ADB:Anger, Rudolf

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Artikel „Anger, Rudolf“ von Gotthard Lechler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 458–459, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Anger,_Rudolf&oldid=- (Version vom 23. Mai 2019, 23:52 Uhr UTC)
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Anger: Rudolf A., ordentl. Professor der Theologie, außerordentl. Prof. der Philosophie, geb. 2. Juni 1806 zu Dresden als Sohn des Rectors der Stadtschule, † 10. Oct. 1866. Er wurde, nachdem ihn der Vater vorbereitet hatte, von 1821–1824 in dem Gymnasium zum h. Kreuz zu Dresden gebildet. Von Ostern 1824 an studirte er an der Universität Leipzip Philosophie und Theologie, indem er vorzüglich die Professoren Niedner, Theile, Littmann und Tzschirner hörte. Im J. 1829 wurde er zum Doctor der Philosophie promovirt, und erlangte 1830 die theologische Licentiatur mit der Schrift: „De temporum in actis apostolorum ratione caput I.“, welche vollständig, und unter bedeutender Umarbeitung des ersten Kapitels, 1833 erschien.

Im J. 1846 wurde er außerordentlicher Professor der Philosophie und Theologie, nachdem er 1845 die theologische Doctorwürde mit der Dissertation: „De Onkelo, chaldaico, quem ferunt, pentateuchi paraphraste, et quid ei rationis intercedat cum Akila, graeco Veteris Testamenti interprete, Part. I. De Akila“[1]. Mit der Particula II. „De Onkelo quid memoriae sit proditum“ trat er am 26. Mai 1846 seine Professur an. Zur ordentlichen Professur der Theologie wurde A. befördert im J. 1856.

Er umfaßte mit den Vorlesungen, die er hielt, ein weites Gebiet, theils der biblischen Wissenschaft, theils der systematischen Theologie, indem er sowol [459] alttestamentliche Bücher, wie Jesaia, kleine Propheten, Hiob und Psalmen erklärte und die biblische Theologie des A. T. vortrug, als auch Hermeneutik und historisch-kritische Einleitung in das N. T. las, das Evangelium Matthäi, die Briefe an die Galater, Epheser, Philipper, an die Hebräer, den Brief Jacobi erklärte. Außerdem hielt er regelmäßige Vorlesungen über vergleichende Darstellung der kirchlichen Lehrbegriffe, je und je auch über die Glaubenslehre nebst Dogmengeschichte. Vorzüglich aber wirkte er auf die Studirenden durch exegetische Gesellschaften, welche er leitete, und zwar meist ihrer zwei in einem und demselben Semester, eine der Auslegung des Alten, und die andere der Auslegung des Neuen Testaments gewidmet, so wie durch ein Examinatorium über Dogmatik und Dogmengeschichte. Die Studirenden schätzten an ihm nicht nur die ausgebreitete und gründliche Gelehrsamkeit, die kritische Schärfe und die Klarheit seines Vortrags, sondern auch die liebreiche Hingebung, mit welcher er sich ihnen im Amt wie im Leben widmete. Als A. 1863 an den Augen zu leiden anfing, und 1866 im Bade Elster starb, ward er von Freunden und Schülern schmerzlich betrauert. Eine Anzahl früherer und späterer Schüler hat das Andenken des geliebten Lehrers durch eine „Angerstiftung“ für Studirende der Theologie geehrt.

Außer den bereits angeführten Schriften und einigen Abhandlungen und Programmen hat A. noch herausgegeben: „Ueber den Laodicenerbrief“, 1843. „Chronologie des Lehramts Christi“, Abth. I. 1848. „Synopsis evangeliorum Matthaei, Marci, Lucae“. 1852 (eine Frucht ungemeinen Fleißes und musterhafter Akribie). Mit Dindorf gab er den „Hermas“, 1856, und 4 Hefte „Nachträgl. Bemerkungen“ dazu, 1856–58 heraus.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 458. Z. 6 v. u. l.: De Akila“ erlangt hatte. [Bd. 2, S. 797]