ADB:Aiguillon, Franz von

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Artikel „Aiguillon, Franz von“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 166, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Aiguillon,_Franz_von&oldid=2485868 (Version vom 18. November 2017, 04:42 Uhr UTC)
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Aiguillon: Franz von A. oder Aguillon oder Aquilonius, Mathematiker, geb. zu Brüssel 1566, † zu Antwerpen 20. März 1617. Sohn eines Privatsecretärs Philipps II.[WS 1] von Spanien, erhielt er bereits in seinem 10. Lebensjahre die Tonsur durch den Cardinal Granvella[WS 2] und trat 1586 in den Jesuitenorden ein. Er machte seine Studien in Douai, wo er alsdann selbst als Lehrer in der Theologie und Philosophie austrat. Später nahm er einen zeitweiligen Aufenthalt in Spanien, kehrte aber 1596 nach den Niederlanden zurück. In Antwerpen, dessen Jesuitencollegium gerade damals an Bedeutung zunahm und selbst der Universität Löwen eine gefürchtete und darum stark angefeindete Concurrenz machte, lehrte er anfangs Theologie. Jene Feindseligkeiten aber veranlaßten A. den Lehrstuhl der Theologie mit dem der Mathematik zu vertauschen. Er scheint sogar der erste Jesuit gewesen zu sein, welcher in Belgien mathematische Vorlesungen hielt. Er stiftete in Antwerpen eine mathematische Schule, aus der ausgezeichnete Mathematiker hervorgingen. Sein Hauptwerk „Opticorum libri VI Philosophis juxta ac Mathematicis utiles“ erschien 1613 als starker Folioband und erfreute sich bis auf Newton eines wohlverdienten Beifalls. Das 6. Buch insbesondere beschäftigt sich mit den verschiedenen Projectionsmethoden, unter welchen die stereographische Projection A. ihren Namen verdankt; die Methode selbst war freilich schon den Griechen bekannt. Eine Katoptrik und eine Dioptrik, an welchen A. arbeitete, blieben durch seinen plötzlich eingetretenen Tod unvollendet. Daß A. seine optischen Lehren auch praktisch zu verwenden wußte und namentlich mit Architektur sich eingehend beschäftigte, geht aus dem Berichte hervor, nach welchem der Plan der wundervollen am 18. Juli 1817 durch den Blitz zerstörten Jesuitenkirche zu Antwerpen, welcher allgemein Rubens zugeschrieben zu werden pflegte, von ihm herrührte.

Quetelet[WS 3], Histoire des sciences mathématiques et physiques chez les Belges 1864. p. 192–198. De Backer, Bibliothèque des écrivains de la compagnie de Jésus 1854. Vol. II. p. 7 ss.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Philipp II. (* 1527; † 1598), König von Spanien (1556–1598)
  2. Antoine Perrenot de Granvelle (* 1517; † 1586), spanischer Kardinal und Minister
  3. Lambert Adolphe Jacques Quételet (* 1796; † 1874), belgischer Astronom und Statistiker