ADB:Andreae, Hermann Victor

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Artikel „Andreae, Hermann Victor“ von Hermann Dechent in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 10–11, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Andreae,_Hermann_Victor&oldid=2492778 (Version vom 30. März 2017, 02:44 Uhr UTC)
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Andreae: Hermann Victor A., Dr. juris und medicinae und Lic. der Theologie, geboren am 9. Juni 1817 zu Frankfurt a. M. und daselbst gestorben am 8. September 1889, hat sich besonders durch theologische Schriften bekannt gemacht. Zu seinen Ahnen gehörten die beiden hervorragenden schwäbischen Theologen Jakob und Valentin Andreae, und wenn auch die Frankfurter Vorfahren (so auch sein Vater) sich meist dem kaufmännischen Berufe zugewandt hatten, so war doch das Andenken an die Vergangenheit nicht erloschen. Frühe regte sich in der Seele des Knaben der Wunsch, auch gleich den Ahnen sich der Theologie zu widmen, aber die späteren Gymnasialjahre führten ihn zu starken, religiösen Zweifeln, so daß sein Wunsch zurücktrat. Dazu kam, daß der Vater ihn veranlaßte, die Rechte zu studiren. Im Herbst 1837 bezog er die Universität Göttingen, Ostern 1838 ging er nach Berlin, Herbst 1838 nach Bonn. Hier wurde er während der Lectüre von Jesaja, C. 53 durch ein Jesuslied, mit dem der Advent vor seinem Fenster eingesungen wurde, zur Entscheidung nach schweren inneren Kämpfen geführt und war von nun an von den quälenden religiösen Zweifeln gänzlich befreit. Dennoch blieb er dem Wunsche des Vaters folgend, dem juristischen Studium, das ihn freilich wenig anzog, treu, und bestand das Doctorexamen im Frühjahr 1840. Nachdem er Sommer 1841 auch die staatliche Prüfung absolvirt hatte, ließ er sich als Advocat in seiner Vaterstadt nieder. Aber wie ein anderer Frankfurter Rechtsanwalt, ein Freund von Spener, Johann Jakob Schütz, so nahm er Anstoß an so manchen sittlichen Conflicten, in die der gewählte Beruf ihn zu verwickeln schien, und so entschloß er sich, obwol schon verheirathet und Vater mehrerer Kinder, ein anderes Studium zu wählen.

Zwar hatte er bereits angefangen, theologische Schriften herauszugeben – so hatte er „Die Kämpfe des christlichen Herkules“, welche sein Vorfahre Joh. Valentin Andreae geschrieben, aus dem Lateinischen übersetzt (Frankfurt 1845) und hatte u. A. auch dem damals sehr rührigen Irvingianismus eine Schrift gewidmet: „Lebensfragen der Kirche Christi“ (Frankfurt 1848) – dennoch wandte er sich aus praktischen Gründen nicht dem theologischen, sondern dem medicinischen Studium zu. Da er bei einem lästigen eigenen Leiden sich der homöopathischen Mittel bedient hatte, so faßte er den Beschluß, homöopathischer Arzt zu werden. Ostern 1850 begab er sich zu diesem Zwecke wieder nach Bonn und bestand schon im Herbst 1851 zu Heidelberg das medicinische Examen und erlangte den zweiten Doctorhut.

Im Jahre 1852 begann er nach zurückgelegtem städtischen Examen die ärztliche Praxis in Frankfurt. Als damals einziger homöopathischer Arzt wurde er besonders viel von den Familien des Bundestags gesucht. Oft verband er mit der Hülfe für den Leib zugleich auch die Theilnahme am Seelenleben der Patienten, besonders im Hause der Armuth.

Das theologische Interesse behielt er auch insofern bei, als er im Laufe der Zeit noch weitere Schriften herausgab, die dem Zweck dienten, die heilige Schrift den Gebildeten durch sorgfältige Uebersetzung und erbauliche Auslegung ohne Eingehen auf kritische Fragen näher zu bringen. Das erste Werk in dieser Richtung war: „Die Weltanschauung des Glaubens“ (Frankfurt 1866), ein praktischer Commentar zum Hebräerbriefe. Es folgte „Hiob“ (Barmen 1870), [11] ferner „Ursprung und erste Entwicklung der Kirche Christi in der Apostelgeschichte des Lukas“ (Frankfurt 1871). Schon 1869 war ihm die Anerkennung zu theil geworden, daß die Marburger theologische Facultät ihn zum Licenciaten ernannte. Leicht wäre es ihm gefallen, auch in der philosophischen Facultät eine Würde zu erlangen, da er noch in vorgerückten Jahren sich mit Erfolg dem Studium der chinesischen Sprache zugewandt hatte. Bereits 1864 war die mit Dr. L. Geiger[WS 1] gemeinsam herausgegebene „Bibliotheca sinologica“ (Frankfurt 1864) erschienen. Die letzten Jahre seines Lebens widmete A., nachdem er die medicinische Praxis allmählich aufgegeben hatte, vor allem dem Studium des Propheten Jesaja, der ihn schon in der Jugend mächtig angezogen hatte. Kaum war das Werk beendet, als der Tod ihn abrief, dem er mit froher Glaubenszuversicht entgegenging. Jenes hinterlassene Werk: „Das Buch Jesaja, aus dem Grundtext übersetzt und erklärt“, erschien mit einem empfehlenden Vorwort von Professor Zoeckler begleitet, 1892 zu Stuttgart. Es ist ein sorgfältiger Commentar, der sich für praktische Zwecke wohl benutzen läßt. Das kurze Lebensbild, das beigefügt ist, bildet die Grundlage dieser Skizze.

H. Dechent.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. in der „Bibliotheca sinologica“ wird ein John Geiger als Mitverfasser genannt.