mitglieder auf. Von seinen Bildern kirchlichen Inhalts erwähnen wir: Altarblätter in der Minoritenkirche in Wien, in der Kirche zu Neudorf bei Baden, in der Domkirche zu Königgrätz und in der Piaristenkirche zu Kremsier und ein Bild in der fürstl. Liechtenstein’schen Galerie in der Rossau. Bilder allegorischen Inhalts sind im fürstl. Auersperg’schen Sommerpalais in Wien. Ein Gemälde von ihm besitzt auch die Galerie der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag. Als eines seiner besten Werke gilt: „Hebe, dem Adler Jupiters Nectar reichend“, welches Kaiser Franz II. um 10 000 fl. ankaufte und das ihm den Titel eines Hofkammermalers verschaffte. Auch schuf er Porträts in historischer Auffassung, wie jene des Grafen Ueberraker, Kohary, Pellegrini und Brentano, des Abtes Eder und des Hofrathes v. Kees im Mercantilhofe in Bozen. U. führte auch zahlreiche Blätter theils in punctirter, theils in Kreidemanier, die meisten in Schwarzkunst aus, letztere auf den nach seiner Erfindung grundirten Platten. Durch seine Anstrengungen zog er sich die Brustwassersucht zu, der er im 49. Jahre erlag. Er hinterließ 9 unversorgte Kinder.

Wurzbach, Biographisches Lexikon, Bd. 39, S. 85.